Frühtrachternte

  • Hallo allerseits,


    unsere Bienen (wir haben nur ein honigbringendes Volk) sind derzeit recht fleissig und sammeln brav Nektar und lagern den als Honig ein. Da die Bienen in einem sehr ländlichen Dorf stehen, stehen rundherum zig Obstbäume und was man im Garten so findet. Die Kastanien blühen auch derzeit ziemlich. Des weiteren sind zwei große Rapsfelder ca. 400-500m Luftlinie entfernt. Der Raps war die letzten Wochen in voller Blüte, weshalb man davon ausgehen kann, dass ein ordentlicher Anteil davon in unserem Honig ist. Noch blüht der Raps (und er summt!), aber einige Nachbarfelder haben schon nur noch gelbe Tupfer. Soll heissen: irgendwann bald ist "unser" Raps auch durch. Bei der Kontrolle gestern war in allen Waben im HR Honig, aber erst der oberste Kranz der mittleren Waben ist verdeckelt.


    Und damit zur Frage (das wäre unsere erste Ernte, daher haben wir Null Erfahrungswerte): wir sind ab dem 4.6. für 2,5 Wochen nicht zu Hause. Uns ist bewusst, dass das nicht optimal ist. Theoretisch wäre es wohl am besten, vorher zu schleudern, weil der Honig sonst kristallisiert. Nur ist die Frage, ob bis dahin der Raps durch ist und der Honig reif - oder noch zu feucht - ist. Und was kann man dann tun? Ist der Zeitraum von 2,5 Wochen zu lange, um den Honig noch drin zu lassen und auf Nachreifung/Verdeckelung zu warten?


    Unser Plan sähe im Moment folgendes vor: 2.6. Spritzprobe/Verdeckelung prüfen. Wenn positiv, abends Bienenfluchten rein. Am 3.6. morgens ernten, schleudern. Einen Freund o.Ä. bitten nach ein paar Tagen abzuschäumen und in Gläser zu füllen. Und ab damit in den Gefrierschrank. Bei einem Volk stellt wird das kein Platzproblem geben und man spart sich das rühren (speziell weil wir ja nicht da sind).


    Nur die Frage ist: was, wenn der Honig noch nicht reif ist?


    Vielleicht kommen ja ein paar sinnvolle Ratschläge :wink:


    Viele Grüße,
    BC

  • Es wird keine optimale Lösung geben (die wäre nämlich zum richtigen Zeitpunkt zu ernten), aber es ist klar, welche Option schlechter ist: Ist der Honig nicht trocken genug, kannst Du ihn gleichwegschütten oder zu Met verarbeiten.
    Also hoffen, dass er nicht in den Waben auskristallisiert. Ansonsten: Die Völker eng halten, das verlangsamt (wegen des besseren Temperierung des Stocks) das Auskristallisieren, erhöht aber die Schwarmgefahr.


    Ich rate außerdem unbedingt zur Anschaffung eines Refraktometers. Die Spritzprobe ist zu ungenau.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Ich sehe hier die Gefahr, dass ein Schwarm abgeht. 2,5 Wochen Anfang Juni, das ist in der Imkerei eigentlich kaum möglich. Ich würde die Königin mit einer Brutwabe herausnehmen und kurz vor der Reise alle Nachschaffungszellen im Muttervolk bis auf eine, die gut besetzt ist, brechen. Vielleicht liest du noch, was Bernhard zum OTS-Verfahren geschrieben hat, damit die neue Königin gut wird.
    Die Waben würde ich drauflassen, auch auf das Risiko hin, dass der Honig auskristallisiert (was ich aber nicht glaube).


    Gruß Ralph

  • Guten Morgen,
    auch wenn jetzt einige den Kopf schütteln:


    Mir ist Rapshonig, den ich per Spritzprobe "getestet" habe ( da er vielleicht auch noch nicht großartig verdeckelt war) noch nie gegoren
    Aber: Mir ist Frühtracht, die ich nicht spätestens eine Woche nach Verblühen des Raps geschleudert habe schon mehrfach in den Waben fest geworden.


