Waldtracht 2015

  • Hallo,


    das PSM im Wald für Meli sorgen soll, halte ich gelinde gesagt für ziemlich weit hergeholt.


    Einerseits wird im Wald wirklich sehr selten gespritzt, im Gegenteil ohne fsc-Zertifizierung bekommt man für dasselbe Holz weniger Geld. Und fsc verbietet meines Wissens die Ausbringung von PSM.
    Auf der anderen Seite ist meines Wissens in der Fichte die schon von Toyotafan abgebildete Große schwarze Fichtenrindenlaus (Cinara Picea) für den Zementhonig verantwortlich.


    Ob auch andere Läuse Melizitose in rauen Mengen produzieren weiß ich nicht, das konnte oder wollte mir der Drohn auch nicht sagen.


    Also bevor ihr PSM für Melizitose verantwortlicht macht, wäre erst mal zu klären ob in der Fichte nicht die Cinara Picea massenhaft auftritt. Und dafür wären nicht die PSM, sondern die Umweltbedingungen verantwortlich. Vielleicht wird durch den Klimawandel deren Entwicklung ja gefördert.


    Wenn nach einem starken Regen der Trachtflug direkt wieder einsetzt, dann kann der Honigtau nicht vom Regen weg gewaschen worden sein. Dementsprechend müssen die Läuse vom Regen geschützt nahe am Stamm, also auf dickeren Ästen sitzen. Auf dickeren Ästen sitzt aber nur die Cinara Picea. Ich meine Liebig hat das in seinem Buch "Die Waldtracht" so oder so ähnlich beschrieben. (By the way halte ich dieses Buch übrigens für lesenswert und bin mir darüber bewußt, daß Papier geduldig ist.)
    Wer die Möglichkeit hat, sollte vielleicht mal nach diesen Anzeichen suchen, um zu ermitteln welche Laus da beflogen oder nicht beflogen wird.


    Also laßt mal die Tassen im Schrank, neh, die Kirche im Dorf.


    Grüße von Herrn Rübengrün

    Wenn Du tot bist, weißt Du nicht, daß Du tot bist. Aber für Dein Umfeld ist es hart.

    Genauso ist es, wenn Du blöd bist.


    Ich halte die Erkenntnis für einleuchtend, dass alle Menschen frei geboren sind und nicht alle das überhaupt wollen.

  • so ein Fall ist insofern relevant für ganz Deutschland, weil alle Imker stark verunsichert sind: wo kann man denn noch hin und sorgenfrei Völker aufstellen? Da hilft auch kein Herunterspielen und Abwerten, frei nach dem Motto: "Das war ein Einzelfall."


    Für manche Imker stehen Existenzen auf dem Spiel, wenn solche Fälle passieren, kann man das nicht nachvollziehen?


    es liegt mir fern, etwas herunterspielen zu wollen. Aber ich halte viel von Realitäten und die sind nunmal so, dass PSM im Wald definitiv zu vernachlässigen sind, beim Blick auf das Große Ganze.


    Man kann sich die Finger auch an einem Streichholzflamme verbrennen, dennoch ist eine solche winzige Flamme einfach kein Vergleich mit einem Waldbrand.


    PSM im Wald ist im Vergleich zum PSM-Alltag in der Landwirtschaft eine Streichholzflamme, so sieht es nunmal aus.
    Daran ändern auch schlimme Einzelfälle nichts und genau das ist der von dir beschriebebe Fall nunmal tatsächlich, auch wenn du die Augen (warum auch immer) davor verschließen willst.


    Ich kann sehr wohl nachvollziehen, dass solche Einzelfälle für die Betroffenen schlimm sind und andere verunsichern.
    Das ist auch bei Flugzeugabstürzen so. Dennoch ist bei realistischer Betrachtung Fliegen mit das sicherste Verkehrsmittel.


    Das ist nunmal so.


    Gruß
    hornet

  • ....abgebildete Große schwarze Fichtenrindenlaus (Cinara Picea) für den Zementhonig verantwortlich...
    Ob auch andere Läuse Melizitose in rauen Mengen produzieren weiß ich nicht, das konnte oder wollte mir der Drohn auch nicht sagen.


    also die große schwarze Fichtenrindenlaus macht nicht immer Melezitose!
    andere Läusarten machen auch nicht immer Melezitose


    einzig bei den Lecanien hab noch nie Meli bekommen und bei den Weitannen auch nicht.


    Die ganz große Frage war von mir, warum machen sie es einmal und warum das andere mal nicht!
    Und warum gibt es seit neuestem Meli auch ohne diese Massenzunahmen.


    Es hat sich also was verändert. und wenn ich mir die Meli Gegenden (von denen ich es weiß) so betrachte, sind die meisten Standorte relativ nahe an möglichem PSM Einsatz, Glyphosat inklusive. Da fallen mir Christbaumkulturen ein, oder Baumschulen oder Milchviehbetriebe oder Mais oder auch Holzpolter.


