Naturnahe Balkonbienen, welche Betriebsweise :)

  • Hallo allerseits,
    ich würde gerne dieses oder das kommende Jahr anfangen zu Imkern. Vorrangig interessieren mich die Bienen an sich. Eine reiche Honigernte wäre natürlich schön, ist aber keine hohe Priorität. Wahrscheinlich trifft "Bienen halten" als Beschreibung mehr auf mein Vorhaben zu, als "Imkern"



    Ich habe hier schon viel über die verschiedenen Betriebsweisen gelesen, bin mir aber als Neuling noch überhaupt nicht im klaren, wie ich die verschiedenen Argumente gewichten soll.



    Grundsätzlich muss die Beute bei uns auf dem Balkon stehen, Garten geht aus "politischen" Gründen nicht und ein anderes Grundstück habe ich nicht zur Verfügung.



    Der Platz ist also relativ beschränkt. Da ich auch nicht vorhabe möglichst hohe Erträge zu erwirtschaften, geschweige denn Honig zu verkaufen, wäre mir natürlich wichtig, dass die Kosten nicht ins unermessliche Steigen.



    Ich würde ganz gerne auf Naturbau setzen und eine Betriebsweise mit möglichst wenig erforderlichen Eingriffen wählen. Gegen Varroa wird natürlich behandelt! Grundsätzlich fände ich es aber schönen die Bienen zunächst mal ihr eigenes Ding machen zu lassen.



    Vor dem Hintergrund hatte ich zunächst an die Bienenkiste gedacht, die finde ich aber vom Platz her aktuell eher unvorteilhaft, da ja nicht nur der Platz für die eigentliche Kiste benötigt wird, sondern auch Raum vorhanden sein muss, um die Kiste zu kippen.



    Nächste Station war dann die Haltung nach Warré. Platzmäßig natürlich ziemlich vorteilhaft, aber ich habe viel von Schimmel und problemtischer Behandlung gegen Varroa gelesen.



    Mittlerweile bin ich dann bei der Oberträgerbeute gelandet. Naturbau, man kann ein Sichtfenster einbauen und die Tiere beobachten, die Arbeiten am Volk scheinen auch relativ einfach sein und ich könnte die ganze Sache so ausrichten, dass ich gut ran komme, aber die Bienen vom eigentlichen Balkon weg fliegen. Wir uns also wenig in die Quere kommen, wenn es nicht sein muss. Nachbarn würden dann auch nicht belästigt.




    Mittlerweile bin ich allerdings auch relativ verwirrt. Mal ganz unvoreingenommen: Welche Betriebsweise würdet ihr wählen? Es geht hier auch wirklich nur um ein einziges Volk. Mehr ist erstmal nicht angestrebt. Honig verkaufen will ich auch nicht, höchstens ein paar Gläser an Freunde verschenken.


    Ich werde natürlich auch versuchen mit den Imkern hier in der Gegend in Kontakt zu kommen, will aber schon dezidiert keine Magazinbeute sondern eher naturnah/wesensgerecht loslegen. Keine Ahnung wie das so ankommen wird, allzuviel Unterstützung erhoffe ich mir an der Stelle erstmal nicht.



    Grüße,
    Felix

  • Hallo,


    Warré ist was die Varroa angeht auch nicht sehr viel anders als "normale" Magazinbeuten. Kommt immer drauf an mit was du behandeln magst. Ich z.B. nehme den Liebig Dispenser und verdampfe OS. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass du einen Boden mit Varroagitter verwendest.


    Für den Balkon am besten wäre natürlich die von mir entwickelte Kuntzsch-Lagerbeute mit 12 Waben Kuntzsch im Brutraum und einer 8-Waben-English Garden Hive als Honigraum. :) Aber die kann man nur selber bauen.


    Viele Grüße aus Oberbayern
    Philipp


    PS: Wenn du uns noch sagst aus welcher Ecke du kommst kann man dir bestimmt noch besser helfen.

