Bienengift Allergie und Möglichkeiten

  • Hallo,



    ich imkere seit nun einem Jahr und habe mittlerweile zwei Völker. Ich bin zeitlebens immer wieder von Bienen und Wespen gestochen worden, die Folgen waren nie dramatisch. Meine letzten Stiche waren Ende Juli bei der Honigernte in den Finger, Anfang August von einer Wespe in den Arm und letzten Freitag nochmals in den Finger. Alle diese Fälle haben keine nennenswerten Folgen gehabt und waren nach wenigen Stunden, bzw wenigen Tagen Tagen vorbei.
    Gestern wollte ich meine Ameisensäurebehandlung durchführen und hatte zufällig eine Bekannte dabei. Beim öffnen des Stocks waren die Bienen sehr aggressiv, was sie sonst nicht sind. Innerhalb von Sekunden hatte ich etliche in den Haaren. Eine hat mich sofort oberhalb des Auges erwischt, eine später als ich sie aus den Haaren entfernen wollte in den Hinterkopf. Schon nach 30 Sekunden bemerkte ich eine leichte Verwirrtheit und Schwindel. Ich habe dann noch 5 Minuten versucht die Bienen los zu werden, die Ameisensäure rein zu stellen und das Volk zu schließen. Wir sind dann gleich wieder gefahren, meine Bekannte meinte ich schwitze sehr arg und ich merkte das ich nur noch sehr kurze knappe Antworten geben konnte.
    Nach 500 Meter über den Feldweg musste ich schließlich anhalten, da ich nichts mehr gesehen habe. Ich bin dann ausgestiegen und zusammengebrochen. Meine Bekannte hat meinen Puls und Atmung kontrolliert, das für nicht gut befunden und mich auf den Beifahrersitz gezerrt und die restlichen 500 Meter in mein Dorf gefahren und den Notarzt gerufen. Bis dahin war ich öfter bewusstlos, bekam fast nie Luft, hatte Krämpfe und Atemaussetzer. Nach etwas Adrenalin und Sauerstoff war ich dann mit dem Rettungswagen unterwegs ins nächste Krankenhaus wo ich die Nacht auf der Intensiv verbringen durfte. Heute geht es mir wieder super, aber scheinbar habe ich nun eine Bienenallergie.



    Nun meine Fragen: Wie kann es sein, das ich vor wenigen Tagen und Wochen noch Stiche ohne Probleme wegstecke, und nun bei zwei Bienen fast an einen anaphylaktischen Schock sterbe?
    Kann man mit einer Desensibilisierung das über die Jahre wieder vernünftig hinbekommen?
    Muss ich nun bei jedem Stich mit einem solchen Schock rechnen, oder kann es bei Stichen in die Hand auch wie vorher, ohne große Sympthome verlaufen? Kann ein Grund für den Schock der Stich in den Kopf gewesen sein?
    Wenn ich mir einen Gesichtsschleier besorge und ein Notfallset mit nehme, was sollte dieses Notfallset abgesehen von Adrenalin alles enthalten um mögliche Folgen so gut wie möglich zu verhindern?



    Habt ihr evtl ähnliche Erfahrungen und was habt ihr getan?



    Nette Grüße,
    Parallax

  • Du solltest dir sofort eine Schutzkombi zulegen. Also Vollschutz um an die Völker zu gehen. Ferner solltest du dir einen Hautarzt
    (Allergologen) suchen bei dem du eine Sensibilisierung machen kannst. Außerdem solltest du dir von deinen Hausarzt sofort ein Notfallsett verschreiben lassen. Dein Profil solltest du auch Aktualisieren denn ohne Ortsangabe kann man dir nicht wirklich helfen.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Parallax,



    Kann man mit einer Desensibilisierung das über die Jahre wieder vernünftig hinbekommen?