    Bei den Holzpolter war ich immer der Meinung, dass diese seit dem Lindan-Skandal nicht mehr behandelt werden. Doch dem ist nicht so


    War sehr überrascht, bei einer Begegnung mit einem Förster, dass dieser einen Spritzkübel in seinem Auto hatte. Auf mein nachfragen er dann sagte, dass damit eben die Polter behandelt werden. Nicht viel aber...


    Ich schließe aber auch PSM Ursachen für den Enzym-Mangel bei den Bienen nicht (mehr) aus. Auch hier könnte es Zusammenhänge geben.

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Moin Hornet,



    Das ist auch bei Flugzeugabstürzen so. Dennoch ist bei realistischer Betrachtung Fliegen mit das sicherste Verkehrsmittel.


    Das ist nunmal so.


    nein, ist es auch nicht. Die Statistik vergleicht Personenkilometer. Sie müsste aber Personenverkehrsereignisse vergleichen, da die Gefahr im Flugzeug im Schwerpunkt nicht an der Strecke hängt, sondern an Start und Landung. Dann ist es plötzlich gefährlicher, als Motorradfahren... Das jedoch möchten irgendwelche Leute nicht. Auch von Reisedauer halten sie nicht viel.


    -


    Zur Melezitose und zum PSM: Ich kann mir da zwei Wirkungswege vorstellen...


    Dass es sich um eine mangelhafte enzymatische Aufbereitung des Honigtaues handelt, scheint doch deutlich.


    Dass Neonics langanhaltend wirken und in Pollenvorräten bewahrt werden, ebenfalls.


    These: Waldtracht bietet nicht viel frischen Pollen, weil die Bienen vorrangig den vielen Seim bergen. Da werden Pollenvorräte aufgegessen. Ist das so?


    Möglicherweise können die mit kontaminiertem Pollen aufgezogenen Bienen nicht ordentlich trocknen und metabolisieren.


    Waldränder haben nicht unerhebliche Einträge aus angrenzenden Ackerflächen. Du kannst da in der Streu einen Schluffgradienten vom Rand zum Waldesinneren feststellen, der den Staubeintrag belegt. Wo Staubeintrag nachgewiesen ist, müsste für andere Aerosole das Gegenteil bewiesen werden. Und auch mit dem Staub werden Wirkstoffe transportiert. Wenn die im niedrigen einstelligen Nanogrammbereich schon deutliche Wirkungen zeigen, ist das auch nicht mehr per se irrelevant.


    Wir diskutieren hier ja eine Zunahme eines Phänomens, nicht etwas nie dagewesenes.


    Gruß Clas, der jetzt zu den Bienen muss

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


  • Ich schließe aber auch PSM Ursachen für den Enzym-Mangel bei den Bienen nicht (mehr) aus. Auch hier könnte es Zusammenhänge geben.


    Im Wald wird mehr gespritzt als man denkt. Hab dies selbst einige Jahre miterlebt und betreiben müssen. Die Wintereinschläge sind davon am wenigsten betroffen, ausser man bekommt es nicht rechtzeitig verkauft bzw. wird nicht rechtzeitig abgeholt. Schlimmer bzw. zum Einsatz kommt es meist dann, wenn auch die Bienen in den Wald fliegen aufgrund Fällung von Bäumen mit Borkenkäfer und anschliessender Spritzung der Polter. Man könnte die Stämme auch entrinden, aber das ist eben eine Arbeit... und Maschinen sind teuer. Es bleibt jedoch die Frage inwiefern diese Spritzung den Bienen oder Läusen schadet. Zumindest in meiner aktiven Zeit konnte ich da keinen Bienenbeflug auf solche Polter erkennen, Wespen und sonstiges war da aber mit am Werk -vielleicht kommt es zur Kontaminierung durch Wespen oder Ameisen die dann noch an die Läuse gehen? Jedoch ist die ausgebrachte Menge wirklich gering -wenn auch meist recht Laienhaft angemischt...


    Aufgrund Jahrzehntelanger Monokulturen und falscher Baum-/Standortwahl kommt es eben zu Massenvermehrung der Schädlinge. Das selbe Spiel in der Landwirtschaft, nur eben einige Stufen verschärft.


    Ich bin der Meinung, solange wir es nicht weiter eingrenzen können, müssen wir die Augen und Gedanken in alle Richtungen schweifen lassen. Ob PSM, Mutation, Stress oder was auch immer, wir müssen in alle Richtungen denken -sonst werden wir das Rätsel nie gelöst bekommen.
    Und genau hier gefällt mir dieses Forum sehr gut, da sich verschiedene Mitstreiter mit unterschiedlicher Meinung finden und bereit sind darüber auf einem sauberen Level zu Diskutieren. So macht es Spass und bringt uns weiter!

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hallo Bernhard, hallo Imker,


    natürlich kann man bei dieser Frage den Einfluss von PSM erst mal nicht ganz ausschließen. Die Frage ist halt nur, wo sollte man den Schwerpunkt für Untersuchungen legen.
    Und aus meiner - sicher nicht so langjährigen - Erfahrung und meiner Situation am Standort halte ich diesen Einfluss für geringer als andere Ansätze.


