Waldtracht 2015

  • Christoph hat mal irgendwo geschrieben dass es früher weniger Melezitose gegeben hat. Ich hab bei einigen älteren Imkern nachgefragt und nahezu alle bestätigten das. Es scheint also tatsächlich ein Problem zu sein, dass in den letzten Jahrzehnten erst so richtig aufgekommen ist und vorher nur in Einzelfällen aufgetreten ist.


    das unterstützt zwei der hier bereits genannten Theorien:
    -dem wärmeren Klima, das die Fichten stresst und daher irgendwie mehr Melezitose produzieren lässt
    -den neuen PSM-Mitteln


    Wobei die einfachere, naheliegendere Lösung wiederum die mit dem Klima wäre. Die Fichte leidet jedenfalls in der Tat seit Anfang der 90er Jahre an dem wärmeren und trockeneren Klima bei uns - sie ist sowieso ein Gebirgsbaum und hatte schon vorher in vielen Regionen Probleme.


    Zitat


    Die Biene muss aber fermentieren, da sie den Honig als Winterfutter benutzt. Jedes zuckerabbauende Enzymmolekül schnappt sich ein Zuckermolekül und zerlegt es. Wenn es fertig ist, ist das Enzymmolekül wieder frei und schnappt sich den nächsten Zucker. Und ich glaube dieser Vorgang funktioniert nicht immer richtig, warum auch immer.


    Wer von uns könnte das schon ausschließen?
    Niemand, ebenso wenig aber auch die harmlosere Annahme, dass die Läuse zuletzt nur vermehrt Melezitose ausscheiden müssen, weil sich die Zusammensetzung des Phloemsaftes wegen dem Klimastress verändert hat/die Konzentration von Melezitose höher ist.


    Im Wald wird auch gespritzt - von Karate Forst bis sonstwas. Das letzte Paradies ist so ein Wald schon lange nicht mehr. Zumindest, wenn er als Forst bewirtschaftet wird.


    Spritzen im Wald ist aber so exorbitant aufwändig und teuer und heikel, dass kein Forstbetrieb sowas freiwillig oder leichtfertig macht. Mal schnell nach Feierabend den Traktor anwerfen, eine Flasche PSM in den Tank kippen und hinter dem Hof 20x rauf und runter fahren und fertig, das ist im Wald nicht möglich.


    Im Wald wird daher (heutzutage, früher war das tatsächlich noch etwas anders) nur in seltenen Ausnahmefällen und meist mit hohem technologischem Aufwand gespritzt, nämlich nur bei wirklich gefährlichen Großkalamitäten von Schwammspinner & Co. Und das sind eigentlich auch immer nur die gleichen, bekannten Risikogebiete und damit nur ein absolut winziger Flächenanteil Deutschlands.


    Es gibt also sicherlich Gegenden, wo sich die PSM-Anwendung deswegen auch im Wald etwas häuft.


    Dennoch ist die Spritzhäufigkeit und -menge im größten Teil Deutschlands im Wald auf praktisch der gesamten Fläche zwischen Null und ganz nahe bei Null und selbst in den genannten Problemgebieten immer noch so viel niedriger und seltener, dass es überhaupt kein Vergleich mit den landwirtschaftlichen Flächen ist, die zu nahe 100% mehrmals im Jahr mit großen Mengen besprüht werden.


    Und die klassischen Waldhonig-Gegenden Schwarzwald &Co sind garantiert auch genau die Gegenden, in denen mit am wenigstens gespritzt wird, schon allein, weil dort das Klima für die Fichten zwar auch schlechter geworden, aber immer noch deutlich günstiger ist, sie daher weniger anfällig sind. Dennoch ist ja auch dort die Häufigkeit von Melezitosetrachten gestiegen, oder?



    Gruß
    hornet

  • .. Schwarzwald &Co sind garantiert auch genau die Gegenden, in denen mit am wenigstens gespritzt wird,.... Dennoch ist ja auch dort die Häufigkeit von Melezitosetrachten gestiegen, oder?


    Nun ich hab nicht den vollen Überblick was das derzeitige Meli Aufkommen im Schwarzwald betrifft. Für meinen Bereich kann ich nur sagen, dass letzte Melezitosejahr 2009 gewesen sein muss. Doch das war schon am Rande zu den Weinbergen bzw. in der nähe von Christbaumkulturen, was den Einfluss von PSM untermauern könnte.


    Es gibt aber tatsächlich Gegenden (sogenannte Honiglöcher) im Schwarzwald, da gab es noch nie Melezitose! Dabei muss man aber wissen, dass die alten Hasen immer Weißtannenbestände bevorzugen oder Standorte mit einem sehr hohen Anteil und die reinen Fichtenbestände so gut es geht meiden.