    Die Frau von einem Imkerkollegen hat das gemacht. Bei ihr hat es funktioniert. Sie imkert inzwischen selbst, sogar ohne Vollschutz. Aber lass dich von einem guten Arzt beraten, denn das Verfahren ist wohl riskant und nicht immer funktioniert es so gut wie in ihrem Fall.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Parallax,
    ich denke die Gesundheit ist das wichtigste und darum würde ich Dir raten bis zur entgültigen Klärung auf das imkern zu verzichten, auch wenn es schwer fällt...
    Ich denke Du teilst das Los mit Einigen und unsere arme Doro wird derzeit ja auch auf eine lange und harte Geduldsprobe gestellt. Sie könnte Dir vermutlich auch bessere Ratschläge und Erfahrungsberichte zu dem Thema liefern als ich. Aber ich bin mir sicher das kommt noch! :wink:


    LG
    Andreas

  • Hallo Parallax,


    da ich angesprochen wurde, ein paar Worte von mir.


    Zunächst hoffe ich, dass das nicht mehr notewendig sein muss, da du hoffentlich mittlerweile in guten Händen bist.


    Es ist kaum vorstellbar, dass jemand nach so einem Ereignis aus dem KH entlassen wird ohne umfassende Aufklärung,
    aber alles ist ja schon mal dagewesen.


    Erstmal, es ist sehr wahrscheinlich deinen Schilderungen nach, dass es sich um eine Allergie handelt. Sicher kann das aber nur durch einige Untersuchungen bestätigt werden. Diese führt ein damit erfahrener Arzt oder ein Allergologe durch.
    Dringend machen!


    Warum das so überraschen auftrat? Das ist so bei einer Allergie. Jeder Stich kann der auslösende sein, egal ob er der 2., 20., 200. etc ist.
    Und es wird nicht von alleine besser, eher das Gegenteil ist der Fall. Ab jetzt wird jeder Stich ein Hochrisiko sein. Falls es eine Allergie ist, immer vorausgesetzt.
    Und eine Allergie ist nicht dosisabhängig.


    Zur Therapie: Es gibt die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung. Die wirkt bei einem hohen %-Satz.
    Die dauert aber auch lange. In der Regel 3 Jahre, oft länger. Begonnen wird sie in einer Klinik, weitergeführt oft ambulant, z.B. bei einem Allergologen.


    Zum Notfall-Set: Das bekommst du von einem Arzt, der dich auch in den Gebrauch einweist, sobald die Möglichkeit einer Allergie im Raum steht.


    Imkern, auch mit Schleier, würde ich absolut nicht empfehlen. Höre auf obi, er hat dir geraten, es ganz sein zu lassen bis du auf der sicheren Seite bist.
    Das Leben ist kostbar!


    Ja das klingt dramatisch, aber du hast es ja am eigenen Leib erlebt, was passieren kann.


    Falls du nähere Infos möchtest, darfst du mich auch gerne per PN anschreiben oder hier nachfragen.


    Ich hoffe, dir geht es gut und du hast einen kompetenten Arzt.


    Gruß Doro

  • Tach Zusammen!


    Ich möchte mich auch kurz zu diesem Thema äußern.
    Seit August 2015 bin ich leider anscheinend auch auf Bienenstiche allergisch.
    Habe bei ca. 33Grad (und nach zwei Bier) abends kurz die Beute aufgemacht um zu sehen, wie mein Schwarm sich entwickelt.
    ...ja ich weiß....selber Schuld. Alkohol mögen die Damen nicht und schwüle Hitze auch nicht.
    (Alkohol kann ein Co-Faktor für allergische Reaktionen sein. Ebenso andere äußeres Einflüsse)


    Wie dem auch sei, innerhalb von Sekunden wurde ich von einer Biene durch den Schleier in den Nacken gestochen. Der Stich war äußerst schmerzhaft und nach kurzer Zeit bekam ich Schweißausbrüche und Kopfschmerzen. Danach einen engen Brustkorb.
    Kurz darauf ging es mit dem Notarzt ins Krankenhaus.
    Nach der Krankenhausprozedur bin ich in die Allergologie nach München. Der Allergietest schlug fehl.
    Somit sollte ich eine Stuhlprobe ins KH schicken. Darauf hin habe ich ewig nichts von den Ärzten gehört, bis ich per Mail noch einmal nachgefragt habe. Dann sollte ich umgehend ins KH kommen um mit der Hyposensibilisierung zu beginnen.


