KEIN Rauch - schlecht für die Bienen?

  • Ich habe ganz neu mit dem Imkern im Juli begonnen (nach Kurs) und mache die bisherigen kleinen Arbeiten wie Zuckerwasser in Futtertasche einfüllen, Milchsäurebehandlung, etc. bisher ohne Rauch. Lediglich wenn ich den Deckel wieder schließen möchte, Sprühe ich etwas Wasser (mit 2 Tropfen Nelkenöl) oben leicht auf die Rähmchen, damit die Bienen in das Innere verschwinden und ich keine zerquetsche.


    Ich bin unter Vollschutz und natürlich fliegen einige etwas aufgebracht umher (vor allem vom Flugloch aus), was mich aber bisher nicht stört (nur eine einzige ist echt penetrant und versucht ständig eine offene Stelle in meinem Schleier zu finden und fliegt vor meinem Gesicht hin und her).



    Ich habe im Kurs gelernt, dass der Rauch die Bienen ja eigentlich nicht beruhigt, sondern stresst, da der Rauch einen Waldbrand simuliert. Ich gehe deshalb eigentlich eher davon aus, dass der Rauch verwendet wird, damit der Imker mehr Ruhe fürs Arbeiten hat. Bisher brauche ICH den Rauch nicht, da ich trotzdem ruhig und vorsichtig arbeiten kann (bin ja unter Vollschutz).


    Ganz prinzipiell: Was stresst die Bienen mehr?


    - Aufregung wegen des Eindringlings (Rauch wird nicht verwendet)
    - Aufregung wegen des Rauchs (aber dadurch eventuell abgelenkt vom Eindringling)?


    Dazu kann ich bisher nichts finden, weil es wohl so selbstverständlich ist, dass man mit Rauch an die Bienen geht. Ich finde es ohne Rauch praktischer, aber falls das die Bienen mehr stressen sollte, würde ich auch Rauch verwenden.


    (ein Schwarm vom Juli, beschäftigt mit Naturbau, Königin begattet - spielt aber hier wohl eher keine Rolle, da meine Frage prinzipieller Natur ist).

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  • Rauch bewirkt, daß sich die Bienen in die Gassen zurückziehen und mit Honig vollpumpen, da sind sie erstmal beschäftigt und mit vollem Magen friedlich.


    Ich mache 99% ohne Rauch.


    Rauch verwende ich, wenn ich weiß, daß ich an ein stechlustiges Volk gehe, oder wenn ich eine Arbeit ausführe, wo Bienen sich woanders einbetteln müssen (z. B. Abfegen, Auflösen, Umwohnen), oder Jungbienen, die nicht wissen, wo sie wohnen, freigesetzt werden. Die Bienen müssen beim Einbetteln in ein fremdes Volk ein Geschenk für die Fluglochwache mitbringen. Mit leerem Magen werden sie nicht reingelassen (ganz anders als bei der dt. Einwanderungspolitik). Das ist der wesentliche Nutzen bei Rauch, und dann sollte man davon auch Gebrauch machen.

  • Mit leerem Magen werden sie nicht reingelassen (ganz anders als bei der dt. Einwanderungspolitik).


    Eine solche Aussage, im Kontext der Bienenhaltung, lässt tiefe Einblicke in die Gesellschaft zu.


    Ich bin beruflich viel unterwegs und kenne kein Land, und ich habe nicht nur alle G8-Staaten durch, wo der Lebensstandard so hoch ist...aber dennoch so was...ach und die nächste Asylbewerberunterkunft ist 200m entfernt und deren Kinder gehen mit meinen auf die gleiche Schule. Und obwohl die mit leerem aus Syrien hier ankamen, wo die Kinder der Exekution des Vaters beiwohnen mussten, hat die Familie uns zum Essen eingeladen...


    Edit: Zum Thema. Ich arbeite teilweise mit Rauch. Bei meinem Stechervolk immer, auch wenn die mich trotzdem angreifen. Ich sehe es so, was mich beruhigt, beruhigt auch die Bienen. Wenn es bei dir so funktioniert ist doch super.

  • Nach menschlichem Ermessen ist die Natur brutal und deshalb wird sie den Menschen auch überleben.


