Amitraz raus, Bayvarol rein

  • Unser Imkerberater hat beschlossen dass Amitraz dieses Jahr zu ersetzen sei durch Bayvarol (Wirkstoff Flumethrin) "zwecks Vermeidung von Resistenzen".
    Man kann auch den Teufel mit dem Beelzebub vertreiben...


    Welche Erfahrungen hat man in Deutschland mit Bayvarol?

  • Keine eigenen Erfahrungen. Ich habe einen großen Königinnenzüchter besucht und der setzt es als Standardbehandlung seiner Begattungsableger ein.


    In der Nebenwirkungstabelle sind kaum Hinweise vorhanden: http://www.jiventure.info/Over…iotics_Used_in_Beekeeping


    Aber jüngere Untersuchungen zeigen einen Einfluß auf die Gene, die das Immunsystem der Honigbiene beeinflussen:
    "Diese Arbeit zeigte, dass sich eine mittlere letale Konzentration der synthetischen Akarizide Flumethrin, Fluvalinat und Coumaphos auf die Immunität der einzelnen Biene durch Änderung der Transkription einiger Gene für antimikrobielle Peptide und immunsystem-bezogene Enzyme auswirkt....Bioassays - bei erwachsene Arbeiterinnen in dieser Studie durchgeführt - zeigten, dass Flumethrin das Hymenoptaecin erhöht und einen hochregulierenden Trend des Phenoloxidase mRNA-Spiegels bewirkt. Dabei zeigte sich, dass dieses Akarizid Auswirkungen auf die zelluläre und humorale Immunität und Immunsignalkaskaden hat." (Amitraz scheint die gegenteilige, herunterregulierende Wirkung zu haben.)
    Immune-related gene expression in nurse honey bees (Apis mellifera) exposed to synthetic acaricides
    Melisa Garrido, Karina Antúnez, Mariana Martín, Martín Pablo Porrini, Pablo Zunino, Martín Javier Eguaras,
    aus: http://www.researchgate.net/pr…ec52121aa8a5c25000000.pdf (PDF-Datei)



    Außerdem:
    Effects on Detoxification Enzymes in Different Life Stages of Honey Bees (Apis mellifera L., Hymenoptera: Apidae) Treated with a Synthetic Pyrethroid (Flumethrin).
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25419923


    Zur Giftigkeit von Flumethrin auf Honigbienen:
    Determination of Acute Oral Toxicity of Flumethrin in Honey Bees
    H. H. Oruc , J. M. Hranitz , A. Sorucu , M. Duell , I. Cakmak , L. Aydin , A. Orman
    Journal of Economic Entomology, 1. Dezember 2012
    http://jee.oxfordjournals.org/content/105/6/1890.abstract
    "Oral verabreichtes Flumethrin ist sehr giftig für Bienen. Oral verabreichtes Flumethrin führt zu Störungen der motorischen Koordination von Honigbienen. Honigbienen, die Flumethrin eingenommen haben, zeigten Krämpfe in den Antennen, Beinen und Flügeln bei niedrigen Dosen. Bei höheren Dosen wurden eine partielle und totale Lähmung in den Antennen, der Beine, der Flügel, des Rüssels, des Körpers und Zuckungen in den Antennen und Beinen beobachtet."

  • Welche Erfahrungen hat man in Deutschland mit Bayvarol?


    Wenn man es richtig anwendet (d.h. nach den Vorgaben des Beipackzettels wieder aus den Völkern nimmt und nicht das ganze Jahr in den Völkern läßt), nur gute.
    Es ist hydrophil und geht damit nicht ins Wachs. Es wirkt sehr gut.
    Problem: Es gibt Resistenzen. (Hier allerdings noch nie beobachtet worden).

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Es ist hydrophil und geht damit nicht ins Wachs. .



    Hier http://www.die-honigmacher.de/kurs4/seite_42201.html wird dem widersprochen: Zitat: "Wartezeit: 0 Tage. In der folgenden Trachtzeit darf nur gesiebter und abgeschäumter Honig, der keine Wabenteile enthält, gewonnen werden. Der Verzehr als Wabenhonig muss unterbleiben. Die Gewinnung von Propolis für den menschlichen Verzehr ist nicht gestattet."

  • Hier http://www.die-honigmacher.de/kurs4/seite_42201.html wird dem widersprochen: Zitat: "Wartezeit: 0 Tage. In der folgenden Trachtzeit darf nur gesiebter und abgeschäumter Honig, der keine Wabenteile enthält, gewonnen werden. Der Verzehr als Wabenhonig muss unterbleiben. Die Gewinnung von Propolis für den menschlichen Verzehr ist nicht gestattet."


    Zumindest in den Wachsuntersuchungen, die ich hatte machen lassen, wurde der Wirkstoff niemals nachgewiesen.


    Dagegen war Perizin (Coumaphos) überall in relativ großen Mengen im Wachs vorhanden. Und das, obwohl ich nur einmal, es muß 1990 oder '91 gewesen sein, Perizin eingesetzt hatte. Aber bereits die Mittelwände, die man kauft, sind mit Perizin belastet. Darum habe ich seit ca. 15 Jahren eine eigene Wachsstrecke. Und seit ich diese habe, nehme ich auch kein Bayvarol mehr. Aber mein alter Imkernachbar, ein ehemaliger Amtsveterinär, nimmt es bis heute und schwört darauf.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Ich frage mich, ob das nicht ein bisschen schizophren ist, wenn Imker Produkte von Bayer kaufen, während der Chemiekonzern parallel mit Syngenta & CO wg. der EU-weiten Pestizideinschränkung vor dem EuGH steht :roll: (siehe: http://portal.mellifera.de/fix…en%20Pestizide_301014.pdf).


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  • Bayvarol soll in der Wirksamkeit das beste Mittel auf dem Markt sein. Wegen der Resistenzgefahr wird es aber nicht empfohlen.
    Bei Versuchen zur Wirksamkeit anderer Mittel wird Bayvarol oft in den Kontrollgruppen eingesetzt, da die Wirksamkeit bei 95% (?) bis 98% liegen soll, also die Spannbreite sehr gering und die Wirksamkeit sehr hoch. Ausserdem ist Bayvarol nicht von von äusseren Einflüssen abhängig, wie AS oder Thymol.


    Man sollte wissen, wie man Resistenzen nachweisen kann, wenn man Bayvarol langfristig und flächendeckend einsetzt.




    Ich schau heute Abend noch mal in meinen Unterlagen nach, dann kann ich die Zahlen korrigieren.



    Grüße,
    Arnd

  • Ihr kauft alle von Bayer, früher oder später, ob Imker oder nicht....


    Beste Grüße
    Hartmut


    Ich habe neulich schon zu meiner Frau gesagt, dass es konsequent wäre, auch kein Aspirin mehr zu kaufen.


    Ich werde es also nicht mehr kaufen.


    Und wer wissen möchte, wie richtig konsequentes Handeln aussieht, sollte sich diesen Film ansehen. Achtung nichts für zarte Gemüter.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D