Kurzvortrag in Schule erbeten - sinnvollste Vorbereitung?

  • Man hat mich gebeten, in einer 6. Klasse am Gymnasium im Biounterricht einen kleinen (Praxis)Vortrag über Bienen zu halten... :roll:
    Ich bin zwar grundsätzlich für jeden Spaß zu haben, aber hier weis ich nicht, wie ich da am Sinnvollsten vorgehen soll. Es soll kein "Infotainment" werden, sondern reell zum bisher abgehaltenen Unterricht passen. Eine Box mit toten Bienen hatte ich der Lehrerin für den Unterricht schon zukommen lassen, worüber sie und ihre Klasse offenbar begeistert waren - tja, jetzt hänge ich voll mit drin... :lol:


    Mein Idee für einen halbwegs zielgerichteten Besuch im Unterricht ist, eine Liste mit den für die Kinder drängendsten Fragen aufstellen zu lassen, um die Punkte herauszusuchen, zu denen ich sichere und korrekte Informationen geben kann. Alles, was darüber hinaus geht, würde ich entweder streichen oder an erfahrenere Imker des örtlichen KIV weiterreichen. Einiges an Klimperkram zum Anfassen und das obligatorische Glas frische Frühtracht stehen jedenfalls schon oben fix auf der Liste.


    Mit der Lehrerin hatte ich noch keinen direkten Kontakt, weil die dort alle noch das frische Abitur nachbearbeiten müssen. Als Anfänger im zweiten Jahr ist das meiner Meinung nach eigentlich eine Nummer zu groß für mich, deshalb dieser abgespeckte Plan...
    Gibt es Erfahrungen dazu von Forumiten, die keine LehrerInnen sind, aber sowas schon gemacht haben?
    Ich bin zwar nicht unbedingt auf den Mund gefallen und habe Unterrichtserfahrung aus anderem Fachbereich, aber die Kinder sollen ja ausser dem Probierhonig auch was aus diesem Besuch "mitnehmen"..
    Ist das sinnvoll so vorzugehen?


    Gruß Andreas

  • Es ist am besten, wenn du die Kinder fragen lässt. Aber man sollte dann auch entsprechend vorbereitet sein, denn von "schlafen die Bienen?" über "hat die Königin eine Krone?" bis zu "Warum sind Bienen schwarz/gelb?" hat man alle möglichen und eben unmöglichen Fragen. Gute Möglichkeit, den Unterschied zwischen Bienen und Wespen zu erklären (Farbe/Nahrung). Hast du oder kommst du an einen Schaukasten?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo,
    ich mache ja öfter bei Bienenführungen mit und kann Holmi nur bestätigen: Kinder haben Fragen, da bleibt uns der Mund offen stehen. Wirklich intelligente Fragen, über die man aber erstmal nachdenken muss.
    Also, da kann man sich nicht so gut drauf vorbereiten.
    Ansonsten würde ich eine Honigwabe mitnehmen, wo sie die Finger reinstecken können.
    Kurz den Aufbau des Volkes, die Vermehrung etc. erklären. Also als input ein kurzer Vortrag, dann die Fragen.
    Viele Grüße
    apirita

  • Danke erstmal für den Input,


    deswegen kam mir der Gedanke, dass die Kinder eine kleine Liste erstellen, damit ich mich gezielt auf die Fragen vorbereiten kann, um eben eine ausufernde Rede zu vermeiden... Es muss auch im Zeitrahmen einer einzelnen, ggf. einer Doppelstunde ablaufen. Zuviel kürzen sollte man nicht, aber komplett ausführlich geht wiederum nicht.
    Sollten dann weitere Fragen kommen, kann ich das evtl. und mit Glück auch aus dem Ärmel beantworten, es soll ja auch keine Unterrichtsstunde werden, sondern quasi aus Imkersicht, aus der Praxis, aus der ich erst 1,5Jahre selbst kenne.


    Mal abwarten, wie die Lehrerin sich den Besuch vorstellt, dann bin ich schlauer. Zu mir nach Hause an den Bienenstand wollte sie mit der Klasse auch ganz gern, aber das will ich aus anderen Gründen nicht.


    Gruß Andreas

  • Hallo Andreas,


    da muss ich doch grinsen. Ich habe gerade heute vormittag drei vierte Klassen belustigt.


    Zum Gucken: Schaukasten, Naturbauwabe (ohne Füllung)
    Zum Probieren: Cremige Frühtracht, flüssigen Blütenhonig, Waldhonig
    Vortrag mit Bildern: Aufbau einer Biene (Insekt), Unterschied Biene/Wespe, Bienenbau/Wespennest, Arbeiterinnen/Drohnen/Königin, Wer ist der Chef im Bienenvolk?, Schwarm, Bienchen+Blümchen=Honig+Früchte, Pollen, vom Nektar zum Honig, Entstehung von Waldhonig (erst nach dem Probieren)


    Straff durchgezogen war das jeweils eine gute Dreiviertelstunde.


