Drohnenbrütiges (?) Volk mit massenhaft noch unreifem Honig - wie vorgehen?

  • Grüße!



    Ich sehe mich möglicherweise mit einem für mich größerem Problem konfrontiert und wollte euch einmal um Rat fragen, um mögliche Handlungsalternativen für den für mich ungünstigsten Fall auszuloten.


    Folgendes Problem:
    Ich habe heute bei einem Volk das vollkommen verhonigte Brutnest befreit und habe 6 volle aber erst teilweise leicht verdeckelte Honigwaben aus dem 2. Brutraum in einen nun 2. Honigraum hochgehangen. (Erster Honigraum komplett voll und mittlere Waben in Verdeckelung begriffen). Die entstandene Lücke des 2. Brutraums habe ich mit Mittelwänden aufgefüllt, sowie eine beidseitig frisch bestiftete Wabe mit Arbeiterinnenzellen aus dem 1. Brutraum in den 2. Brutraum gehangen, um das Brutnest nach oben zu ziehen. Bei der Aktion ist mir schon aufgefallen, dass das Volk nicht so voll, wie vor 5 Tagen ausgesehen hat. Vor 5 Tagen habe ich auch zahlreiche bestiftete Weiselzellen gebrochen. Dass das Volk abgeschwärmt ist, hielt ich für unwahrscheinlich, da ja die frischen Stifte da waren. Nun habe ich allerdings auch ein kleines Stückchen Wildbau unter dem 1. Brutraum entfernt und nach der Durchsicht aus der Wiese angesehen und einen ordentlichen Schrecken bekommen: Das ca. 35cm² große Stück war zwar flächendeckend bestiftet, doch habe ich in 3 Zellen je 2 statt nur einen Stift gesehen. Zudem waren zahlreiche Stifte nicht zentral in der Zellenmitte, sondern eben irgendwo am Rand. Klassisches Zeichen also für Drohnenbrütigkeit. Ich habe mich dann versucht an die von mir großteils bestiftete Arbeiterinnenwabe zu erinnern und meine, dass sie vollkommen lückenlos bestiftet war und die Stifte auch schön zentral wie immer in den Zellen standen. Weitere Informationen zum Volk: vor 10 Tagen habe ich 3 Brutwaben für einen Ableger entnommen. (Königin war definitiv NICHT dabei! Habe Brutwaben über das ASG gehangen und dann die Brutwaben mit angesaugten Ammenbienen und zugefegten Honigbienen zu einem Ableger gemacht) Mir sind heute auch keinerlei Spielnäpfe oder gar Weiselzellen untergekommen, von denen vor 5 Tagen noch massenweise da waren. Weiterhin stehen jetzt 2 Honigräume (Ganzzargen) drauf mit insgesamt nun 16 vollen Waben, die langsam angefangen werden zu verdeckeln.



    Nun frage ich mich also erstmal zum aktuellen Status: ist das Volk jetzt drohnenbrütig oder nicht? Ab wann kann ich es mit Gewissheit sagen? Oder ist es vielleicht möglich, dass die Königin nur kurzzeitig faxen machte? Das Volk war in enormer Schwarmstimmung und vor 5 Tagen habe ich auch schon neben zahlreichen bestifteten, auch eine Weiselzelle gebrochen, die schon weiter fortgeschritten (aber noch nicht verdeckelt) war. Dass sie mir direkt vor dem Zellenbrechen vor 5 Tagen abgeschwärmt sind und ich so jede Möglichkeit zum Nachschaffen genommen habe, scheint mir sehr unwahrscheinlich, denn das Volk war immer noch so dermaßen voll wie eine Woche zuvor. Erst heute kamen sie mir schwächer vor. Sollte die etwa DIREKT NACH meinem Zellenbrechen abgeschwärmt sein? Aber selbst dann würde es mich wundern, wenn es schon jetzt Drohnenmütterchen geben sollte, denn vor 5 Tagen waren schließlich auch noch Stifte vorhanden (zwar nicht viele, aber doch vorhanden, sagt die Stockkarte), aus denen sie hätten nachschaffen können. Rätsel über Rätsel. :confused:



    Und noch mehr frage ich mich, was ich machen soll, wenn es drohnenbrütig ist. Ein Vereinigen zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir kaum vorstellen, denn ich besitze nur ein weiteres Volk, dass selbst bereits sehr stark ist, und ebenfalls einen fast vollen Honigraum drauf hat. Weiterhin habe ich zwei vor 10 Tagen gebildete Ableger, deren noch nicht vorhandenen Königinnen also erst in weiteren 10 Tagen möglicherweise erfolgreich begattet und in Eilage gegangen sein werden. Was kann ich mit diesen Rahmenbedingungen mit den Massen an fast fertigen Honig machen, wenn ich das Volk einfach auflöse? Ich kann doch nicht einfach beide Honigräume auf das andere Wirtschaftsvolk stellen – das wäre doch mit einer Trocknung total überfordert, oder?



    Oder anders gefragt: wann müsste ich es spätestens auflösen, wenn es wirklich drohnenbrütig ist? Trocknet mir das Volk trotz Drohnenbrütigkeit noch den Honig fertig und ich kann warten bis Obst und Raps völlig durch ist (dürfte nächste Woche der Fall sein) und sie ihn dann noch schön zu Ende trocknen? Aktuell sind 4 Waben komplett verdeckelte Brut drauf, ein wenig Brut mit älteren Maden und etwas verdeckelter, sowie eben die frische, meiner Erinnerung nach ordentlich aussehende Wabe mit einer Menge frischer Stifte.


    Ich würde mich über Anregungen freuen. Ich fände es unsagbar ärgerlich, wenn ich die mittlerweile bestimmt fast 30kg fast fertigen Honig verlieren würde. Abgesehen von der Ungewissheit, was da jetzt los ist und der Betrübnis, dass das Volk vielleicht nur der Auflösung entgegen sehen kann. (Gesehen habe ich sie noch nie – ist ungezeichnet und ich bin noch nicht so geübt im Königinfinden. Bisher haben mir die Stifte immer als Indiz gereicht – das taugt ja nun aber gerade nicht mehr)


    Vielen Dank bereits für eure Einschätzungen! :Biene:
    Epoché

  • Wenn noch genug Bienen im Volk sind, häng doch 'ne Wabe vom anderen Volk zu und schau in ein paar Tagen nach, was Sache ist.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Zunächst ein Frage: Die Weiselzellen, die Du vor 5 Tagen gebrochen hast, waren das Schwarmzellen oder Nachschaffungszellen?


    Die Weiselprobe würde bei einem drohnenbrütigen Volk nicht funktionieren. Ich würde zunächst noch etwas abwarten. Abfegen kannst Du das Volk immer noch.
    Das verhonigte Brutnest spricht aber ebenfalls für Weisellosigkeit.


    Den unreifen Honig kannst Du schleudern und an das andere Volk verfüttern.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Wenn er 'ne Wabe einhängt und das Volk ist weisellos, dann wird es nicht drohnenbrütig und er sieht, das es weisellos ist. Wenn es schon drohnenbrütig ist, sieht man's dann auch. Schaden tut es in keinem Fall, also warum jetzt keine Wabe zuhängen?


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ja, schaden kann es nicht. Die zugehängte Brutwabe sollte aber bei negativer Weiselprobe schnell wieder entnommen werden. Die sonst schlüpfenden Jungbienen finden nämlich beim Abfegen nicht zurück in den Stock.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Danke für eure Antworten!


    Zumindest hauptsächlich waren es Schwamzellen - eben bestiftete Näpfe am unteren Zellenrand und Wabenrand. Und zwar massenweise. Angefangen haben sie vor etwa 2 1/2 Wochen. War das dritte mal wo ich gebrochen habe. Beim letzten mal kombiniert mit der starken Ablegerbildung (3 Brutwaben). Das Volk hatte schon zu Beginn die Tendenz, den Honig ins Brutnest zu knallen, da das Trachtangebot hier momentan auch sehr reichhaltig ist. Nun habe ich aber tatsächlich auch 1 oder 2 Zellen eher aus der Zellenmitte gebrochen, wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht. Nun kann ich aber leider nicht mehr sagen, ob das auf einer aktuell bebrüteten Wabe, oder einer Honigwabe war. Denn Schwarmzellen gab es auch auf den brutlosen mit Nekar zugepflasterten Waben mehr als reichlich beim letzten mal! Das wäre natürlich bitter, wenn ich denen die Möglichkeit zur Nachschaffung genommen hätte...


    Andererseits wäre immer noch die Frage, wie sich der merkliche Rückgang zur Volksstärke erklären ließe. Übrigens hatte ich auch die letzten 2 Wochen immer einige Drohnen am Flugloch herumlungern, die jetzt nicht mehr dort waren. Generell macht dieses Volk nun von außen denselben Eindruck wie sein Nachbar. Sie sind auch überhaupt nicht nervös oder dergleichen.


    Wenn ich nun die Weiselprobe mache und sie nicht nachschaffen, kann das doch nicht aber nicht nur heißen, dass sie drohnenbrütig sind, sondern doch eventuell auch, dass sie vielleicht doch weiselrichtig sind? Ist sowas möglich, dass Königinnen nach einem erzwungenen Legestopp (aus extremen Platzmangel) kurzfristig mal unordentlich legen und sich dann wieder fangen? Oder wenn man doch von einem Schwarm ausgeht: dass eine frisch begattete Jungkönigin am Anfang etwas herummurks, bis sie den Dreh raus hat?


    Für den Fall tatsächlicher Drohnenbrütigkeit habe ich mir jetzt folgendes ausgedacht, um weder das Volk auflösen zu müssen, noch den Honig zu verlieren:
    Ich werde zunächst den nun mehr als halbvollen zweiten Honigraum bienenleer meinem anderen Volk aufsetzen. Die dürften, wenn die Woche so enorm warm wie vorhergesagt bleibt, eh noch was mit ein paar freien Honigwaben anfangen können. Dann verfrachte ich den Rest des Volkes 50m entfernt vom alten Standplatz und stelle einen meiner Ableger an dessen Stelle und gebe diesem den verbleibenden vollen Honigraum oben drauf und mache ihn also noch zu einem nachträglichen Flugling. Schlupftermin für die Königin müsste dort der 16.5. etwa sein. Das alte Volk kehre ich dann in der Entfernung komplett ab, wobei ich die noch verdeckelten Brutwaben abgefegt zur Verstärkung meinem Ableger in den Brutraum hänge. Die Bienen sollten also meinen Ableger enorm verstärken, während die eventuellen Drohnenmütterchen oder die drohnenbrütige Weisel nicht zurück zum Stock kommen kann und keinen Ärger mehr machen können. So habe ich insgesamt nur unwesentlich Bienen verloren, weniger bis keinen von dem fast fertigen Honig verschenkt und möglicherweise weiterhin ein zweites Volk, welches mir noch Sommerhonig bescheren kann.
    Meint ihr, dass das so funktionieren könnte oder sind da Denkfehler drin?


    Viele Grüße!
    Epoché

  • So schnell (innerhalb von 5 Tagen) wird ein Volk nicht drohnenbrütig. Ich vermute, dass eine Jungkönigin drin ist, die gerade mit der Eilage beginnt. Und: Das Volk ist abgeschwärmt. Sind aber nur Vermutungen.
    Ich an deiner Stelle würde die Hände stillhalten und in 7 Tagen ins Volk sehen. Achte auch auf zusammenhängende Bereich mit schön geputzten Zellen. Die zeigen Weiselrichtigkeit an. Völker, die von Afterweiseln regiert werden, haben diese Bereiche nicht.


