Warnung vor extremer Hitze

  • War gerade bei den Bienen. Interessant, was die in so lauen Sommernächten machen. Zu Reggae-Musik werden Cocktails rumgereicht und man sitzt unter dem Sternenhimmel. :)

  • Zitat

    Interessant wäre die Wirkung der extremen Hitze auf die Varroapopulation.


    Ich habe bei dreien meiner stärksten Völker dieses Jahr ständig Bodenschieber drin. Dies deswegen, weil durch das Gitter gefallene einzelne Pollenkörner jeden Tag, an manchen stündlich, gesammelt, getrocknet, bestimmt und massenspektrometrisch auf Sauerstoff-, Kohlenstoff-, und Stickstoffisotope untersucht werden. 50 m daneben steht eine Klimastation des Deutschen Wetterdienstes, wo stündlich alle möglichen Daten (Temperatur, Druck, Luft- und Bodenfeuchtigkeit, etc.) aufgenommen werden. Ziel: Die Isotopenvariationen im Pollen an die Variationen der Wetterbedingungen anzuhängen. Die Paläoklimatiker (Limnologen) brauchen diese Daten als Standard, um die Variationen, die sie in Seesedimenten (z.B. in den Eifelmaaren) jahres- und manchmal sogar tageszeitlich finden, richtig interpretieren können. Die Dendrologen, die mit Baumringen arbeiten, erzählen uns, dass wenn sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit ändern, das veränderte isotopische Signal (über Photosynthese, etc.) einige bis viele Stunden später (je nach Baumart) im Siebröhrensaft findet. Von Pollen von Blütenpflanzen weiß man's bisher nicht, hat nur Hinweise von Windbestäubern, z.b. Kiefern. Kurzum: Meine Bienen sind wissenschaftlich tätig.


    Zum Thema: Bis vor einigen Tagen lag der natürliche Milbenfall bei diesen drei starken Völkern bei 1 bis 3 Milben pro Tag. In den drei oder vier vergangenen ultraheißen Tagen hat sich der natürliche Milbenfall auf 300 bis 700 Milben akkumuliert, also ungefähr zwischen 100 und 200 Milben pro Tag. Unglaublich ! Die überwiegende Mehrzahl dieser Milben ist nicht tot, sondern krabbelt munter auf dem Schieber umher. Bisher keine sekundären Schäden wie DWV-Bienen zu beobachten. Es sieht so aus, als ob hier eine "natürliche Wärmebehandlung" seitens des Wetters wirksam wäre. Ich vermute (optimistisch) das bei Kühlerwerden der Milbenfall (hoffentlich) drastisch zurückgeht. AS-Behandlung folgt nach Abschleudern ab ca. 15. Juli. Dann wird man sehen, ob die Annahme richtig war ...


    Cheers,
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Hallo Baudus,


    klingt sehr interessant!


    Und btw: Und hast Du auch eine Waage drunter? Denkst Du, daß nach dem 15.07. nichts mehr reinkommen wird oder ist das eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Milben? Ich woillte eigentlich erst am Ende des Monats abräumen.


    Gruß Jörg

  • Da war doch mal das Thema Bienensauna in den Medien. Die hohen Temperaturen könnten eine ähnliche Wirkung haben.


    Ich bin übrigens jetzt dazu übergegangen, die Absperrgitter auf den Brutraum zu legen und darauf die Folie (wegen Verkittung des Deckels). Habe also nun einen Beespace über den Waben, wo Luft und Bienen zirkulieren können. Am nächsten Tag war bei höheren Temperaturen weniger Lümmelei auf dem Anflugbrett.


    Jorg

  • Hallo Baudus,
    das wäre absolut schön, wenn die Hitze hier eine positive Auswirkung hätte und nicht nur alte Leute (fast ) um den Verstand bringt.
    Heute ist schon über 30° und das auf der Schattenseite des Hauses _ Ich mag nimmer und morgen soll es noch heißer werden, außerdem soll es ab Freitag wieder sehr heiß werden.



    Gestern Abend an der Ostseite des Hauses - in der Sonne wollte ich die Temperatur gar nicht mehr wissen.

  • Zitat

    Und hast Du auch eine Waage drunter? Denkst Du, daß nach dem 15.07. nichts mehr reinkommen wird oder ist das eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Milben?