    Daß die mit leerem Magen nicht reingelassen werden, ist freilich die Lebensversicherung für das eigene Volk, nicht aus Versehen Räuber reingelassen zu haben, schon klar, oder.

  • Aus Bienensicht klar...und dem stimme ich uneingeschränkt zu, aber was hat das mit dt. Einwanderungspolitik zu tun? Du wirst doch nicht allenernstes das "Deutsche Volk" und sein "überleben" in der Natur mit dem eines Bienenvolkes vergleichen wollen.


    So kam es zumindest bei mir rüber. Vielleicht habe ich das jedoch auch nur falsch interpretiert.

  • Ich danke euch beiden!


    Also vermutlich habe ich kein Stechervolk, schließe ich daraus, und kann das deshalb so handhaben (ohne dass es den Bienen schadet).
    Ein guter Hinweis ist auch der auf das Einbetteln mit vollem Magen - super Tip!

  • Ich dachte auch mal so.


    Rauch sei größerer Stress als ohne Rauch.


    Für ganz kleine Eingriffe mag das noch gelten, aber passt mal ganz genau auf, wenn ihr den Deckel lupft, OHNE Rauch.
    Wer ein halbwegs gutes Näschen hat, wird sofort einen Geruch wahrnehmen, der ein wenig an Bananenengeruch erinnert.
    Das ist das Alarmpheromon der Bienen - allerhöchster Stress!


    Wer das in den frühen Morgenstunden, bei kühlen Temperaturen oder spätabends macht (z.B. um zu fluchten oder den Fütterer oder Honigräume zum Ausschlecken aufzusetzen), wird außerdem sehen, dass alle Bienen den Stachel rausschieben und den Hinterleib hochstrecken.
    Das ist allerhöchste Abwehrstimmung und damit allerhöchster Stress!
    Die fliegen nur nicht aggressiv aus, weil es kühl ist und sie seit Jahrzehnten mehr oder weniger auf Sanftmut gezüchtet sind.
    An warmen Abenden fliegen allerdings auch solche Bienen vermehrt auf (ich spreche von "normalen" Landbienen wie ich sie habe).


    Es reicht auch schon, wenn sie in ihrer Aufregung über den Zargenrand rennen - wer jetzt den Deckel wieder schließen will, hat entweder viel Mühe oder wird viele Bienen quetschen - was noch mehr Stress verursacht.


    Wer dagegen das alles macht, und beim Öffnen ein paar kleine Stöße Rauch gibt, wird das alles nicht erleben.
    Die Bienen sind dann zwar auch gestresst, aber meiner Meinung nach auf einem geringeren Level. Sie bereitens sich erst mal nur auf einen möglichen Ernstfall, nämlich den Notauszug vor, FALLS der vermeintliche Waldbrand tatsächlich die eigene Wohnung erreicht.


    Tut er es nicht, wird der rasch aufgesogene Notvorrat an Honig gemütlich wieder eingelagert und alles ist gut.


    Für mich gilt, das genetisch verankterte Standardvorsorgeprogramm "Waldbrand" ohne akute Feuergefahr wird vergleichsweise ruhig abgespult. Das Notabwehrprogramm erscheint mir deutlich stressiger für die Bienen und selbst wenn es nicht so wäre, für den Imker ist es deutlich lästiger, von den gequetschten Bienen ganz zu schweigen.


    Eingriffe und Beuten öffnen ist immer eine nachhaltige Störung (wirkt bis zu Stunden danach noch!), aber wenn schon, dann wenigstens mit etwas Rauch.


    Wer nur "oben" (im Bereich der Honigräume) was machen will, braucht ja nicht die ganze Beute einräuchtern, dann kriegen die im Brutraum kaum was davon mit und die Störung ist geringer.


    Gruß
    hornet

  • Ich finde es eigentlich nicht so gut, Wasser mit Nelkenöl auf die Bienen zu sprühen und die Beute und Rähmchen damit zu benetzen.


    Nelkenöltücher verwende ich auch.
    Dabei aber nur wenige Tropfen auf die Tücher, die in einem Gurkenglas aufbewahrt werden.
    Das reicht das ganze Jahr über.
    Und die nehme ich wieder weg.


