Plan eines Neulings

  • Hallo an alle Imkerfreunde!
     
    Ich bin 21 Jahre alt, studiere Medizin in München und bin ein totaler Frischling auf dem Gebiet der Imkerei. Da dieses Jahr für einen Imkerstart schon recht weit fortgeschritten war, als ich mir überlegt habe damit anzufangen ist es bis jetzt nur den theoretischen Grundlagen geblieben. (ich hoffe der Post wird nicht zu lang)


    Ich habe mich im Internet und hier im Forum über vieles informiert, mir entsprechende Literatur angeschafft und gelesen und mich auch schon für das kommende Jahr zu einer Imkerausbildung in meiner Nähe angemeldet. Um das ganze für mich schonmal etwas zu strukturieren und den finanziellen Rahmen zu überschauen (ich will jetzt nicht rumgeizen, aber da ich Student bin wollte ich dann schonmal jetzt anfangen etwas Geld für die Anschaffungskosten beiseite zu legen) mache ich mir momentan einen groben Plan für das ganze Vorhaben. Generell bin ich auch schon ganz zufrieden und zuversichtlich, aber wie das so ist kommen dann doch mal Fragen auf, die ich mir nicht mit der Suchfunktion hier beantworten kann.


    Hier erst mal mein bisheriger Plan:
    Im Rahmen des Kurses (der im Februar anfängt) kann man sich Anfang Mai einen Ableger zum selber bewirtschaften kaufen. Da ich jedoch im darauf folgenden Jahr auf 3-4 Völker aufstocken möchte hatte ich mir überlegt (sofern es die Volkstärke zulässt) aus dem Ableger den ich dann Anfang Mai gekauft habe gegen Ende Juli einen weiteren Ableger auf einer Mini Plus Beute zu machen (zwecks Weisel Zucht im nächsten Jahr und Völkervermehrung). Meines Wissens nach müsste das bei entsprechenden Bedingungen gehen ansonsten im nächsten Jahr. Meine erste Frage wäre nun, ob dieser potentielle Ableger sich dann schnell genug eine eigene Kö aufzieht oder ob ich bessere eine begattete zukaufe?
    Im Jahr darauf wollte ich dann (sofern beide Völker es über den Winter geschafft haben) aus dem „Urvolk“ auf der normalen Beute einen normalen Ableger machen, das Urvolk dann logischerweise auch behalten und aus dem Volk auf der Mini Plus Beute ein eigenes machen indem ich es auf eine normale Beute umsiedle. Bevor ich dies jedoch mache, wollte ich drei Kös aufziehen (eine für den neuen Ableger, eine um die Kö aus dem „Urvolk“ nach Trachtende zu ersetzen und eine für die Mini Plus Beute). Um die Weiseln zu züchten hatte ich jetzt eine Idee, bei der ich mir jedoch nicht sicher bin ob diese so funktioniert.


    Und zwar wollte ich auf der Mini Plus Beute dann drei Weiselzellen anlegen (also alte Weisel raus, 9 Wochen weiselloses Volk, Nachschaffungszellen ausbrechen und belegte Nicot Näpfchen reinhängen). Jetzt direkt die erste Frage: würde das so auf der Mini Plus gehen oder ist die zu klein oder einfach nicht geeignet dafür? Sollte es kein Problem sein, würde ich warten bis die Weiselzellen verdeckelt sind und dann die Mini Plus dreiteilen (also aus jeder einzelnen Zarge eine eigenen Mini Plus machen) und Begattungsvölkchen erstellen, natürlich mit entsprechenden Brut- und Futterwaben. Wenn dann die Kö geschlüpft ist und hoffentlich begattet und alles gut müsste es ja ungefähr Mitte bis Ende Mai sein. Macht es zu dieser Zeit Sinn, aus der „Urbeute“ einen Ableger zu entnehmen und mit einer Kö zu beweiseln? Die dann weisellose Mini Plus würde ich dann mit einer Mini Plus die noch eine hat vereinigen und einen eigenen „Ableger“ erstellen. Eine einzelne Mini Plus würde dann mit einer Kö übrig bleiben und diese würde ich dann einfach ganz normal behandeln bis Ende Juli/Anfang August und dann die Kö aus dem „Urvolk“ mit der neuen ersetzen.
     
    So jetzt einfach generell gefragt: Klingt das alles soweit machbar, wenn man entsprechend Arbeit investiert und worauf sollte ich achten oder ist da irgendwo ein Punkt der sozusagen unmöglich oder nur sehr schwer umsetzbar ist?
     
    Tut mir sehr leid, dass es jetzt so ein endloser Post geworden ist, aber ich bin eben neu und würde einfach gerne eure Meinung hören.
     
    Liebe Grüße aus München
    beebuddy

  • Ableger aus Ableger, das wird nix!


    Wenn du im Mai nen Ableger hast, dann sind das gerade mal 2-4 Waben mit Bienen. Die kannst du bis zum Herbst bei guter Pflege (bzw sehr guter Anfänger-Pflege, denn hier geht oft mal was schief) zu einem überwinterungsfähigen Volk aufbauen.


    Dass man aber dem Ableger im August dann 8 Waben wegnimmt (soviel müsste das 2. Volk in etwa zu dieser Zeit haben, damit das über den Winter kommt) wird nichts,denn dann bleibt nichts mehr übrig.


    Also entweder:
    Den Ableger 2016 gut pflegen und dann in 2017 daraus Ableger bilden (2-3 gehen dann in 2017)
    oder eben 2-3 Ableger 2016 dazukaufen und 2017 mit 3 Völkern loslegen.


    Und noch ein Tip:
    nicht mit Miniplus verzetteln. Das lohnt bei 3-5 Völkern nicht. Besser im eigenen Rähmchenmaß Königinnenzucht betreiben (z.B. Sammelbrutableger bilden etc)


    Stefan

  • Danke Stefan für deine schnelle Antwort!


    Ich hatte so etwas schon befürchtet, aber hatte die Hoffnung es könnte evtl. doch klappen. Ich hatte mal ein Video gesehen wo jemand eine Mini Plus Beute nur mit Mittelwänden und abgefegten Bienen und einer Kö besetzt hat und das hat anscheinend geklappt... Das geht wahrscheinlich auch nicht oder?


    Dann werde ich wahrscheinlich die erste Variante fahren.


    Weshalb genau lohnt sich eine Mini Plus bei 3-5 Völkern nicht? Ich dachte eigentlich, dass es ideal wär, da ich dann ja direkt die Begattungsvölkchen hätte und eine begattete Weisel doch besser angenommen wird.


    beebuddy

  • Also mein neuer Plan sähe jetzt so aus:
    - 2016 erstmal den Ableger gut pflegen damit er über den Winter kommt (kann ich egal 2016 schon mit Honig rechnen oder eher nicht?)
    - 2017 dann Anfang Mai Ableger bilden und in denen Weiseln züchten


    Meine einzige Frage wäre jetzt noch wenn ich z.B. in dem Volk von 2016 die Kö im Herbst 2017 ersetzen möchte, wie kann ich dann eine Kö sozusagen bis zum Herbst "parken"?

  • Mach dir keinen Kopf, all die Planung, Vordenken, Was wäre wenn,... bringt bei Bienen nichts.
    Da spielen die Bienen, das Wetter, der Standplatz, die Zeit des Imkers, das Imkerkönnen,... mit rein und schon ist von einer Woche auf die nächste die Planung im Eimer, weil die Bienen eben ihren eigenen Kopf haben.


    Zu Miniplus ein Link: http://www.lwg.bayern.de/mam/c…s_begattungskaestchen.pdf
    Funktioniert aber alles auch mit dem normalen Rähmchenmaß. Ich selbst habe Dadant, auch da kann man wunderbar Ableger, Begattungseinheiten und den restlichen Krams mit bilden. Alles ohne Begattungskästchen, Ablegerkisten,....


    Les dir bis nächstes Jahr möglichst viel Grundwissen an, pass im Imkerkurs gut auf, stell dort (schlaue ;)) Fragen und halte die Augen/Ohren offen.
    Eventuell findest du dort sogar 1-3 Mitstreiter (Jungimker) und ihr könnt euch dann für Honigernte/Königinnenzucht/Erfahrungsaustausch zusammentun.


    Stefan

  • Hallo Beebuddy,
    der Ableger vom Mai 2016, der im Rahmen des Kurse gebildet wird (meine Vermutung) wird sich im laufe des Jahres zum Volk entwickeln und 2017 Dein Wirtschaftsvolk sein.
    Es macht doch überhaupt keinen Sinn dieses Volk aus 2016 im selben Jahr umweiseln zu wollen. Warum als dieser Plan.
    Meine Empfehlung versuche im Rahmen des Kurses 2016, der ja sicher mit dem Thema Einwinterung abschließt, lieber noch zwei Ableger zu bekommen und dann mit drei Völkern in den Winter zu gehen.
    Die dann auch hoffentlich im Frühjahr 2017 wieder ans Licht kommen.
    Im Frühjahr 2017 mit etwas Erfahrung kannst Du dann neu planen.


    Eine Bitte: Fülle bitte Dein Profil soweit es Dir möglich ist aus.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Vielen Dank Stefan und Eisvogel! Da war ich dann mit meiner Euphorie und Planungswut wohl etwas übereifrig :Biene:


    Dann werde ich versuchen direkt 3 Ableger zu ergattern und diese gut durch den Winter zu bringen und erst 2018 umweiseln.


    Eisvogel


    Zitat

    der Ableger vom Mai 2016, der im Rahmen des Kurse gebildet wird (meine Vermutung) wird sich im laufe des Jahres zum Volk entwickeln und 2017 Dein Wirtschaftsvolk sein.


    Tut mir Leid, wenn ich so dumm fragen muss aber bedeutet das, dass ich 2016 keinen Honig ernten kann?


    Gruß beebuddy

  • Hallo Beebuddy,
    keine dumme Frage, aber wenn die Ableger im Mai (kann ja auch Ende Mai sein) gebildet werden ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass es zu einem Honigertrag kommt.
    Lass Dich einfach überraschen, möglicherweise ist ein erster Mini-Ertrag drin.
    Es gibt einfach zu viele Euinflussfaktoren: Entwickling des Jungvolkes, Witterung, Trachtverhältnis etc.
    Gruß Eisvogel der jetzt zum Imkerstammtisch geht.

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Also 20kg Honig wirst du aus dem Ableger nicht bekommen.


    Ableger werden so stark gebildet, dass die im Herbst die Einwinterungsstärke erreichen. Für eine Honigernte sind die zu schwach. Die besetzen jetzt zum Ende der Honigsaison 4-6 Waben. Was die an Nektar reingeholt haben, wurde direkt in neue Bienen umgesetzt.


    Ich habe dieses Jahr 4 Ableger gebildet, die beiden frühen Ableger haben jetzt verdeckelten Honig eingelagert, den könnte man mit nem Esslöffel entnehmen. 1-2kg wären das schon.
    Schleudern lohnt nicht, deswegen lasse ich den drin. Aber wenn man 2-4 Gläser eigenen Honig für den Winter haben möchte, wäre das eventuell eine Möglichkeit. Allerdings wäre dann Wabenwerk zerstört, das die Bienen wieder (zusätzlich) errichten müssten, was die weitere Entwicklung ausbremsen würde.


    Die Empfehlung mit den 2-3 zusätzlichen Ablegern nächstes Jahr kann ich nur nochmal unterstreichen. Gibt erstens Imkerpraxis und zweitens Überwinterungssicherheit. Wenn von 3en ein Volk nicht durch den Winter kommt, dann hat man noch deren 2. Mit 1 - 1 steht man wieder bei Null da.


    zum Thema Umweiseln etc:
    Wenn du dann später mal 3-5 Völker hast, dann kannst du Sammelbrutableger erstellen, diese zur Königinnenaufzucht benutzen und dann in Ableger aufteilen.
    Dort stecken die Königinnen dann auch bis zum Herbst geparkt. Funktioniert also ohne Mini+. :-)


    Stefan

  • Nochmals Dank Stefan und Eisvogel :)


    Wenn dann nur so wenig Honig vorhanden sein wird will ich das Volk nicht unnötig ausquetschen. Dann sollen die Guten auch ihre hart erarbeiteten Vorräte behalten dürfen :Biene:


    Gruß beebuddy

  • Hallo Beebuddy,


    Du hast Glück: zwei Imker sind schon mal einer Meinung... ;-) Mach's wie Eisvogel: geh' zum nächsten Imkerstammtisch! Mit zwei oder drei Völkern zu starten ist auch ein guter Tipp.
    Anfangen kannst Du jederzeit. Wenn Du jetzt anfängst, erlebst Du zwar nicht gerade die spannendste Zeit des Bienenjahres, kannst aber im nächsten Jahr durchstarten. Warum nicht? Vielleicht findest Du ja Hilfe am Stammtisch.


    Viel Spaß mit den Bienen, die Deine Planungen gerne mal über den Haufen werfen! Planung heißt, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen. Und willkommen im Forum.


    Gruß Peter

  • Hallo Peter,


    ich freue mich sehr über ein so nettes und hilfsbereites Forum :) (musste auch schon andere Erfahrungen machen).
    Ich würde nur zu gerne jetzt schon anfangen, aber der Anfänger-Kurs von dem Bienenzucht Verein hier ist leider für dieses Jahr schon voll und außerdem muss ich mir erstmal um das auch wirklich vernünftig betreiben zu können ein kleines finanzielles Polster anlegen. Deshalb werde ich erst 2016 anfangen können.


    Das mit dem Stammtisch ist eine gute Idee ich werde mich mal umhören wo es hier einen solchen gibt.


    Gruß beebuddy