    Ich habe eine Waage an einem 8 Km entfernten Stand, wo die Randbedingungen nicht viel anders sind. Dieser Tage noch so um ein Kilo Zunahme. Meine imkerlichen Erfahrungen in diesem Teil Deutschlands reichen bloß 6 Jahre zurück, besagen aber bisher, dass mit Zuendegehen der Winterlinde ziemlich Schluss ist, und das ist bald. Es gibt keine Silber- oder Krimlinden bei mir. Einer der (wenigen) Vorteile der doppelzargigen Zandervölker (die eine Hälfte) ist, dass sie um diese Zeit meist Honigkränze in der oberen Brutraumzarge haben, sodaß AS gleich nach Abräumen erfolgen kann. Die Dadantvölker (die andere Hälfte, mit insgesamt viel mehr Vorteilen) verfügen nach Abräumen der Honigräume über kaum noch Vorräte, sodaß man vor AS füttern oder alte Futterwaben einhängen muss. Das verlangt Fingerspitzengefühl und vor allem Mehrarbeit. Ganz viel später kommt noch Goldrute rein; ich hatte auch schon mal Völker dafür präpariert und geerntet, ist aber vom Aufwand/Ertrag her gesehen ziemlich an der Grenze ...


    Cheers,
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • meine Völker stehen alle in der Sonne und verhalten sich quasi wie immer. Vorlagerungen konnte ich nur bei einem einzargigen MiniPlus beobachten (wurde jetzt erweitert).


    Selbst die Fluglöcher bei den Ablegern hab ich eng wie immer und auch bei den Wirtschaftsvölkern "nur" die normalen 12cm geöffnet.
    Ich schiebe es jetzt mal auf den unterlüfteten Außendeckel von Wagner und darauf, dass ich bei den Ablegern allen einen Fütterer drauf hab, der ja nach oben auch einen gewissen Puffer bietet, darüber hinaus haben die ja ne halbe Beute Leerraum zum rumhängen.
    Geöffnet habe ich bisher nur wo nötig und dann immer kurz vor Sonnenuntergang - normales Verhalten der Bienen bisher.


    Tränke wird nicht besucht, so wie es aussieht kommt vom Weißklee einiges herein (wir hier im Süden hatten ja genug Regen)

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Zum Thema: Bis vor einigen Tagen lag der natürliche Milbenfall bei diesen drei starken Völkern bei 1 bis 3 Milben pro Tag. In den drei oder vier vergangenen ultraheißen Tagen hat sich der natürliche Milbenfall auf 300 bis 700 Milben akkumuliert, also ungefähr zwischen 100 und 200 Milben pro Tag. Unglaublich ! Die überwiegende Mehrzahl dieser Milben ist nicht tot, sondern krabbelt munter auf dem Schieber umher. Bisher keine sekundären Schäden wie DWV-Bienen zu beobachten. Es sieht so aus, als ob hier eine "natürliche Wärmebehandlung" seitens des Wetters wirksam wäre. Ich vermute (optimistisch) das bei Kühlerwerden der Milbenfall (hoffentlich) drastisch zurückgeht. AS-Behandlung folgt nach Abschleudern ab ca. 15. Juli. Dann wird man sehen, ob die Annahme richtig war ...


    Sehr spannend!! Ich hatte bei den Bienen-Sauna-Terminen in Berlin mit dem Team geredet. Sie sagten, dass die Bienen nicht gegen hohe Temperaturen gegenregeln würden. Das wäre ja die Voraussetzung damit die Erwärmung einer Beute mit Brut, Bienen, Waben, Honig ... funktioniert. Langsam ansteigende Werte haben wir ja beim aktuellen Wetter. Leider ist der HOBOS-Stock in Würzburg offline, das ist wirklich schlechtes timing!! Der deutschlandweite Hitze-Rekord war in Kitzingen, 20 km weit weg. Es müssten dort sicher Temperaturen über Brutnest-Temperatur geherrscht haben.


    Hat jemand eine Waage mit Brutraum-Temp-Sensor an und kann berichten was passiert, wenn die Aussentemperatur über normaler Brutnest-Temperatur leigt? Bekommen die Bienen eine "Kühlung" auf 35 °C hin oder nicht?

  • Meiner Meinung nach bekommen sie die Kühlung hin. Ab wann es nicht mehr geht weiß ich nicht.


    Aber wir hatten jetzt 2 Tage mit 36°C im Schatten, die reale Temperatur am Flugbrett in der Sonne war sicherlich höher, dennoch war die Brutraumtemperatur bei meinem Waagvolk konstant zwischen 34,5-35°C ohne jeglichen Ausschlag, weder Tagsüber noch Nachts, und das seit März unverändert, von einer Brutunterbrechung durch Königinnenablegerbildung abgesehen.


