Sortenhonig - nur Phantome???

  • Hallo,


    wir haben die Tage die Pollenanalyse unseres Honigs bekommen, 88% Brassica napus-Typ (Raps-Typ). Und unten drunter steht als Sortenbezeichnung: Blütenhonig oder Frühtrachthonig. Interessant ist noch, "da kein Anteil überwiegt .... (Rapspollen liegen im Hoing überrepräsentatif vor)...." war ich doch leicht irritiert.


    So, der neugierige Imker geht dan auf Suche nach Infos:


    HonigVO: §3 (3) 1
    Honigrichtlinie EU: 2001/110/EG
    Working Paper der Kommisssion zu 2001/110/EG


    Nun findet man eine nette Zusammenfassung vom LAVES:


    überwiegend: >= 60% Nektar-/Honigtauanteil
    nach Working Paper 2001/110/EG: "überwiegend" ist auszulegen als "nahezu ausschließlich" --> tada


    So, nun muss aber zudem noch das Gesamtwerk der Bienen, bestehend aus Pollenspektrum, elek. Leitfähigkeit, Zuckerspektrum, Konsistenz, Farbe, Geruch und Geschmack zusammenpassen.


    Nun kann man fast bezweifeln, dass es Sortenhonige gibt, bzw. wieviele Honige, die als XY-Honig im DIB oder nicht-DIB Glas verkauft werden würden bei einer Analyse durchfallen????

  • Hallo,
    wenn ich mich recht entsinne, stand im letzten oder vorletzten Bienen-Journal, dass 50% der Sortenbezeichnungen auf DIB-Gläsern falsch sind.
    Und das bezog sich "nur" auf die Anforderungen des LAVES. (Die genaue Prozentangabe müsste ich noch mal nachblättern.)


    Ich befürchte auch, dass mit Sortenbezeichnungen oft zu großzügig umgegangen wird. Der Kunde meint eher zu wissen, was er bekommt, und mit Sortenbezeichnung kann man daher auch höhere Preise erzielen. Schade nur, wenn dann nicht im Glas ist, was draufsteht.


    Ich war mir bei unseren letzten beiden Ernten dieses Jahr auch nicht sicher, ob die erste nun wirklich Blatthonig war und die zweite Sommerblüte. Daher bleibt es bei beiden Ernten bei Sommerhonig.
    Den potentiellen Blatthonig haben wir am 21.06. geerntet (Sommeranfang). Den habe ich bei der Honigqualitätsschulung Herr von der Ohe vom LAVES unter die Nase gehalten, mit genau diesem Fakt verknüpft, der meinte trotzdem: Sommerhonig.
    Außer: "na, wenn der das sagt" habe ich da jetzt auch kein besseres Argument für unsere gewählte Bezeichnung.


    Da wir jeden Honigraum in einen eigenen Eimer abfüllen (von den Resten an der Schleuderwand mal abgesehen), müssten wir für mein Verständnis auch für jeden Eimer eine eigene Honiganalyse machen, um da wirklich Sortenbezeichnungen draufschreiben zu können.
    Das sprengt die Kosten bei 20kg je Eimer.


    Wir bleiben bei Frühlingsblüte und Sommerhonig.
    Und bei einer Erklärung für den Kunden, dass Honig ist wie guter Wein: jedes Jahr etwas besonders, da er den Verlauf der Jahreszeiten in der Region einfängt. (Naja, im echten Gespräch klingt das nicht ganz so schwülstig, läuft aber inhaltlich darauf hinaus ;-).)