    LG: Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.


  • Die Waben würde ich drauflassen, auch auf das Risiko hin, dass der Honig auskristallisiert (was ich aber nicht glaube).


    Gruß Ralph


    Lieber Ralph,
    ich glaubs nicht, sondern ich weiß es, dass er Mitte Juni rapsige Zuckersteine in den Honigwaben haben wird.:wink:


    Entscheidend ist doch, wann der erste Rapsacker angefangen hat zu blühen.
    Nach 4 Wochen sollte dann schon mal die Schleuder so langsam angeworfen werden, so denn man seinen rapsanteiligen Honig nicht lutschen möchte.


    Der Blühbeschreibung von BC nach, sieht´s bei mir genauso aus. Die ersten Rapsfelder (Blühbeginn vor 4,5 Wochen) sind verblüht, der letzte Acker leuchtet noch schwach gelblich und wird in einer Woche durch sein.


    Freitag habe ich die erste Ladung geschleudert....und die ersten Zuckerkristalle entdeckt.
    Der Wassergehalt ist übrigens dieses Jahr (zumindest bei mir, weil´s hier im Ort seit 4 Wochen nur 3 Liter geregnet und täglich Sonnenschein hatte) auch in unverdeckelten Waben unter 17%.


    Also, ich würde auf jeden Fall die mittigen Honigwaben und alle Waben, die nicht spritzen schleudern.
    Evtl bei einem Imker ein Refraktometer ausleihen.
    Am besten schleudern, wenn am Tag vorher kein Flugwetter war.
    Bei einem Volk würde ich mir auch den Umstand mit der Bienenflucht sparen und früh morgens die paar Waben abkehren.


    Sonnige Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Hallo !


    Die Waben würde ich drauflassen, auch auf das Risiko hin, dass der Honig auskristallisiert (was ich aber nicht glaube).


    Gruß Ralph


    Lieber Ralph,
    ich glaubs nicht, sondern ich weiß es, dass er Mitte Juni rapsige Zuckersteine in den Honigwaben haben wird.:wink:


    Entscheidend ist doch, wann der erste Rapsacker angefangen hat zu blühen.
    Nach 4 Wochen sollte dann schon mal die Schleuder so langsam angeworfen werden, so denn man seinen rapsanteiligen Honig nicht lutschen möchte.


    Das Sonnenblühmchen ist Weise und hat Erfahrung, denn genau so ist es ....
    .... steinhart in den Waben !


    Bei einem Volk würde ich mir auch den Umstand mit der Bienenflucht sparen und früh morgens die paar Waben abkehren.


    Bei BienenKnechts nennt sich das Ding "Kehrfix".



    Sonnige Grüße
    Regina


    Danke für die Wünsche, denn sonnig ist es schon einige Tage nicht mehr.


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Moinsen,


    ich sage dazu:


    - Raps fing an zu blühen am 19.04.
    - Völker in den Raps am 22.04.
    - Raps am Abblühen ab 20.05.
    - Geschleudert am 24.05.
    - ca. 10 Kilo nicht aus den Waben bekommen (bei zwei Völkern im Raps)!!


    Für mich heißt das für die Zukunft: 4 Wochen im Raps ist OK, 5 Wochen zu lang!


    Ach ja - den Raps habe ich ohne Refraktometer geprüft (hatte es da vergessen). Spritzprobe war OK. Später bei der Schleuderung mit dem Ergebnis von 16,5 bis 17,0 % Wasser. Alles tutti :-)


    Gruß
    Frank

  • Servus,habe gestern auch geschleudert,von den 5 Völkern stand eines direkt an 8 Hektar Raps (ergab 25 KG)die anderen am Waldrand.
    Bei dem Rapsvolk warn auch schon einige Rähmchen dabei wo es auskristallisiert war.
    gruss Fleckmann