    Als Hobbyimker werden mir 200mg Bienengift verabreicht, in langsam steigenden Dosen. (Nichtimker bekommen 100mg)
    Erst in Abständen von zwei, anschließend von vier Wochen.
    Die erste Behandlung erfolgt stationär danach geht es ambulant weiter.
    Ich habe alle Spritzen bisher sehr gut vertragen, bis auf leichte Unkonzentriertheit.
    Die Meinungen der Ärzte bezüglich meines Hobbies gehen ziemlich auseinander.
    Der eine Arzt ist der Meinung, dass ich mein Hobby am besten unverzüglich aufgeben solle, der nächste sagt, dass ich solange die Hypo läuft, bestens geschützt sei. Der dritte Arzt ist sich nicht ganz sicher....
    Damit möchte ich sagen, dass es wahrscheinlich keine konkrete Antwort geben wird.
    Ich habe mich dazu entschieden bis auf weiteres weiter zu Imkern. Allerdings immer mit Notfallset und Vollschutz. Auch gehe ich momentan nicht alleine zu den Bienen.
    Im Juni bekomme ich im KH (wieder stationär) eine Stichprovokation unter Aufsicht. Ich bin gespannt wie ich reagiere und was die Ärzte anschließend raten.


    Habe das einfach mal zur allgemeinen Information geschrieben.
    Vielleicht nutzt es dem ein oder anderen ja.


    Grüße aus Oberbayern


    Jo

  • Hi,



    Seit August 2015 bin ich leider anscheinend auch auf Bienenstiche allergisch.


    Wie war es denn vorher? Seit wievielen Jahren hast du regelmäßig Stiche kassiert (also geimkert)? Und hattest du übliche Reaktionen (Schwellung, Rötung)?



    Zitat


    Als Hobbyimker werden mir 200mg Bienengift verabreicht, in langsam steigenden Dosen. (Nichtimker bekommen 100mg)


    200mg Bienengift... das wäre deutlich mehr als eine Biene jemals in ihrer Giftblase hätte. Das wäre sogar mehr als das Körpergewicht einer Biene... :eek:


    Grüße,
    Robert
    (der sich heute die ersten natürlichen Injektionen des Jahres abgeholt hat... das mit dem Hosenbeine verschließen lerne ich einfach nicht mehr...)

  • Ich habe 2014 mit drei Völkern angefangen. Ich schätze mal grob, dass ich ca. 30 Mal gestochen wurde.
    Bei einem "super" Tag sogar 6 Stiche auf einmal.
    Normale Reaktion: Rötung, jucken. (teilweise fast gar keine Reaktion)


    200mg kann auch Mikrogramm heißen.
    Aber auf meinen Bescheinigungen steht mg.
    Sorry...wieviel das jetzt genau ist weiß ich auch nicht.


    LG


    Jo

  • Das werden wohl eher 2,00mg sein. Nach meinem Arzt ist das regulär doppelt soviel, wie beim Stich einer Biene. Laut seiner Aussage ist das die standardmäßige Dosierung, da wird demnach nicht zwischen Imker und Nichtimker unterschieden. Ich bin jetzt ca. 1 1/4 Jahr in der Desensibilierung und es hat sich schon einiges verbessert. Auch dieser bestimmte körpereigene Stoff, der einen Hinweis auf die Heftigkeit der zu erwartenden Reaktion gibt, ist um ein Vielfaches des Anfangswerts gesunken. Andererseits wirken Bienenstiche immer noch, aber anders, weil das natürliche Gift nicht unter den medizinischen Bedingungen verabreicht wird und auch minimal anders beschaffen ist.


    Gruß Andreas