  • Hallo,
    danke schon mal für die Antwort. Im Moment hätte ich - als völliger Anfänger - natürlich gerne eine Betriebsweise über die es zumindest mal etwas Literatur gibt :)


    Vielleicht habe ich das mit der Milbenbehandlung bei der Warré auch einfach falsch verstanden. Bin übrigens aus Frankfurt a.M., habe auch das Profil mal ergänzt.


    Grüße,
    Felix

  • Moin Felix.


    Du kannst ja mit der TBH starten und dann weitersehen. Eine spezielle Betriebsweise brauchst Du da bei der TBH nicht. Ansonsten kannst Du ja konkrete Fragestellungen hier einstellen, wir helfen gern.


    Nächste Station war dann die Haltung nach Warré. Platzmäßig natürlich ziemlich vorteilhaft, aber ich habe viel von Schimmel und problemtischer Behandlung gegen Varroa gelesen.


    Mich interessiert, wo Du denn genau das gelesen hast? (Stimmt nämlich nicht.)


    Gruß
    Bernhard

  • Mal ganz unvoreingenommen: Welche Betriebsweise würdet ihr wählen?

    Keine! oder deutlicher: Ich würde es lassen!


    Unter den Bedingungen, die Du beschreibst, ist Bienenhaltung oder Imkerei weder sinnvoll noch befriedigend. Alles das, was es einem Imkereinsteiger erleichtern würde, den Bien zu verstehen, lehnst Du ab. (keine Vergleichsvölker, keiner der Dir helfen kann, keine [natürliche] Vergrößerung des Standes im Sommer und Auslese im Herbst, ...) Nur Gucken ist nicht imkern und auch nicht "Bienen halten". Naturnah leben Bienen in Wäldern und hohlen Bäumen ... und sterben da.


    Selbst Dachimker mit Platz kennen und akzeptieren die zusätzlichen Probleme, und die imkern mit ansonsten standardisierten Bienenwohnungen. Manch einer von denen, betreibt im Wesentlichen eine große Imkerei am Boden und hat zusätzlich paar Dach- oder Balkonvölker (die oft ein Vielfaches an Zeit fressen, ihn aber immer mal in die Zeitung bringen). Ich hatte Balkonbeuten auch mal und stelle auch gern heute noch kleinste Ableger wieder dort auf. Zum Spaß. Und mit viel Vor- und Vorraussicht.


    Falls Du je ein Propoliskrümelchen unterm Schuh durch die ganze Wohnung getappst hast oder Dir orientierungslose Jungbienen in den Hof und den tieferen Balkon fielen, weißt auch Du, wie sinnlos beschwerlich Balkonimkerei ist. Der Türgriff klebt und dann der Wasserhahn ...


    Such ein Grundstück, kauf Dir 3 Beuten, lerne Imkern!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Bernhard,
    es stimmt bei deiner Antwort in diesem Beitrag auch etwas nicht. Ich habe vor Jahren in Frankreich Bienen gehalten und diese wurden kaum gestört, weder durch Imker noch durch Straßenverkehr. Diese Völker waren in einer Form aggressiv, wie ich es nicht kannte. Als ich sie zurückholte waren sie wieder ganz normal.
    Lag es an einer Wasserader?:lol: Oder werden sie den Imker gewöhnt?:daumen: Wer das Brutnest nicht kontrollieren kann, der hat auch keine Probleme mit dem Stechen.
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Felix,


    Die Sache mit dem Schimmel habe ich übrigens hier gelesen: http://www.pflanzenblog-in.de/…-imkerei-ein-ruckblick-2/


    Naja, das ist eine einzige Quelle. Das hörte sich aber hier:


    ...die Haltung nach Warré. ..., aber ich habe viel von Schimmel und problemtischer Behandlung gegen Varroa gelesen.


    ...viel dramatischer an. "Viel gelesen."


    Wenn Du den Suchbegriff Schimmel hier in der Forumssuche eingibst, wirst Du entdecken, daß es Schimmel in allen Beutenformen geben kann. Es ist in den allermeisten Fällen ein Problem der Volksstärke. Ist das Volk klein und schwach, kann es den Raum nicht regulieren und es gibt eine zu hohe Feuchte im Bienenstock. Es ist ein typischer Anfängerfehler, das auf die Beute selbst zurückzuführen.


    Lasse Dich nicht beirren. Für den Balkon ist die TBH ganz gut geeignet. Warré und andere Magazinbeuten mußt Du abstapeln, wozu Du mehr Platz benötigst. Ein paar Quadratmeter. Während Du bei der TBH nur die Oberträger bewegst. Das ist unter beengten Platzverhältnissen ganz vorteilhaft.


    Die Einwürfe von Henry sind berechtigt. Lassen sich aber lösen. Manches mit einfachem Wasser. :wink: Damit Du dein Volk mit anderen Bienenvölkern vergleichen kannst, kannst Du zum Beispiel andere Imker in der Gegend besuchen. Dann lernst Du auch andere Beutenformen kennen. (Und es macht Spaß über Bienen zu reden! :daumen:)


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Hallo Felix,
    die Bienenhaltung steht und fällt mit der Akzueptanz deiner Nachbarschaft/Vermieter und bevor das nicht geklärt ist würde ich nicht über weitere Schritte nachdenken.
    Bedenke bitte das Bienen auch schwärmen (wollen) und sich Deine Imkerei aus diesem Grunde schon zwangsläufig ausweitet.
    Aufgrund des relativ begrenzten Platzbedarfes wäre die Bienenkiste wohl eher nicht geeignet und die Bienenbox halte ich aufgrund der Möglichkeit herunterfallender Gegenstände für eher grenzwertig. Bliebe für den wirklich kleinen Balkon aufgrund ihrer geringen Außenmaße dann die Rähmchenvariante der Warré übrig?
    Den Stabilbau würde ich nicht empfehlen wollen, da sich gerade für Einsteiger Kontrollmaßnahmen als problematisch erweisen.
    Als Balkonalternative käme vielleicht noch ein Kleingartenverein infrage? Teilweise sind oder sollten die an einer Aufstellung im Randbereich interessiert sein...


    Nur meine unmaßgebliche Meinung zu dem Thema :oops:


    LG
    Andreas


  • Ich würde ganz gerne auf Naturbau setzen und eine Betriebsweise mit möglichst wenig erforderlichen Eingriffen wählen. Gegen Varroa wird natürlich behandelt! Grundsätzlich fände ich es aber schönen die Bienen zunächst mal ihr eigenes Ding machen zu lassen.


    Also "Bienen ihr eigenes Ding machen lassen" kann schnell in die Hose gehen. Entweder für den Imker oder für die Bienen, im schlimmsten Fall sogar für beide. Die Zeiten, in denen man sich einen Strohkorb ans Bauernhaus gestellt und dann im Herbst mehr oder wenig Honig entnommen hat, sind vorbei.


    Imkern "mit möglichst wenig erforderlichen Eingriffen" ist wie Fahrradfahren: Man muss das Gleichgewicht halten können und man braucht Erfahrung. Hier im Forum gibt es "Anfängergeschichten", die auch mit wenig Eingriffen das Imkern begonnen haben und dann so ab Herbst dann komplett ohne Eingriffe auskommen. Eben weil tote Bienen gar keine Eingriffe mehr benötigen.


    Ich werde natürlich auch versuchen mit den Imkern hier in der Gegend in Kontakt zu kommen, will aber schon dezidiert keine Magazinbeute sondern eher naturnah/wesensgerecht loslegen. Keine Ahnung wie das so ankommen wird, allzuviel Unterstützung erhoffe ich mir an der Stelle erstmal nicht.


