Alles auf einmal-TBE, Vereinigung, Umstellung auf Naturwabenbau, soll ichs riskieren?

  • Guten Morgen,


    ich mache mir seit einiger Zeit Gedanken darüber, wie ich mehrere "Probleme" möglichst effizient lösen kann. Seit geraumer Zeit möchte ich zumindest im Brutraum (Dadant) umstellen auf Naturwabenbau. Am besten natürlich über Schwärme. Ausgerechnet in diesem Jahr tut sich bei mir in der Hinsicht nix, bzw haben 2 Völker abgeschwärmt und ich habe die Heimatlosen nicht gefunden:cry:.
    Zweite Sache ist die, dass ich an 2 Ständen je 2 Völker stehen habe, von denen jeweils eines top und vermehrungswürdig ist, das andere unerwünschte Eigenschaften zeigt. Hier würde ich zu gerne vereinigen, und dabei die bessere Königin erhalten. Da ich voraussichtlich Anfang bis Mitte Juli die Sommerernte hinter mich bringen werde, möchte ich zeitnah daran vereinigen und die neu entstehenden Völker durch gleichzeitige TBE von der Varroalast befreien. Theoretisch stelle ich mir das so vor:
    die beiden alten Kisten (stehen sehr dicht beisammen, Fluglöcher gleich ausgerichtet) an Seite rücken. In die Mitte eine neue Kiste, ausgestattet mit Anfangsstreifen. Absperrgitter drauf, Honigzarge, leer, darüber, zum abkehren. Nun Volk mit unerwünschter Kö darüber abkehren, komplett. Königin abfischen. Das gleiche mit dm 2. Volk. Diese Königin zur Sicherheit mit Futterteig käfigen (???, oder gleich hinab mit ihr in den Brutraum???).
    Alte Beuten entfernen, sodass alle Bienen am Stand gezwungen sind, in die neue einzukehren.
    Ausserdem stellt sich noch die Frage der Futterversorgung. Am liebsten würde ich flüssig füttern, wegen des Wabenaufbaus. In der Regel haben wir um die Zeit eine Trachtlücke. Die andere Möglichkeit bestünde darin, die nicht verdeckelten Honigwaben als Futterquelle über ASG obenauf zu setzen. Nicht verdeckelte Honigwaben fallen deshalb an, weil ich früh abschleudere und diese Waben als Wintervorrat üblicherweise obendrauf lasse. Oder setze ich die besser unter ASG unter den Brutraum? Was und wo bauen die Mädels dann?
    Prima wäre natürlich, die Varroalast in den Völkern auf diese Weise erstmal abzusenken, ohne direkt mit AS behandeln zu müssen.
    Ich erbitte eine Einschätzung darüber, ob ich durch das Chaos, in das ich die Vlker damit stürze, eher grossen Murks fabrizieren werde oder ob ich überhaupt eine Chance habe, mit diesen Bienen noch eine gescheite Naturwabenbaugemeinde bis zum Winter hinzubekommen.
    Ich hege Zweifel, ob die "konventionell" gehaltenen Immen so mir nichts, Dir nichts auf Naturbau umschalten können.
    Danke für Eure kritischen und hilfreichen Überlegungen!
    Landpomeranze

  • Ich habe meine Völker auch per TBE auf Naturwabenbau umgestellt. Es geht schon so, wie du dir das vorstellst. Nur: der Zeitpunkt klappt nicht!
    Anfang bis Mitte Juli ist zwar auch die empfohlene Zeit für die TBE, z.B. von den Kirchhainern. Aber für Naturbau ist es zu spät. Da nutze ich die Schwarmzeit aus und nehme Ende April/Anfang Mai die Schwärme per TBE vorweg. Für sie ist die neue Kiste dann wie geschwärmt und sie sind in außerordentlicher Baulaune. Die nutze ich damit aus, das gibt Naturbau vom Feinsten und vor allem kaum Drohnenzellen. Im Sommer ist die Baulaune vorbei.
    Im Juli bauen sie den Raum dann höchstens zur Hälfte aus und das reicht unter Umständen nicht zur Einlagerung des Winterfutters.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Wäre mir zu aufregend. Wenn, dann erst die König suchen und umbringen oder im Käfig in der Brutscheune belassen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, holmi, hallo, Henry.
    danke für Eure Hinweise. Genau das waren auch meine Zweifel...meinen Wunsch (Naturwabenbau) auf Teufel-komm-raus mit den beiden anderen Massnahmen zu kombinieren, werde ich in diesem Jahr begraben. Insgeheim widerstrebt es mir, die Völker dermassen unter Stress zu setzen, und sei es auch aus hehren Zielen.
    Nun gut, Naturwabenbau dann eben verschieben aufs nächste Jahr und da einfach auf Schwärme hoffen (hatte ich schon für 2015 gehofft...). Geduld ist des Imkers Zier.
    Aber trotzdem fein, dass es fundierte Kommentare dazu gibt. Bereichert mich ungemein!
    Liebe Grüsse
    LP
    Ach ja, P.S.: Würde es Eurer meinung nach dann auch keinen Sinn machen, Schwärme, die beispielsweise im Juni fallen, noch auf Naturwabenbau einzuquartieren? Könnte man denen nicht bei unzureichendem Wintervorrat einfach Honigwaben obendrauf setzen???

  • Formatwechsel geht ja noch, aber Naturwabenbau geht jetzt gerade noch. Schwärme im Juni bauen noch aus. Wie gesagt, die sind ja richtig in Baulaune und haben Power. Dfür muss man sie aber bei Trachtlücke auch füttern. aber die legen richtig los, nur später, ab Sommersonnenwende nimmt die Baulaune ja eh ab und Schwärme gibt´s dann auch kaum noch.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • (TBE und Formatwechsel).


    apirita


    Wenn man mit der TBE auch Formatwechsel macht, so ist es keine TBE mehr sondern TWE (Totale Waben Entnahme)- Bei der TBE bleiben Futterwaben drin. Und oft noch die ungedeckelte Brut. Welche ja nicht stört bei der anschliessenden Behandlung.

  • Aber nur 1 Fangwabe und die kommt auch nach 9 Tagen raus! Futterwaben habe ich um die Zeit gar keine drin!

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Meine Erfahrung:
    Wenn man bei einem normal starken Volk die TBE macht und 1 Fangwabe belässt und flüssig füttert, dann bauen die Bienen links und rechts davon ungefähr je 2 Waben 1,5 DNM fast vollständig im Naturbau aus, und zwar mit weißem Wachs. Ein komplettes Nest wird nicht ausgebaut.
    Ein großer Brutsammler baut noch im August fast komplett ein neues Nest im Naturbau, aber das Wachs ist nicht mehr weiß, sondern bräunlich.
    Naturbau geht auch noch später, das wissen die Heideimker. Die Völker müssen nur eben stark sein.


    Gruß Ralph

  • ... und die Warre - Imker. Flüssiges Futter = Tracht = Waben werden ausgebaut um Futter einzulagern, und das auch noch bis Ende August.
    Ich hatte voriges Jahr einen späten Schwarm, der hat Mitte August aufgehört zu bauen und keine ausreichende Stärke zum überwintern erreicht. Mit Zuckersirup ging der Bau dann weiter. Den Winter hat er überlebt und ist gestern schon zum 3. Mal dieses Jahr geschwärmt...

  • Hallo nochmal.
    Nach Lesen aller Kommentare...Kopf-kratz, bin immer noch ratlos. Natürlich gibt einem keiner eine Garantie, und letztendlich muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Aber ich möchte eben keine Völker riskieren...
    Zwischenzeitlich hatte ich etwas umgeschwenkt zu der Lösung, in diesem Jahr TBE inkl. Vereinigung, allerdings dann "nur" mit Mittelwänden statt Naturwabenbau zu machen.
    Der Zeitpunkt etwa Mitte Juli ist für mich absolut unverrückbar, da ich beruflich gerade dieses Jahr im Juni und Juli extrem eingespannt bin. Das bremst schon gewaltig aus, was Flexibilität angeht.
    Ich habe aber im gleichen Zusammenhang doch noch ein paar Fragen, die Ihr bitte auch nach bestem Wissen beantworten möchtet: aus eigener Erfahrung weiss ich, wie rasend schnell ausgebaut wird, wenn Flüssigfutter in stetem Fluss geboten wird (Überfütterung aber vermeidend). Bei mir leidet keiner Hunger oder Mangel, der in meinen Kisten lebt.
    Wie ist es aber mit meinen restlichen Honigraumwaben (ich erinnere: Dadant), die ich auch diesen Sommer nach der Ernte belasse? Meist sind die zwar gut gefüllt, eine Zarge in etwa über jedem Volk, aber zu dem Zeitpunkt unverdeckelt. Das holen die Völker bis August nach und zehren davon im Winter.
    Meine Frage: kann ich entweder bei der TBE diese Waben zum füttern und ausbauen nutzen oder soll ich sie zunächst anderen aufsetzen und stattdessen flüssig zwischenfüttern, bis der Neubau steht? Könnte ich das Ganze alternativ unter Absperrgitter untendruntersetzen, sodass die Bienen das Futter umtragen oder so zumindest sicher verbrauchen? Hat da jemand Erfahrung mit untersetzen??? Klar ist natürlich, dass man dann das Flugloch wg Räuberei klein stellt und das Ganze im Auge behält.
    Ich danke nochmals für hilfreiche Kommentare.
    Schönes WE!
    LP

  • Wird ja immer verrückter, Honigräume untersetzen, echt jetzt? Totale Brutentnahme und kein Schimmer wie es weitergehen soll? Ich würde lieber versuchen die Bienen ganz klassisch auf den Winter vorzubereiten, und ihnen nicht die ganze Brut wegnehmen, die vielleicht noch eine leckere Spättracht einbringen könnte. Wenn du auf den Honig keinen Wert legst aber auf sicheres überwintern, kannst du natürlich auch schon Ende Juli ganz klassisch mit der AS - Behandlung beginnen.

  • Guten Morgen Kruppi.
    Natürlich weiss ich, wie es danach weitergeht. Es ist nicht meine erste TBE. Die Überlegung ging zuallerallerallererst dahin, gleichzeitig auf Naturwabenbau umzustellen. In einer Tour mit einer "vorgezogenen" oder sogar eingesparten Ameisensäure behandlung sowie der eleganten Lösung, mit vereinigten Völkern sowohl genug Volksstärke zum Neubau wie auch die unerwünschten Kö´s los zu bekommen. Das war der Ausgangswunsch. Nun versuche ich, zu modifizieren und auszuloten, was alternativ davon doch noch umsetzbar ist. Ich denke schon, dass es legitim ist, andere um ihren Rat und ihre Erfahrungen zu bitten, weil ich höchst ungern auf Kosten der Bienen herumexperimentieren möchte.
    Und alle möglichen Ergebnisse des brainstorming empfinde ich zunächst mal völlig wertfrei als Bereicherung, um für mich zu einem besseren Ergebnis zu kommen.
    Zu der Argumentation der AS- Behandlung: ich möchte die in diesem Jahr, wenn es nur irgendwie geht, tunlichst vermeiden. Ich habe im letzten Jahr ganz schlimm Schiffbruch damit erlitten, trotzdem es all die Jahre zuvor gut bis sehr gut damit geklappt hat. Aber so ein Desaster wie 2014 möchte ich nie mehr erleben. Da erscheint mir die TBE doch als das kleinere Übel.
    Im übrigen schleudere ich generell meine Sommertracht recht früh ab, um eben ein gutes Zeitpolster für die Varroabehandlung zu haben. Nix ist schlimmer, als plötzlich in Nöte zu geraten, weil die Völker kurz vorm Zusammenbruch stehen und mal wieder stimmt das Wetter nicht. Nein, ich überwintere ganz gerne mit dem Honig, den meine Völker im Juli und August sammeln. Ich für mich habe gute Erfahrung damit, auch, wenn andere das nicht fassen können, was ich da an Mengen obendrauf lasse.
    Wie gesagt, meine Betriebsweise ist kein Dogma, ich bin kein Berufsimker und mache sicherlich noch einen Haufen Fehler, aber das als verrückt zu bezeichnen, dass man diesjährigen unverdeckelten Honig zur Bauerneuerung untersetzt,mh,....
    Nachdenkliche Grüsse
    LP
    P.S. Bei gestriger Standkontrolle fielen mir am hellichten Nachmittag an 2 Völkern Arbeiterinnen auf, die deformierte Drohnen entsorgten. Bei einem anderen,derzeit wohl weisellosen Volk (mehrere WZ aufgebissen, Jungkönigin nicht gesichtet, bis auf ca 20 verdeckelte Drohnenzellen im seit April belassenen Baurahmen keinerlei Brut) habe ich den Rahmen entnommen und mir die Drohnen angesehen. Erschreckend. Von 19 geöffneten Zellen 11 mit Varroa befallen und auch verkrüppelt.
    Ich denke, das wird diesen Sommer echt knapp.

  • Ich habe nun einige Jahre mit Naturwaben gearbeitet und habe vor allem die Nachteile erfahren. Natürlich gebaute Waben sind ja soooo schön! In der Realität siht das aber etwas anders aus:
    Die Waben sind krumm und schief, man muss als Imker während des Wabenbaus immer wieder korrigierend eingreifen, durch die unregelmäßigen Waben übersieht man sehr leicht Weiselzellen bei der Schwarmkontrolle, durch den hohen Anteil an Drohnenbau sind die Völker mit Drohnen geradezu überflutet, was schwarmtreibend wirkt und die Völker bei der Bearbeitung aggressiver macht, die zu erntende Honigmenge ist deutlich geringer als bei Mittelwandbau ...
    Naturbau ist hipp! Aber praktisch ist diese Betriebsweise nicht. Ich würde mir an deiner Stelle genau und unter Ausschaltung aller ideologischen Argumente überlegen, ob ich mir Naturbau unbedingt antun muss.


    Gruß Ralph