Apfelblütenstecher

  • Was tue ich als Streuobstwiesen- und Bienenbesitzer gegen heftigen Apfelblütenstecher-Befall, der dazu führt, dass die meisten Apfelblüten gar nicht mal richtig blühen? Nix Honig, nix Äpfel...


    Mit frustrierten Grüßen von den ach so idyllischen spritzmittelfreien Streuobstwiesen und Schafweiden
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Was tue ich als Streuobstwiesen- und Bienenbesitzer gegen heftigen Apfelblütenstecher-Befall, der dazu führt, dass die meisten Apfelblüten gar nicht mal richtig blühen? Nix Honig, nix Äpfel...


    Die einzige 'biologische' Möglichkeit: Alles tun, damit sich möglichst viele Vögel in Deiner Streuobstwiese tummeln.
    Vielleicht wäre auch eine Kalk-Lehmanstrich hilfreich, die Käfer überwintern gern unter der Rinde...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Danke Zonia!
    Ich habe schon eine ganze Reihe Nistkästen aufgehängt. Die wollen sie aber nicht (selbes Modell wie zu Hause, dort sehr begehrt). Vielleicht werde ich im Winter Vogelfutter ausgeben.
    Baumstämme streichen kommt auch mit auf die Liste, das gibt es dann zusätzlich zum grünen Ringel gegen die Frostspanner. Warum brauche ich für eine Obstwiese Pinsel, Bienen und einen Jagdschein? Können da nicht einfach mal Äpfel dran hängen?


    Viele Grüße
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Was tue ich als Streuobstwiesen- und Bienenbesitzer gegen heftigen Apfelblütenstecher-Befall, der dazu führt, dass die meisten Apfelblüten gar nicht mal richtig blühen? Nix Honig, nix Äpfel...


    Hallo,


    wie schaut denn sowas aus (Blüten)? Normalerweise ist es ja so, dass, je schlechter es einem Baum geht, selbiger umso mehr Blüten ausbildet, um sich vor dem vermeintlichen Absterben nochmal mit allen verfügbaren Kräften versucht fortzupflanzen, sprich keimfähige Samen auszubilden.


    Vielleicht stehen die Bäume auch zu trocken und oder sind heftigem Wühlmaus-Befall ausgesetzt? Das führt zu selbigem Ergebnis. Hier treibt die östliche Schermaus ihr Unwesen, unser Kater fängt ab und zu mal eine, das sind Riesenviecher, 25 cm lang incl. ca. 5 cm Stummelschwanz, so groß wie ne mittelgroße Ratte. Die machen alles platt, hier im letzten Winter leider auch.


    Oder leiden die Bäume auch unter massivem Pilz-/Flechtenbefall (gelblich/orangefarbene), dann kannstes eigentlich vergessen mit den Äppeln und suchst Dir am besten eine Streuobstwiese auf der Obst gut gedeiht.


    Gruß Sven

  • Warum brauche ich für eine Obstwiese Pinsel, Bienen und einen Jagdschein? Können da nicht einfach mal Äpfel dran hängen?


    Ja, wie sagte mein Meister immer: Scheißnatur :wink:...
    Bevor Du die Bäume anstreichst, mach noch ein bischen Rindenpflege mit einer harten Bürste. Ich bin eigentlich kein Freund vom Abbürsten, weil unter der Rinde auch jede Menge Nützlinge sitzen, aber bei massivem Schädlingsbefall kann das doch sinnvoll sein.
    Vielleicht überlegst Du Dir auch, ob Du einen Teil der Wiese ungemäht lässt- seit wir unsere Wiese nicht mehr mähen, gibt es hier sogar wieder Lerchen...