    Gruß Ralph

  • Danke Ralph für Deine Einschätzung! Insbesondere die Info, dass Drohnenbrütigkeit nach 5 Tagen unwahrscheinlich ist. Die Aufforderung zur Zurückhaltung kam allerdings zu spät - habe vorhin noch einmal nachgeschaut um das Brutbild zu kontrollieren. Insbesondere, um die besagte bestiftete Wabe im zweiten Brutraum anzusehen. Hat mich beruhigt und zur selben Einschätzung wie die von Dir gebracht. Beobachtung: Lückenlos bestiftet, immer schön eine Zelle auf dem Zellenboden. Nachbarwabe hat nun auch Stifte verpasst bekommen und dasselbe Bild abgegeben. Königin habe ich aber nicht gesichtet. Außerdem wurden die noch unfertigen Waben, die noch von der Ablegerbildung im Zentrum hängen, im Vergleich zu gestern deutlich weiter ausgebaut. Verdeckelung der Honigwaben ging auch merklich voran (musste ich natürlich anlupfen, beim Wiederaufsetzen... :roll: :cool:). Ich gehe jetzt auch am ehesten davon aus, dass sie abgeschwärmt sind (obwohl ich ja elendig lange Schwarmzellen gesucht, etliche gebrochen und doch recht stark geschröpft habe) und die neue hat im Wildbaufetzen eben etwas unbeholfen zu legen angefangen, obwohl ich noch nirgendwo gelesen habe, dass so etwas vorkommen kann. Habe dementsprechend nichts mehr verändert und mag nun auch abwarten. Nächste Woche, wenn die ersten Deckel auf der Brut da sind, sollte endgültig klar sein, ob da nun alles in Ordnung ist oder nicht. Mal sehen, was passiert. Den Honig scheinen sie momentan ordentlich fertig zu machen. Ich hoffe, sie machen so weiter. :)


    Viele Grüße,
    Epoché

  • Na dann!
    Jetzt ist es die richtige Zeit, alle verhonigten Waben über das Absperrgitter zu hängen und unten nach und nach mit Mittelwänden zu erweitern.


    Gruß Ralph

  • Falls es jemanden interessiert:
    Gestern zur Durchsicht am Stand gewesen. Königin persönlich wieder nicht getroffen, aber Brutbild sieht tadellos aus und massig frische Stife sind vorhanden. Frisch verdeckelte Arbeiterinnenbrut ist auch schon wieder dabei. Also liegt keine Drohnenbrütigkeit vor. Finde es jetzt interessant, dass es dennoch zu diesen merkwürdigen Doppelbestiftungen im Drohnenwildbau gekommen ist, der mir ja Anlass zu diesem Thread gegeben hat. Würde mich interessieren, ob jemand schon mal gleiche Beobachtungen gemacht hat bei jungen Königinnen, die gerade mit dem Legen begonnen haben.


    Viele Grüße,
    Epoché

  • Würde mich interessieren, ob jemand schon mal gleiche Beobachtungen gemacht hat bei jungen Königinnen, die gerade mit dem Legen begonnen haben.


    Na davon wird doch das Forum rauf und runter berichtet.
    Ich dachte gestern auch, mich trifft der Schlag, als ich auf einer frisch ausgebauten und bestifteten Mittelwand öfter zwei Stifte pro Zelle sah. Die Königin ist nämlich grün gezeichnet und im Volk anwesend. Des Rätsels Lösung war, das der Stift der rückseitigen Zelle durchschien.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Ich hab bei der letzten Durchsicht die Kö wohl etwas aufgescheucht - sie lief etwas planlos über die Wabe und hinten schaute was dünnes weißes raus - ich dachte schon Stachel? Begattungszeichen? (die ist grün) und dann sah ich es sie hatte wohl so Legedruck, dass sie im laufen einen Stift verlor, der dann in irgend ne Zelle geplumpst ist.


    Sachen gibt's

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Clas: :-D


    Und ich weiß was Du mit dem Durchscheinen meinst, Michi. Aber ich habe das Stückchen Wildbau hier noch herumliegen und noch einmal geschaut und dort sind bei ein paar wenigen Zellen tatsächlich zwei Stifte drin. Also nicht verguckt. Diejenigen Stifte, die nicht zentral in der Mitte liegen, scheinen übrigens immer genau so versetzt zu sein, dass sie auf eine gegenüberliegende Wand gestellt wurden. (also dem "y", was man eben durchsieht. Nicht aber notwendig auf dem Knotenpunkt).


    Deine Beobachtung finde ich auch spanned und kurios, Janos.


    Schon verrückt, die Bienchen. :Biene: