Flugloch Verständnisproblem....

  • Es ist ja allgemein üblich rechteckige, über die gesammte Breite gehende Fluglöcher zu verwenden.
    Warum ist das so?
    Wäre es nicht sinnvoller runde Fluglöcher zu benutzen?


    Sry für die bescheuerte Frage, aber zu diesem Thema habe ich leider nirgends etwas gefunden.

  • Kannst machen wie du denkst, hauptsache die Damen kommen rein und raus.
    Einfacher ist nunmal aber ein rechteckiges zur Einengung, zum Verschließen oder zum anbringen einer Pollenfalle usw.


    Bei runden ist es jedoch auch für manche Fressfeinde einfacher einzudringen!

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • SEHR GUTE Frage!


    Auch Seely würde rundlichere Fluglöcher bevorzugen, so wie ich ihn verstanden habe.


    Warum es nicht so ist, ich vermute aus praktischen Gründen für den Imker.


    breite, größere Fluglöcher =
    -weniger Stau, mehr Ertrag
    -breite, aber sehr flache Schlitze kommen vielleicht ohne Mäusegitter im Winter aus


    Der wohl wichtigste Grund dürfte aber der sein:
    -weniger Verstopfungsgefahr durch winterlichen Totenfall (TF) da die Bienen den TF besser hinausbefördern können und selbst wenn nicht, noch genug Platz daneben für Luft und Durckommen bleibt.


    Sind aber nur Vermutungen meinerseits, wer besser fundierte Gründe für die üblichen Flugschlitze statt runder Fluglöcher kennt, wird sich hier hoffentlich auch noch melden.


    Gruß
    hornet

  • Bei runden ist es jedoch auch für manche Fressfeinde einfacher einzudringen!


    Na, das erkläre mal genauer. :confused:


    Es gibt viele gute Erfahrungen mit runden Fluglöchern. Und ein runder Stopfen ist genauso schnell eingesetzt wie ein rechteckiger Keil. Statt einem großen Flugloch wird man mehrere kleine runde Fluglöcher verwenden. Das ist alles.


    Runde Fluglöcher haben folgende Vorteile:


    - die Bienen können direkt vom Eingang auf die Wabe steigen.
    - es gibt bessere Verteidigungsmöglichkeiten, weil die Wächterbienen einen Ring um das Flugloch bilden können, während sie bei einem rechteckigen und zu großen Flugloch die Öffnung nicht beherrschen können. Es sind viel mehr Bienen zur Verteidigung notwendig, bzw. werden die Kämpfe vom Flugloch auf die Waben verlagert. (Die Eindringlinge huschen an den Wächterinnen vorbei.)
    - auch das Klima kann besser reguliert werden, da die Öffnung durch die Bienen beherrscht werden kann. Wer hat an zu großen Öffnungen schon Propolis gesehen?
    - recht einfach zu bauen: einfach einen Flachfräsbohrer/Spatenbohrer in der passenden Größe verwenden, um ein Loch in die Seitenwand des Bodens zu bekommen.


    Nachteile.


    - wenn die Löcher falsch dimensioniert und platziert werden, reicht die Belüftung des Bienenstockes nicht aus und es kommt zur Feuchte und zu erhöhtem CO2 im Bienenstock. Je nach Beutensystem muß man da ein wenig experimentieren, um das Optimum zu finden. Kein Problem bei offenen Gitterböden. (Da mchen die Gitterböden die Probleme :wink:)



    Mit einem Korken kannst Du die Löcher verschließen. Im Winter kommt entweder ein Mäusegitter drüber - quer über die Löcher angetackert. Oder ein kleines Brettchen mit Abstandsleisten. Ebenfalls quer drübergetackert. Funktioniert ohne Probleme. Totenfall wird bei beiden Varianten rausgetragen. Zur Verstopfung kommt es nicht, insbesondere, wenn man tiefe Böden - oder noch besser: einen Boden mit Sumpf verwendet. Sumpf = das Flugloch liegt höher als der Grund des Bodens. Mindestens vier bis fünf Zentimeter tiefer als die Unterkante des Flugloches.


    Nachtrag: Die Wirkung eines runden Flugloches sind nicht signifikant gegenüber einem "normalen" Flugloch.

  • Mäusegitter-Ersatz für runde Fluglöcher:


    6,2mm hohe Leisten habe ich zurechtgeschnitten und auf ein kleines Brettchen (ca. 7x7 cm) getackert.


    So ergibt sich ein Durchschlupf für die Bienen.


    Zwei Löcher vorgebohrt, damit das Brettchen beim Anschrauben nicht platzt.


    Und vor das Flugloch in der Zarge geschraubt. Fertig.


    Nach wenigen Minuten hatten die Flugbienen die Veränderung verstanden, auch weil sie zum Teil vor dem neuen Eingang fächelten und die anderen Bienen anlockten. Der Durchgang mit dem Pollen war ungehindert.

  • Bei einem Strohstülper wird als Mäuseschutz ein kleines Brettchen mit einem Nagel über dem Flugloch befestigt. So scheint im Winter auch nicht die Sonne durchs Flugloch und lockt die Bienchen in die Kälte heraus.





    Statt eines Korkens, kann man auch pro Flugloch ein kleines Blech zum Vorschieben verwenden - mit einer Schraube befestigt.



    Schön oben im Bild zu sehen, wie Wächterinnen das Loch bewachen. Im Sommer gehen die Wächterinnen nach draußen und bilden einen "Verteidigungsring".


    Bohren mit dem Spatenbohrer:



    Mäusegitter vor den Löchern meiner TBH (mit Schnee):

  • Bienen bewachen ein rundes/kleines Flugloch im Strohstülper:



    Bei Ablegern wird gern mit kleinen Fluglöchern gearbeitet.


    Bienen lagern am Stülper vor.

  • Sehe ich es dann richtig, dass der einzige Vorteil des rechteckigen Fluglochs die einfachere Herstellung ist? Man könnte also bei einem Ablegerkasten für 4 Ableger statt dem klassischem, rechteckigen Fluglochs jedem Ableger 2 runde Fluglöcher geben?

  • ... der einzige Vorteil des rechteckigen Fluglochs die einfachere Herstellung ist?

    Für mich gibts schon noch paar mehr. Ich kann z.B. das Flugloch versetzen ohne es zu versetzen oder ganz variabel anpassen oder sogar teilen ...

    Man könnte also bei einem Ablegerkasten für 4 Ableger statt dem klassischem, rechteckigen Fluglochs jedem Ableger 2 runde Fluglöcher geben?

    Ja, das geht problemlos.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Auch Seely würde rundlichere Fluglöcher bevorzugen, so wie ich ihn verstanden habe.

    :p Wennern Drohn wär schon:oops:
    Er hat bei seinen vergleichenden Versuchen welche Behausungen vom Schwarm ausgesucht werden eine Bevorzugung runder Löcher gefunden. Vermute mal die waren als dicke, dunkle Flecken für Spürbienen leichter wahrzunehmen als schmale Flugschlitze...


    7mm Fluglochschlitze über ganze Breite bei Vollvölkern, auch vertikal für Kleinvölkerkisten jeglicher Colour (natürlich nicht auf voller Breite oder Höhe:roll:), sind ok.


    Grucsz

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Na, das erkläre mal genauer. :confused:


    man kann ein rechteckiges Flugloch niedriger und länger gestalten, dadurch können Mäuse oder Vögel oder sonstiges Getier kaum an die Bienen gelangen bzw. durchschlüpfen. Bei Runden Löchern gibt die Volksstärke den Radius/Durchmesser vor und schon hat man eine Öffnung die sowohl breit und hoch genug ist um das Eindringen zu erleichtern.
    Klar kann man Ableger mit einem oder mehreren kleinen Löchern versehen, aber bei Wirtschaftsvölkern benötigt man eben eine entsprechende Größe.
    Rechteckige Öffnungen kann ich hier einfacher einengen, mäusesicher machen usw.
    So zumindest meine Meinung. Ebenfalls kann ich das Flugloch dem Bienensitz anpassen -was im Herbst/Winter hilfreich sein kann.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • man kann ein rechteckiges Flugloch niedriger und länger gestalten, dadurch können Mäuse oder Vögel oder sonstiges Getier kaum an die Bienen gelangen bzw. durchschlüpfen.


    Dem kann auch so abgeholfen werden: Damit kein unliebsames Viechzeug in die Kisten zieht, werden zwei eingesetzte Nägel angebracht. Einfach einschlagen und überkreuz ins Loch biegen. Paßt.


    Wie ich schon geschrieben habe: die Wirkung ob rund oder eckig, ist nicht erwähnenswert. Deswegen ist die Form des Flugloch eher nebensächlich.


    Es ist aber wichtig, daß der Brutbereich gut Luft bekommt und das wiederum hat einen signifikanten Einfluß auf die Größe des Bienenvolkes.


    Mit der Größe des Fluglochs kannst Du in der Warré die Brut nach unten in die unteren Zargen ziehen. Je mehr Luft reinkommt, desto höher geht die Brut und verteilt sich komplett über die gesamte Beute. Je kleiner das Flugloch, desto mehr konzentriert sich das Brutnest am "Atemloch". Um die optimale Größe zu finden, bleibt einem nichts anderes übrig, als ein wenig zu experimentieren.