Bienenflucht bei geringen Außentemperaturen

  • Ich habe die Restbienen in einen umgedrehten Beutendeckel abgestoßen.
    Einige fliegen dabei auf. Andere scheint das gar nicht zu jucken.
    Das Abstoßen scheint meinen Beinen aber deutlich besser zu gefallen als der Beseneinsatz.
    Nachteil ist das nach zig Waben irgendwann der Handballen vom gegenkloppen weh tut. :lol:


    Gruß
    M.

    Seit 16.4.2014 aktiver Imkerneuling. :daumen: 8 Völker auf Dadant. :)

  • toyotafan :


    Mal ganz konkret den Profi gefragt:



    Man soll ja die Flucht am Morgen auflegen, damit nebenbei auch noch eine möglichst lange Phase entsteht, in der der Honig oberhalb der Flucht noch trocknen kann, aber kein neuer, feuchter Nektar dazu kommt.


    Aus dem gleichen Grund raten viele dazu, wenn möglich, die Ernte nach einer Massentracht sogar in eine anschließende Schlechtwetterphase zu verlegen, weil dann nochmals ein paar Tage vorher kommen, in denen die Bienen keinen neuen Nektar eintragen, aber den vorhandenen weiter trocknen und womöglich verdeckeln.


    Sind niedrige Tages- und Nachttemperaturen, wie sie gerade in Schlechtwetterphasen auftreten (wie z.B. jetzt gerade hier in Südbayern!) dabei nicht so entscheidend?
    Ich meine, wird der Honig in den 24h in denen die Bienen langsam nach unten wandern dann nicht erst recht feucht?
    Auskühlen tut er ja auf jeden Fall, also von "stockwarm" kann man dann nicht mehr reden, zumindest war das bisher meine Erfahrung.


    Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass gerade bei kalten Außentemperaturen der Trocknungseffekt besonders groß ist, weil die kalte Luft von den Bienen auf 35°C erwärmt wird, was ja eine starke Abnahme der relativen Luftfeuchte bedeutet.
    Blöde nur, dass gerade der Honig, der geerntet werden soll, oberhalb der Bienenflucht und damit vom Luftstrom innerhalb der Beute abgeschnitten ist!


    Soll man also doch lieber warten, bis wieder wärmere Tage kommen?
    Oder schleuderst du auch gerade jetzt in diesen verregneten Tagen Rapshonig?

  • So, jetzt für alle zusammen das Ergebnis der Aktion:


    Am Samstag früh um 7 Uhr waren noch sehr viele Bienen im Honigraum. Wir haben die Zargen dann gegen 15:30 Uhr abgekehrt von den Bienen. Laut meinem Imkerpaten, der geholfen hat, deutlich weniger, als wenn die Fluchten nicht funktioniert hätten. Die Waben waren aber noch einigermaßen besetzt.
    Die Bienen waren aber nicht stichig o.ä.


    Aus den beiden Völkern haben wir dann in Summe 54 kg Honig geschleudert, was für mich überraschend war, da beide Völker seit Anfang Mai keine Königin mehr hatten.
    Jetzt hoffe ich, dass durch die neuen Bienen (deren Stifte hoffentlich in den nächsten Tagen begonnen werden zu legen) im Juni evtl. noch was geht.



    Der Thread kann wegen mir zu.
    Vielen Dank für alle, die mir geholfen haben!

  • Ich schildere einfach mal mein gestriges Erlebnis ohne den Einsatz von Bienenfluchten.


