Sirup vs. Trockenzucker

  • Hallo,


    Christoph vertrat ja die These, besser selbst Trockenzucker aufzulösen anstelle fertigen Rübenzucker-Sirup zu füttern, da Neonics aus der Saatgutbeize wasserlöslich seien und evtl. Rückstände im fertigen Sirup auftreten könnten. ich hab deswegen eben länger mit meiner Sirupfirma telefoniert:


    1.) Invertzuckersirup auf Rübenbasis wird nicht aus dem Prozess heraus produziert, sondern aus normalem Trockenzucker, der entsprechend aufgelöst und verarbeitet wird. Es tut sich somit nix, ob selber aufgelöst oder fertig gekauft (außer der Arbeit und der Matscherei).


    2.) Rückstände von den Beizen (und jetzt wird es wackelig) 'gäbe es nicht, da lägen ja sechs Monate zwischen der Aussaat und der Ernte, das baut sich in dieser Zeit ab'. Imidacloprid- und Clothanadinwerte lägen jedenfalls unter der Nachweisgrenze.


    Ich bin mit dem Sirup seit Jahren zufrieden, aber die Aussagen von Toyota hat mich doch etwas umgetrieben. So richtig beruhigt bin ich immernoch nicht, aber jedenfalls ist Trockenzucker kaufen und das Futter selber anmischen auch keine Lösung.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Dazu: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=15789


    Oder direkt:
    http://www.imkerdemo.de/Dokumente/Suedzucker.pdf
    http://www.imkerdemo.de/Dokumente/Suedzucker_Anlage.pdf
    http://www.imkerdemo.de/Dokumente/Nordzucker.pdf


    Da sich Zulassungsbehörden, Pestizidhersteller und andere gern mal hinter Rückstandsgrenzen oder Nachweisgrenzen verstecken, hatte ich damals in Telefonaten auch nach der Labortechnik gefragt. Mir wurde versichert, daß die eingesetzte Labortechnik wesentlich besser sei, als die, die damals vom BVL/JKI eingesetzten Geräte. Ich habe da wegen der Genauigkeit auch nachgehakt. Da geht es also bis runter in den Nanobereich.


    Die verwendeten Zucker sollten daher ausreichend sicher sein.


    Davon kann man sich beruhigen lassen oder nicht. Biozucker oder Biosirupe verwenden, ist eine Alternative. Oder eben auf Honig überwintern.


    Alles hat seine Tücken, Vor- und Nachteile.

  • Davon kann man sich beruhigen lassen oder nicht. Biozucker oder Biosirupe verwenden, ist eine Alternative. Oder eben auf Honig überwintern.


    :daumen:


    Mal ehrlich Leute. Da fahren wir nach Berlin und schimpfen (auch) hier über Pestizide, aber das Futter soll bitte schön billig sein und dann wird eben konventionell gekauft. Wenn wir nicht mal da konsequent sind, verlieren wir doch unsere Glaubwürdigkeit!

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • ... Da fahren wir nach Berlin und schimpfen (auch) hier über Pestizide, aber das Futter soll bitte schön billig sein und dann wird eben konventionell gekauft.

    Deiner Logik zur Folge, könnte man sich die Demonstriererei tatsächlich sparen und einfach die Alternative wählen, die es ja gibt.

    Wenn wir nicht mal da konsequent sind, verlieren wir doch unsere Glaubwürdigkeit!

    Warum dann also gegen konventionelle Landwirtschaft wettern und ihre Auswühxe bekämpfen? Konsequenterweise sollte uns das alles egal sein können - wir kaufen ja Biosirupe - und der Rest geht uns nix an. Oder mischen wir uns ein ohne überhaupt vor zu haben, Produkte konventioneller Landwirtschaft zu erwerben? Auch komisch oder?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Das Futter soll für mich eben nicht in erster Linie Billig sein, sonst würde ich einen der obskuren Weizen- oder Mais-Sirups 'aus EU- und Nicht-EU Ländern' nehmen, die deutlich billiger sind als Sirup auf Rübenzuckerbasis. Ich will gutes Winterfutter, und am besten eins aus der Region. Rüben sind von hier, Zucker aus Zuckerrüben ist gut und bewährt und muß nicht extra aus Übersee herangekarrt werden. Ich kauf das Futter auch nicht von obskuren Dealern, wo Nachts die Tankzüge aus dem Osten ankommen, sondern direkt bei einer netten Firma mit freundlichen Leuten hier in der Nähe. Das ist mir wichtiger, als ein Papier wo 'Bio' draufsteht. Bzl. der Rückstandsproblematik hat Christoph recht, da ist jeder selbst in der Verantwortung, deswegen wollte ich das für mich klären.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • ... bei einer netten Firma mit freundlichen Leuten ...

    Seit nunmehr Jahren beziehen wir - und damit meine viele im Verein - unser Futter von Amelunxen. Das sind freundliche Leute und zuverlässig und mit Auskristallisieren
    und Flocken gabs auch noch keine Probleme. Kellmann wäre vielleicht regionaler. Da war das allerdings eben ganz anders ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Es gäbe keine Rückstände (laut empirischer Untersuchung), also falls es welche gäbe (Konjunktiv), dann lägen sie unter der Nachweisgrenze. Das weiß man aber nicht, weil ja eben nicht nachweisbar (Logik). Besser verständlich?


    Heißt natürlich nicht, das es nicht trotzdem irgendwie schädlich wäre. Oder aber besonders gesund, weil so wirkt doch Homöopathie, oder? Gleiches mit gleichem bekämpfen, in unglaublich verdünntem Maße. Aber da wird es wieder religiös und ich bin raus.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • ...direkt bei einer netten Firma mit freundlichen Leuten hier in der Nähe.


    Beste Grüße,
    Ralf


    ... und da liegt das Problem !
    Diese netten Leute stellen ja das Futter nicht selbst her sondern beziehen es wieder von einem
    grösseren Händler. (nicht unbedingt Grosshändler) Dieser kann, muss aber nicht nett sein, wer weiss das schon ?!
    Ich will damit sagen, absolut sicher das Richtige zu tun, kann man bei diesen Käufen leider auch nicht sein.
    Und das ist meine Problem, beileibe nicht nur in der Futterfrage.


    mfg
    hartmut17

  • Meine Quelle ist der Hersteller. Aus genau diesem Grund! Eine Rübenkrautfabrik. Ich durfte mir beim Abholen die Produktion anschauen. Wenn ich eine Frage hab, sprech ich mit dem Laborleiter. Irgendwann kommt dann natürlich der Punkt, ab dem man vertrauen muß, weil es mit den eigenen Mitteln nicht mehr nachprüfbar ist, aber wenn auf dem Weg dahin immer transparent mit meinen Fragen umgegangen wird ('oh das weiß ich nicht, dann fragen wir besser XY' anstatt sofort griffige Phrasen aus dem PR-Baukasten zu bekommen), dann finde ich das einen guten Weg. Besser jedenfalls als irgendein Zertifikat, was als Kopie einer Kopie an der Wand hängt, neben einem obskuren IBC an dem sich ein Haufen alter Männer in Sirupfützen stehend um den billigsten Sirup zum selberabfüllen drängeln. Selbst wenn aus dem Zettel in Großbuchstaben BIO steht! (Ich hab da ein Schlüsselerlebnis). Papier ist geduldig.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Lux,

    Hihi, die sind lustig. Wenn ein Wert unter etwas liegt, hat man ja einen Wert, und kann nicht nicht nachgewiesen werden.


    Die Nachweisgrenze bezieht sich immer auf das Verfahren, mit dem man den Stoff versucht 'nachzuweisen'. Du kannst solch eine Nachweisgrenze ermitteln, indem du im Labor Proben mit bekannten Konzentrationen herstellst. (Stoff den du nachweisen möchtest genau einwiegen und in z.B. mehrfach destilliertem Wasser auflösen.) Irgendwann wirst du mit deinem Nachweisverfahren den Stoff nicht mehr messen können, aber weil du die Probe selbst hergestellt hast, weist du - wie hoch die Konzentration des Stoffes ist, bei dem dein Verfahren so gerade eben nichts mehr anzeigt. Diese Konzentration nennt man Nachweisgrenze.


    Wenn du anschließend eine reale Probe misst und die Anzeige 0 hast, weist du aufgrund deiner Vorversuche, dass die Konzentration des gesuchten Stoffes niedriger liegt, als dein Verfahren anzeigen kann. Sprechweise: die Konzentration der Probe liegt unterhalb deiner Nachweisgrenze. (Könnte tatsächlich 0 sein, kann aber auch so gerade unterhalb des nachweisbaren Wertes liegen.)


    Nimm schlechte Messverfahren und deine Konzentrationen liegen immer unterhalb der Nachweisgrenze. Leider sind nicht immer ausreichend gute Messverfahren verfügbar. Leider sind nicht alle Werte unterhalb der Nachweisgrenze auch wirklich unproblematisch.


    Nehmen wir ein Beispiel: Man könnte die Konzentration einer Kochsalzlösung dadurch messen, dass man die elektrische Leitfähigkeit misst. Ein ganz einfaches Messgerät wäre eine Glübirne und ein Stromquelle (Batterie). Den einen Pol der Glübirne verbindest du direkt mit der Stromquelle, den anderen Draht trennst du auf und hängst die beiden Enden ohne direkten Kontakt in ein Gefäß mit destilliertem Wasser.
    Die Leitfähigkeit des Wassers ist so niedrig, dass die Glühbirne erstmal nicht leuchten wird. Jetzt gibst du Körnchenweise Kochsalz ins Wasser. Die Glühbirne wird immer noch nicht leuchten. Irgendwann aber, steigt die Kochsalzkonzentration so hoch an, dass die Leitfähigkeit der Lösung ausreicht, dass die Glühbirne anfängt zu glimmen. Das ist deine Nachweisgrenze. Aber wenn du mitgezählt hast, weisst du ganz genau, dass und wieviel Salz im Becher war. Wenn man jetzt weiter Salz in den Becher gibt, steigt die Leitfähigkeit an und die Lampe brennt heller. Wenn man die Helligkeit der Lampe genau messen kann, könnte man sogar die Salzkonzentration in der Lösung anhand der Helligkeit bestimmen. Aber nur wenn die Lampe auch brennt.


    Wenn man jetzt eine Flasche Mineralwasser nimmt und will mit der Glühbirne sagen, wieviel Kochsalz darin ist - und die Glübirne brennt nicht - ist die gängige Sprechweise - Salz liegt unterhalb der Nachweisgrenze. Egal wie salzig die Suppe schmeckt.


    Gruß
    Ludger