Ableger an Blühmischungen: Naturfutter oder reicht das nicht?

  • Hallo und guten Tag!
    Ich habe derzeit keine Möglichkeit, meinen Imkerpaten zu fragen, deshalb schreibe ich hier.
    Seit drei Wochen stehen an einer extra für mich angesäten Blühmischung (Ölrettich, Buchweizen, Phacelia und Sonnenblume als Hauptkomponenten) zwei Ableger. Zum Zeitpunkt der Umsiedlung der Völker blühten Ölrettich und Phacelia auslaufend, Buchweizen beginnend. Die Völker haben einen optimalen Stand und eine Teich in 30 m Entfernenung. Die Fläche ist etwa 0,8 ha groß, eine weitere in etwa 100 m Entfernung auch etwa die gleiche Größe in gleichem Zustand.
    Gestern habe ich die Völker kontrolliert, es sind schöne Brutflächen auf je 3 -4 Waben (recht kugelförmiges Nest) mit Brut in allen Stadien, emsiger Flugbetrieb, Polleneintrag - alles perfekt. Beim Ziehen der an das Brutnest anliegenden Rähmchen ist mir aufgefallen, dass wenig Honig, sondern vor allem Pollen in schönster Form eingelagert wurde. Die Völker selbst waren gestern mittag nicht sehr stark in der Zarge (dieser typische Eindruck beim Öffnen läßt ja schon eine erste Einschätzung zu), es flog aber ja sehr viel. Jetzt beginnen die Sonnenblumen zu blühen.
    Nun meine Frage: Fehlt den Bienen Nektar? Sollte ich füttern? Das hatte ich eigentlich etwas verzögern wollen, da Honig und Pollen als Naturfutter sicherlich positiv zu bewerten sind, außerdem provoziere ich keine Räuberei. Ist dann ein langsameres Wachsen des Volkes gesünder?
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir mitteilt, was Ihr machen würdet.


    Viele Grüße und schon mal Danke!


    Andrea

  • Nun meine Frage: Fehlt den Bienen Nektar? Sollte ich füttern?


    Ja und Ja. Ein paar Blümchen bringen nicht genug Nektar (auch nicht ein Hektar davon), um den Eigenverbrauch der Bienenvölker zu decken und einen Wintervorrat anzulegen.


    Der Wert dieser Blühflächen liegt im Pollen, der in seiner Diversifikation wichtig ist für die Bienengesundheit. Daher ist die Fläche an sich gut. Das reicht aber nicht aus, um fette Winterbienen heranzuziehen und eine volle Vorratskammer für den Winter anzulegen.


    An sich ist das langsame Wachsen den Bienen förderlich, nur überleben sie den Winter nicht. Sie müssen jetzt ausreichend Waben bauen und darin Wintervorräte anlegen.


    Daher jetzt mit dem langsamen Zufüttern von Weizensirup beginnen. 2 kg am Wochenende. 4 kg am Wochenende darauf. 4 kg am dritten Wochenende. Dann ein Wochenende aussetzen. Anfang September die Völker wiegen und den fehlenden Rest zum Wintergewicht auf einmal zufüttern. So gepäppelt, gibt es schöne fette Wintervölker. Vor allen mit Pollen von außen, vom Blühstreifen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Hallo Andrea, du solltest jetzt um diese Zeit 10kgFutter in der Kiste haben. Leergewicht Kiste (Holtermann hat in der Bestellübersicht die Gewichte drin)+ 2 kg Bienen + 1 kg Pollen + 2kg Wachs +2kg Brut. Deine Kiste sollte einseitig gewogen dann noch 5 kg schwerer sein.
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • hallo Andrea,
    meine Empfehlung wäre in jedem Fall in kleinen Portionen füttern. Sollten sie es nicht brauchen, dann nehmen sie es auch nicht ab.
    Fluglöcher eine Bienenbreite und in der Dämmerung gefüttert helfen auch schon einmal gegen Räuberei.
    Denke daran das das Volk Einwinterungsstärke und Gewicht erreichen muss und derzeit schon in normalen Völkern die ersten Winterbienen erbrütet werden.
    Vor 3 Wochen erstellt schlüpfen gerade die ersten "volkseigenen" Bienen und das die Individuenzahl ersteinmal schrumpft ist normal


    LG
    Andreas

  • Hallo und Danke!
    Ich freue mich über die schnellen und freundlichen Antworten! Am Donnerstag werde ich dorthin mit Futter und Zargen fahren. Die Damen bekommen dann klassisch Zuckerwasser 3:2 im Eimer mit Schwimmhilfe in eine zweite Zarge. Die Fluglöcher sind schon von Anfang an per Fluglochkeil auf 2 cm reduziert und dann wird hoffentlich nichts passieren.
    das mit den volkseigenen Bienen könnte ich übrigens gut erkennen... Ich habe jetzt irgendwie bunte Bienen mit rötlichgelben Ringeln? Die Königinnen sind aus ordentlicher Zucht, aber bei mir standbegattet.
    Vielen Dank nochmals!


    Gruß
    Andrea

  • ...mit Futter und Zargen...


    Mit Futterzargen, wolltest Du bestimmt schreiben. Gleich richtig machen und Futterzargen kaufen. Eimer in den Keller stellen und vergessen. Was ist denn daran so schwer, ordentliche Futterzargen zu kaufen. Grrrr...