    Da wirft sich mir gleich die Frage auf, welchen Stock des Hauses der Blakon inne hat. Der 12. Stock, Mittelbalkon mit 4 weiteren links und 3 rechts ist nicht so ideal und (meiner Meinung nach) alles andere als wesensgerecht: Bienen fliegen nach groben Umrissen/Formen/Farben an. Wenn du in einem großen Wohnblock wohnst, dann suchen die auch beim Nachbarbalkon links/rechts/oben/unten erst mal nach ihrem Stock und schon ist die (Nachbars-)Freude da.
    Bei einem Einfamilienhaus etc sieht die Sache mit dem Balkon schon besser aus, allerdings würde ich mir die Sache nicht antun, sollte der Balkon eher die Durchschnittsgröße "entweder Tisch mit 2 Stühlen oder Liegestuhl" haben.
    Und: "naturnah/wesensgerecht imkern" ist KEINE Frage der Bienenbehausung, auch wenn z.B. auf Internetseiten die eigene Beutenbehausungserfindung gerne als besonders wesensgerecht dargestellt wird.


    Damit ich aber nicht nur rumwettere und um dir die Orientierung zu erleichtern:


    Wo genau kommst du denn her? Hier in Osten Frankfurts ist wegen Faulbrutbefall ein Sperrbezirk errichtet (Seckback/Enkheim). Da sieht es schon mal mau aus mit imkern (anfangen), weil es dort untersagt ist, Bienenvölker ein- oder auszuführen (eben Sperrbezirk).
    http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar[_id_inhalt]=25256223


    Daher möchte ich dich gleich die vorgeschriebene Meldung des "Beginns der Bienenhaltung" beim Amt für Veterinärwesen aufmerksam machen. Das Formular gibt es online hier: http://www.frankfurt.de/sixcms…IN46_Tierhalterantrag.pdf
    Unter "sonstigeTiere" halt Bienenvolk eintragen.


    Ebenso würde ich dir den 18.4 oder 19.4. ans Herz legen:
    Schnupperkurs: Bienen und Imkerei: Lernen Sie ein interessantes Tier und einspannendes Hobby kennen.
    MainÄppelHausLohrberg


    http://www.mainaeppelhauslohrb…kumente/Kalender_2015.pdf


    Übrigens imkere ich in Dadantbeuten mit Naturwabenbau in einem Kleingarten in Frankfurt


    Stefan

  • Hi Leute,
    vielen Dank für die zahlreichen Posts.


    Habe aktuell wenig Zeit, da ich bedauerlicherweise auch noch einer Erwerbsarbeit nachgehen muss :)


    Ich will euch natürlich trotzdem nicht informationsmäßig verhungern lassen, daher ganz kurz:

    • Unser Balkon ist relativ groß (ca. 30qm), da brauche ich nichts ans Geländer hängen.
    • Dafür ist der Keller klein. Wenn ich keine zusätzlichen Zargen lagern muss, wäre das fein.
    • Wir wohnen in unserem Eigentum. Die Flugschneise würde auch über keine anderen Balkons oder ähnliches gehen.
    • Jedes Jahr ein Schwarm wäre vielleicht etwas zu viel des Guten. Ich hatte eigentlich geplant den Vorweg zu nehmen.
    • Ich will die Bienen nicht sich selbst überlassen. Mir ist auch klar das sich die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Schwarmes auch am Imker bemisst. Ich bin aber auch nicht darauf angewiesen Honig zu verkaufen, bzw. Erträge zu maximieren. Nach allem was ich gelesen habe würde ich daher gerne Naturbau betreiben lassen und so wenig wie möglich, aber auch so viel viel wie nötig ins Volk eingreifen.
    • Komme aus dem Frankfurter Westen. Über den Faulbrutbezirk muss ich mich schlau machen. Das war mir nicht bewusst.


    Ich will heute Abend auch noch inhaltlich auf eure Beiträge eingehen.

  • Hallo Felix


    Also wenn man auf der B6 aus Richtung Bischofswerda nach Dresden fährt, da hat ein Imkerkollege auf seinem Balkon, auf der rechten Seite, 3 oder 4 Beuten stehen. Direkt an der Hauptstraße und da scheint es aber zu funktionieren.


    Wenn ich Beuten empfehlen kann, dann wären es Segeberger Styropur Beuten, die sind in luftiger Höhe, wärmetechnisch und gewichtsmäßig am besten geeignet, nach meiner Meinung.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)