    Ich will auch keineswegs die Vergiftungs-Problematik herunter spielen, oder mit dazu beitragen, dass diese in den Container "Einzelfälle = Wurscht" verschwindet. Im Gegenteil!
    Ich sehe die Relevanz ebenfalls für ganz Deutschland und für alle Imker, besonders auch dann, wenn man (noch) nicht von der PSM betroffen ist, so wie ich.


    Aber: Wir Imker sollten vorsichtig mit dieser Zuschreibung umgehen. Wenn wir allzu schnell und auch bei geringer Signifikanz die rote PSM-Karte ziehen, kann unser Protest auch schnell irrelevant werden und das genau möchte ich eben nicht.


    Bitte versteht meinen Kommentar also nicht so, dass mir die PSM-Problematik wurscht ist, weil ich nicht betroffen bin.


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.


  • Bitte versteht meinen Kommentar also nicht so, dass mir die PSM-Problematik wurscht ist, weil ich nicht betroffen bin.


    viele Grüße
    Gerhard


    Wir sind längst alle betroffen Gerhard, mit Sicherheit auch du.


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Wir sind längst alle betroffen Gerhard, mit Sicherheit auch du.


    Liebe Grüße


    Simon


    So ist es, es gibt zu 99% keinen Flecken mehr auf dieser Erde wo keine Kontaminierung mit irgendwelchen Giften vorliegt. Ob es nun durch den Regen, Wind, Staub, Meer, Fluss oder Müll hervorgerufen wird ist dabei egal, auf jedenfall verbreitet es sich überall und unsere Folgegenerationen werden darunter noch heftig leiden müssen -selbst wenn wir es aktuell noch nicht wirklich zu spüren bekommen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • selbst wenn wir es aktuell noch nicht wirklich zu spüren bekommen.


    Ich glaube wir bekommen es alle schon stärker zu spüren als wir glauben. Was ist mit Diabetes? Ist es nur die Ernährung? Fettleibigkeit? Wieder nur die Ernährung? Allergien? Nur zu wenig Dreck in der Kindheit, bei mir sicher nicht und ich habe auch eine Pollen-Allergie gegen Birken/Gräser.


    Nur werden diese mysteriösen Zunahmen an bestimmten Krankheiten/Veränderungen von Verhalten noch nicht mit Umweltgiften in Verbindung gebracht.
    Und ja, unsere Folgegenerationen werden es noch besser zu spüren bekommen.


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo,


    natürlich leiden wir alle unter der allgemeinen höheren Belastung, die jeden und natürlich mich auch trifft.
    Aber es macht doch einen Unterschied, ob ich meine Bienen neben einer intensiv betrieben Landwirtschaft stehen habe und die Bienen zu der allgemeinen Belastung noch zusätzliche Gifte schlucken müssen. Und zu unserem Ausgangspunkt:
    Wenn das Vorkommen des Meli-Honigs auf die allgemeine Giftbelastung zurückgeführt werden soll,
    dann dürfte es keine derartigen mikroregionalen Unterschiede geben.
    Wenn die lokalen Vergiftungen durch die z.B. intensive Landwirtschaft das Vorkommen beeinflussen, dass dürfte ich keinen/wenig Meli-Honig haben,
    was aber auch nicht der Fall ist.
    Deshalb erscheint mir die Ursachenzuschreibung der PSM für den Meli-Honig als nicht zutreffend, bzw. andere Ursachen signifikanter. Und, wenn wir uns an die Öffentlichkeit wenden,
    um auf das Vergiftung-Problem aufmerksam zu machen, dann sollten unsere Argumente stichhaltig sein, sonst machen wir uns auf Dauer unglaubhaft.


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • ....um auf das Vergiftung-Problem aufmerksam zu machen, dann sollten unsere Argumente stichhaltig sein, sonst machen wir uns auf Dauer unglaubhaft.


    viele Grüße
    Gerhard


    Schlimm genug dass wir Bürger uns der Sache annehmen müssen. Wo sind die Institute?


    Ausserdem: Luxemburg stützt sich auf die Glyphosat-freundliche Bewertung des BfR (http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/glyphosat-126638.html) anstatt auf die kritische der WHO (http://www.scientificamerican.…rbicide-linked-to-cancer/) und verbietet Glyphosat nicht für Privatpersonen.


    Wir müssen uns wehren, selbst auf die Gefahr hin dass wir blöd dastehen könnten!

  • Schlimm genug dass wir Bürger uns der Sache annehmen müssen. Wo sind die Institute?


    Ausserdem: Luxemburg stützt sich auf die Glyphosat-freundliche Bewertung des BfR (http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/glyphosat-126638.html) anstatt auf die kritische der WHO (http://www.scientificamerican.…rbicide-linked-to-cancer/) und verbietet Glyphosat nicht für Privatpersonen.


    Wir müssen uns wehren, selbst auf die Gefahr hin dass wir blöd dastehen könnten!


    Hier geht es nur um finanzielle Interessen.


    Blöd dastehen hingegen wird man wenn man Krebs bekommt, aufgrund der Tatsache, dass unsere Nahrungsmittel mit solchen Chemikalien behandeln werden.