Volk schwächelt

  • Hallo,


    ein Volk verliert immer und immer Bienen, mittlerweile kann man von oben durchsehen. Bin etwas ratlos, wie ich dem Bien helfen kann.


    Sofern Flugwetter ist, nur sehr zögerlicher Flug (schon seit 2-3 Wochen beobachtet). Tot am Boden liegende Bienen haben den Rüssel ausgestülpt. Einige der auf dem Gitterboden liegenden Bienen bewegen sich vor derem Tod sehr verlangsamt. Futter ist reichlich da.


    Milbenschäden an den Bienen sind nicht sichtbar, Windel brachte keinen Milbenfall.


    Königin vom letzten Jahr ist da, auf 5 Waben Brutneter (beidseitig) aber sehr klein (Kinderhandgröße), zu wenig Bienen um die Brut zu wärmen?, Stifte und junge Brut sind auch da auf einer Wabe.


    Gibt es einen Tipp, oder ist abwarten angesagt!?


    Grüße
    Klausi

  • Wenn die jetzt nicht durchstarten (durchgestartet sind), gibt das nix mehr. Drück die Mutti ab und lös das Volk auf. 'Ein' Volk impliziert doch, das Du noch andere hast, oder? Mach da ein paar Ableger und gut isses.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Und der rausgestülpte Rüssel? Ich habe gelernt, dass deutet auf Vergiftung hin!
    Warum nicht den Totenfall untersuchen lassen? Bevor ich nicht weiss, was da los ist, würde ich keinen Ableger erstellen.


    Zur Varroa:
    Hast du die Windel vor Ameinsenaustrag geschützt?
    Hast du Drohnenrähmchen drinnen, geschnitten und kontrolliert?

    Lg Franz - Zander 477x420x220 + 12er Dadant Blatt

  • "den Totenfall untersuchen lassen" - das werde ich tun!
    wohin geht man da üblicherweise? Bieneninstitute oder Veterinäramt beim Landkreis?


    zur Milbe:
    Windel ist mit Öl geschützt
    den Drohnenrahmen haben sie noch nicht mal angeguckt dieses Jahr

  • So ein Durchhängervolk hatte ich acuh in diesem Jahr. Von einer Woche zur anderen deutlich kleiner und schlechter und eine Woche später war das Tief überwunden und nun wächst es beständig (wird aber wohl erst zur Linde was beitragen können...).


    Aber das kann bei Dir anders sein - bevor Du da was auflöst solltest Du sicher sein, dass da nicht ein tieferliegendes Problem vorliegt was Du beim Auflösen womöglich ganz wunderbar auf die Nachbarvölker verteilst. Erstmal diagnostizieren, dann handeln. Vergiftung wäre auch eine Möglichkeit - wie sieht es denn bei den Nachbarvölkern des Standes aus sofern vorhanden?
    Gibt es womöglich Rapsfelder in der Nähe in denen munter gespritzt wird? Oder intensiver Obstanbau?


    Wie sieht das Brutnest selber aus? Futterkranzprobe?


    Nur so ein paar Ideen zu dem Thema...


    Grüße
    Melanie

  • Ich wurde gestern zu einem Stand gerufen, an dem zwei Völker zusammengebrochen sind. Mit einem ähnlichen Bild wie oben beschrieben. Die Völker stehen in einem Garten, mitten im Ort. Die Völker sind stark ein- und ausgewintert. Es wurden plötzlich immer weniger Bienen. Vor dem Flugloch lagen überall verstreut tote Bienen wie auf dem Photo unten. Sich krümmende Bienen sind zu sehen.



    Die Brut ist anscheinend verkühlt. Die Königinnen lebten noch und stifteten fleißig. Nur noch eine handvoll Bienen in den Kästen. Frischer Nektar, Pollen, alles da. Varroa-Indikatoren nicht zu sehen. Eine Wachsmotte war zu sehen. Eine Spitzmaus hatte gewütet, aber wohl erst nachdem die Völker schwach wurden. Die Völker wurden zudem leergeräubert. Die typischen Schmierspuren am Flugloch und die geschredderten Waben zeigen es.



  • Bernhard, du beschreibst es so, wie ich es empfinde, alles 1:1 (außer der Räuberei und der Maus)


    wenn ich darüber nachdenke ist das Volk wahrscheinlich "Geschichte", schade - aber ist eben so (habe leider nicht so viele Reserven um genügend Honig für mich zu haben...)


    Was mich aber wirklich ärgert, ist das Nichtwissen der Ursache, schnell liegt die Vermutung oben es war der Mais oder der Raps oder des Nachbars Giftspritze....


    Bin gerade ratlos aber nicht verzweifelt.


    Grüße
    Klausi

  • Die Ursache für den Rückgang der Völker kann Nosemose in der chronischen Form sein. Die Bienen koten dann nicht in oder an der Beute ab, sondern verlassen den Stock und sterben draußen. Nosema apis ist typisch für das Auftreten in April/Mai und wird auch als "Frühjahrsschwindsucht" bezeichnet. Genauen Aufschluss, ob das Volk Nosemose hat, kann nur eine mikroskopische Untersuchung geben. Also: Einen BSV hinzuziehen!
    Stark befallene Völker sollten abgetötet werden, um die Verbreitung auf andere Völker zu verhindern, also nicht abfegen oder vereinigen! Bei starken Völkern hilft auch ein Verstellen der Völker, wobei für eine gewisse Zeit die alte Königin gekäfigt an der alten Stelle in einer leeren Beute verbleiben soll, damit sich dort die alten Flugbienen sammeln. Die Altkönigin wird dann in das verstellte Volk gesetzt und die Altbienen werden abgeschwefelt.
    Die Altkönigin ist meist auch erkrankt und sollte möglichst bald ersetzt werden.


    Gruß Ralph

  • Hallo Klausi,


    meine Vermutung aus der Ferne geht auch in die Richtung Nosema oder Frühjahrsschwindsucht wie Ralph auch schon geschrieben hat. Habe diese Erfahrung bei einem Drittel meiner Völker gerade selbst auch machen müssen. Schau mal auf die Waben speziell an den unteren Zellrändern, die Rähmchen, die Innen- und Außenseiten der Beute, ob Du da Kotspuren findest?


    Gruß Peter