  • Habe keine eigenen Erfahrungen mit Raps. Meine Bienen fanden zum Glück das nächste Rapsfeld in 1,5 km Entfernung nicht attraktiv und haben den Raps, der heute noch letzte Blüten zeigt, weitestgehend verschmäht. Ein befreundeter Imker, der am Rapsfeld wohnt, konnte allerdings am letzten Samstag etwa die Hälfte seines Rapshonigs nicht erfolgreich schleudern, da auskristallisiert.
    Selbst habe ich (Anfänger) mir gerade ein Refraktometer zu 27,99€ über Amazon gekauft. Über die Güte kann ich nichts genaues sagen; immerhin entsprechen die Messwerte in etwa dem teureren Refraktometer eines befreundeten Imkers. Wenn der Wassergehalt im Grenzbereich liegt (DIB 18% / Honigverordnung 20%), ist meiner Meinung nach abzuwägen, ob er ggf. mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum und evtl. spezieller Empfehlung "kühle Lagerung" in Verkehr gebracht wird.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.

  • Leute, ihr macht mir Angst!
    Unsere Völker stehen am Freitag vier Wochen im Raps. Aber wegen der miserablen Witterung (nachts oft nur 6°C, tagsüber oft nur 13°C, selten über 18°C :-() sind die Honigräume noch längst nicht prall gefüllt. Ein starkes Volk fängt als einziges an, im zweiten HR zu bauen. Verdeckelt ist noch nichts. Nachts verbrauchen sie teilweise mehr, als tagsüber rein kommt. Trotzdem wird ja der Honig, der zuunterst in den Zellen gelagert wurde, ein gewisses Alter haben und ich kann nur beten, dass der nicht kristallisiert.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Leute, ihr macht mir Angst! ..., ein gewisses Alter haben und ich kann nur beten, dass der nicht kristallisiert.


    Hallo Michi,
    Dir geht es ähnlich wir mir/uns! Wir haben erst kürzlich den 2 HR aufgesetzt, nachdem der erste nahezu voll war. Jedoch ist der Raps bei uns bald durch, ca 7-10 Tage, dann ist nix gelbes mehr zu sehen. Aber wir haben vor 2 Jahren festgestellt, dass man nicht unbedingt nach dem Raps schleudern muss, da es noch diverse andere Trachten in der Umgebung gab, die bis Mitte / Ende Juni zum 3. HR geführt haben. Heraus kam ein super Honig mit ca. 16,5% H20 und einem Rapsanteil <50%. So einen top Honig hatten wir seit dem nicht wieder.


    Daher gehen wir nicht unbedingt danach, wann der Raps ausgeblüht hat, sondern nach Gefühl. Anschließend hatten wir weitere 2 HR gefüllt mit einem Sommerhonig mit Lindenblütenhonig, der auch nicht zu verachte war.


    Ich denke, man kann das nicht verpauschalisieren, wann geerntet werden sollten/kann, da jeder andere Ansprüche an seinen Honig stellt und nicht unbedingt Sortenhonig haben muss. Zwischendurch mal mit nem Refraktometer messen, und dann weitergucken.

  • Lieber Michael,


    wenn der Raps in den Waben auskristallisiert - und das tut er zügig - kann es sehr schwer werden, diesen da heraus zu bekommen.
    Das hat dann nix mit Sortenhonig gewinnen zu tun
    Bei uns hier in der Region ist der Raps schon sehr früh verblüht und ein Schleudern Ende Juni wäre definitive, egal was noch oben drauf gelagert wurde, nicht möglich gewesen

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo Anni,


    wie bekommt man den denn überhaupt wieder raus. Ich habe die Waben nun in eine Zarge zusammen gehangen und einem Volk über eine Futterzarge aufgesetzt. So sollen die Bienen das Futter umtragen und es mit anderem vermischen. So hoffe ich, dass der Rapsgehalt sinkt und ich den dann im Sommer ernten kann. Ich habe jedoch Angst, dass dadurch der gesamte Honig im Volk kristalisiert...


    Gruß
    Frank