2. HR , Aufsetzen oder Untersetzen

  • Liebe Forianer,


    folgende Ausgangssituation bietet sich:
    Nach der Rapstracht wurde direkt in ein Gebiet mit Sommer/Winterlinden gewandert. Der junge Imker hat "übersehen", dass in einiger Entfernung gerade die Robinien honigten. Der erste HR ist zu 70% voll. In ca. 10 Tagen werden dort die Linden blühen. Die Tracht die er eigentlich angewandert hat.


    Frage: Setzt er nun den 2. HR AUF, oder setzt er ihn UNTER den vorherigen. Er hat zu 50% ausgebaute Waben (frisch ausgeschleudert) und hat Bedenken, dass diese nicht zügig im 2. HR ausgebaut werden, falls er in AUFSETZT.


    Ist seine Sorge berechtigt? Was sind Eure Erfahrungen ?


    es grüßt Euch
    der Waldschrat


    (Zanderimker, Kraichgau/Odenwald 300m ü.NN)

    "Die Bienen lieben Dich - Sie wollen sich bei Dir vermehren" ....sprach der Imkerpate und der Schwarm zog aus

  • Wenn richtig Tracht ist, werden die egal ob oben oder unten ausgebaut wie jeck, da kannst Du (aka. 'der Imker') die vermutlich auch neben die Kisten stellen ;)


    Färbt das jetzt mit dem Schreiben in der dritten Person ab?


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hat er (also sie) mal das Buch von Bruder Adam - meine Betriebsweise gelesen ? Auf Seite 31 schreibt er (also Bruder Adam), das es am günstigsten sei Honigräume aufzusetzen. Gegen Ende der Tracht werden die Honigräume dann aber in der Reihenfolge vertauscht, um auch den letzten Honigraum befüllen zu lassen, gleichzeitig aber auch jeder Zeit die vollen oben abnehmen zu können. Bruder Adam hat allerdings auch gerne "Leuchttürme" gebaut, um so effektiv wie möglich zu arbeiten.

  • Du kannst das Buch auch dreimal lesen, manchmal ist es nunmal besser unter zu setzen.


    Gruß Sanni


    Hallo Sanni. Lese mal Hier.
    Das eigentliche Problem beim zweigeteilten Brutraum ist aber die Erweiterung der einräumig überwinterten Völker. Zu einem Zeitpunkt, wo Dadantvölker bereits Überschüsse im Honigraum sammeln wird der Brutraum verdoppelt und das Brutnest ausgedehnt, was eindeutig auf Kosten der Erträge geht. Durch „Untersetzen“ versucht man neuerdings diesen Nachteil zu kompensieren. Dabei wird ignoriert, dass das „Untersetzen“ bereits 1970 durch wissenschaftliche Untersuchungen von Alborzi in Hohenheim als „nicht sinnvoll“ bewertet wurde. Deshalb wurde in Hohenheim das „Aufsetzen“ zur Maxime erhoben. Wenn man jetzt, 40 Jahre später, zu den alten Zöpfen zurückkehrt ist das nur ein weiterer Beleg für die betriebstechnischen Nachteile und die Kompromisse bei zweigeteiltem Brutraum in Verbindung mit einräumiger Überwinterung. Ein Dadant- Brutraum ist von solchen betriebstechnischen Überlegungen frei, ein dem Volk angepasster Brutraum wird zur Verfügung gestellt, Honigräume nach Bedarf, das war´s!


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Sanni,


    kannst du bitte näher beschreiben, was genau in diesen Punkt für dich den Unterschied macht?
    Was passiert, wenn du untersetzt anders als wenn du aufsetzt und was gefällt dir daran besser?
    Wie man es richtig machen sollte, damit der von dir erfahrene Mehrwert auch tatsächlich eintritt?


    Ich habe ja auch Dadant, leider noch nicht so viel Erfahrung.
    Aber ich habe letztes Jahr UNTERgesetzt zum Testen und fand es weniger gut. Honigräume beide unregelmäßig und nicht voll ausgebaut.
    Heuer mache ich es wieder mit NUR AUFsetzen. Honigraum unten wird voll ausgebaut, weiter oben hin natürlich immer weniger, sie wachsen ja von selbst hinauf und die Saison ist ja nicht um.


    War mein Fehler vielleicht nur, dass ich bereits untergesetzt habe, obwohl der 1. HR noch gar nicht voll ausgebaut war?
    Aber eigentlich muss ich ja aufsetzen, sobald die Bienen den Honigraum halb ausgebaut und fast voll besetzt haben, um rechtzeitig Raum zu geben.
    Setze ich jetzt unter, dann vernachlässigen sie nach meiner Erfahrung den ersten Honigraum und bauen lieber unten weiter. Die Bienen verteilen sich dann längere Zeit ungünstig auf die beiden Honigräume, es ist längere Zeit (bis die Bienenmasse nachgewachsen ist) nirgendswo optimal dicht.


    Beim Aufsetzen dagegen machen sie weiter, wachsen organisch, optimale Bienendichte und nur an den Rändern, wo sie noch wachen und bauen noch nicht.


    Mein Gefühl ist:
    Beim Aufsetzen ist der Raum da, wird aber erst genutzt, wenn er gebraucht wird.
    Beim Untersetzen ist der Raum da und da sie den bereits bebauten Bereich nicht verlassen wollen, gleichzeitig aber den neuen Raum darunter wegen seiner Brutnestnähe unbedingt auch besetzen wollen, werden sie gewzungen, einen viel größeren Raum zu belagern als sie es von sich aus tun würden. Auch die Bau- und Einlageranstrengungen verteilen sich auf einen viel größeren Raum.


    Gruß
    hornet

  • Bei der Honigschulung vor einigen Tagen wurde die Frage auch gestellt, Guido Eich hat das Untersetzen als die bessere, bzw. sinnvollere Methode erklärt, weil:


    Die Bienen "haben den Eindruck, dass es bei verdeckelten Zellen schon alles fertig sei, darum gehen sie nicht weiter nach oben. Denn sie wandern normalerweise hoch und bauen runter. Haben sie also "festen Boden unter den Füßen", spüren sie auch keinen Drang, noch weiter nach oben zu gehen, weil es dort scheinbar nichts zu tun gibt, selbst wenn Raum nach oben vorhanden ist.Ees kann aber auch der Zeitpunkt entscheiden, an dem man unter- oder aufsetzt. Wenn schon zu viel verdeckelt ist, seien die Chancen auf höherliegende(n) Ausbau/Verdeckelung geringer.."


    Ist jetzt sinngemäß wiedergegeben, vermutlich wird es dazu auch komplett gegensätzliche Meinungen oder Erfahrungen geben. Ich weis nicht, was besser ist. So hat er es jedenfalls unabhängig vom Beutensystem erklärt. Zudem steigt ja immer noch die wärmere Luft hoch und trocknet den oberen Honig weiter ab, was ein weiteres PRO-Argument für das Untersetzen wäre.


    Gruß Andreas