Zunahme Wassergehalt im Hobbock?

  • Hat jemand Erfahrung ob und wieviel Wasser Honig im Kunststoff-Hobbock zieht, wenn der Hobbock in einer relativ feuchten Umgebung steht (Keller mit ca. 60% relativer Luftfeuchte)?
    Ich rätsle gerade, wo rund 2% Zunahme am Wassergehalt herkommen :-(


    Gruß
    hh


  • Ich rätsle gerade, wo rund 2% Zunahme am Wassergehalt herkommen :-(


    Kristallisiert der Honig vom Eimerboden aus nach oben? Ist mir letztes Jahr bei 12 Gläsern passiert. Unten fester Honig, oben eine 1cm Schicht flüssig geblieben, die leicht in Gährung übergegangen ist.


    Jetzt setz ich damit Met an.


    Stefan

  • Hobbocks sind nicht völlig dicht. Honig im Hobbock zieht daher Wasser in einer feuchten Umgebung. Insbesondere, wenn sie gestapelt werden, ohne Brett als Zwischenlage.


    Bei Schwankungen der Temperatur im Raum, kann es im Innern des Hobbocks auch zur Kondensation der Feuchtigkeit kommen, die sich in der wenigen Luft zwischen Honig und Deckel befindet. Danach kann es zu einer Kettenreaktion kommen. Denn in den Honigkristallen befindet sich auch Wasser, das sich bei der Gärung löst und es wird immer mehr Wasser auf dem Honig. Deswegen wird die flüssige gärende Schicht immer größer.


    Temperaturschwankungen sind daher unbedingt zu vermeiden. Der Undichtigkeit (und den Temperaturschwankungen) der Hobbocks kann man begegnen, indem man den Honig in großen Beuteln in den Hobbocks abfüllt und darin vakuumiert. Dann den Deckel drauf. Man kann auch nachträglich Frischhaltefolie um die Deckel und Hobbockseite wickeln, und so den Honig etwas vor eindringender Feuchtigkeit schützen.


    Die meisten Honige können 60 % Luftfeuchtigkeit aber gut ab. Ich schätze, es war eher die Kettenreaktion einer Gärung, bei der immer mehr Wasser gelöst wurde. Dagegen hilft nur absolut sauberes Arbeiten beim Schleudern, Abfüllen nur in neue Hobbocks, Pollenwaben nicht schleudern, Honig von schwächeren Völkern nicht schleudern (der ist schlecht fermentiert) und Temperaturschwankungen im Raum verhindern.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Danke Bernhard für die Zusammenfassung :daumen:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo zusammen,
    vielen Dank für die Infos. Die Situation bei uns war, dass wir nur Waben entnommen hatten, die um 16% oder darunter lagen, beim Schleudern extra den Lufttrockner am laufen hatten und nach sieben Tagen lag der Honig zwischen 18 und 19%. Zwischen drin hatte ich zweimal gerührt, sonst waren die Hobbocks immer zu und der Keller hat nahezu konstant rund 17°C.


    Ich würde wirklich gerne verstehen wo diese deutliche Zunahme her kommt...


    Gruß
    hh

  • Hallo,


    vielleicht liegt gar keine Zunahme vor, sondern ein Messproblem.


    Meiner Erfahrung nach ist die Messung per Refraktometer äußerst heikel und ungenau.


    -du machst nur Stichproben. Vor allem bei der Messung in der Wabe ist es Glücksache, was du misst. Schon in der NachbarZELLE kann der Honig 2% trockener oder nasser sein, was in den zehntausenden Nachbarzellen wirklich los ist, weißt du schon gleich gar nicht!


    -Sind Honig ODER/UND Refraktometer nicht 20°C warm, gibt es massive Abweichungen, trotz ATC-Funktion, das musste ich selbst erfahren und habe es durch Messreihen ausprobiert. Mag sein, dass es gute und weniger gute Geräte gibt und meines ein besonders schlechtes ist, aber tendenziell dürfte das bei allen üblichen Refraktometern in der Hobbyklasse so sein.