  • Hallo Ralph!
    Ich stamme aus Mecklenburg, kenne volkseigene Bienen also... :-)


    Hallo Bernhardt!
    Ich habe keine Futterzargen und hatte auch noch nicht das Gefühl, sie zu benötigen. Ich verwende 4 l-Lebensmitteleimer, die man sehr gut reinigen kann (und notfalls auch entsorgen). Die haben einen festschließenden Deckel, somit Transport zum Stand möglich und auch nichts offenes am Stand rumsteht beim Füttern. Die Schwimmhilfen aus Stroh werden regelmäßig erneuert. Die Eimer passen in die Zarge.
    Außerdem habe ich chronischen Platzmangel im Schuppen. Wir leben auf Torf und haben keinen Keller. Und Schuppenlandschaften wie im Osten möchte ich nicht anlegen :-)
    Allerdings ist ein Bienenzubehör-Schuppen im kommenden Jahr geplant (ganz neu und sauber und ohne Ungezieferzugänge und so...)


    Viele Grüße
    Andrea

  • Die Eimer passen in die Zarge.


    Hallo Andrea,
    Und wo sind die Rähmchen die normalerweise in den Zargen sind ?
    Ich schließe mich Bernhard an, solange es Futterzargen fertig zu kaufen gibt, werde ich bestimmt nicht mit einem Eimer mit Schwimmhilfe arbeiten.
    Wie fütterst du eigentlich nach, wenn der ganze Eimer voll Bienen ist ? Wir reden von 15 kg Futter, die bestimmt nicht in dein Eimerchen gehen.
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • Hallo Marcus!
    Solange ich mit meinen paar Bienen am Haus werkel, werden die Eimer reichen. Ich habe bisher eher nicht nachgefüttert, sondern erst, wenn der Eimer leer oder fast leer ist. Sonst sehe ich doch nicht, ob die noch was brauchen. Wer nicht aufißt, bekommt nix neues - fertig. Außerdem füttere ich fast nur spät abends, da war in Eimern mit Restfutter nie großer Betrieb und ich habe den Luxus von Zeit beim Füttern. Also lasse ich das Futter einfach langsam einlaufen.
    25 Völker sind nicht mein Ziel...
    Ach ja, und Leerzargen besitze ich, weil ich mehr Zargen habe, als zu einer Beute gehören. :)


    Gruß und schönen Abend!
    Andrea

  • meine Empfehlung wäre in jedem Fall in kleinen Portionen füttern. Sollten sie es nicht brauchen, dann nehmen sie es auch nicht ab.


    Die nehmen alles ab. Nur fehlt dann der Platz zum Brüten und damit sind/wären sie erledigt. Bernhards Rat und Zeitplan war schon richtig. Völker totfüttern ist viel einfacher, als man gemeinhin glaubt.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Ralf,
    ich habs schon anders erlebt und die Immen haben mir und dem Futter den Mittelfinger gezeigt, da augenscheinlich in der Gegend was "Besseres" zu finden war ;). Nichtmal durch Futterzargen ließen die sich beeindrucken.
    Da der Ableger noch wachsen soll würde ich persönlich derzeit allerdings eher noch 1:1 füttern, denn 3:2 führt schnell zu den von Dir genannten Problem.


    LG
    Andreas

  • hatte auch noch nicht das Gefühl, sie zu benötigen.


    Wer nichts besseres kennt, der wünscht sich dasselbe auch nicht.


    (und notfalls auch entsorgen)


    Der Notfall ist längst eingetreten. Und dort in der Entsorgung werden die Dinger auch enden. Bei manchen früher, bei anderen später.


    ...Schwimmhilfen aus Stroh...


    Das sind keine "Schwimmhilfen", denn es hilft nicht beim Schwimmen. Die Bienen wollen und sollen nicht im Futter schwimmen. So ein schwimmendes Material ist lediglich ein weiteres Improvisorium, um die Unzulänglichkeiten eines anderen Improvisoriums zu übertünchen. Flickwerk am Flickwerk.


    Platzmangel im Schuppen


    Futterzargen für zwei Ableger verbrauchen Platz?! Ist das wirklich dein Ernst? Die Dinger sind kaum 10 cm hoch und je nach Art der Beute passen die sogar in den Küchenschrank. Notfalls kannst Du die auch unter dem Deckel der Beuten das ganze Jahr liegen lassen. Versuche das mal mit Eimern. :wink:


    Die Dinger kosten einen Appel und ein Ei - dafür gibt es gleich das richtige Werkzeug für den richtigen Anwendungsfall.


    Man erspart sich Stroh-Mikroben im Bienenfutter, man erspart sich ertrunkene Bienen. Man erspart sich das Rausschneiden von Wildbau aus dem Eimer und vom Eimer selbst. Man erspart sich das Stören der Bienen, weil die Eimer nachgefüllt werden müssen. Man erspart sich das Hin- und Herschleppen von leeren Zargen (oh, dieser Platzbedarf...) - in die man lieber gleich neue Völker anstatt irgendwelche Eimer fraglicher Herkunft setzt. Schlußendlich machen Futterzargen einfach mehr Spaß - und den darf man sich ab und zu gönnen.


    :daumen:

  • Hallo Andreas!
    Ich werde das Futter etwas dünner anmischen.
    Hallo Bernhard!
    Ich werde mich nach den von Dir gepriesenen Futterzargen umsehen (Provision bekommst du scheinbar nicht, da Du mir sonst sicher gesagt hättest, wo ich sie gut bekommen :wink: )...


    Viele Grüße
    Andrea