    Viel Spaß!
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • McFly
    Die links werde ich mir ansehen, mal sehen, was davon am Besten passt.
    Kikibee :
    Hehe, das mit dem Waldhonig werde ich mir merken :cool:


    Ich weis nicht, ob der "Tag der Imker" am 04.07. samstags überall mit Infoständen von Vereinen und Kreisverbänden stattfindet, aber ich hoffe dort den einen oder anderen Tip von den alten Hasen bekommen zu können, diesmal werde ich wohl auch ein paar Stunden dort Rede und Antwort stehen... - da kann ich schon mal üben... :p


    Gruß Andreas

  • Lieber AndreasH,


    nur Worte - das ist zu trocken. Eindruck auf Erwachsene wie Kinder haben regelmäßig eigene körperliche Erfahrungen. Laß doch z.B. mal den Stärksten, den Großmäuligsten oder sonst einen Auffälligen aus der Gruppe probeweise
    mit ca. 20% des Körpergewichtes in Gießkannen um die Wette rennen, das Wasser mit großem Trinkröhrchen/Schlauchstück vom eigenen Gefäß in das des Spielpartners umfüllen und rücktransportieren - nur um Transportleistung bzw. Futterübergabe von Bienen anschaulich zu machen. Das merken die sich. Darüber wird auch auf dem Pausenhof noch erzählt. Und vielleicht zu Hause...


    Viel Spaß allerseits - Gottfried

  • Nee Gottfried,
    das soll ja kein Sportersatzunterricht oder Imkereignungstest werden... :cool:


    Ich bin da eher für Beäugen und Befingern von eben diesem Klimperkram (als Metaller hat man sowas immer dabei) nur hier aus Holz, Wachs, Pollen, Propolis und Honig. Am Samstag war ich als Unterstützer am Infostand des KIV und habe dort einige interessante Gespräche mit Interessenten an der Imkerei führen können. Dabei lief mir auch prompt die eine Lehrerin über den Weg, die selbst imkert.


    Sie konnte mir weitere, auf den Unterrichtsbesuch abgestimmte Tipps geben, ebenso einer der alten Hasen, die solche "Einsätze" schon öfter gemacht hatten. Auch das Projekt "Schulimkerei" ist laut ihrer Aussage längst nicht abgehakt, es lies sich leider wegen wichtigerer Schulthemen nur noch nicht weiter vorantreiben. Ich denke, das wird schon klappen, so wie ich es mir vorstelle unter Berücksichtigung der Tipps, die ich hier schon bekommen habe. Der Test "lila-Kuh-Effekt" am Bienenwachs verlief dort genau wie erwartet: große Augen und Staunen bei Eltern und Kindern - so soll es sein.


    Gruß Andreas

  • Gestern war es dann soweit.
    Nachdem es nochmals Verzögerungen und Stundenverschiebungen gab, habe ich der 5. Klasse einiges berichtet, was sie im Unterricht nicht durchgenommen hatten. Es waren tatsächlich zwei Klassen, in denen diese/r) spezielle Fragestunde/Vorstellung/Gastvortrag abgehalten werden sollte.
    Da der Unterricht in die erste Doppelstunde umgelegt wurde, war die Klasse wohl noch nicht ganz wach, was zu meinem Vorteil war...


    Jedenfalls hat es bis auf kleinere technische Probleme mit PC/Beamer und noch nicht ganz ausgereifter Präsentation ganz gut geklappt für den ersten Unterrichtsbesuch. Ich weis jetzt, wo ich verbessern muss und wie ich die Kinder wach bekomme. Einige hatten tatsächlich Fragen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte, die haben garantiert recherchiert, um mich zu testen... Ich konnte alles zu deren Zufriedenheit beantworten und das mitgebrachte Material war für den Zweck auch völlig ausreichend. Der Frühtrachthonig kam erwartungsgemäß auch sehr gut an, nur waren in der Mensa nicht mehr ausreichend frischen Brötchen vorhanden, aber irgendwas is ja immer...


    Es wurde auch eine Fortsetzung, bzw. Intensivierung solcher Aktionen in Aussicht gestellt, bzw. erbeten. Demnach war auch aus Sicht der Lehrerin auch alles soweit OK.


    Gruß Andreas

  • Dann gratuliere ich zu deinem Erfolgserlebnis mit den Rackern. Was waren es denn für spezielle Fragen? Kinder können manchmal recht spannende Gedanken haben und sicherlich haben sie in letzter Zeit auch überall was von den Bienen gehört und gesehen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Die speziellen Fragen waren eigentlich etwas, was hier im Forum ab und zu von den Experten diskutiert wird, z.B.:
    - können Bienenvölker auch zwei Königinnen haben?
    - wieviele Eier legt eine Königin pro Tag?
    - Was machen Bienen, wenn sie von Hornissen angegriffen werden?
    - wie friedlich sind Bienen (allgemein und/oder im Schwarm)?
    - Wetter- und Temperaturfragen
    - warum Zuckerwasser als Winterfutter?


    Fachbegriffe habe ich nur sparsam verwendet, und wenn, dann nur mit Hinweis auf "Imkerfachsprache".
    Beeindruckt waren sie von der Futterwabe, als ich erklärte, dass das vorher eine Brutwabe war, bei der die Zellen für die Brutaufzucht durch die abgestreiften und lackierten Innenwände zu klein geworden sind. Dazu habe einige Fotos vom Zubehör und einen kurzen Videoclip von meiner ersten Honigernte gezeigt, mit Headsetcamera durch den Schleier gefilmt :daumen:


    Wie schon geschrieben, weis ich jetzt, dass man das so machen kann und was ich verbessern sollte, auch um technische Hindernisse vor Ort möglichst umgehen zu können. Unsere Schule ist digital sehr gut ausgerüstet, aber dafür muss man auch Ausfälle oder einzelne Programmabstürze immer mit einkalkulieren. Was den Auftritt und Erscheinungsbild betrifft, habe ich mich an den Rat eines erfahrenen Imkers aus dem Kreis mit Vortragserfahrung vor Schülern gehalten: "Sei einfach Du selbst", das kommt am Besten rüber. Also unrasiert und mit sichtbaren Tattoos... :p


    Gruß Andreas