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    Terence McKenna

  • Hallo Zonia,


    die Wiese wird ein- bis zweimal pro Jahr gemäht. Rundherum sind jede Menge Hecken und höhere Bäume. Die Baumbestand auf der Wiese ist luftig und hell, aber nicht leer. Es gibt Bäume aller Obstarten, die Ältesten sind ca. 20 Jahre alt, also im besten Alter. Es gibt keine Sorte zweimal. Es handelt sich um eine Nordwesthang, auf dem im Sommer ab 10 Uhr die Sonne scheint. Die Wasserversorgung ist auch im Hochsommer bestens, Drainage wegen der Hanglage gegeben, der Boden ist lehmig-humos. EIGENTLICH sollte das Obst darauf nur so schießen. Wenn diese blöden Viecher nicht wären. Neben dem Apfelblütenstecher gibt es auch noch Heerscharen von anderen Raupen, gestern sahen einige Bäume aus wie im Winter, vollkommen kahlgefressen.


    Das Einzige, was nicht optimal ist, ist der pH-Wert des Bodens, er ist mit pH4 sehr sauer. Würde Kalken nützen, damit sich die Bäume besser wehren können?


    Ganz wiesenunlustig
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Seufz, das hört sich ja eigentlich alles optimal an, bis auf den PH-Wert. Für Apfelbäume ist ein Wert unter 5,5 nicht mehr o.k.- am besten im Herbst mit kohlensaurem Kalk düngen. Nicht zu viel, sonst kann der Baum keine Spurenelemente mehr aufnehmen, 10kg pro 100qm nicht überschreiten. Wehren können sich die Bäume gegen den Stecher dann auch nicht besser, aber Du kannst durch das Kalken auch Krankheiten, wie z.B. Stippigkeit, vorbeugen.
    Gegen den Stecher gibt es tatsächlich nur ein Spritzmittel, was im ökologischen Obstbau zugelassen ist, blöderweise ist es extrem toxisch für Bienen. Das Zeug heißt Spinosad und ist ein bakterielles Fermentationsprodukt. Wie zu vielen Schädlingen gibt es auch eine Schlupfwespenart, die die Larven des Stechers parasitiert- da könnte man auch ansetzen und mit entsprechenden Maßnahmen die Ansiedlung fördern.


    Good luck!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Hallo,
    mag sein, dass Spintor (Spinosat) irgendwo im ökologischen Anbau genehmigt ist, aber auf keinen Fall im Obstbau zugelassen und dann auch noch gegen den Apfelblütenstecher.
    Als Mittel gegen den Apfelblütenstecher ist Spruzit Neu eine Möglichkeit. es ist bienenungefährlich (B4) und wirkt über vorwiegend über Kontakt. Allerdings ist der Zug dafür in diesem Jahr abgefahren. Gewisse Probleme bereitet allerdings die Applikationstechnik im Streuobstanbau.......
    Gruß
    tribalsun

  • Hallo, aktuell dürfte es wohl zu spät sein, gegen den Käfer noch vorzugehen. Soweit ich weiß, sind im ökolog. Landbau auch keine Mittel speziell zur Bekämpfung des Apfelblütenstechers zugelassen. Sinnvoll könnte der Einsatz von Schlupfwespen sein, diese parasitieren die Larven des Blütenstechers. Der fliegt im März (?) ab 10°C die Apfelbäume an, fängt an zu fressen und Eier abzulegen. In dieser Phase könnte eine Behandlung der Bäume mit einer Spritzung auf Pyrethrumbasis wirken, die Bäume müssen aber auch komplett eingenebelt werden, bei Hochstämmen eher schwierig. Gruß, Reiner

  • OK, da der nächste Winter ja sicher kommt und ich neue Bauprojekte "dringend brauche": Welche Vögel sind denn bei der Raupenvertilgung erfolgreich? Ich weiss, dass hier zumindest mal Meisen und Kleiber unterwegs sind (ök, Vögel sind nicht meine Stärke, die fliegen immer weg...). Hinter der Wiese gibt es Buchenmischwald und ganz viel Odenwald. Meisen und Kleiber gehen wohl in dieselben Standard-Meisen-Nistkästen. Was sollte ich sinnigerweise noch aufhängen?


    Falls ich der Raupen jemals Herr werde, dann werden die Vögel vermutlich meine Bienen fressen... NOCH haben die Spechte die Beuten nicht entdeckt.


    Der Nachbar-Obstwiesenbesitzer meinte, dieser heftige Raupenfraß sei in dieser "Tal"ecke normal. Wobei es sich dabei wirklich nur um vielleicht vier Hektar handelt. Weiter unten und ums Eck herum haben die Bäume deutlich mehr Blätter und im Sommer auch Obst. Mir fällt gerade auf: Nur der Nachbar und wir lassen das Gras das ganze Jahr durch wachsen, alle anderen Wiesen werden öfter abgeweidet oder gemäht. Kann das damit zu tun haben?


    Zur Spritzung: Ungefähr die Hälfte der Obstbäume sind Halbstämme, aber es gibt auch einige sehr große Bäume, vor allem im Randbereich. Die Raupen haben sogar die Walnussbäume zu mindestens 1/3 abgefressen. Besonders schlimm hat es neben den Apfelbäumen die Pflaumen erwischt. Es sind neben dem Apfelblütenstecher noch mindestens vier weitere Raupensorten am Werk.


    Für Ideen aller Art bin ich sehr dankbar.


    Viele Fragezeichen von Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Hallo,
    dann hast Du es ja mindestens noch mit dem Frostspanner zu tun... Aus der Beschreibung des Standortes (Waldrandlage) heraus, würde ich (wie Dein Nachbar) davon ausgehen, dass der Befall "normal" ist. Mit dem Wald hast Du zumindestens für den Stecher einen idealen Rückzugsraum für die Überwinterung. Von dort erfolgt dann jeweils die Neubesiedelung der Obstbäume im Frühjahr. Die Höhe des Grases spielt da m.E. keine Rolle.
    Meisen sind eine gute Idee, Fledermäuse wären nicht schlecht, gleichzeitig würde ich auf Schlupfwespen setzen, Leimringe im Herbst zum Abfangen der Frostspanner anbringen, notfalls im März (ab 15° C) vor der Blüte einmal mit Spruzit durch die Anlage... Aber im einzelnen wäre es wichtig zu wissen, welche Schadorganismen in welcher Menge auftreten und dann entsprechend zu handeln.


    Gruß, Reiner

  • ...
    mag sein, dass Spintor (Spinosat) irgendwo im ökologischen Anbau genehmigt ist, aber auf keinen Fall im Obstbau zugelassen und dann auch noch gegen den Apfelblütenstecher.


    Hast recht, ich hab' noch mal nachgeguckt. Erlaubt im Acker-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau- im Obstbau nicht. Danke für die Info!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • dann hast Du es ja mindestens noch mit dem Frostspanner zu tun...


    Ja, den Frostspanner haben wir hier auch. Leimringe habe ich schon das zweite Jahr geleimt, aber nicht bei allen Bäumen. Letztes Jahr glaubte ich einen Unterschied gesehen zu haben. Dieses Jahr nicht. Wir haben auf dem Hektar gut über hundertfünfzig Bäume/Großbüsche aller Arten und Größen, die meisten davon am Rand, so dass die eigentlichen Obstbäume frei und luftig stehen. Ich kann aber definitiv nicht alles und jeden mit Leimring versehen, von dem Wald dahinter ganz zu schweigen.


    Gestern habe ich hoffnungsfroh einen Meisenfamilie beim ersten Ausflug beobachtet. Mein göttlicher Gatte liebäugelt mit einer guten Kappsäge. Sehr gut, dann kann ich im Winter in die Nistkastengroßproduktion gehen! Eine Anleitung für Fledermauskästen habe ich auch irgendwo.


    Ob Spruzit in der Situation was nützt? Gefühlt ist das so wie eine stark verlauste Rose an einer einzigen Blüte behandeln.


    Eigentlich müsste sich doch in einem absolut idyllischem Tal, in dem sich außer Schafen und Wanderern nichts herumtreibt, nichts gespritzt, gedüngt, angebaut oder sonstwas wird, die Wiesen höchstens dreimal geschnitten werden oder einfach von Schafen abgefressen, die Hecken wachsen und die Vögel nisten dürfen, also in so einem Eck sollten sich doch Raupen, Vögel etc irgendwie im Gleichgewicht befinden. Und kann ich daran was ändern?


    Ein herzliches Danke an alle Mitdenkenden und -fühlenden!
    Kikibee

    With lots of room for improvement.