Königin abgemurkst

  • Liebe Imker,


    3 meiner Völker wollte ich umweiseln. Hauptgrund ist, dass die Bienen stechen, sehr unruhig sind und das Arbeiten an Ihnen nicht viel Spaß macht. Weiterhin sind sie auch schwarmtriebig.
    Folgendes hatte ich mir ausgedacht und auch in die Tat umgesetzt: Ich habe eine totale Brutentnahme durchgeführt, dabei auch die alte Königin entfernt (und sicherheitshalber in einem Minivölkchen geparkt). Dann habe ich dem brutfreien Restvolk die neue begattete Königin im Käfig zum Ausfressen hinzugefügt. Heute (nach 2 Tagen) wollte ich eine Milchsäurebehandlung durchführen und habe die Königin tot auf dem Gitterboden gefunden. Ich darf erwähnen, dass es sich um Carnica-Völker handelt und Buckfast-Königinnen.


    Warum machen die das? Ist doch glatter Selbstmord. Ich dachte eigentlich, dass das Umweiseln kein Problem ist, wenn das Volk keine Brut zum Nachziehen hat. Vielleicht könnt ihr mir raten, was ich das nächste mal besser machen kann. Jetzt habe ich ihnen halt die alte Königin zurückgegeben.


    Aus den 2 anderen Völkern habe ich einen Kunstschwarm erstellt (auch Carnica-Bienen) und habe ihn mit der noch gekäfigten Buckfast-Königin in Kellerhaft genommen, wo er sich immer noch befindet. Habe ich hier das gleiche Problem zu erwarten?


    Für Ratschläge und Erklärungen wäre ich euch dankbar,


    Gruß,


    Jan

  • Wo hast Du denn das Vorgehen her? Normalerweise wird mindestens 48 Stunden vorher entweiselt. Erst dann wird die neue Königin im Käfig zugegeben. Gerade bei aggressiven Völkern ist das abwarten absolut notwendig. Und bei Königinnen, die versandt wurden.


    Selbst wenn die Königin im Käfig nicht abgestochen wird, sie wird durch das Käfiggitter hindurch an Antennen und Füßen gebissen, wodurch sie Schaden nimmt und dann später umgeweiselt wird.


    Bei Kunstschwärmen wartet man mindestens zwei, besser drei Stunden, bevor die Königin im Käfig zugegeben wird. Die Kunstschwärme sollten aus Bienen bestehen, die aus mehreren Völkern gemischt wurden. Wenn die Bienen aus einem Volk stammen, vor allem wenn es sowieso schon stichig war, knöpfen die sich recht lange noch eine eingeweiselte Königin vor und massakrieren sie.


    Schade, daß sowas immer noch passieren muß.

  • Hallo Bernhard,


    danke für die Info, das habe ich wohl falsch gemacht. Für meinen Kunstschwarm sieht es wahrscheinlich auch nicht besonders gut aus, es waren Bienen aus nur 2 Völkern (s.o.).
    Ich hätte nur noch eine Rückfrage: Ist es GENERELL erforderlich, Völker 2 Tage vorher zu entweiseln, bevor man eine neue Königin zusetzt? Oder sieht du das Problem in der Jahreszeit bzw. der Tatsache dass es sich um ein stichiges Volk handelt und Carnica auf Buckfast umgeweiselt werden soll? Kann man das im Herbst einfacher haben? Ich dachte eigentlich (glaube es auch hier im Forum gelesen zu haben), dass man es eher vermeidet Bienen länger weisellos zu lassen.


    Gruß,


    Jan

  • Die Jahreszeit ist ungünstig. Eine per Post versandte Königin ist ungünstig, weil sie aus der Eilage gehen mußte. Meistens ist sie auch gerade erst in Eilage gegangen, als sie verkauft wurde. Volle Leistung bringt sie aber erst nach zwei Monaten. Und fremdartige Königinnen einzuweiseln, birgt auch eigene Risiken.


    Wenn man eine in Eilage (mindestens schon zwei Monate) befindliche Königin direkt aus dem Volk nimmt, kann sie fast immer sofort in ein anderes Volk eingeweiselt werden. Muß man ausprobieren. Im Käfig auf die Oberträger legen. Beißen die Bienen in das Käfiggitter, und knäueln den Käfig, können die Bienen die Königin nicht leiden.


    Fangen die Bienen hingegen an, die Königin zu füttern und mit der Nasanovdrüse ausgestreckt zu fächeln, kann man die Königinnmeist sofort freilassen.


    Am besten ist es, die Völker 48 Stunden vorher zu entweiseln. Dann bist Du auf der halbwegs sicheren Seite.

  • Henry nimmt die Königinnen direkt aus dem Volk und setzt sie direkt in ein Volk. Nichts anderes habe ich oben geschrieben.


    Wenn man eine in Eilage (mindestens schon zwei Monate) befindliche Königin direkt aus dem Volk nimmt, kann sie fast immer sofort in ein anderes Volk eingeweiselt werden.


    Oder was meinst Du mit Welten?

  • ...Hauptgrund ist, dass die Bienen stechen, sehr unruhig sind und das Arbeiten an Ihnen nicht viel Spaß macht. Weiterhin sind sie auch schwarmtriebig.
    ...


    Für Stechen und Unruhe ist oft der Imker selbst die Ursache. Machst Du die Völker ständig auf? Und Schwärmen ist natürlich.