    Viele wollen trotzdem Raps.... ...da hilft nur viel reden oder einfach das Glas Frühtracht zücken und sagen: das ist der Honig, den die Bienen gesammelt haben, als der Raps blühte.



    lG
    Astrid

  • Im (nichtamtlichen) Kommentar zur HonigVO wird "überwiegend" mit 60% definiert. Allgemein bei Juristen wird überwiegend mit "mehr als 50%" übersetzt. "Nahezu ausschließlich" ist deswegen sicher falsch.
    Zu beachten ist aber, dass der Honig zudem "die entsprechenden organoleptischen, physikalisch-chemischen und mikroskopischen Merkmale" aufweisen muss. Bei einem Honig wie Raps mit milden Geschmack könnten geringe Sortenanteile anderer Nektare zum Problem werden.
    Wenn das nicht der Fall war, entspräche die Bewertung in der o.g. Analyse nicht der HonigVO.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Ach so, dass war nicht klar, das der Pollenanteil gemeint ist, nicht der Nektaranteil.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Hier wird eine Gesetzesinterprätation vom LAVES wiedergegeben. In der Honigverordnung steht: Muß überwiegend aus der Namensgebenden Sorte bestehen. Meine Methemtikkenntnisse sagen dazu: 51 % einer Sorte ist überwiegend; denn der Rest sind nur noch 49%. Ob Richter im Streitfall auch so rechnen wie LAVES: Überwiegend muß mindestens 60 % sein, oder ob die in der Schule in der Mathematik gelernt haben; dass 51% gegenüber 49% überwiegt? Man übertrage diese Rechenkunststücke mal auf die nächsten Wahlergebnisse. Dann gäbe es schnell eine gerichtliche Klärung.
    Und wenn man dann mit überrepräsentierten Pollen alles wieder aushebeln? Zurück zum Wahlbeispiel: kann man mit der überrepräsentierten Einstellun in "Schwarzen" und "roten" Hochburgen auch das Ergebnis verbal verändern? Was haben sich die Geseztesgeber bei ihrem Text gedacht? Sie hätten doch gleich schreiben können: Über den richtigen Namen entscheidet das LAVES. Und dann gäbe es keine Zweifel mehr. Eine untertänige Anfrage und alles ist klar.
    Für mich sind die Zahlen eigentlich der klare Maßstab.


    MbG
    Wolfgang, der bisher keine Pollenanalyse beim LAVES bezahlt hat.

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • es gibt noch andere Labore außer LAVES


    und bei diversen Honigen kommen da dann 2 total verschiedene Ergebnisse raus


    Die einen sehen es so


    die andern eben so


    das Ganze auf reine Pollenanalysen runter zu brechen, finde ich nicht immer im Sinne der "Sache" an sich.


    Mag sein, dass eine "strenge" Auslegung Sinn macht, ob man aber damit immer gerecht sein kann, ist in meinen Augen sehr fraglich!


    Letztlich geht es dem Kunden doch eher um den Geschmack! Oder?

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • heidjer : Die Sache mit den Pollen hat aber meines Wissens aber doch einen ganz anderen und wie ich finde, nachvollziehbaren Grund:


    Sie wird ja nur als weiteres Indiz herangezogen, um die Sorte zu bestimmen.
    Und weil es Nektare gibt, bei denen typischerweise sehr wenig und andere, bie denen sehr viel Pollen in den Nektar gelangen können, muss man eben die unterschiedlichen, aber für die jeweilige Sorte jeweils typischen, durchschnittlichen Pollenanteilen heranziehen.


    Bei einer Sorte, wo bei gleichem Nektaranteil sehr wenig Pollen drin sind, kann der Pollenanteil also niedriger sein und man ist trotzdem sicher, einen entsprechend hohen Anteil dieser Sorte drinnen zu haben. Umgekehrt für Sorten, die immer viel Pollen dabei haben, da wäre ein vergleichweise durchschnittlicher Pollenanteil nicht ausreichend, um einen ausreichenden Nektaranteil anzuzeigen.


    Gruß
    hornet

  • Hallo !


    es gibt noch andere Labore außer LAVES


    und bei diversen Honigen kommen da dann 2 total verschiedene Ergebnisse raus


    Ja, da gibt es ja schon einige Fälle in dennen z.B. Hohenheim und Celle unterschiedlicher Auffassung zu einem Honig hatten.
    Die Sorten welche in der eigenen Region häufig vorkommen werden dabei wohl eher streng beurteilt als Seltenere.




    Letztlich geht es dem Kunden doch eher um den Geschmack! Oder?


    Sehe ich auch so, letztlich kommt es dem Kunden doch auf die organoleptischen Faktoren des Honigs an.



    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.