Pestizidrückstände in Rapshonig

  • Hat eigentlich jemand von Euch schon mal Rapshonig auf Rückstände testen lassen?
    Ich hatte gerade die Biohauptkontrolle und die Kontrolleurin berichtete von einem Fall mit erschreckend hohen Rückständen und vielen gefundenen Wirkstoffen.
    Es kommt jetzt zu einem recht abstrusen Ergebnis: Für reinen Rapshonig würde mir der Prüfverband das Biosiegel verweigern, sofern ich keine Rückstandsuntersuchung vorlege. Das kann ich soweit nachvollziehen. Wozu ist das Siegel schließlich gut?!
    Dem Prüfverband ist aber egal, was drin ist, solange ich nicht "Rapshonig" draufschreibe. "Frühtracht" o.ä. darf ich also mit Siegel verkaufen, ganz egal wie hoch die Rückstände sind.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    nee, habe auch noch nie auf PSM-Rückstände untersuchen lassen. Aber da gab es doch im Winter diese große Untersuchung von Stifung Warentest. Die hatte alle möglichen Rückstände analysiert.


    Was spricht gegen diese Etikettierungsvariante mit Frühtracht?


    Gruß Jörg


  • Dem Prüfverband ist aber egal, was drin ist, solange ich nicht "Rapshonig" draufschreibe. "Frühtracht" o.ä. darf ich also mit Siegel verkaufen, ganz egal wie hoch die Rückstände sind.


    .... Willkommen in der SCHEINrepublik :lol: ...wichtig ist der Schein, nicht das Sein :lol:

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Jörg,


    nein, gegen die Auszeichnung als Frühtracht spricht praktisch nichts. Ich fand nur das nur bemerkenswert.
    Bei der Untersuchung der Stiftung Warentest ist nur ein Honig dabei, der explizit als Frühtracht ausgezeichnet ist. Dort fand sich "Thiacloprid in Spuren". In zwei anderen Biohonigen war der Thiaclopridwert sogar erhöht; ob es sich dabei um Frühtracht handelt, ist aber nicht erkennbar.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • .... Willkommen in der SCHEINrepublik :lol: ...wichtig ist der Schein, nicht das Sein :lol:


    Ja, ja, ich verkaufe meinen Honig für Scheine, nicht für Münzen.
    Insofern hast Du recht!


    Ansonsten gilt natürlich bezüglich der Zertifizierung: Entscheidend ist, was ich rein tue, nicht was drin ist.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Nach einem Vergiftungsschaden wurde in meinem Honig Thiacloprid gefunden. Siehe Ergebnis:



    Hitliste der Pestizide, die so im Raps gefunden wurden:


    - Thiacloprid
    - Boscalid
    - Dimoxystrobin
    - Acetamiprid
    - Clothianidin
    - Imidacloprid
    - Thiametoxam
    - Methiocarb
    - Fipronil
    - Dimethoat
    - Chlorpyrifos
    - Azoxystrobin
    - Prothioconazol
    - Metconazol
    - Etofenprox


    Es gibt eine Untersuchung von Greenpeace aus dem Jahr 2013, die in Honig- und in Pollenproben vor allem Thiacloprid gefunden haben.

  • Man braucht nur die Jahresberichte aus Hohenheim bezüglich "Rückstandsuntersuchungen an Bienenprodukten" lesen, dann weiß man, was die Bienen, wenn sie im Raps waren, alles in den Honig einlagern.


    Und genau das Verhalten des entsprechenden "Bioverbandes" macht "Bio" bei Honig in meinen Augen total unglaubwürdig.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Wieder einmal totale Verbrauchervera...ung....und das auch noch aus dem Mund eines Bio-Menschen.
    Ist und bleibt ebend nur ein Wirtschaftszweig mit kleinem, gemeinsamen Nenner.


    Jörg & Molle: Genau DAS meine ich :(


    Gruß Sanni

  • Nee, nee... sooo simpel ist das nicht!


    Ich verstehe, was Sanni und wald&wiese meinen, aber m.E. ist das nicht so, wie ihr das darstellt. Es gibt m.E. eine deutliche Differenz der Wahrnehmung oder der Erwartungshaltung vieler Menschen bzgl. der Eigenschaften der BioProdukte allgemein.