    Gruß
    hornet

  • Gute Morgen Zusammen, Hornet hat mich beruhigt. Ab Freitag kommt auf 53 NB Grad und 7 ÖL Grad die
    dritte kurze Hitzewelle, aber nicht vergleichbar mit diejenige in Bayern.
    Meine Massnahmen bis jetzt bei Temperaturen über 32 Grad Celsius, wenn die Flugspalt oder das Flugloch
    zu klein ist und die Waben unter Nektar 'versaufen', sind :


    1. Beutedeckel bisschen nach hinten und Abdeckfolie teils zurück. (Wenn es Nektar regnet, ist Raübereigefahr nicht da.)
    2. Wenn die Beute nicht über 50 Kg wiegt hebe ich die Beute los vom Beuteboden, wodurch es eine zwote Flugspalte gibt.


    P.S. Weil ein Teil meiner Beuten nicht im Schatten stehet, woll ich Streifen Aluminiumfolie úber die Dächer liegen.
    Was meinen Sie, soll das die Bienen desoriëntieren oder ein ander negatief Effekt haben ?


    Eine ganz andere Frage: Weiss jemand was Mirbongeist (oder in Niederländisch: Mirbongeest ) ist ? Grüsse. Bijziend

  • Für die überschlägige Berechnung der Kühllast an den heißesten Tagen, habe ich diesen Onlinerechner herangezogen:
    http://komfort.stulz.de/de/kli…rodukte/kuehllastrechner/


    Mir ist bewußt, daß dieser nicht die Realität abbildet, es geht mir vielmehr um die Verhältnisse und Relationen. Am Ende steht die Frage: was kann ich bei Hitze machen?!


    Interessant sind die Funde:


    Alleine die Isolierung des Deckels vermindert die Kühllast um 5 % bei der Warrébeute. Noch krasser ist es bei Beuten mit großer Deckelfläche:



    Hier vermindert die Isolierung des Deckels die Kühllast um ganze 10 %.


    Die größte Wärme entsteht durch den Besatz durch die "Personen", in unserem Fall sind das die Bienen. Folgerichtig verlassen die Bienen die Beute, wenn es zu heiß ist und bilden einen Bienenbart. (Ich habe hier die Dauerheizleistung von 20 W angesetzt, die von Professor Tautz genannt wird.)


    Eine Kühllast von 45 W oder 59 W bedeutet in Honig (wobei 1 mg Honig = 12,77 Joule) ganze 300 Gramm beziehungsweise 399 Gramm Honigkonsum pro Tag.
    (45 W : 12,77 Ws/mg Honig * 60 s/min * 60 min/h * 24 h/d = gerundet 300 Gramm)


    Die Isolierung des Daches bringt da bei Warré 14 Gramm, bei Dadant 41 Gramm Honig Ersparnis. Wobei Honig hier im Sinne der aufzuwendenden Energie zu verstehen ist. Sozusagen die Energiewährung oder Energieeinheit des Bienenstockes.


    Die Isolierung der Süd- und der Westseite des Bienenstockes wäre bei heißen Tagen noch besser, um die Kühllast von den Schultern der Bienen zu nehmen.


    Der Besatz des Raumes mit Bienen ist aber wirklich ausschlaggebend, was die Kühllast betrifft. Es ist den oben gezeigten Verhältnissen nach wichtig, daß die Bienen sich verteilen können und dazu wären geeignet; ein hoher Boden, genügend Honigräume, Hohlraum im Allgmeinen (=Trommelraum). Ein weiterer Wabenabstand.


    Bei der Wanderung mit Bienen oder beim Transport eines Schwarmes spielt die Kühllast auch eine Rolle. Auch hier ist der Besatz mit Bienen pro Raum entscheidend. Je größer der Schwarm, desto höher ist die Kühllast und damit muß mehr Raum zur Verfügung gestellt werden.

  • Hallo


    mit der Hitze habe ich keine Problme, meine Kisten stehen alle im Schatten und haben das Flugloch auf die ganze Breite der Beute geöffnet.


    Einen Vorteil hatte bei uns die Hitze, als ich jetzt geschleudert habe, hatte auch der Honig in unverdeckelten Waben einen Wassergehalt zwischen 16,5 und 17,5, so trocken war der Honig noch nie in den Segebergern.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)