    Das mit der Stecherei geht meist von selbst weg, das kann man freilich nicht mitbekommen, wenn man stets vorher umweiselt. Mein Nachbar wollte mal ein Volk abschwefeln, aber ich habe gesagt, er soll es lieber mir geben. Er hat es mir dann mit vollem Honigraum geschenkt, so hatte er die Schnauze voll von der Stecherei. Aber es wurde dann lammfromm. Mir ist sogar mal eine Wabe runtergefallen, und nicht mal da gab es eine Stecherei. Was ich damit sagen will: Ein bißchen mehr Geduld und dann kannst Du Dir solche Aktionen ,wie oben beschrieben, ersparen.

  • Ich sehe halt einen großen Unterschied zwischen den jetzt von mir umgeweiselten Völkern und den anderen Völkern (mit Buckfast-Einschlag), die ich betreue.
    Eingriffe ins Volk sind eben dann notwendig, wenn schon im April nicht mehr gebaut oder gesammelt wird und das Volk nur noch auf Schwärmen programmiert ist.
    Die Stecherei stört mich sogar weniger als das Aufbrausen, sobald man das Volk aufmacht. Die Volksentwicklung und Honigleistung war auch nicht das gelbe vom Ei.


    Die Frage war aber nicht der Grund für das Umweiseln, sondern was ich dabei falsch gemacht habe. Ich war der Meinung, dass das Restvolk bei einer TBE praktisch einem Kunstschwarm entspricht und faktisch keine andere Wahl hat, als die angebotene Königin anzunehmen. Eine Nachschaffungsmöglichkeit haben die ja nicht.


    Jetzt musste ich mich eines Besseren belehren lassen und werde das nächste mal so vorgehen, wie von Bernhard empfohlen (und lieber erst im Herbst).


    Gruß,


    Jan

  • Hallo Jan,


    normalerweise kannst Du davon ausgehen, dass mit der Kö was nicht in Ordnung ist, wenn die abgestochen wird. Habe gestern auch umfangreich schwarmverhindert, umgeweiselt, zugeweiselt etc. Bei einem Volk, dem ich vor 2 Wochen eine begattete Jung-Kö zugesetzt hatte, turnte selbige gerstern am Flugloch herum, wo ich sie gleich weggeclipst habe. Die Bienen sind schon mind. seit einer Woche megamies drauf, wohl weil keine Brut mehr da ist und auch keine in Aussicht war.


    Gestern dann dort eine 14-er Kö eingeweiselt, ist zwar nicht die beste, aber für so Zwecke ist das immer gut, was in der Hinterhand zu haben. So kann man in das Volk später immer noch was Gescheites einweiseln. Heute sind die Bienen lammfromm, kaum zu glauben. 3 weitere Um-/Einweiselungen klappten ebenfalls problemlos. Nur die Tante, die da gestern am Flugloch rumturnte, die wurde in einem anderen Volk dann im Käfig abgemurkst.


    In schwierigen Fällen der Umweiselung ist es nicht von Nachteil, das Volk in Flugling/Fegling zu teilen und die neue Kö erstmal dem Fegling (Jungbienen) zuzusetzen. So manche alte Flug-/Wachbiene hat vielleicht schon das ein oder andere Negativerlebnis mit der Farbe gelb gehabt, das ist es besser, wenn die dann erstmal nicht mit dabei sind, sondern erst später mittels Vereinigung zusammengeführt werden.


    Grüße Sven

  • Hallo


    ich kann dem gesagten nur zustimmen. Bei artfremden Königinnen muß den Bienen im zu beweiselnden Volk klar sein, das sie wirklich weisellos sind. Ist der Imker nicht ganz genau und er läßt auch nur eine alte Wabe in der Beute, noch mit einem Ei dann hat die Königin keine Chance. Also ich habe schon erlebt das die Königin in Brut gegeangen ist und dann trotzdem abgestochen wurde, warum auch immer.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo,


    Die beiden Völker in die ich umgeweiselt habe waren beide definitiv komplett ohne Brut. Ich hatte eine TBE gemacht (zur Varroa Behandlung). Beide haben die Königin trotzdem abgestochen. Zum Glück habe ich die Königinnen in kleinen Ablegern geparkt und kann sie wieder zurückgeben.
    Vielleicht nimmt wenigstens mein Kunstschwarm die Kö an. Begeistert waren sie von ihr glaube ich nicht.


    Gruß,


    Jan

  • Ich habe 6 per Postversand erhaltene Buckfastköniginnen bei Carnica-Bienen eingeweiselt. Dabei habe ich die Königinnen unter Futterteig freigegeben und über eine Bienenflucht Bienen aus einer Honig-Halbzarge eingeleitet, Flugloch geöffnet. Von denen sind nicht viele geblieben, die haben sich aber intensiv um die Königin gekümmert. Um entwicklungsfähige Jungvölker zu erhalten, hatte ich dann jedem Volk 200g Honigraumbienen von einem anderen Stand mit einem Begattungskästchen zugesetzt. Diese sind geblieben, die Bienen bauten sofort eine Mittelwand aus und die Königinnen bestifteten die gegebene Leerwabe. Weitere Komplikationen gab es nicht. Ich hätte auch gleich Bienen von einem anderen Stand einleiten können.
    Gute Erfahrungen habe ich auch mit Fluglingen gemacht. Diese erhalten eine fremde Beute mit einer fremden Leerwabe und Mittelwände, der Käfig mit der Königin kommt verschlossen zwischen Mittelwand und Leerwabe. Die eintreffende Flugbienen kennen die Beute nicht und sind deutlich verunsichert. Sie bleiben lange vor der Beute und betreten diese nur zögerlich. Bienen, die in die Beute gelangen, irren umher, um Bekanntes zu finden. Am Folgetag haben sie sich um die Königin versammelt und füttern die. Der Käfig wird dann unter Futterteig freigegeben. Ob das auch bei Stechern funktioniert, habe ich nicht probiert, ich habe keine Stecher.


    Gruß Ralph