    Wenn man das Öl in die Beuten sprüht, bleibt das und irritiert die Bienen auf lange Zeit.
    Womöglich überlagert es auch die Duftsprache der Bienen.


    Da finde ich etwas Rauch nicht so nachhaltig und die Bienen können, wenn die Gefahr vorbei ist,
    sich bald wieder ihren normalen Aufagben widmen.


    Gruß Doro

  • Moin Kollegen!
    Wir verwenden beim Öffnen der Beuten auch immer ein wenig Rauch. Zu viel Rauch scheint die Bienen allerdings wieder unruhig zu machen.
    Also Deckel öffnen bzw. Honigräume runter und ein wenig Rauch, damit die Bienen in die Gassen verschwinden.
    Danach packen wir immer Tücher mit Nelkenöl drauf und sind total begeistert, wie ungestört wir arbeiten können. Selbst bei unseren unangenehmen Stechern!
    Klar fliegen auch da immer wieder einzelne genervte Bienen auf und zeigen ihr Hinterteil, aber bei weitem nicht so viele, als wenn man den kompletten Brutraum offen hat.
    Mit Wasser arbeiten wir nur, wenn wir Bienen zum Umsetzen brauchen, Bienen abschütteln oder -fegen und im Hobbock o.ä. mit Wasser besprühen und somit am Auffliegen hindern.
    Das vom Flugloch her Bienen nach hinten fliegen ist mir nicht bewußt, hab da aber auch nie bewußt drauf geachtet, kann es mir aber nicht vorstellen, da genügend aufgescheuchte Bienen aus der offenen Beute kommen und am liebsten wieder dorthin zurück kriechen möchten (daher die Tücher) und hier keine Wächterbiene vom Flugloch aus kommen muß um nach dem Rechten zu sehen (ich gehe mal nicht davon aus, daß du von vorne aus arbeitest;-)
    Also: Rauch ja, in Maßen, und wer noch Unterstützung braucht bei Stechern, dann lieber mit Nelkenöl getränkte Tücher drauf (die Bienen danken es dir, daß ihre Wohnhöhle wieder geschlossen ist und sind entspannt) also nochmals ordentlich Rauch zu geben. Ein Volk, was bereist aufgebracht ist, wird sich dann nicht mehr durch Rauch besänftigen lassen.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Genau so ist es.


    Habe auch längere Zeit Nelkenölktücher verwendet.


    Inzwischen bin ich aber auch davon wieder abgekommen. Erstens stinkt es mir selbst zuviel. Zweitens mögen es die Bienen nicht so gern, sie können durch das Öl sogar ähnlich gestresst werden wie durch Rauch, weil sie ihn unbedingt rausfächeln wollen, was aber viel schwerer gelingt als bei Rauch. Drittens gefährde ich den Honig mit Geruchsbeeinträchtigung.


    Und Hauptgrund: Es braucht das Nelkenöl gar nicht! Das Tuch alleine reicht und zwar genau aus dem Grund den Hamburger-Jung genannt hat:
    Die Bienen sind erst mal schon zufrieden, wenn die Wabengassen erst mal wieder weitgehend zu sind, es nicht "zieht" und bleiben ruhiger. Und noch einen Vorteil hat das: zieht man die Tücher weg, sind erst mal kaum Bienen auf den Oberträgern, Absperrgitter und Honigräume können so viel bienenschondender wieder aufgesetzt werden, man muss nicht nochmals smokern.


    Es ist also u.a. der Luftzug, der die Bienen aufregt.
    Daher verwende ich einen weiteren Trick:
    Vor einer Durchsicht smokere ich kurz unten durch den Gitterboden rein und stecke dann die Schublade unten rein.
    Effekt: Der wenige Rauch bleibt ein wenig länger in der Beute, es hat kaum einen Kamineffekt, wenn ich oben aufmache - es zieht also kaum, die Bienen bleiben dadurch *wesentlich* ruhiger, man braucht oben fast keinen Rauch mehr. Wer jetzt noch zwei Tücher auflegt und nur die gerade bearbeitete Wabengasse offen lässt, macht den Bienen die Durchsicht so wenig schwer wie möglich.


    Im Hochsommer sollte man allerdings nicht vergessen, die Schublade nach Schließen der Beute wieder zu entfernen!


    Fazit: Etwas Rauch, dafür ein paar weitere, einfache Kniffe machen es den Bienen leichter als ganz ohne Rauch!


    Gruß
    hornet

  • N`Abend zusammen!


    Seit diesem Jahr nehme ich je nach Stimmung des durchzusehenden Volkes, auch bei Volldurchsichten, nur noch dann Rauch, wenn das weiter oben geschilderte Verhalten und der damit einhergehende Gerucht beim Öffnen des Volkes in mich störendem Maße auftritt. Was sehr selten der Fall ist!
    In "normalen" (wie auch immer das zu definieren ist) Völkern geht das bei mir mittlerweile so und ich bin der festen Überzeugung, dass es so für Bien und Mensch die stressfreiere Variante der Durchsicht sein kann (!) im Gegensatz zum simulierten Waldbrand. Denn auch das Vollsaugen mit Honig und das in der Folge "träge" Herumlaufen der Bienen ist ein stressbedingtes Verhalten, wenn es auch auf den Imker erstmal ruhiger wirken mag.


    Diese Tage habe ich rauchfrei sogar Völker mit wirklich nur noch minimalen Futtervorräten vor der Fütterung durchgesehen und dies auch noch in der Dämmerung - es klappte hervorragend.


    Für mich wichtig: Der Smoker sollte stets smokend griffbereit stehen, damit imker kurzfristig bei Bedarf zugreifen kann.


    Schöne, entspannte Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Ich finde es eigentlich nicht so gut, Wasser mit Nelkenöl auf die Bienen zu sprühen und die Beute und Rähmchen damit zu benetzen.


    ....
    Wenn man das Öl in die Beuten sprüht, bleibt das und irritiert die Bienen auf lange Zeit.
    Womöglich überlagert es auch die Duftsprache der Bienen.


    Ich muss zugeben, das klingt sehr plausibel und der Gedanke ist mir auch schon einmal gekommen, ob der Geruch des Nelkenöls
    nicht bleibt. Allerdings dachte ich das beim Rauch auch (vielleicht weil die Mittelwände, die ich geliefert bekommen haben und aus denen ich meine Anfangsstreifen mache, derartig nach Rauch stinken).


    Jedenfalls hast du mich überzeugt: ich werde künftig Nelkenöl nur noch in Verbindung mit der Tuchmethode verwenden, wie du es beschrieben hast. Wenn der Geruch an der Beute anhaftet, ist es sicher sehr unangenehm für die Bienen.

  • Doro E , hornet , Hamburger-Jung


    ich drucke jetzt den Thread komplett aus und lege ihn zu meinen Lehrunterlagen, eure Tipps sind einfach zu gut!


    Kurz zusammengefasst werde ich es künftig so machen:


    1.) wenn ich nur Futter in der Futtertasche nachfülle, dann lege ich nur ein Tuch (erst mal ohne Nelkenöl) auf die Oberträger


    2.) Wenn ich etwas mehr mache (z. B. Durchsicht), dann ganz wenig Rauch und mit zwei Tücher abdecken (vielleicht mit Nelkenöl, je nachdem, wie es mit Tuch aber ohne Nelkenöl funktioniert)



    Hamburger-Jung :
    Ich kann bei meiner Beute nicht von hinten arbeiten, da dahinter etwas Gebüsch und dann ein Zaun ist. Ich arbeite vom Seitenrand der Beute aus.


  • Seit diesem Jahr nehme ich je nach Stimmung des durchzusehenden Volkes, auch bei Volldurchsichten, nur noch dann Rauch, wenn das weiter oben geschilderte Verhalten und der damit einhergehende Gerucht beim Öffnen des Volkes in mich störendem Maße auftritt.


    Schön, wenn man einmal so weit ist und seine Bienen so gut beurteilen kann; und wenn man so eine feine Nase hat. Leider habe ich die nicht, im Alltag normalerweise auch nicht; ich vermute mal, dass ich diesen Geruch nie wahrnehmen werde. Da bleibt nur beobachten und Erfahrungen sammeln.