Pestizidrückstände in Rapshonig

  • Die Kurzbezeichnung BBCH leitet sich ab von Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Bundessortenamt und CHemische Industrie.
    Das BBCH hat eine Skala für den Entwicklungsstand der Pflanze entwickelt.
    BBCH 59 ist der Entwicklungsstand, hier also im Raps.
    Erläuterung: Erste Blütenblätter sichtbar, Blüten noch geschlossen; Ende des Ähren- bzw. Rispenschiebens.


    Solange die Mischungen in der Einheit als B4 declariert sind, warum soll es ihnen dann verboten sein sie auszubringen?
    Ist nur die Frage ob jeder auch immer nach Vorgabe mischt und wer das kontrolliert.
    Ich kenne mich nicht mehr und nicht weniger aus als jeder andere Imker den diese Problematik wichtig erscheint. Vielleicht informiert man sich ein wenig mehr wenn die Bienen einem auch den Kühlschrank voll machen ;)


    Gruß

  • Und bitte mit so Wörtern wie *Ausrede* und *Verschleierung* ein wenig vorsichtig.
    Nimmt man Ende Juli der Imkerei die Zulassung für AS und OS bis Ende 2016, dann hätten viele ein ganz gewaltiges Problem.
    Der Landwirtschaft ist nicht darauf aus die Bienen auszurotten und dem Imker des Leben schwer zu machen.
    Ich an ihrer Stelle würde mich auch ziemlich verarscht fühlen. Kurz vor der Blüte das Mittel der Wahl zu verbieten. Zumal Brüssel schon reagiert hat und der Wert wieder auf 0,2mg/kg Honig gesetzt wurde.
    Da diese Mühlen aber weit aus langsamer mahlen als beim Verbot vor ein paar Wochen, greift das alles erst in ein paar Monaten.


    Gruß, Sanni


  • Da diese Mühlen aber weit aus langsamer mahlen als beim Verbot vor ein paar Wochen


    Auch das ist ein unzutreffendes Vorurteil. Die RHG-Absenkung erfolgte bereits durch EU-VO 1200/2015 vom 22.07.15., also 8 Monate vor den deutschen Zulassungsbeschränkungen für Thiacloprid, die erst am 01.04.16 in Kraft gesetzt wurden offensichtlich auf Druck aus der Imkerschaft bzw. aus Furcht vor Amtshaftung oder wegen der amtlichen Kernaufgabe des Verbraucherschutzes - wir wissen es nicht so genau.

  • ...Zumal Brüssel schon reagiert hat und der Wert wieder auf 0,2mg/kg Honig gesetzt wurde.


    Das trifft nicht zu. Die EFSA wurde um eine Stellungnahme gebeten, ebenso die berichtenden Nationalstaaten. Deutschland sprach sich offenbar für die Wiedereinführung des alten RHG 0,2 mg/kg aus (aus rechtlichen, nicht Sachgründen). Englische Studien hatten sich ja für 0.05 mg/kg eingesetzt. Die EFSA hält nun einen RHG von 150 mg/kg für möglich, das hat aber auch nur den Rang einer Stellungnahme. Was das zuständige Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feeds (PAFF) dann letztendlich der Europäischen Komission zur Beschlußfassung empfehlen wird, könnte am 14/15.4.16 beschlossen worden sein. Darüber habe ich aber noch keine Informationen. In Kraft ist derzeit noch immer der RHG von 0,05 mg/kg. Es wurde also (noch?) nichts wieder hochgesetzt. Vielleicht hätten das Manche gern, aber es ist dennoch nicht der Fall - ganz eindeutig. Wir sollten das auch nicht herbeireden...

  • Da stand aber dann jemand gewaltig lange auf der Info-Leitung.


    Wer Ohren hatte zu hören bzw. Augen zu sehen, der konnte sich schon lange vorher informieren. Das geht sogar unentgeltlich. Manche taten auch nur so, als ob sie überrascht worden wären, besonders die, die vertuschen wollten, daß sie in Brüssel längst für die Wiederheraufsetzung des RHG stritten. Die Landwirte freilich ließ man lange ahnungslos am Problem vorbeitapsen, denen sagte man erst kurz vor Blütenöffnung, was das BVL am 1.4.16 entschieden hatte. Wobei der "mündige Landwirt" schon vorher nicht nur auf seinen Pflanzenschutzvertriebler hätte hören müssen. Daß die PSM immer weniger Akzeptanz finden und Alternativen hermüssen, ist - zumindest hier - 2/3n der Landwirte bewußt und wird (in unterschiedlichem Maße und aus unterschiedlichen - nicht zuletzt ökonomischen Gründen) auch akzeptiert. Das übrige 1/3 fühlt sich allerdings wirklich wie kurzfristig amputiert und wird - hoffentlich - feststellen, wie überflüssig, teuer und i.d.R. unnötig ihr drittes PSM-Hinkebein gewesen ist.

  • Das übrige 1/3 fühlt sich allerdings wirklich wie kurzfristig amputiert und wird - hoffentlich - feststellen, wie überflüssig, teuer und i.d.R. unnötig ihr drittes PSM-Hinkebein gewesen ist.


    Hab eben einen Stand in den Raps gewandert und kam auf dem Rückweg an einem weiteren Schlag vorbei, in dem grade die Spritze munter ihre Runden zog. Thio weg, dann nimmt man eben was anderes, Geht ja nicht ohne, sagt der Berater.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Laut meinem Kontakt im DBIB hat sich der Agrarausschuss am 14./15. in Brüssel für den alten Richtwert geeinigt! Frankreich und Slowenien haben sich enthalten.
    Bis das greift gilt natürlich der 0,05er Wert vom 01.04.
    Gruß


    Wir vom DBIB sind an dem Thema seit Ende der Grünen Woche dran. Vorher wussten wir das auch nicht! und danach haben sofort alle möglichen Institutionen gefragt, was das für Konsequenzen für die Imkerei hat und was wir unseren Mitgliedern letztlich auch sagen sollen.


    BAYER jedoch wusste von dem Problem schon seit dem 15.6.2015 (vermutlich sogar schon viel früher)


    BAYER hat jedoch nicht geliefert was die EU von ihnen wollte, warum auch immer!


    Das sind die Fakten


    Dass am 23.3. keine Endschiedung gefallen ist, lag an der Terrorbedrohnung in Brüssel


    Zufälle gibts nun mal


    Soll sich jeder sein Teil denken


    Es darf aber weiterhin dies verwendet werden


    https://apps2.bvl.bund.de/psm/…Blatt.jsp?kennr=005655-00
    https://apps2.bvl.bund.de/psm/…endg.jsp?ts=1461138571852


    es ist leider kein BAYER Produkt aber so ganz ohne Bekämpfungsmittel stehen die Rapsbauern nicht da!


    Vielleicht wissen die auch nicht alles?


    oder werden schlecht beraten


    oder ist es nur teurer?


    Ich finde es nicht sehr geschickt und äußerst unglücklich, dass es nun ausgerechnet die Imker treffen muss, wenn Hersteller ihre Hausaufgaben nicht richtig machen.

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

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  • ich finde es immer wieder erstaunlich, woher der extrem starke Befall mit den diversen Schädlingen jedes Jahr wieder kommt, wo doch offenbar jedes Jahr alles flächendeckend totgespritzt wird? Wohin ziehen sich überlebende Rapsglanzkäfer, die diversen Rülssler & Co eigentlich zurück, um sich zu erholen und im nächsten Jahr erneut eine massive Population aufbauen zu können?


    Bei Insekten, die auch abseits von landwirtschaftlichen Kulturen weit verbreitet sind, wäre es ja leicht erklärbar.
    Aber das scheinen doch recht spezialisierte Insekten zu sein, finden die trotzdem abseits von Rapsfeldern ausreichend Alternativpflanzen, um bis zum Start der neuen Saison sofort wieder mit voller Stärke dazustehen?


    Und der überwinternde Raps ist doch gebeizt und systemisch vergiftet, kann denn da ein Wiederaufbau der Population zwischen Herbst und Frühling stattfinden?

  • Der Käfer lebt nicht nur im/vom Raps.
    Er ist auf allen Kreuzblütengewächsen zu finden.
    Der junge, gebeizte Raps interessiert ihn nicht. Zu diesem Zeitpunkt ist er noch in der Erde.
    Die Population des fertigen Käfers kommt aus der Erde kurz bevor der Raps in Blüte geht.
    Sie beißen sehr gerne die Knospen seitlich auf um an den Pollen zu kommen. Das ist die eigentliche Schädigung im Raps. In der Blüte selbst sind sie sogar Bestäuber.


  • Bis das greift gilt natürlich der 0,05er Wert vom 01.04.


    Um Mißverständnissen vorzubeugen: 0,2 mg/kg griffe erst, wenn die EU-Kommission das förmlich beschließen sollte, was ihr am 14/15.4.16 von dem Aussschuß PAFF vorgeschlagen wurde und dieser (noch nicht existierende) Beschluß der EU-Kommission dann auch in Kraft gesetzt, d.h. von Herrn Juncker unterschrieben und veröffentlicht werden würde. Jetzt und bis dahin gilt nach wie vor noch der RHG von 0,05 mg/kg.
    Es bestehen - rein zeitlich - durchaus noch Chancen auf weniger Thiacloprid im Honig, auch wenn diese nun deutlich geringer geworden sind. Jetzt wird sich aber zeigen, wer sich wirklich für sauberen Honig einsetzt und wer nur davon redet bzw. bunte Faltblättchen drucken läßt. Danach werden sich vielleicht Manche überlegen, ob ihnen in bestimmten als preiswert angebotenen Etiketten vielleicht doch zuviel Giftgrün drin ist...

  • Der Käfer lebt nicht nur im/vom Raps.
    Er ist auf allen Kreuzblütengewächsen zu finden.


    Ich finde den Käfer sogar im Gemüll. Dort holt er sich vom Pollen-Abfall der Stadt-Bienen.
    Zur Biologie des Käfers findet man dies:
    http://www.insektenbox.de/kaefer/rapsgl.htm
    zur Kohlschotenmücke das:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlschotenm%C3%BCcke
    zum Kohlschotenrüßler jenes:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlschotenr%C3%BCssler

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