Honigraum im Warmbau

  • Guten Abend zusammen,


    vor ein paar Tagen habe ich in der Doku "Die Honigmacher von Schloss Tonnhof" gesehen, dass der Honigraum (Dadant) um 90° gedreht, also im Warmbau, aufgesetzt wird.
    Was hat es damit auf sich? Wird das nur in der Dadant-Imkerei praktiziert?


    Schöne Grüße, Thomasso

  • Das macht Sinn, weil der Teil des Honigraums über dem durch Schied abgetrennten Bereich, in dem die Bienen im Frühjahr sitzen, zuerst angetragen wird. Durch das drehen um 90° hast Du einen Teil aller Waben über diesem Bereich.

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Zitat

    Das macht Sinn, weil der Teil des Honigraums über dem durch Schied abgetrennten Bereich, in dem die Bienen im Frühjahr sitzen, zuerst angetragen wird. Durch das drehen um 90° hast Du einen Teil aller Waben über diesem Bereich.


    Die andere Hälfte von den Waben ist aber auch nicht über dem Brutnest.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Die andere Hälfte von den Waben ist aber auch nicht über dem Brutnest.


    Aber alle Waben haben Kontakt zu dem Bereich über dem Brutnest. Bei Kaltbau hätten es nur die Waben, die drüber sind.


    An der Krux, dass ein gehöriger Teil des Honigraumes über dem nicht besetzten Freiraum hinter dem Schied hängt, ändert das aber in der Tat nichts.


    Im Optimalfall ist jedoch dieser Raum hinter dem Schied zeit- und teilweise bis vollständig mit Bienen (Sammelbienen nachts!) gefüllt, so dass der Honig dort offenbar trotzdem gut trocknen kann. Zumindest tut er das sogar dann, wenn die Völker schwächer sind und der Freiraum weitgehend bienenfrei ist. Warum auch dann, keine Ahnung, vielleicht kann das jemand anderes erklären, aber Hauptsache es funktioniert...!


    Ich hatte auch anfangs größere Bedenken.


    Gruß
    hornet

  • Die andere Hälfte von den Waben ist aber auch nicht über dem Brutnest.


    Wenn Du das nächste Mal nochmal um 180° drehst, schon :daumen:. Das Ganze ist ja kein Muss, man kann den HR auch im Kaltbau aufsetzen und dann um 180° drehen, wenn man das Gefühl hat, die Rähmchen werden zu einseitig befüllt. Muß halt jeder für sich selbst herausfinden, wie es am besten klappt...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Das 90° versetzte Aufsetzen bei der 12 Dadant soll doch, im Gegensatz zur 10er, die das 180° Gedrehe benötigt, die Nutzung des gesamten HR, auch über dem leeren Teil, garantieren. ....habe ich jedenfalls hier im Forum so vernommen. Mir fehlt da bisher noch die Erfahrung :oops:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo,
    einen besonderen Vorteil bei Honigraum im Warmbau würde ich nicht erwarten. Ich habe ja den Brutraum auch im Warmbau und muß feststellen das die Bienen zuerst immer über dem Brutneste den Honig eintragen. Den größten Einfluß auf den Honigeintrag, in Waben neben dem Brutnest hat die Flugbienenanzahl und das Nektarangebot.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Aber alle Waben haben Kontakt zu dem Bereich über dem Brutnest. Bei Kaltbau hätten es nur die Waben, die drüber sind.


    Gruß
    hornet


    Genau anders herum....
    Man kann es aber drehen und wenden wie man will. Arbeitest du unten mit Schied mußt du meistens 180° drehen.


    Gruß Sanni, auch bekennende Dreherin.

  • Genau anders herum....


    Nicht dass hier jemandem schwindelig wird vor lauter drehen:
    Als ich oben schrieb "Aber alle Waben haben Kontakt zu dem Bereich über dem Brutnest. Bei Kaltbau hätten es nur die Waben, die drüber sind."


    meinte ich:


    Honigraum kann man in drei Varianten bewirtschaften:


    Brutraum = bei Dadant (bei mir) immer im Kaltbau


    Fall A: WENN DANN Honigraum um 90° gedreht (=Warmbau), DANN haben alle Waben des Honigraumes Kontakt zum Brutnest darunter.
    Fall B: WENN DAGEGEN der Honigraum NICHT gedreht wäre (=auch Kaltbau wären), DANN hätten nur die Waben Kontakt zum Brutnest daraunter, die sich darüber befinden. Die Waben über dem Leeraum (hinter dem Schied im Brutraum) hätten keinen Kontakt.


