Honig von kirschessigfliege als Winterfütterung???

  • Im Verein Bedburg tauchte die Frage auf, ob der eingetragene Fruchtsaft der Brombeeren über den Winter als Futter drinbleiben kann. Oder sollte der besser raus (und dann NICHT in den Verkehr gebracht werden, schon klar)? Gibt dazu schon was nachzulesen?

  • ich würde den nur dann raus nehmen, wenn auch Bekämpfungsmaßnahmen statt gefunden haben.


    Ansonsten ist es ja so, dass das zuletzt eingelagerte Futter auch das erste ist das verbraucht wird. Also wenn nun der Brombeersirup ganz Außen im Bienensitz ist, dann haben die Bienen bestimmt schon den ersten Reinigungsflug, wenn es konsumiert wird. Der Darm der Bienen also dann zwar etwas stärker belastet wird, aber eben zu keinem Problem führen sollte.


    So sind jedenfalls die Erfahrungen hier in der Ortenau

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • (...) (und dann NICHT in den Verkehr gebracht werden, schon klar)?


    Völlig klar:


    Honig ist der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen.


    Warum sollte der nicht in den Verkehr gebracht werden können? Sekrete lebender Pflanzenteile -> erfüllt. Und dann die Menge, der Honig besteht doch nicht ausschließlich aus Brombeersaft, oder? Die werden ja jetzt erst reif. Freut Euch doch über die zusätzliche Tracht, solange das nicht aus konventionellem Anbau kommt und PSM belastet ist. Aber von Brombeeren am Wegensrand...?


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Naja, ob es "nur" Brombeeren waren, weiß man nun nicht so genau. Blutroter Saft um diese Jahreszeit in den Waben läßt dies vermuten. Und die Auflage, das nicht als Honig in den Verkehr zu bringen, soll doch angeblich vom DIB hochselbst stammen. Etwa nicht?
    Ich fragte mich nur, ob die Bienen den Saft hinreichend aufbereiten, so dass er nicht etwa anfängt, in den Waben zu gären oder anderweitig Zu gammeln. Ist ja nicht so viel Zucker drin von Haus aus. Die Hausfrau läßt den Brombeersaft ja auch nicht einfach so vor sich hinstehen, offen und ohne Kochen. Wird der Saft von den Bienen eigentlich verdeckelt?

  • Nektar hat von Haus aus auch nicht den erforderlichen Wassergehalt, aber deswegen dicken die Bienen den ja auch ein. Oder Zuckerwasser 1:1. Warum sollte das bei Kirsch-, Brombeer- oder Holundersaft anders sein?


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Danke Jörg, DAS war meine Vermutung. In diesem Artikel wird z.B. die Behauptung aufgestellt,


    "...dass reife Früchte von Bienen nur in Ausnahmefällen als Nahrungsquelle benutzt werden, erklärte der Bienenexperte. Der Grund sei, dass der Saft der meisten Früchte, selbst wenn sie reif sind, weniger als 10 % Zucker enthält. Bienen sind von Haus aus Nektarsammlerinnen und es macht ihnen zuviel Arbeit, pure Fruchtsäfte zu Honig aufzukonzentrieren. Nur Süßkirschen und Weinbeeren liegen mit jeweils über 10 % Zuckergehalt in einem kritischen Bereich..."


    Und Honigtau soll beim Sammeln bereitszwischen 60-90% liegen, Nektar im allgemeinen bei 5-80%, für Bienen interessant / ergiebig seien Pflanzen mit Nektar-Konzentrationen > 50%, entnehme ich diesem paper.


    Ich mach mal ein Foto dessen, was jetzt gerade in die Waben eingelagert wird. Das sieht mir doch recht dünnflüssig aus, die Konzentration kann ich mit meinen Bordmitteln aber nicht bestimmen. Hat denn jemand schon mal verdeckelten Kirsch- / Trauben- / Holunder- / Brombeersaft gesehen? Das würde mich beruhigen.

  • Gruselig dieser Artikel ...


    Er wies darauf hin, dass in der kleinstrukturierten heimischen Obstbaulandschaft die feldhygienische Vorbeugung gegen die Kirschessigfliege nicht einfach sei. Gerade die Vielfalt der heimischen Erzeugung biete dem Schadinsekt jede Menge Rückzugs- und Vermehrungsrefugien. Verschärft werde die Lage noch durch die zahlreichen künstlich angelegten naturnahen Landschaftselemente, zum Beispiel im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte. „Ich denke, in diesem Bereich müssen wir umdenken”, forderte Müller.


    Und weil ja die blühenden Unterkulturen Bienen anziehen und die Spritzung stören, kommt das auch noch weg bis alles schön sauber, aufgeräumt, poliert ist. Das einizige geduldete Leben - die jeweilige Kultur.


    Mich frierts, wenn ich sowas lese.


    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • ...Mich frierts, wenn ich sowas lese......Marion


    Beruhige dich ich war an jenem 20.2. auch auf diesem Symposium und hatte viel gelernt


    und letzte Woche gab es 2 Gesprächstermine wegen KEF hier im Badischen


    Es muss jedem Imker klar sein, dass mit der KEF eine andere neue Zeitepoche nicht nur für uns gekommen ist. Kirschen und Rotweintrauben werden künftig unsere Problemfelder sein. Himbeeren im Moment zwar auch noch, aber dort wird es der Verbraucher beenden, denke ich jedenfalls. Oder man findet tatsächlich einen anderen Weg als Spritzen.


    Bei den Kirschen sind es zum Einen die extafloralen Nektarien und die Saftenden Kirschen und bei den Trauben ebenfalls die Saftenden Früchte und der Unterwuchs natürlich immer.


    Bis heute war immer nur Spintor im Einsatz. Und das ist B1 mit all seinen Auflagen. Neu ist jetzt bei den Reben, dass auch MOSPILAN eingesetzt werden darf. Das ist B4! und da wird es meiner Meinung nach schon ganz schön happig.


    Denn B4 was heißt das?


    und was heißt das, wenn es nach der Sommersonnenwende oder spät im Herbst eingesetzt wird?


    Schon im März haben wir unsere Bedenken wegen dem MOSPILAN gegenüber den BVL vorgebracht. Aber scheinbar will man uns dort nicht verstehen beim BVL. Ich hab zwar noch nicht im Detail die Auflagen für MOSPILAN wenn es gegen die KEF eingesetzt wird, so wie sich das aber bis heute dargestellt hat, gibt es da keine, weil ja B4.


    Bei den Gesprächen vergangene Woche ist es aber Gott sei Dank angekommen. Die Vertreter der Praktiker und Anwender haben unsere Sorgen verstanden. Auch Franz-Josef Müller. Sie wollen jetzt diese Infos weiterleiten an alle ihre Mitglieder, dass auch für MOSPILAN die selben Empfehlungen raus gehen wie für SPINTOR (für Combiprotec gelten auch die gleichen Auflagen)


    Das ist schon was und man sollte das auch entsprechend würdigen. Noch besser ist es aber, wenn man mit den Bienen so lange weg bleibt bis der ganze KEF Spuck rum ist. Wer es kann sollte dies auch tun.


    Eines war in den Gespächen schon klar geworden, ein zweites 2008 will da keiner!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!