    1.) gibt es nicht "die Bioverbände" oder einen "Bio-Menschen", der für alle spricht...
    3.) Es gibt Richtlinien der Bioverbände und wenn ein unabhängiger Zertifizierer (so wie in Wolfgangs Fall) die Umsetzung dieser Richtlinien (EU-Bio-Verordnung) beim Imker kontrolliert als erfüllt bestätigt, dann bekommt z.B. der WFLP-Wolfgang sein Zertifikat für 2 (?) Jahre. Dieser Zertifizierer ist offenbar in Wolfgangs Fall recht kritisch/konsequent bzgl. Raps.
    4.) Dieser Zertifizierer kontrolliert auch nicht irgendwie den Rückstandsgehalt der Bienenprodukte o.ä. Er kontrolliert nur die Einhaltung der Richtlinien und das sind vor allem die Warenströme (Biofutter, -materialen, Aufstellorte etc.). Und m.E. wäre in diesem Fall nur eine Kritik an den Aufstellorten möglich/sinnvoll bzw. von der Verordnung gedeckt.
    5.) In diesen Richtlinien (EU-Bio-Verorndung blabla...) steht m.E. nirgendwo, daß der erzeugte Honig keine PSM enthält oder enthalten darf. Die Einhaltung der Richtlinien soll nur möglichst rückstandsarmen Honig (usw.) erzeugen, nicht mehr und nicht weniger.
    3.) Die Erwartungshaltung vieler Leute ist nicht realistisch bzw. entspricht wahrscheinlich nicht diesen Bio-Richtlinien.


    Ich glaube WFLPs Zertifizierer "möchte" keinen Rapshonig als Bioware zertifizieren. Das ist eher so ein Image-Thema. Ansonsten würde er ja mit Rückstandswerten oder dem Aufstellungsort argumentieren und nicht mit dem Begriff.
    Der WFLP kann ganz real dem konventionellen Raps gar nicht 100%ig ausweichen. Ob sein Honig nun Raps- oder Frühtrachthonig ist, kann man eigentlich nur mit einer Pollenanalyse feststellen. Und ob man diesen Honig dann zwingend als Biohonig verkaufen wollen "muß", muß jeder selbst entscheiden.
    Jeder gut informierte Honig-Verbraucher kennt dieses Thema. Und ja, bei den Bioprodukten zählt in erster Linie das Zertifikat (=Schein). Es ist m.E. eine Art Marke mit einem Qualitätsmanagent auf Grundlage dieser Richtlinien.


    Ich bin mir bewusst, daß das nicht optimal gelöst ist und Kritik erzeugt. Ich habe mich aber bewusst für eine Biozertifizierung entschieden, weil neben diesen Unzulänglichkeiten im Endeffekt die Vorteile für meine Bienen und meinen Honig überwiegen.


    So jetzt auf zum großen Hallali!


    Gruß Jörg

  • 'Wenn da was Cadmium im Schoko-Eis drin ist, dann geht das einfach nicht! Das ist das Allerletzte!'


    'Und... wenn wir es... Vanille-Eis nennen?'


    'Das wär Ok. Das macht dann 4000€ für's Zertifizieren.'


    In. Den. Popo.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Für Vorteile, egal ob Bienen oder sauberen Honig, brauchst du keine Zertifizierung.
    Das ist eine Einstellungssache. Punkt.
    Ich kenne genug Konventionelle die bewirtschaftete Kulturen meiden. Soll Leute geben, die ziehen extra in Gegenden mit wenig konventioneller Landwirtschaft und produzieren dort die tollsten Sachen. Ganz bewusst, ohne Bio-Label. Aber die leben es, diese Einstellung. Die würden es auch machen wenn es kein BIO-Label gäbe! Dafür zahle ich sehr gerne sehr viel Geld!