    Mir wurde Fall A gelehrt, dies wird so auch meistens beschrieben, eben weil alle Waben Kontakt zum Brutnest haben, können alle Waben gleichzeitig bis hinten belaufen werden, ohne dass Waben übersprungen werden müssten.
    Im Fall B müssten Bienen erst mehrere Waben ohne Brutnestkontakt überspringen, ehe sie die hinteren Waben erreichen, die am weitesten vom Brutnest entfernt sind. Das hemmt natürlich den Fortschritt in der Besiedelung.


    Wenn dann der Honigraum halb voll ist, ist er aber in beiden Fällen erst mal nur ziemlich einseitig befüllt (Schwerpunkt über Brutnest natürlich). Nun kann man trotzdem alles so lassen bis die Honigräume voll sind, oder eben in BEIDEN Fällen die Honigräume erneut um 180° drehen. Dies soll nun die Füllung der zweiten Hälfte erleichtern.
    Ich kann das Gegenteil nicht überprüfen, da ich bisher immer gedreht habe, weil es mir logischer erscheint, dass der Honigraum so gleichmäßiger und vielleicht sogar auch williger gefüllt wird.
    Und es erscheint mir auch logischer, dass Fall A, also Honigraum im Warmbau über Brutraum im Kaltbau für die Gleichmäßigkeit (bessere Erreichbarkeit der hintern Waben für die Bienen) ebenso wie für die Reifung über dem Leeraum hinter dem Schied (bessere Zirkulation der Wärme über dem Brutnest auch bis hinten) günstiger ist als Fall B.


    Man kann es aber drehen und wenden wie man will. Arbeitest du unten mit Schied mußt du meistens 180° drehen.


    @Sannig:
    du hast ja genügend Erfahrung und viele Völker für Vergleiche, hast du so einen Vergleich mal angestellt (Fall A nd Fall B nebeneinder ausprobiert), und wenn ja, mit welchen Ergebnissen?


    Gruß
    hornet

  • Hallo hornet,
    ja, das habe ich im letzten Jahr gemacht, jedoch nicht beabsichtigt. Ich musste ein paar Kisten von einem verstorbenen Freund übernehmen. Wagner Kisten die solch einen Vergleich zuließen, insgesamt hatte ich 15 Beuten die ein versetztes Aufsetzen zuließen.
    Bei unseren geht das gar nicht. In unseren Bruträumen haben 14 Dadant Platz (ohne Schied) und wir haben 10er Honigräume. Die Seiten sind nicht gleich und somit kann ich nur Warmbau auf Warmbau setzen. Mit dem Ergebnis das Anfangs überall gleich ist, Honiglagerung direkt über dem Nest. Bei 7-8 Waben ist also erstmal schluss, aber sie gehen irgendwann auch darüber hinaus wenn ich keinen 2. aufsetze. Ist jedoch auch wirklich schwarmfördernd. Da dieses 180er Gedrehe der Tod für die Bandscheiben ist, habe ich mir angewöhnt die 2-3 Dickwaben schnell umzuhängen, geht alles.


    Bei den anderen hatte ich Warmbau über Kaltbau. Fand ich besser. Sie gehen wirklich einheitlicher durch den Honigraum.
    Vom Ertrag her gabs null Unterschied, die 15 Volker haben nicht mehr gebracht als der Rest.


    Um gleich Fragen vorweg zu nehmen warum so große Kisten:
    Der größte Teil der Völker läuft mit Trennschied, 6+7 Waben, 2 Fluglöcher, gemeinsame Honigräume.
    Warmbau über Warmbau, nix Drehen oder sonst was...immer nur drauf setzen.
    Die macht mein Mann, ich habe meine alleine sitzen aber die gleichen Kisten, aus verschiedenen Gründen.


    Gruß Sanni

  • Guten Abend!
    Also erstmal vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten. Meine Schlussfolgerungen daraus sind, dass es durchaus Sinn machen könnte, den Honigraum im Warmbau bzw. einfach entgegensetzt des Brutraums aufzusetzen, wenn in Dadant geimkert wird, um flächigen Kontakt zu den Waben im HR zu gewährleisten. Wobei ich denke, dass wenn großflächig Brut vorhanden ist, dies keine Rolle spielen dürfte.
    Bei meiner einzargigen Betriebsweise auf Zander sind die Waben zur Tracht zu ~70-80% mit Brut belegt. Großflächiger Kontakt zu den Waben im HR ist somit garantiert. Werde es aber trotzdem mal ausprobieren :u_idea_bulb02:


    Grüße, Thomasso