...und Nichttrachten

  • Brachfläche in der Nachbarschaft, Mutterboden schon abgeräumt, aber wieder gut bewachsen: Goldrute und Co, ca. ein halber Hektar, 50m vom Hausstand. Alles in voller Blüte, Tausende Hummeln und Bienen. Super Sache. Steht da jetzt so'n Depp drin mit Motorsense und macht ALLES flach. Weil sich die Anwohner gestört fühlen."Ja, hätten ihm jetzt schon einige gesagt, wär doch schade um die Blumen, aber was soll er machen, Auftrag wär Auftrag". Sense wieder an und weiter geht's.


    Sowas zieht mich sowas von runter. Es ist alles so furchtbar sinnlos manchmal. Ein Schritt vor, zwei zurück.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Naja, das musst Du schon verstehen. Wenn man seine ganze Energie darauf konzentriert im seinem Strebergarten den Rasen und auch speziell die Rasenkanten zu friseren, dann hat man auch die verdammte Pflicht auf solchen Wildwuchs in der Nachbarschaft hinzuweisen.

  • Früher haben Wiesen noch geduftet, man konnte den Sommer noch riechen und hat sich dabei richtig lebendig gefühlt.


    Wir hatten auch immer lauter Gänseblümchen-Inseln im Garten stehen lassen, wenn mal der Rasen gemäht wurde. Löwenzahn gab es auch (auch wenn sich die Nachbarin davon belästigt gefühlt hatte, weil ja die Löwenzahnsporen am Zaun nicht Halt gemacht haben und ihren englischen Rasen "verseucht" haben).

  • rase,
    diese Situation kennt jeder von uns. Das völlig unsinnige, weil unhinterfragte Hinmeucheln solcher Pflanzeninseln in unserer immer einseitiger werdenden Umwelt.
    Was habe ich mir schon die Krätze an den Hals geärgert, und sogar des nachts vor lauter Wut einmal ein wütendes Pamphlet in Schildform hingepflanzt. Das nützt nur alles wenig.
    Geh den anderen Weg, verschwende Deine Energie nicht in Form von Wut über die (sowieso) Unbelehrbaren, sondern motiviere die, die neugierig und auch unwissend, aber guten Willens sind. Und davon gibt es auch mehr, als man so denkt.
    Wenn ich überlege, wievielen Menschen ich immer wieder viel Zeit schenke, um ihnen kleine Zaunpfahlwinks zu geben. was man mit richtiger Balkonpflege erreichen kann, wie schön es doch ist, am nicht gemähten Rasenrand am Maschendrahtzaun bunte Falter und Hummeln zu sehen.
    Oder das Gespräch mit einem völlig verdatterten Rentner, der sich über brachliegendes, in seinen Augen ungepflegtes Gelände der Stadt erregte. Dessen Blick mal auf die vielfältige Flora und Fauna gelenkt, gucken Sie doch mal hier- diese Käfer habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen, oder da, kennen Sie eigentlich die dornige Hauhechel?- und schon kann man das Blatt ein kleines bisschen wenden.
    Lange Rede, kurzer Sinn, ergreife lieber die Chancen zur Verbesserung, als Dich in solch unfruchtbaren Scharmützeln zu verzetteln.
    Ich verstehe Deinen Unmut, ganz bestimmt.
    Landpomeranze

  • Das kennt jeder von uns. Und bei den Schwachmaten, die mittlerweile zu faul oder nicht mehr fähig sind, hinter einem Rasenmäher herzulaufen, erfreut sich der Aufsitzrasenmäher enormer Beliebtheit. Da dürfen sogar schon die Kleinstkinder mitfahren. Man ist schon ein Assi, wenn man sowas nicht hat.


    Vor meinem Haus gibt es so eine Verkehrsinsel. Darin wurden Rosen gepflanzt, das war alles schön, so schön, daß regelmäßig Leute sich Rosen abschnitten (weil sie dachten, es sieht keiner). Die ersten Jahre gut gepflegt. Im Laufe der Zeit verwahrloste das Rosenbeet, so wie das für öffentliche Anlagen heute üblich ist. Da mischten sich die Rosen dann eben mit vielen Kräutern, auch gut, jahrelang. Und ich hab das von meinem Grundstück aus immer schön mit bewässert ;-)


    Eines Morgens ein mächtiges Getöse vorm Haus, ein großer Bagger baggerte die Rosen samt Erde aus den Beeten. Ich raus, um die Arbeiter zu fragen, was das werden soll. Antwort: "Wir baggern das hier jetzt alles raus, hier auf dieser schlechten Erde wächst doch nichts. Dann bringen wir GUUUUTE Erde hier rein und säen Rasen." Ich habe dann guerillamäßig massenhaft Wildsamen eingesät, aber das wird nichts, die schrubben nun immer mit dem Rasenmäher drüber.


    Ich nenne das Vernichtung durch Arbeit und solche Leute überflüssige Menschen. Wenn es die nicht gäbe und niemand ihre Arbeit machen würde, keinem würde was fehlen.


  • ... öffentliche Anlagen


    säen Rasen


    Dahinter stecken wohl einfachere Überlegungen. Rasen ist für die Kommune pflegeleicht. Rosen und andere Gewächse müssen gepflegt werden, sonst könnte irgendwann jemand mit einer Liste der verschwendeten Gelder und unnützer Ausgaben ankommen, wenn die "teuer" angelegten Beete verwildern sollten...


    Aus solchen Hintergedanken heraus hat man bei uns verhindert, dass ein Imker in den örtlichen Bauausschuß aufgenommen worden ist. Ich weis, um wen es ging, der Mann war sogar beim Landkreis "Baumwart" oder "Baumschutzbeauftragter". Die Begründung war so flach wie fadenscheinig: "Um Bäume zu beurteilen, brauchen wir keinen Imker" - ja nee, is klar. Als wenn ein Bauausschuß nur Bäume beurteilen würde...
    Mittlerweile haben sich etliche hiesige Imker darüber beschwert, dass eben diese Kommune haufenweise Linden, Weiden und andere Trachtbäume zwar gefällt, aber nicht korrekt ersetzt hatte, um eben die späteren Pflegearbeiten einsparen zu können. Das war dann die offensichtliche Retourkutsche... :u_idea_bulb02:


    Gruß Andreas

  • Dahinter stecken wohl einfachere Überlegungen. Rasen ist für die Kommune pflegeleicht. Rosen und andere Gewächse müssen gepflegt werden, sonst könnte irgendwann jemand mit einer Liste der verschwendeten Gelder und unnützer Ausgaben ankommen, wenn die "teuer" angelegten Beete verwildern sollten...


    Gruß Andreas


    Die ersten Kommunen scheinen glücklicherweise zu begreifen, dass das ein Trugschluß ist.
    Eine Wildblumenwiese ist pflegeleichter als Rasen, die braucht man nur einmal im Jahr zu mähen.


    Oft scheitert es, wie auch im hier geschilderten Fall, an den "Sehgewohnheiten" der Anwohner.
    Die greifen dann notfalls selber mal zum Rasenmäher "bevor das ganze Unkraut da zum blühen kommt".


    Hoffentlich begreifen bald immer mehr Menschen, dass wir bunt statt grün brauchen.
    Honigverkauf ist da für mein Gefühl ein tolles Transportmittel für solche Denkansätze.
    Ob diese dann wirklich fruchten, bleibt zu hoffen.


    liebe Grüße
    Astrid

  • Doch, das fruchtet. Die Handlungsweisen werden zwar (zumindest zunächst) nicht geändert, aber die Pflanzenkiller haben dann wenigstens ein schlechtes Gewissen. Jedenfalls einige. Kleinvieh macht auch Mist.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)


  • ...
    Hoffentlich begreifen bald immer mehr Menschen, dass wir bunt statt grün brauchen.
    ...


    Das hoffe ich auch, denn aus grün wird braun. (Für meine ehem. Rosenanlage bedeutet das aber ausnahmsweise nichts schlechtes, die vielen Spatzen, welche wir hier das ganze Jahr füttern, fühlen sich in dem Riesenstaubbad sichtlich wohl...)


    Umwelt- und Naturschutz ist ein erzkonservatives Anliegen und darf daher nicht den grünen überlassen werden!


    Weil es gerade zum Thema Grün paßt, noch ein Praxisbeispiel: Die Grünen treiben gerade eine neue Sau durchs Dorf, Anbau von Pappeln als verteuerbare Energie. Bei uns gibt es einen Landwirt, der das macht. Vertraglich mit Vattenfall, damit Vattenfall seine Klimaziele erreicht. So weit so gut. Aber der war mal Biolandwirt und seine Flächen gaben viel Kornblume, Wicke usw. her.


    Nun stehen da Pappelreihen (sieht aus wie eine riesige Baumschule), dazwischen Kornblume, Hederich, Distel, Phacelia uva. Da die Trachtsituation, noch dazu bei der extremen Trockenheit, sehr prekär ist, habe ich meinen Wanderwagen dorthin gebracht, in Absprache mit dem Landwirt. Der Wagen stand 10 Tage da, da sehe ich, wie der Landwirt sämtliches "Un"kraut zwischen den Pappeln beseitigt, mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit. Dabei sind die Pappeln über 1,50 m hoch und dürften von dem Unkraut nicht beeinflußt werden.
    Als ich das erste Mal von solchen Kurzumtriebsplantagen hörte, dachte ich noch, das ist vielleicht keine schlechte Sache, das könnten Refugien für Tiere und Pflanzen sein. Nun gibt es hier schon mehrere und man kann sehen, diese Annahme war weit gefehlt, sie fügen sich nahtlos in die grüne Rasenmäherkultur ein.