Naturbau mit Drohnenbauphase

  • Hallo,


    dieses Jahr habe ich, wie in den vergangenen Jahren auch, zum Trachtende mit den Bienen aus den Honigräumen Kunstschwärme gemacht und auf Baurahmen für Naturbau eingeschlagen.
    7 Stück sind auch gut gelungen; beim achten begannen die Bienen nach etwa 3 Tagen und ca 10 cm Bauhöhe mit Drohnenbau auf allen (!) Waben. Außerdem waren keine Stifte vorhanden. Ich habe zuerst an Weisellosigkeit gedacht und habe eine Brutwabe aus einem anderen Volk zur Weiselprobe gegeben, eigenartig war nur, dass die Bienen fleißig weiterbauten, aber eben DB.
    Nach einigen Tagen war die Brutwabe schön weitergepflegt, aber ohne WZ. Es wurde wieder schönster Arbeiterinnenbau errichtet.
    Dann sah ich die Kö., die zwischenzeitlich auch auf mehreren Waben gestiftet hatte.
    Leider haben jetzt alle Waben im oberen Drittel ( DN 1,5 ) einen etwa 7-8 cm breiten DB-Streifen.:mad:


    Meine Fragen an alle Leute mit Naturbauerfahrung ist:
    Was war da los? Habt Ihr schon Ähnliches erlebt? Liegt sowas an der Königin?
    Welche anderen Möglichkeiten gibt es?


    Natürlich weiß ich, dass ab einem gewissen Punkt auch DB ausgeführt wird. Und dass sehr starke Kunstschwärme (>3 kg) schon sehr früh zu DB neigen. Aber mit diesem Vorgang kann ich einfach nichts anfangen.


    Etwas ratlos


    Quirin

  • Hallo Quirin,


    waren diese Bereiche mit großen Zellen vielleicht eher Speicherzellen? Guck Dir doch mal die Zellneigung genauer an. Diese großen Speicherzellen sind stärker geneigt (schräg ausgezogen) und werden eigentlich nicht bestiftet.


    Und wenn Dich die Waben stören, dann kannst Du sie doch einfach durch eine Erweiterung mit MW aus dem Brutnest "herauswachsen" lassen.


    Gruß Jörg

  • Moin, moin,


    nicht zwingend tun die das. Ich habe auch so ein Volk, Naturschwarm, 11 Waben 1,5 DN schnell ausgebaut, und sehr viel Drohnenbau auf allen Waben und dazwischen disjunkt verteilt, das Brutnest...


    Für mein Gefühl deutlich zu unkompakt, sobald die Kiste nicht mehr voll ist.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


  • nicht zwingend tun die das. Ich habe auch so ein Volk, Naturschwarm, 11 Waben 1,5 DN schnell ausgebaut, und sehr viel Drohnenbau auf allen Waben und dazwischen disjunkt verteilt, das Brutnest...


    Das kann ich so bestätigen: ein eigenes Volk in d.J. geschwärmt - eingefangen und Naturbau in DNM 1,5 bauen lassen. Die mit Drohnenwabe bau stark durchsetzten Rahmen habe ich zwischenzeitlich durch MW ersetzt; das Brutnest war mir zu wenig kompakt.


    Es ist nicht alles Gold was glänzt....


    Beste Grüße


    Rainer

  • Das hat nichts mit goldenem Glanz zu tun, sondern mit der Tageslichtlänge.
    Wann werden Drohnenzellen gebaut? Bei zunehmender Tageslichtlänge.
    Wann werden große Speicherzellen gebaut? Bei abnehmender Tageslichtlänge.
    Wann gibt es in freier Wildbahn Drohnenzellen? Bei zunehmender Tageslichtlänge.


    Ihr beschäftigt euch mit Theorien und Gründen, die nichts damit zu tun haben, wie die Bienen funktionieren.
    Lernt doch bitte mal gründlich Bienenkunde - vor allem die Physiologie.
    Es erwartet kein Mensch von einem Huhn ohne Lichtprogramm jeden Tag ein Ei im Winter.
    Warum tut ihr das dann bei den Bienen?


    Bienenhaltung geht nun mal nicht nach Formel X, sondern ist extrem naturgesteuert, durch die Parameter Temperatur, Tracht, Tageslichtlänge, Wasserbedarf, usw.


    Schwärme im Spätsommer sind NICHT die Norm, zumal dann meist auch schon kaum noch Drohnen da sind. Und Königinnen sind auch nur noch selten Schwarm- Modus
    Warum denkt ihr also, daß man schadlos jetzt noch KS machen sollte?
    Klar kann man wie die Heideimker da noch was reißen mit allen Tricks - aber ich halte mich lieber an den natürlichen Ablauf.
    Das ist a) arbeitsärmer, und b) viel weniger Streß, vor allem bei der Überwinterung und der Durchlenzung.
    Für alle.
    Was nützen mir große Mengen von Sommerbienen für KS, wenn die Gegend kaum vollwertigen Pollen bietet, mit denen man fette Winterbienen brüten kann?
    Es gibt einfach keine pauschale Vorgehensweise, die zuverlässig funktioniert über Jahre.


    Denkt doch bloß mal an die Wetterkapriolen der letzten Jahre.
    Ich wohne jetzt 10 Jahre hier, sitze in einer Stadt mit Unmengen an Robinien, und hab dieses Jahr zum allerersten Mal auch Robinienhonig ernten können - wenn auch "versaut" durch eine nicht identifizierbare Blatthonig-Sorte im Mai.
    4x ist Robinie total ausgefallen, weil total verregnet, oder sogar abgefroren.
    2mal ist sie schlicht wegen Wassermangels verdörrt-
    3x war der Mai erst saukalt, und dann tropisch warm - da war das mit der Bestäubung innerhalb von drei Tagen komplett erledigt, weil kaum was anderes da war.
    Und dieses Jahr paßte endlich mal alles, und auch lange genug für die Bienen.:daumen:
    Es ist immer irgendwas, aber die Bienen überleben trotzdem.
    Von daher ist meine persönliche Devise: Beobachten, jeden Tag, und bloß nicht zuviel machen, sondern erst mal gucken, was überhaupt los ist.
    Nicht den Bienen noch extra Streß machen mit dauernd reingucken, sondern sich an der Jahreszeit orientieren, was wirklich nötig ist.


    Wer einen Gemüsegarten hat, weiß, wovon ich rede....:daumen:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Quirin,
    dass deine Völker nach 8 Waben vermehrt große Zellen bauen ist auch meine Beobachtung seit langer Zeit. Egal ob du mit Schwärmen oder Ablegern arbeitest, spätestens wenn die erste Zarge (bei mir Zander) gebaut ist gönnen die sich den Luxus der Drohnenzellen. Ist ja auch nicht unlogisch. Kleine Völkchen müssen erst mal die Pflicht erfüllen um überleben zu können (Arbeiterinnen). Ab einer gewissen Stärke kann auch in Drohnen investiert werden. Ich gebe halt danach Mittelwände und toleriere von Wabe 5-9 einen erhöten Drohnenbauanteil. Entspricht mehr der natürlichen Verteilung in einem Bienenvolk und noch ok für die Imkerei. So haben Jungvölker bei mir 50% Naturbau im Brutraum.
    Mit 100% bin ich nicht so gut zurecht gekommen, aber einige hier praktizieren auch das mit Erfolg.
    Finde deinen eigenen Weg.
    Gruß
    Wolfgang

    Selber denken ist durch nichts zu ersetzen.

  • Moin Sabine,


    nein, das hat bei mir nichts mit der Tageslänge zu tun. Das war ein Vorschwarm im Juni, liegend im Grase angetroffen, eingelaufen in die Kiste, und dann durften die bauen. Andere Völker haben das beanstandungsfrei sogar im Mai hinbkommen, aber nicht alle Bienen bauen einen beimkerbaren Naturbau in Rähmchen. Und nicht jeder Naturbau ist das Optimum für ein gut kompaktes Brutnest. Weiter wollte ich damit nichts sagen.


    Und: Ja, natürlich kann man aus Honigraumbienen bei der Sommerernte gut KS machen. Wo das aus Gründen des Pollenmangels nicht geht, gilt das auch für die Imkerei schlechthin: Das geht dann dort nicht.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Kollegen,


    vielen Dank für die Antworten. Ich schließe daraus, dass ich eine Laune der Natur beobachten durfte und nichts grob Fehlerhaftes von mir oder der Königin die Ursache war.


    @ Jörg: Ich habe letzte Woche mir die Zellen daraufhin angeschaut; es sind tatsächlich überwiegend Speicherzellen, einige sind aber auch aktuell bebrütet! Andere KS haben dieses Jahr die 8. oder 9. Wabe fast komplett mit Drohnenzellen ausgebaut, ähnlich wie Wespenkönig beschreibt.


    ELK : Das stimmt nicht. Mit diesjährigen Königinnen bauen KS normalerweise am Anfang reinen Arbeiterinnenbau. Erst ab einem gewissen Punkt kommt DB dazu.


    Sabine : Wir sind uns sicher darüber einig, dass "funktionieren" bei Bienen nicht das richtige Wort ist. Eher verhalten sie sich entsprechend ihrem Instinkt in Reaktion auf äußere und volkseigene Einflüsse. Der Bienenforscher Bretschko spricht von "Schlüsselreizen".
    Für mich als Imker ist dann schon die Frage, wenn ich eine bestimmte Maßnahme mache, ob die Bienen wie erwartet reagieren, also dass es eben funktioniert.
    Zu den Kunstschwärmen im Spätsommer: Ich habe hier seinerzeit eine Empfehlung aus Arbeitsanweisungen von Tomas Kober umgesetzt und mit gutem Erfolg seit einigen Jahren auf diese Weise Jungvölker auf neuem Naturbau gebildet, der später durch wenige MW ergänzt wird.
    Drohnenbaubereiche halten sich normalerweise in Grenzen und stören mich kaum; bei mir dürfen auch viele Drohnen fliegen.
    Die Pollenversorgung im Bereich meiner Stände ist ordentlich, natürlich wird der Bau auf Basis von Flüssigfütterung ausgeführt.
    Der begrenzende Faktor ist eigentlich die verfügbare Zeit. - Die KS müssen bei mir zwischen Abschleudern und den ersten Augusttagen gebildet werden.


    Noch einmal Danke und viele Grüße


    Quirin


    P.S. Eigentlich wollte ich ein paar Bilder zur Ergänzung anhängen, das System lässt das aber nicht zu.- Vielleicht klappts nächstesmal.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Quirin () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Mh, kurzer Bericht über einen vorweggenommenen Schwarm mit älterer Kö. Diese wollte ich unbedingt behalten. Eingeschlagen versuchsweise auf 4 Anfangsstreifen Dadant US mit Schied, eine Futterwabe dazu.
    Eine Woche später (Volltracht), Bauklötze gestaunt.
    Alle Waben tadellos bis unten hin ausgebaut, Futterwabe war komplett entleert und auf allen Waben ein geschlossenes Brutnest, wow...ganz fix 2 weitere Anfangsstreifen zugegeben, diese wiederum nach nach 5 Tagen ausgebaut. Und hier:bereits im unteren Wabenbereich etwas Drohnenbrut.
    Vor 2 Wochen habe ich die letzten 2 Anfangsstreifen zugegeben, da bestand die zuletzt ausgebaute Wabe vollständig aus Drohnenbrut. Mh, was wollte Madame mir damit sagen? Doch nochmal schwärmen?
    Am Wochenende hat die Kontrolle ergeben, dass wohl kurz vor der Schlechtwetterlage etwa 10 Spielnäpfchen an den Wabenrändern entstanden sind. Keines davon bestiftet, ich glaube wirklich, dass denen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.
    Ach ja, fast vergessen. Um sie zu beschäftigen, hatte ich zwischenzeitlich einen angetragenen Honigraum von einem anderen Volk über ASG draufgesetzt. Der ist verdeckelt...und die guten Drohnen von ihr fliegen auch juchhu!!!
    Übrigens ist das mein Apfelsinenvölkchen, das unter schlimmsten Bedingungen im Winter 2014/15 überwintert hat und sich als äusserst varroatolerant erwiesen hat. Bis auf Oxalsäure im vergangenen Winter seit 2014 keinerlei Behandlung:lol:

  • da bestand die zuletzt ausgebaute Wabe vollständig aus Drohnenbrut. Mh, was wollte Madame mir damit sagen? Doch nochmal schwärmen?
    etwa 10 Spielnäpfchen an den Wabenrändern entstanden sind.


    Madame wollte gar nichts sagen! Die Bienen finden nur, dass nun die Zeit ist, Madame auszutauschen, da sie ja doch schon älter ist und vielleicht nicht mehr ganz so fit. Da hilft auch ein Kö.-Ableger nichts, die wollen sie austauschen. Am Ende gibt das eine stille Umweiselung im September, wenn es ganz kritisch ist.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo holmi,


    ja, logisch ist das wohl. Als Imker kann man es manchmal gar nicht glauben, warum ein Volk still umweiseln möchte. Ich lasse mich allzugern blenden von dem, was ich in einer Momentaufnahme sehe, und das war hier die rasende Geschwindigkeit, mit der ein riesiges, lückenloses Brutnest im Naturwabenbau entstand. Aber die Bienen wissen eben mehr als der, der hinter der Beute steht.
    Die Königin hatte bereits in den letzten 2 Jahren ein tolles Potential gezeigt. Jedenfalls lasse ich sie machen, wie sie wollen. Wenn sie sich nun doch noch zur Umweiselung entschliessen, sollen sie. Ich glaube nicht, dass sich das bis September hinziehen wird, bei der nächsten Gutwetterperiode sollte es dann auch soweit sein.
    Um die Drohnendichte mache ich mir überhaupt keine Sorgen, seit Jahren schneide ich keine Drohnenbrut mehr und habe mehrere Völker, die sehr lange Männer tolerieren und sogar bis in den Herbst erbrüten. Gut, dann ist halt die Quantität nicht mehr gewährleistet, aber um über den Winter zu kommen, sollte es allemal reichen.
    Wir werden sehen, was noch aus dem Volk wird. Grosse Nachschau ist für nächsten bzw übernächsten Sonntag eingeplant.
    Lieben Gruss
    eine hoffnungsvolle Landpomeranze

  • Hallo holmi.
    Ich nochmal bzgl des obigen Volkes. Die Alte stiftet wie ne Neue.
    Umgeweiselt wurde bisher gar nix, die Spielnäpfchen sind verschwunden. Das Volk pflegt ein geschlossenes Brutnest über 8 Dadantwaben, die 2 Zentralwaben von Holz zu Holz, die anderen Waben zu ungefähr 2/3, zu den Rändern hin abnehmend, aber geschlossen. Das Volk ist sehr ruhig und sammelt fleissig. Madame stolziert gelassen mit Hofstaat über die Waben.
    Wie gesagt, es ist definitiv die Olle.
    Auf dem letzten bebrüteten Rahmen ist im unteren Bereich noch immer offene und gedeckelte Drohnenbrut, oben füllen sich die Zellen nun mit Nektar.
    Dieses Volk hat genauso lange Drohnen wie Muttern, sogar mit in den Winter genommen, wo ich sie dann im Totenfall fand. Den Winter ganz überleben tun die Jungs dann doch nicht.
    Ich hoffe jetzt nur, dass Du nicht doch recht haben wirst mit Deiner Septemberprognose...
    Noch immer glücklich über diese Kö
    Landpomeranze