    Dagegen gibt es auch dieses Jahr im Schwäbischen Wald auch Zementhonig. Dort haben wir aber relativ geringe Abstände zu Ackerflächen.

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Also wenn sich mal rausstellen sollte,


    dass nicht Klima, sondern PSM dafür verantwortlich sind, dann wäre es doch der Hammer, wenn man das belegen könnte.
    Das würde sicherlich viele aufschrecken und zum Nachdenken bringen.


    So eine Art Karte zur ersten Mustererkennung wäre da schon gut.


    Ist schon klar, das ist nicht so einfach und du hast ja auch schon gefragt: "Wer macht's?"


    Aber über eine Art neudeutsch "crowd"-Datensammlung könnte man das schon hinbekommen.
    Wenn jeder seinen Standort, an dem Melezitose aufgetaucht ist und das zugehörige Jahr mitteilt und man diese Daten erst mal sammelt, könnte da bei größerer Teilnehmermenge schon was bei rauskommen.
    Eine einfache Datensammlung, z.B. Koordinaten, Jahr etc. in einer Exceltabelle könnte ich hinkriegen und über einen längeren Zeitraum anbieten und durchführen, z.B. indem mir diese Daten per PM hier im Forum zugesandt werden.


    Es bräuchte dann aber immer noch jemanden, der Webspace zur Verfügung stellt und diese Daten dann reinprogrammieren und darstellen könnte. Den bräuchten wir aber erst, wenn aussagekräftige Anzahl von Daten vorhanden ist, das kann vermutlich viele Monate dauern.


    Und da niemand seinen genauen Standort verraten sollte und will, müssten die Koordinaten eine gewisse Ungenauigkeit und Grobheit haben. Das wirft die Frage auf, ob die Daten dann überhaupt ausreichend aussagekräftig sind.


    Gruß
    hornet

  • Bezgl der Standorte:


    ich hab ja da nur mal meine Gedanken eingebracht!


    Es wäre vielleicht von Vorteil, mit 2 verschiedenen Standortangeben zu arbeiten. Einer für intern und einen für die Öfftentlichkeit? bei dem nur die ersten drei Zahlen der Postleitzahl angegeben werden?

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hmm,


    die Technik kann ich auf die Beine stellen. Ist nicht viel anders, als meine Weihnachtsumfrage zum Thema Varroa. Nur sitze ich hier nicht gerade im klassischen Waldtrachtgebiet. Also hätte ich selbst wenig direkten Nutzen davon. Aber ihr könnt mir ja mal ne PM schicken, ob ihr bereit wärt - so ála Spendierbiene euch an den Kosten für Entwicklung und laufende Kosten zu beteiligen. Die Erste Biene geht dann gleich weiter ans Forum.


    Gruß
    Ludger

  • Das kann man auch mit Koordinaten machen, am einfachsten mit UTM-Koordianten, denn
    Die einzelnen Ziffernpositionen im Easting / Northing haben somit folgende Maßeinheiten:


    1. Position: 1000 km
    2. Position: 100 km
    3. Position: 10 km
    4. Position: 1000 m
    5. Position: 100 m
    6. Position: 10 m
    7. Position: 1 m


    Dann schreibt man halt nur bis Position 3 für denn öffentlichen Wert, dann ist es nur auf 10km genau (die restlichen Stellen füllt man mit 0ern auf)


    Die Postleitzahlen finde ich persönlich nicht so gut, da man dann 2 Werte pflegen müßte - Koordinaten und Postleitzahl, Koordinaten ungenauer machen kann man in Excel per Formel.


    VG Martin

  • Hallo Martin,


    aus der Koordinate eine Postleitzahl zu machen ist relativ einfach, dafür gibt es entsprechende Webservices. Deshalb würde ich nur die Koordinate abfragen. Ich werde auch die Varroaumfrage darauf umbauen. Wie man die 'öffentliche' Darstellung des Trachtmelders ungenauer macht, müsste man dann noch sehen.


    Gruß
    Ludger


  • Spritzen im Wald ist aber so exorbitant aufwändig und teuer und heikel, dass kein Forstbetrieb sowas freiwillig oder leichtfertig macht...
    Gruß
    hornet



    Oh doch, müssen sie wohl.


    Hierzuland hat eine für harte € bezahlte Studie des LIST (früher Gabriel Lippmann) herausgefunden, dass u.A. die meisten Winterverluste dort auftreten, wo am meisten Wald gerodet wurde.


    Gerodeter Wald ist ja für Bienen ein Eldorado. Nur nicht, wenn dort PSM eingesetzt werden

  • Nachdem es morgen und übermorgen hier noch heißer werden soll (heute 35 Grad) habe ich mich heute an das Schleudern gemacht.
    Nur vereinzelt konnte ich nicht alle Waben honigleer bekommen, aber ich bin sehr zufrieden.
    Schöner dunkler, geleeartiger Honig mit 16 % Wassergehalt und das in den Segeberger.


    Für das morgige Frühstück von der Schleuder geholt ( mit Wachsteilchen)


  • Spritzen im Wald ist aber so exorbitant aufwändig und teuer und heikel, ... schnell nach Feierabend den Traktor anwerfen, eine Flasche PSM in den Tank kippen und hinter dem Hof 20x rauf und runter fahren und fertig, das ist im Wald nicht möglich.


    Da ich persönlich einen Imker kenne, der massive Schäden bei seinen Bienen durch Spritzungen gegen Blattläuse im Forst hatte, und bei dem das erstens nachgewiesen und zweitens durch den betreffenden Waldbesitzer zugegeben wurde, habe ich jegliche Naivität bezüglich der Unberührtheit der Wälder abgelegt.

  • Hallo


    Habe heute meinen Waldstand abgeräumt Völker waren schwach aber Brut satt.
    Im Gras vor den Beuten viele tote Bienen.
    Man muss nur suchen. Und ich wundere mich warum die nichts mehr bringen.

    (Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt wissen, was Frieden heißt) Jimi Hendrix

  • Bernhard :


    Blattläuse?!?
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand im Wald auf die Bäume gegen harmlose Blattläuse spritzt, also Hubschrauber einsetzt oder mit großen, LKW-gestützten leistungsfähigen Sprühgeräten hantiert, NUR um (für Bäume und deren Holzertrag) völlig harmlose Blattläuse zu bekämpfen! Denke mal an die Betriebskosten!


    Ich tippe, dein Fall war eher eine Christbaumplantage, da wird tatsächlich gespritzt gegen alles mögliche. Solche Anlagen sind aber kein Wald, sondern sind Intensivkulturen, ähnlich wie Landwirtschaft.


    Dass natürlich immer ein kleiner Privatwaldbesitzer, womöglich auch noch Landwirt und entsprechenden Giftmaschinen auch im "richtigen" Wald mit seinen Miniflächen allerhand komische Sachen anstellt, kann man natürlich nie ausschließen. Sowas sind dann aber immer für die Gesamtfläche Deutschlands total irrelevante Einzelfälle und können nicht verallgemeinert werden.


    Gruß
    hornet

  • Hallo,


    zumindest für meinen Bereich kann ich die Vergiftung als Ursache für Meli-Honig als wenig signifikant bewerten. Der Wald wurde garantiert in den letzten Jahren nicht bespritzt, die Felder und Wiesen werden nicht intensiv bewirtschaftet und große Mais- oder Rapsfelder gibt es hier auch nicht. Wenn, dann müsste sich die Belastung bei mir auf einen allgemeinen Anstieg der Umweltbelastung zurückführen lassen. Dann aber macht eine regionale Betrachtung hinsichtlich des Vorkommens von Meli-Honig wenig Sinn und das Vorkommen müsste flächendeckend sein, was ja eben nicht der Fall ist.
    Auch wenn wir Imker sehr an der Vergiftung durch intensive Landwirtschaft leiden, sollten wir dies nicht bei allen Problemen als Ursache zuschreiben.


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • In diesem Fall wurden 80 Völker totgespritzt - plus Völker von benachbarten Bienenständen.


    so ein Fall ist insofern relevant für ganz Deutschland, weil alle Imker stark verunsichert sind: wo kann man denn noch hin und sorgenfrei Völker aufstellen? Da hilft auch kein Herunterspielen und Abwerten, frei nach dem Motto: "Das war ein Einzelfall." Das war übrigens genau der Spruch, der vom Bayer-Vorstand an die Überlebende der Antibabypille gerichtet wurde, nachdem sie von ihrem "Einzelfall" berichtete. Die 15.000 Klagen der anderen Einzelfälle wurden mal eben ausgeblendet.


    Für manche Imker stehen Existenzen auf dem Spiel, wenn solche Fälle passieren, kann man das nicht nachvollziehen?


    Sicher sind nicht immer Pflanzenschutzmittel/Pestizide im Spiel, Gerhard, wenn die Melizitose kommt. Die weiter oben beschriebenen Ansätze weisen ja auch schon darauf hin, was es noch sein könnte: Enzym- und damit Bienenschwund. Woher kommt Bienenschwund. Neben Vergiftungen sind das Unterkühlungen und die können einen schattigen Standort zur Bedingung haben. Bienenschwund entsteht auch bei vorangegangenen Pollenmangel und und und...wie auch immer. Heutzutage sollte man lieber mit wachem Auge dabei sein, sonst endet man als "Einzelfall".


    Gruß
    Bernhard