Verdünntes Winterfutter: Kristallisationsgefahr

  • Ich habe hier einmal einen Beitrag herausgezogen:


    Ich möchte hier noch einen anderen Aspekt zur Diskussion bringen:
    Mein Eindruck ist, dass die Bienen bei verdünntem und unverdünntem Sirup völlig unterschiedlich reagieren: Ich denke, dass die Bienen den unverdünnten Sirup aufnehmen und im Wesentlichen unverändert in die Zellen tragen, also mit einem Wassergehalt von ca. 25% einlagern. Bei verdünntem Sirup dagegen fahren sie das volle Programm hoch: Trachtalarm, Ersteinlagerung, Umtragen und dabei Trocknen, schließlich Endlagerung und Verdecklung.
    Der Unterschied im Verhalten der Völker ist von außen sichtbar: Bei verdünntem Sirup innerhalb von wenigen Minuten starker Trachtflug, intensive Suche nach der tollen Plörre an allen Völkern, gesteigerte Aggressivität. Bei Gabe des unverdünnten Sirups dagegen bleiben die Völker ruhig.
    Es könnte gut sein, dass sie im Rahmen der Aufarbeitung den verdünnten Sirup zu einer Art Honig verarbeiten mit einem Wassergehalt von <18%. Wenn das so wäre, wäre die Neigung zu verstärkter Kristallisation zwanglos erklärt.
    Diese Vermutung ließe sich belegen: Man füttere verdünnten Sirup und untersuche das fertige Produkt mit dem Refraktometer. Dasselbe tue man mit dem unverdünnten Sirup. Vielleicht macht das mal jemand?
    Die Folgerung wäre: Mit verdünntem Sirup reizen ist prima, aber mit verdünntem Sirup einfüttern ist nicht ratsam. Zum Reizen also nur wenig verdünnten Sirup geben und die große Einfütterung mit unverdünntem Sirup vornehmen. Besonders wichtig ware das bei einem Sirup mit hohem Glucosegehalt.


    Gruß Ralph

  • Zitat

    Die Basis für Zuckersirup ist der Rübenzucker (Saccharose), der aus den beiden Zuckereinheiten Glukose und Fruktose besteht. Bei der Einlagerung wird dieser durch die Amylase also zu 50 % in Glukose und zu 50 % in Fruktose aufgespalten, so dass am Ende eine bessere Löslichkeit in Wasser gegeben ist. Das gilt auch für den Haushaltszucker - genau das Gleiche.


    Stop an dieser Stelle - das läuft anders.
    Amylase braucht man nur bei Waldhonig/Melezitose.
     
    Rübenzucker spaltet man mit Invertase - siehe Imkermarkt, wo regelmäßig Kleinmengen verkauft werden (nicht von mir).
    Invertase verhindert sehr sicher eine spätere Kristallisation, solange die Bedienungsanleitung eingehalten wird.
    27°C für die Zeit der Fermentierung, und ein tiefer pH-Wert, und alles wird kristallfrei bleiben (wenn die Bienen nicht noch Melezitose anschleppen.)
    Ich mach das jetzt schon im dritten oder vierten Jahr so, weil es für mich die sicherste Methode ist - garantiert HMF-frei, und eben nicht säure-invertiert wie Anno Tuck.


    Als ich damals meine Tabelle aufstellte, welcher Hersteller welchen pH-Wert in welchem Futter als Endwert hatten, waren da über Tage tägliche Unterschiede.
    Das ging von 5,nochwas bis 6,4, und nach dem Foreninteresse lagen dann alle nach zwei Wochen tief im sauren Bereich - wo es eigentlich auch hingehörte.
    Honig ist von Natur aus gut sauer - merkt man aber kaum beim Essen.
    Für die Bienen ist das sehr wichtig - saures Futter verhindert Darmkrankheiten.
    Nur kommt es auch drauf an, wie das Futter sauer wird - nur mit Säure wird das nix, da gehören die Enzyme dazu, die dann im passenden Milieu invertieren.
    Sehr komplexes Thema.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hier die Zusammensetzung der Trockenanteile eines von mir verwendeten Winterfutters (Royal Sirop C*TrueSweet 01846):
    Fructose 15,5%
    Glucose 22,5%
    Maltose 44,0%
    Maltotriose 12,0%
    Polysaccharide 6,0%
    Das Winterfutter wurde aus Weizen hergestellt.
    Maltose besteht aus 2 Glucosemolekülen. Falls Maltose durch die Bienen weiter invertiert wird, entsteht Glucose, also zusätzlich 44% Glucose statt Maltose.
    Maltotriose besteht aus 3 Glucosemolekülen, kann also noch einmal 12% Glucose liefern.
    Wenn dieses Futter verdünnt gegeben wird, dann könnte der Anteil der Glucose durch weitere Invertierung durch die Bienen deutlich nach oben gehen, möglicherweise mit der Konsequenz einer erhöhten Neigung zum Auskristallisieren. Bei vollständiger Invertierung von Maltose und Maltotriose würde ein Futter mit einem Glucoseanteil von 78,5% entstehen!
    Wie gut Maltose löslich ist, ob besser oder schlechter als Glucose, weiß ich leider nicht. Vielleicht weiß das jemand von euch. Falls Maltose besser löslich ist, sollte eine weitere Invertierung unbedingt vermieden werden.
    Vor dem diskutierten Hintergrund sollte man Winterfutter möglichst nur dann verdünnt geben, wenn es auf Zuckerbasis hergestellt wurde, da dann der Fructoseanteil 50% beträgt. Mit verdünntem Winterfutter auf Weizen- oder Maisbasis ist dagegen wahrscheinlich äußerste Zurückhaltung geboten.
    Mit dem oben angegebenen Winterfutter (Royal Sirop) habe ich die Erfahrung gemacht, dass es teilweise kristallisiert, wobei die Bienen es aber meistenteils noch aufnehmen können. In den Kanistern kristallisiert es nicht.
    Hat jemand die Zusammensetzung der gängigen Winterfutter zur Verfügung?


    Gruß Ralph


  • Bitte !!!! Woraus besteht die normale Nahrung der Bienen aus Nektar genau?


    Zitat

    Nektar m [von *nektar- ], zuckerhaltige, flüssige Ausscheidung von Pflanzen (Ausscheidungsgewebe), Grundlage des von der Honigbiene produzierten Honigs. a) floraler (nuptialer) Nektar: innerhalb der Blüte (Blütennektar) an verschiedensten Stellen (Nektardrüsen, Nektarien) abgegebener Nektar, der als Nahrung für die Bestäuber (Bestäubung) dient (Blütennahrung). Im Nektar gelöst sind vor allem Saccharose, Glucose und Fructose. Diese Zucker sind für die Bestäuber schnell in Energie umsetzbar und erlauben ihnen eine hohe (Flug-)Aktivität


    Was haben denn dann längerkettige Zucker/Stärken im Bienenfutter zu suchen?????
    Die Bienen sollen doch grad eben NICHT mehr noch selbst fermentieren müssen.
    Fermentation braucht Eiweiß, und genau das sollen die Herbstbienen nicht damit vergeuden, um das Futter zu invertieren, sondern schöne fette vollversorgte Winterbienen machen.
    Das ist mein Grund, warum ich mein Futter selbst invertiere per Invertase, um sicher zu sein, daß eben keine theoretischen Maltosen oder Maltotriose da reinkommt.


    Ich probiere ja mit Begeisterung alles aus, aber für das, was da vorgerechnet wurde, fehlt mir jede Logik.
    Höherkettige Zucker (außer Meli) stehen normal NICHT auf dem Speiseplan der Bienen.
    Und wir hatten hier im Forum in den vergangenen Jahren auch unheimlich gute Futterangebote von einer Firma, die dann häufig die Gesellschaften änderten und sich nix von kristallisiertem Futter und den daraus folgenden Schäden annahmen.
    Geiz beim Bienenfutter ist GAR NICHT geil.
    Wann begreift ihr das endlich??????

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Die Zusammensetzung der Trockensubstanz von Apiinvert findet man hier.
    Fructose 39%
    Glucose 30%
    Saccharose 31%
    Höhere Zucker sind überhaupt nicht enthalten. Apiinvert ist aus Rübenzucker hergestellt.
    Wenn man mit verdünntem Futter reizen möchte, dann sollte Apiinvert in gleicher Weise geeignet sein wie eine Zuckerlösung.
    Der Wassergehalt von Apiinvert ist mit 25-30% angegeben. Um eine Lösung herzustellen, die einer Zuckerlösung aus 1kg Zucker und 1l Wasser entspricht, muss man bei angenommenen 25% Wassergehalt 1,3kg Apiinvert mit 0,7l Wasser verdünnen.


    Gruß Ralph

  • Hier die Zusammensetzung der Trockensubstanz von Apifood, gefunden hier:
    Fructose 15%
    Glucose 22%
    Maltose 42%
    Maltotriose 21%
    Der Wassergehalt liegt bei 25%. Apifood ist aus Weizen hergestellt und ist dem oben angegebenen Royal Sirop fast gleich.


    Gruß Ralph

  • ... hallo Ralph,
    bin gerade im Urlaub und muss auf ddem"Mäusekino" tippen. Deine Daten zu ApiInvert zeigen es deutlich, wenn man den Saccharoseanteil 1 : 1 in Fru und Glu aufspaltet. Das machen die Bienen ohnehin ind das stellt m. E. keine zus. Belastung dar. Bei Mehrfachzuckern wie Maltose etc. fällt das schon ins Gewicht.
    Die Idee zum Start des Einfütterns mit verdünntem ApiInvert und kontinuierlichem Fortsetzen mit unverd. Futter finde ich sehr interessant.


    Grüße aus Frankreich


    Rainer

  • Hallo Sabi (e)ne,


    sorry - hatte mich ungeschickt ausgedrückt: die enzymatische Spaltung von Stärke-basiertem Futter erfolgt über Amylasen. Es gibt deren mehrere mit unterschiedlicher Spezifität. Der Haushaltszucker bzw. Sirup aus Rübenzucker wird selbstverständlich durch die Invertase in Fructose und Glucose gespalten. Das machen die Bienen ohnehin. Mein Hinweis galt dem Unterschied zwischen Stärke-basiertem Futtersirup und dem aus Rübenzucker, der in seiner Zusammensetzung dem Nektar näher kommt.


    Beste Grüße


    Rainer