    Erstes Wirtschaftsvolk morgens um halb sechs Zarge ab und Leerzarge drauf...Randwaben wieder rein und den Rest vor dem Flugloch abgekehrt. Ebenso das am Freitag abgeschwärmte Nachbarvolk. Dann anschließend den am Abend gefangen Schwarm an seiner endgültige Position auf Anfangsstreifen gesetzt und 20min später ging es zum zweiten Stand. Alles easy und wäre auch ohne Schleier gegangen. Die Völker bearbeite ich in der Regel bei reinen Kontrollen mit Rauch und Mütze - ohne Schleier und Handschuhe.
    6:20 am zweiten Stand. Beide HR ab und Leerzarge drauf. Erste Stiche durch die Hose.
    6:23 Stich durch die Hose ins Hinterteil...Bienen auf der gegenüberliegenden Körperseite versuchen ähnliches.
    6:23:01 endgültiger Entschluß die Königin abzudrücken.
    6:25 zweiten Honigraum auf Grund des Wassergehslts wieder obendrauf und Beute verschlossen.
    6:25:30 ein Trupp Bienen im Imkerzug. Stiche in der Achsel, Rücken und Gesicht...
    6:25:40 ...und Rückzug.
    6:35 Nach der Revanche an den "Anzugbienen" im Auto sammelte man sich neu. Socken über die Hose, Imkerhemd in die Hose. Zweiter Anlauf.
    6:36 Beginn mit dem Abfegen der gutbesetzten Waben. Unaufhörliches Klackern an der Haube.
    6:40 Feuchte Spritzer ins Gesicht. Die haben mich doch tatsächlich angeschissen.
    6:50 Endlich alle abgefegten Waben im geschlossen Transportbehälter vor dem 30m entfernten Auto...leider verfolgt von mehreren dutzend Bienen.
    6:55 kein abebben der Angriffe trotz einer Entfernung von nun fast 80m zum Stock.
    7:00 Abfahrt mit Bienen im Auto. Alle Fenster auf...scheiß auf Stockwarm schleudern.


    11:00 Alles abgeschleudert und die Küche ist wieder sauber.
    11:01 Frau kocht Kaffee und fragt nach frischem Honig fürs Frühstück.
    11:01:15 Frau sagt: Du siehst aber etwas angegriffen aus.


    Es gibt bei mir mindestens ein Volk da würde ich nicht nochmal ohne Bienenflucht versuchen zu ernten. Ich spiele sogar mit dem Gedanken die auf dem Sommerhonig überwintern zulassen...aber die lieferten 23kg Honig und haben noch bestimmt 10kg Honig drin zum trocknen...

  • toyotafan :


    Mal ganz konkret den Profi gefragt:....
    Soll man also doch lieber warten, bis wieder wärmere Tage kommen?
    Oder schleuderst du auch gerade jetzt in diesen verregneten Tagen Rapshonig?


    äm ich Ernte selber keinen Rapshonig (mehr).


    denn genau das ist für den Berufsimker ja auch die stressigste Zeit. Ich habe es aber Jahrzehnte lang gemacht. Als die PSM Situation dann aber die Bienen für Folgetrachten zumindest bei mir derart schädigte, habe ich die Rapsernte aufgegeben. Das geht bei mir, weil ich den Raps extra anwandern musste.


    Aber zurück tu deiner Frage:


    Früher habe ich den Raps bei Trachtende mit Fluchten geerntet. Früh Morgens angefangen, aber dann meist auch alle Völker gleich abgeerntet. Egal ob es kühl war oder nicht. Bei mir war es oft ja so, dass der verdeckelte Honig einen deutlich höheren Wassergehalt hatte, als der noch nicht verdeckelte. Da ich schon lange Waagen einsetze sehe ich ja genau, wann die Abnahmen eintreten und gehe erst dann los zum Ernten. Manchmal habe ich aber auch erst gewandert und dann geerntet. Je nach dem, wie die Folgetrachten waren und die Entfernungen/ Richtungen. Damit hat man aber die Besten Resultate in Bezug auf Wassergehalt.


    Muss aber dazu auch sagen, dass ich die Technik dazu besitze mit der das Wandern mit Honig möglich ist.


    Bienenfluchten sind die stressloseste Art Honig Bienenschonend zu ernten, daher bevorzuge ich diese sehr!
    Mit Bienenfluchten ist es auch möglich ohne große Räuberei zu ernte. Ganz besonders gut ist das nach einer Edelkastanientracht ohne Folgetracht und mit großen Völkerzahlen.


    Alles andere geht nur mit einer massiven Räuberei oder dauert Wochen.


    und das gibt dann auch große Konflikte in Sachen Varroabehandlung

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo toyotafan,


    danke für deine Antwort!

    äm ich Ernte selber keinen Rapshonig (mehr).


    das kann ich sehr gut verstehen. Heuer habe ich genau hingeschaut und wenn die Bauern gespritzt hätten UND ich dadurch Schäden bei mir festgestellt hätte, hätte ich vermutlich nächstes Jahr versucht, irgendwas zu tun und wenn es nur das Verschließen der Beuten am Tag der dann beim Bauern angefragten Spritzung wäre. Ganz weg kann ich nicht, hier ist meine Standimkerei nunmal.
    Aber zum Glück wurde NICHT gespritzt, konnte selbst auch kaum Rapsglanzkäfer sehen.
    Außerdem habe ich hier ja einen hohen Anteil Biobauern.


    Zitat

    Früher habe ich den Raps bei Trachtende mit Fluchten geerntet. Früh Morgens angefangen, aber dann meist auch alle Völker gleich abgeerntet. Egal ob es kühl war oder nicht. Bei mir war es oft ja so, dass der verdeckelte Honig einen deutlich höheren Wassergehalt hatte, als der noch nicht verdeckelte.


    Ah, genau so habe ich es heuer auch gemacht und die selbe Erfahrung, nämlich dass teilweise verdeckelte Bereiche 1-2%! feuchter waren! Hast du dafür eine Erklärung? Auch ich habe eine Waage und der Raps ist jetzt schon mehrere Tage vorbei.


    Zitat

    Bienenfluchten sind die stressloseste Art Honig Bienenschonend zu ernten, daher bevorzuge ich diese sehr!


    ja, ohne geht auch für mich als Hobbyimker gar nicht. Ist mir ein Rätsel warum so viele das mit dem Ausblasen durchziehen oder im kleinen Maßstab mit dem Abfegen der einzelnen Waben. Das stresst doch nicht nur die Bienen, sondern mich als Imker, aber da bin ich wohl zu emotional...


    Weiß jemand, ob verdeckelte Honigflächen im Stock noch wesentlich nachtrocknen können (sofern die Bienenmasse stimmt)? Oder sind die Wachsdeckel doch weitgehend dampfdicht?


    Gruß
    hornet

  • ...habe ich es heuer ....die selbe Erfahrung, nämlich dass teilweise verdeckelte Bereiche 1-2%! feuchter waren! Hast du dafür eine Erklärung?


    eine Vermutung nur:


    die Bienen schaffen es einfach nicht soviel Nektar aufs mal einzudicken.


    Das Bienengefüge ist vielleicht die Ursache


    Mitunter werden die Jungbienen zu schnell zu Flugbienen




    .... Ist mir ein Rätsel warum so viele das mit dem Ausblasen durchziehen ....


    je nach dem wie weit man es zum Raps hat, sind das Kosten und Zeitfaktoren


    du musst ja zweimal zum Platz


    .
    Weiß jemand, ob verdeckelte Honigflächen im Stock noch wesentlich nachtrocknen können (sofern die Bienenmasse stimmt)? Oder sind die Wachsdeckel doch weitgehend dampfdicht?


    Gruß
    hornet


    ich vermute mal, dass es schon ne Wasserdurchlässigkeit gibt. Aber ich glaub vorher wird dein Rapshonig fest


    Das ist ja das wirklich schwierige an dieser Tracht. Es ist immer ein Rennen gegen die Zeit


    und jetzt ist es so, dass ich eben durchaus etwas mehr Zeit habe für andere Dinge.


    Wie z.B. Morgen nach Köln zu gehen

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Ich schildere einfach mal mein gestriges Erlebnis ohne den Einsatz von Bienenfluchten.


    Meine Bienen mögen das Abkehren auch nicht wirklich.
    Macht die ganz 'jückig'. Mein Besen Marke BilligHeimer ist vielleicht auch nicht besonders geeignet dafür?
    Wenn die Bienen dann noch agro sind .... Prost Mahlzeit. Oder eben eingelegte Imkerflucht. :)


    Gruß
    Markus

    Seit 16.4.2014 aktiver Imkerneuling. :daumen: 8 Völker auf Dadant. :)