Macht Hyperthermie Drohnen unfruchtbar, Königinnen drohnenbrütig?

  • Hallo,


    Frau Dr. Gudrun Koeniger erwähnt in ihren Vorträge und Büchern immer wieder, dass Drohnbrut, die auch nur kurze Zeit (2-3h) einer erhöhten Brutnesttemperatur von 42°C ausgesetzt war zu äußerlich funktionsfähigen, aber unfruchtbaren Drohnen führt.


    Jetzt war doch vor kurzem so eine Tournee durch Deutschland mit < einem Gerät > , das Bienenvölker mit Übertemperatur gegen Varroamittel behandeln will. Und es gibt wohl parallel noch andere, ähnliche Geräte.
    (Die Gerätebezeichnung habe ich anonymisiert, da es offenbar Probleme im Forum damit gibt - mir geht es auch nicht um ein Gerät eines bestimmten von mehreren Herstellern ähnlicher Geräte, sondern um die grundsätzliche Technik der Hyperthermie)


    Ich war leider bisher bei keiner dieser Vorführungen dabei, doch aus der Zeitung weiß ich, dass lokale Imker daraufhin offenbar planen, das Gerät nun ebenfalls mal einzusetzen. Auf der Herstellerseite wird zwar empfohlen, die Behandlung in der Winterzeit durchzuführen, doch sei das Gerät grundsätzlich ganzjährig einsetzbar und damit wird dann auch geworben.


    Ich frage mich dabei, ob das nicht ein Eigentor wird. Die meisten Hobbyimker setzen auf Standbegattung.
    Wenn jetzt auch Drohnen damit erwärmt werden, steigt bei höherer Einsatzdichte solcher Geräte garantiert auch die Zahl von so behandelten und unfruchtbaren Drohnen und immer mehr unfruchtbare Drohnen kommen "zum Zuge".


    Da die Königinnen nicht die Spermamenge, geschweige denn Spermaqualität "messen", sondern nur die Zahl der Befruchtungen, wird dies bei vermehrter Befruchtung durch so behandelte Drohnen immer öfter zu lückigen Brutnestern, vermeintlich schlechten Königinnen und Umweiselungsversuchen führen.


    Diese Thematik wird auf der Herstellerseite nicht nur nicht erwähnt, sondern sogar ins Gegenteil verkehrt. Dort heißt es:


    "Bei der Behandlung mit < einem Gerät > gab es bisher keine Anzeichen dafür, dass Drohnenbrut geschädigt worden wäre."
    (Die Gerätebezeichnung habe ich anonymisiert, da es offenbar Probleme im Forum damit gibt - mir geht es auch nicht um ein Gerät eines bestimmten von mehreren Herstellern ähnlicher Geräte, sondern um die grundsätzliche Technik der Hyperthermie)


    Nun, die Drohnen offenbar tatsächlich nicht, aber ihre Spermien!


    Ehrlich gesagt habe ich mehr Vertrauen in eine Wissenschaftlerin als in die Werbeaussagen eines Herstellers.


    Mir macht das ein wenig Sorgen, denn so wie es aussieht, ist der Druck auf die Imkerschaft wegen der Varroa so groß, dass mit großer Begeisterung jeder Strohhalm ergriffen wird, der die Situation erleichtern könnte. Damit könnte auch die Verbreitung und die genannten Kollateralschäden solcher Geräte sehr rasch zunehmen.


    Benutzer dieser Geräte sehen ja nur die Auswirkung auf die eigenen Bienen - die Auswirkungen auf die im Feld befruchteten Königinnen sehen sie nicht direkt. Die Erfahrungen solcher Anwender sind also in diesem Punkt erst mal unbrauchbar, da sich die befürchtete Entwicklung schleichend und flächig einstellen wird.


    Was meint ihr dazu?


    Gruß
    hornet

  • Das erscheint mir logisch, denn es ist ja auch bekannt, dass Spermien allgemein schlecht auf Wärme reagieren.
    (Säugetiere, um nicht den Mnschen speziell zu nennen).


    Aber die Frage geht ja noch weiter.
    Wie sieht es denn aus bei der befruchteten Königin?
    Die Spermien lagern ja jahrelang in ihrem Körper.


    Auf der anderen Seite - wie oft wird so eine Behandlung durchgeführt?
    Wohl nicht serienmäßig über die gesamte Drohnenlaufbahn.
    Es wird also noch begattungsfähige Drohnen geben,
    man muss nur auf den Zeitpunkt achten.


    Aber man muss natürlich wissen, dass man darauf achten muss.
    Danke für den Beitrag.
    Obwohl ich nie mit dem Gedanken gespielt habe, mir so etwas anzuschaffen.