    -Wenn es kühl ist, z.B. 15°C und du machst den HR auf und misst Honig der 30°C und mehr hat, kommt einfach nur Mist raus. Zwar gleicht sich die Temperatur der geringen Honigmenge der Temperatur des Refraktometers (genauer: der Glasoberfläche des Prismas) relativ schnell an, aber nicht in den paar Sekunden, die üblicherweise vergehen.


    -Umgekehrt, wenn man im Lager wiederholt den kühlen Honig misst, z.B. mehrere Stichproben im Lager hintereinander, wird das Prisma durch die Finger deutlich erwärmt und die Folge ist wie im Punkt davor, nur mit umgekehrter Abweichung.


    -Refraktometer sind oft nicht oder nur schlecht justiert und die Justierung verändert sich mit der Zeit wohl auch erstaunlich schnell.
    Mein Refraktometer war angeblich ab Werk justiert, eine Kontrolle ergab dann aber eine um 1% falschen Messwert.


    -Sobald auch nur geringe Trübungen durch beginnende Kristallisation des Honigs (er kann dann immer noch dunkel und sehr flüssig erscheinen!) auftreten, gibt es weitere Abweichungen.


    -vermutlich gibt es noch eine Reihe weiterer Einflussfaktoren


    Wir haben uns unter Kollegen mal den Spaß gemacht, mehrere Refraktometer zu vergleichen, jeder war überzeugt, dass seines richtig anzeigt (außer ich).
    Und dann: 2% Abweichung zwischen den Extremen. Wem das reicht, ok...ich weiß bis heute nicht, welches unserer Refraktometer wohl dem wahren Wert am nähesten war.


    Fazit (für mich): Refraktometer sind im Alltag oft nur gröbste Schätzeisen. Grobe Werte werden nicht feiner, nur weil man die Skala fein unterteilt.
    Ist der Honig eher zu feucht oder ist er eher halbwegs trocken, mehr sollte man nicht erwarten. Und entsprechend sollte man die von Imkern gern ausposaunten ultraniedrigen Werte einschätzen - oder eben frustrierend hohe Werte beim eigenen Honig.
    Und glauben sollte man solchen Werten nur, wenn auch die Optik und das Fließverhalten des Honigs halbwegs zu den Werten passt.


    Wenn der Honig schön zähflüssig ist, kaum aus der Wabe geht, hohe Türmchen baut und das Refraktometer nicht gerade 20% zeigt, dann passt das.
    In allen anderen Fällen sollte man den Honig lieber verfüttern, zu Met machen oder nur mit einem stark verkürzten Haltbarkeitsdatum verkaufen.


    Gruß
    hornet

  • ...Ich würde wirklich gerne verstehen wo diese deutliche Zunahme her kommt...


    Gruß
    hh


    Ich glaube, daß man an der Oberfläche der Hobbocks immer die höchsten Wassergehalte misst. Wenn ich durchrührt habe, waren die Werte wieder im normalen Bereich.


    Gruß Jörg

  • Hallo !


    vielleicht liegt gar keine Zunahme vor, sondern ein Messproblem.


    ein Probennahmeproblem ?


    siehe auch:
    DIN 10742
    Untersuchung von Honig;
    Leitfaden zur Probennahme


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Weil mir die Messerei schon öfters den Nerv geraubt hat, habe ich mir letztes Jahr einen elektronischen Atago gekauft. Wir haben bei der Ernte extra am Rand der Waben die Proben genommen. Und alles war dabei wirklich im "grasgrünen" Bereich. Deswegen bin ich wirklich am verzweifeln, möchte wirklich verstehen wo ich den Fehler mache.


    Interessant fand ich den Hinweis von Bernhard, dass bei Gärprozessen Wasser freigesetzt wird. Jetzt lass ich mal die Hosen runter und gebe zu, dass ich die Schleuder nach der ersten Schleuderung nicht geputzt habe und es waren dann rund zwei Wochen bis zu dem zweiten Einsatz mit der Charge, die die rätselhafte Zunahme im Wassergehalt hatte. Im Moment hab ich keine andere Idee, als dass der Honig dabei was abbekommen hat :cry:


    Das passiert mir nimmer - lieber die halbe Stunde investieren und die Schleuder jedesmal putzen, als hinterher Honig wegschütten oder Muffensausen...


    Gruß
    hh