    Ich bin absolut Bio-Affin, doch im Bereich des Honigs ist es nun mal schwer, denn die Biene deckt einen Radius ab, der unkontrollierbar ist.
    Und nein, dem Verbraucher ist nicht bewusst das PSM in Rapshonig sein dürfen.
    Wenn BIO drauf steht, dann will er auch BIO drin. Und zwar so kontrolliert wie es bei anderen Lebensmitteln auch ist. Dann kommt Stiftung-Warentest daher und ein Aufschrei geht durchs Volk. Warum denn nur? Weil es ihnen bewusst ist das PSM drin waren? Sicherlich......


    Wie gesagt, es ist oft der kleinste Gemeinsame, aber eigentlich ein guter Weg in die richtige Richtung!


    Doch das, was der Wolfgang oben beschrieben ist Bullshit!!!
    Genau wie Bioland im Gespräch mit mir sagt: " Neee...Rapshonig ist kein Problem. Die Beute muss auf dem Grünstreifen stehen, dann geht´s".


    Muss jeder selbst wissen, doch meine Seele verkaufe ich nicht!


    Gruß Sanni

  • Auch ich würde ohne Biozertifizierung nicht anders imkern (vielleicht mal abgesehen vom Winterfutter). Für den ökologischen Wahnsinn des Rapsanbaus kann ich nichts und sehe auch nicht ein, warum dafür die Bioimker bestraft werden sollten.


    Durchaus sehe ich, dass die Erwartungen der meisten Verbraucher und die Realität der Zertifizierung auseinanderfallen. Jeder, der es wissen will, kann es aber wissen.
    Würden alle Landwirte nach der EG-Biorichtlinie arbeiten, hätten wir das Problem nicht (und auch kaum Raps).
    Es gibt bei den Bioerzeugern vor allem ein Problem: Wir sind zu wenige!


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    auf jedem zertifiziertem BIO-Lebensmittel steht aus kontrolliert, biologischem Anbau. Eben nach EG-Biorichtlinien und gemäß EG Öko- Verordnung.
    Bei vielen noch beschrieben, das garantiert keine Pflanzenschutzmittelrückstände vorhanden sind, das das Tier nur mit solch kontrolliertem Futter gefüttert werden darf.
    Bei Milch, z.B BIO-Weidemilch, daß die Tiere auf ungespritzten Wiesen stehen usw...usw.
    Es wird immer darauf hingewiesen....immer.


    Bei Honig geht das nicht! Es geht nun mal nicht! Es ist unmöglich in Deutschland, jedenfalls wenn man noch was ernten will.


    Jeder der es wissen will, der kann es wissen. Vollkommen richtig!
    Doch dieses BIO-Bild des Verbrauchers ist geprägt von der gesamten anderen Produktpalette der Lebensmittel.
    Warum sollte er nun wissen das es bei Honig anders ist?
    Ich als Verbraucher, wäre ich kein Imker, würde sogar denken, das Bio-Honig mit Rückständen nicht verkauft werden darf. Würde denken, das das alles beprobt ist.


    Da wird auf ein Pferd aufgesprungen, das es beim Honig nun mal nicht gibt. So und nicht anders!
    Und bei der Bio-Imkerei gibt es vor allem ein Problem: Es gibt sie überhaupt!


    Gruß Sanni

  • Doch dieses BIO-Bild des Verbrauchers ist geprägt von der gesamten anderen Produktpalette der Lebensmittel.


    Ich als Verbraucher, wäre ich kein Imker, würde sogar denken, das Bio-Honig mit Rückständen nicht verkauft werden darf. Würde denken, das das alles beprobt ist.


    Der Verbraucher wird schlicht getäuscht. Bei einem Schild vor einer Metzkerei, auf dem lachende Schweine abgebildet sind oder glückliche Kühe auf KZ-Milch, da weiß es wohl tatsächlich jeder. Aber 'Bio', und dann so, das ist unredlich. Und dann ein Faß aufmachen, das jeder der nicht wesensgerecht und Naturbau und bla, bla, blubb. Ich hoffe, das Zertifizieren ist so teuer, das es zumindest da weh tut, wenn die Moral-Rezeptoren schon so unempfindlich sind. Paßt aber zur Klientel, denen tut es ja auch nicht weh, mit dem SUV zum Reformhaus zu fahren. So schließt sich der Kreis, und jeder bekommt, was er verdient.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife