Ablegerbildung, Mini-Plus-Besiedelung und mehr. Vermehrung für Anfänger

  • Hallo zusammen,


    da es grade der Trend zu sein scheint, sein Vorgehen möglichst detailliert zu beschreiben und dann die Profis um Rat zu bitten, möchte ich das gern auch mal versuchen und formuliere hier meinen Plan für das Bienenjahr 2016. Ich hoffe, der Beitrag ist im richtigen Forum und ich schreibe nicht zu viel Unsinn!



    Ich gehe dieses Jahr mit 5 Völkern in den Wintern (davon 2 Wirtschaftsvölker und 3 Jungvölker) und da ich Optimist bin, gehe ich davon aus, dass im Frühjahr nächsten Jahres auch noch 5 übrig sind.
    Ich möchte dann die Volkszahl nächstes Jahr gern erhöhen, von einigen Völkern aber dennoch Honig ernten. Gleichzeitig möchte ich die ersten Mini-Plus-Beuten besiedeln, damit ich ggf. 2017 auch andere Belegstellen anfahren kann.


    Folgendes Vorgehen hatte ich mir überlegt:


    - Meine Wirtschaftsvölker für nächstes Jahr werden im März auf vier Brutwaben eingeengt, ein Volk "enge" ich auf sechs Waben vor dem Schied ein (habe übrigens Dadant, wie im Profil beschrieben).


    - Ende April/Anfang Mai fahre ich zu einem Imker, von dem ich guten Zuchtstoff erhalten. Bei dem larve ich in einen Zuchtrahmen um und setze den in mein Volk mit den 6 Waben. Gleichzeitig entnehme ich aus diesem Volk die Königin und setze sie über einen kleinen KS in eine Mini-Plus. Damit wäre sie ersteinmal zwischengeparkt (Tag 1)


    - Nach 9 Tagen breche ich alle Weiselzellen auf den Brutwaben außer natürlich denen auf dem Zuchtrahmen. Dann verteile ich die sechs Brutwaben auf 6 Ablegerkästen (habe hier 3 Kästen in die je 2x 3 Waben passen). Dazu kommt eine Futterwabe und eine MW. Dann kommt in jeden Ableger eine WZ. Wenn von den 6 Brutwaben welche teilweise schon ganz ausgelaufen sind, würde ich ggf. welche von den anderen vier Völkern klauen und diese damit schröpfen. (Tag 10)


    - Nach weiteren 2-5 Tagen bringe ich die drei Ablegerkästen mit den 6 kurz vor dem Schlupf stehenden Königinnnen auf die Belegstelle (schon abgestimmt, ich darf mit den Ablegerkästen dahin und muss nicht mit Mini-Plus o.ä. ankommen). Da noch ein Schwupps Flüssigfutter in alle rein und abwarten (Tag 12-Tag 15)


    - Nach zwei oder drei Wochen (was wäre besser) würde ich die Ableger von der Belegstelle abholen und auf Stifte kontrollieren. Die Königin sollte in der Zwischenzeit geschlüpft und begattet sein, hoffentlich schon in Eilage.


    - Wenn die Ableger ihre 3 Waben besiedelt haben, zieht jeweils der stärkere Ableger aus dem Kasten in eine große Dadant-Beute um. Der Trennschied wird gezogen und der schwächere Ableger bleibt erstmal im Ablegerkasten (hier passen maximal 6 Waben rein, sollte also reichen).


    - Wenn die Königin dann sicher in Eilage ist, werde ich ungefähr 1 l Flüssigfutter pro Woche in kleinen Gaben füttern, damit Tracht vorgegaukelt wird und der Ableger stark in den Winter geht.



    Nun meine Fragen zu dem geplanten Vorhaben:


    - Ist der Zeitplan realistisch und das Vorgehen überhaupt sinnvoll?
    - Ist die Aufzucht der WZ im künstlich weisellos gemachten Volk so möglich? Oder sollte der KS mit der Königin erst 9 Tage später gemacht werden, damit die Startpflege der Bienen im weiselrichtigen Volk erfolgen kann?
    - Ist der Zeitraum des Belegstellenbesuches zeitlich okay und lang genug?
    - In meinen Augen wäre es sinnvoll, diese Aktion so früh wie möglich (eben Ende April / Anfang Mai zu starten), da Einwabenableger (auch bei Dadant) natürlich etwas brauchen um in die Gänge zu kommen. Seht ihr das genauso oder ist der Zeitpunkt egal? (Ich hoffe mit 3 Einheiten auf der Belegstelle schon möglichst früh einen Platz ergattern zu können).



    Vielen Dank für eure Kommentare und eure Einschätzung der Sachlage!


    Viele Grüße,
    Marcel

  • Hallo Marcel,


    du hast die viel vorgenommen. Du siehst an deinen Fragen, dass du noch viel mit den Bienen lernen kannst. Sei gewiss, dass dir die Sicherheit uim Umgang mit den Bienen viel mehr bringt als möglichst rein angepaarte Königinnen. Wie dem auch sei, manches ist nicht realistisch.


    - Woher weist du jetzt schon, wie viele Waben deine Völker im März belegen? Entscheide DANN wie du einengst.
    - Die einfachste methode um Königinnen zu züchten ist das 9 Tage weisellose Pflegevolk. Wenn du entweiselt und gleich den Zuchtahmen gibst wird nicht viel wenn überhaupt angenommen werden
    - Du bringst die Ableger auf die Belegstelle, wenn die Königinnen geschlüpft und ungefähr fünf Tage alt sind. Dann erst sind sie brünstig und 14 Tage Aufenthalt reichen sicher
    - Füttere nicht zu dickes Futter
    - Einwabenableger funktionieren am besten als Sammelbrutableger Ende April/Anfang Mai (Buch S. 82)


    Viel Erfolg
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Reiner,


    vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich versuche mal was dazuzuschreiben. Dazu muss ich gestehen, dass natürlich das, was du schon festgestellt hast, der Realität entspricht: Ich lerne noch sehr viel von den Bienen (das ist mein erstes "volles" Jahr, habe letztes Jahr mit Ablegern gestartet).



    Zitat

    - Woher weist du jetzt schon, wie viele Waben deine Völker im März belegen? Entscheide DANN wie du einengst.


    Wieviele es werden, weiß ich natürlich noch nicht sicher. Ich weiß nur, dass ich dieses Jahr zu zaghaft war, zu schnell erweitert habe. Erst als ich nach der Ablegerbildung die Völker auf 4+1 Waben runter hatte (also vier Waben vor dem Schied + Drohnenrahmen) hatte ich schöne Brutbretterund einen guten Honigeintrag. Vorher war einfach viel zu viel im Brutraum, was ich da nicht haben wollte.
    Daher der Plan: 4 Waben, je nach Zeitpunkt, zu dem ich es schaffe.


    Zitat

    - Die einfachste methode um Königinnen zu züchten ist das 9 Tage weisellose Pflegevolk.


    Damit meinst du, ich sollte den Kunstschwarm erst erstellen und dann quasi erst 9 Tage später den Zuchtrahmen einhängen, richtig?
    Sind dann nicht die Brutwaben zu alt? Ist es ein Problem, wenn alle Bienen von den Brutwaben schon vor der Königin geschlüpft sind, oder sollte da schon noch verdeckelte Brut vorhanden sein?


    Zitat

    - Du bringst die Ableger auf die Belegstelle, wenn die Königinnen geschlüpft und ungefähr fünf Tage alt sind. Dann erst sind sie brünstig und 14 Tage Aufenthalt reichen sicher


    Okay, werde den Zeitpunkt des Belegstellenbesuchesnach hinten schieben, bzw den Rest nach vorn


    Zitat

    - Einwabenableger funktionieren am besten als Sammelbrutableger Ende April/Anfang Mai (Buch S. 82)


    Dein Buch begleitet mich schon seit einem Jahr als Gute-Nacht-Lektüre (hab die PDF und die letzte Buchauflage dann mit dem Erscheinen an "Noch-Nicht-Dadantler" verschenkt) und ich habe mich da natürlich auch zur Zucht eingelesen.
    Beim Sammelbrutableger hätte ich den Vorteil alle Völker gleichmäßig zu schwächen, aber eben den Nachteil, dass ich keine Königin für das Mini-Plus-Volk habe. Du schreibst im Buch ja selbst, dass man Minis am besten mit KS mit begatteten Königinnen startet.
    Deshalb dachte ich, ich schlage hiermit zwei Fliegen mit einer Klappe. Okay, ursprünglich wollte ich eine schlechte Königin wegnehmen und dann quasi das Restvolk als Pflegevolk lassen. Die Königin hab ich aber jetzt vor einigen Wochen schon ausgetauscht. Aus diesem Grunde wollte ich die Königinnen, die durch den Winter kommen alle behalten. So hab ich im Mini erstmal eine Reserve-Königin und auf der anderen Seite auch schon ausgebaute Mini-Plus-Waben. (ich möchte 2017 voraussichtlich auf eine andere Belegstelle, die dann aber Mini-Plus als größte Begattungseinheit zulässt, daher der Schwenk ab vom Standmaß).


    Vielen Dank,
    Marcel

  • Hallo,


    nein, keinen Kunstschwarm, ein weiselloses Pflegevolk ist einfach ein Volk ohne Königin -> da hast du dann auch deine Kö fürs Mini, oder? Arbeiterinnen brauchen 21 tage vom Ei zum Schupf Königinnen 16 Tage, ains also langsame und nach 9 Tagen wird viel gedeckelte Brut da sein, und sehr viele Jungbienen die nur darauf warten die Zellen anzublasen, weil sonst keine offene Brut mehr da ist.


    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Reiner,


    danke nochmal für die Antwort.


    Wenn ich dich richtig verstanden hab (hab gestern wieder die übliche Gute-Nacht-Lektüre im Bett gehabt), dann wäre das richtige Vorgehen:


    - Alte Königin im Kleinst-KS entnehmen.
    - Beute für mehr Bienenmasse mit Brutwaben aus den anderen Wirtschaftsvölkern verstärken, zusätzlich Futter- und Pollenwabe
    - Dann nach 9 Tagen WZ brechen und umlarven


    Und dann weiter wie oben beschrieben, bloß mit späterer Belegstellenanlieferung.




    Wie ist es denn mit den notwendigen Temperaturen bei Zuchträhmchen. Kann ich bei meinem Imkerkollegen (der 1,5 - 2h weg wohnt) umlarven und das heimtransportieren oder sollte ich das gesamte Volk mit hinnehmen, dass die Zellen wirklich ohne Zeitverlust angepflegt werden?



    Gruß,
    Marcel

  • So kannst du es machen.


    Lass dir doch von deinem Kollegen ein Stück Wabe mit Larven im passenden Alter geben (Stück herausschneiden). Du larvst dann zu Hasuse um. Bis dahin schwimmen die Larven fett im Futtersaft, trocknen nicht aus und sind bestens versorgt. Musst nur noch für die richtige Temperatur beim Transport sorgen.


    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

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  • Vielen dank, so werde ich es machen.


    Ich werde die Stücke dann in ein feuchtwarmes Tuch einschlagen. Wobei hier das Problem ist, dass ich noch nie umgelarvt habe, das muss ich in seinem Hof erstmal versuchen!



    Viele Grüße,
    Marcel