    Gruß Doro

  • Ludger, das ist unfair!


    Ich bin nur an dem Thema interessiert.


    Und wenn man weiß, auf was man achten muss, kann man etwas mit viel mehr Sicherheit anwenden.


    Vergleiche Beipackzettel bei Medikamenten.

  • Hallo Doro,


    Um im Bild mit den Medikamenten zu bleiben - wenn jemand ein solches Verfahren, mit solchen Nebenwirkungen einsetzt. Müsste er nicht nur brav diese Medikamente nehmen, sondern auch im Zweifel zu Hause bleiben, oder Mundschutz tragen, um niemanden anzustecken.


    Sprich - setzt Kommunikation mit den Nachbarn voraus. Da ist absolut nichts unfaires gemeint.
    Oder aus der anderen Perspektive, wenn dein Nachbar das Verfahren einsetzt und du nichts davon weist, hast du unter Umständen ein Problem mit den Begattungsergebnissen.


    Gruß
    Ludger

  • oh sorry, ich dachte, das ginge gegen mich und meine kritischen Anmerkungen.


    Aber das stimmt natürlich, wenn es in der Nachbarschaft angewendet wird,
    gibt es vermehrt Drohnen nur vom eigenen Stand (falls man sie nicht schneidet)
    und die Vielfalt leidet.


    Was ist nun mit der Königin?
    Kann sich jemand vorstellen, dass die eingelagerten Spermien sich auch verändern?
    ....so das zutreffen sollte mit der Wärme und den Spermien.


    Gruß Doro

  • Hi,


    das Problem mit den Drohnen sehe ich nicht so sehr. Die Empfehlung für das zuletzt in den Medien beworbene Gerät lautet soweit ich weiß, dass einmal nach dem abschleudern und einmal im Winter bis zeitigen Frühjahr behandelt werden soll. Das ist nicht gerade die Zeit, in der relevante Drohnenzahlen erbrütet werden. Und dann wenn die meisten Drohnen aufgezogen werden, im April, Mai, Juni hat man am allerwenigsten Probleme mit Varroa und außerdem mit dem Honig und den Honigzargen zu tun, so dass in der Zeit wohl nur äußerst selten das Hyperthermiegerät zum Einsatz käme.


    Was die gespeicherten Spermien in der Königin angeht, so gibt es ja angeblich Erfahrungen, unter anderem aus einer entlegenen Gegend in Schweden, wonach die Thermobehandlung der Fruchtbarkeit der Königin nicht schadet.


    Und zu guter letzt: es darf doch arg bezweifelt werden, dass innerhalb der Brut tatsächlich längere Zeit 42°C erreicht werden. Das ist ja die Temperatur, die in den Wabengassen eingeregelt wird, die Larven werden das in den zwei Stunden wohl kaum erreichen.


    Aber eine klare Aussage von Wissenschaftlern, mit Beschreibung von Versuchen und Messergebnissen, wäre schon schön...


    Grüße,
    Robert


  • Aber eine klare Aussage von Wissenschaftlern, mit Beschreibung von Versuchen und Messergebnissen, wäre schon schön...


    Hallo Robert,


    was hält dich denn davon ab, es selbst mal auszuprobieren? Ein bisserl Wärme bekommt man recht einfach und auch dauerhaft in die Beute, nämlich von unten. Die Bienen zeigen es dir schon, wenns zu warm und nicht mehr regulierbar ist. Dann verschwinden die von den Waben und verdrücken sich in die kühlste Ecke der Beute oder nach draußen.


    Von anderen Begleitumständen unter Wärmezufuhr, wie z.B. Auswirkungen auf Sanftmut und Putztrieb, Brutdauer bei Arbeiterinnen und Drohnen, Anordnung der jeweiligen Zellen auf den Waben, auch von Weiselzellen, .... möchte ich jetzt garnicht erst anfangen. Ist in jedem Fall hochinteressant und stellt so einiges in Stein Gemeißeltes in Frage.


    Gruß Sven

  • Arne90 hat das im Rahmen einer Bachelorarbeit untersucht. Da wurde aber nur die Wirkung von Bruthyperthermie untersucht. Literaturhinweis: "Auswirkungen der Hyperthermie auf die Drohnenfertilität", Arne Kablau, September 2013, Angefertigt an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim.


    Gruß Ralph

  • Gesterrn hat mir ein Russe, (ja die Imkern auch nicht grad schlecht) erzählt:
    Hyperthermianwendung in der brutlosen Zeit, also im Herbst, bei vorrüberghender wegnahme der Qeen wärend der Behandlung.
    Ist das eine gute Idee?
    Hab selber keine Erfahrung mit angewärmten Bienen.
    db