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Nektar als Ackerertrag - Deal mit Landwirten

  • Ich habe mich gerade mit meiner Nachbarin darauf verständigt, dass sie ca. ein halbes Hektar Buchweizen für mich anbaut.
    Dafür will sie verständlicherweise eine kleine Ertragskompensation.


    Habt Ihr sowas schon mal gemacht?


    Wenn man sich die Hektarerträge an Honig anschaut, die für manche Bienenweiden angegeben werden, kann man ja grundsätzlich auf die Idee kommen, mit Landwirten Anbauvereinbarungen zu treffen. Wenn man z.B. von einem Hektar 100 kg Honig ernten kann (für manche Bienenweiden wird ja ein vielfaches davon genannt) wäre das eine Honigmenge im Wert von 800 bis 1.200 Euro.
    Wieviel müsste ein Landwirt davon bekommen, damit sich diese Nutzung für ihn lohnt?


    Auf guten Böden mit hohen Erträgen mag das für den Landwirt nicht interessant sein. Hier in Mecklenburg-Vorpolen mit durchschnittlichen Hektarerträgen knapp über 300 Euro sieht das anders aus. Seine Subvention bekommt der Landwirt ja flächenbezogen, also auch für die Bienenweide und er hat oft noch eine gute Gründüngung. Oder im Idealfall beides: Ertrag aus der Frucht und eine Vergütung vom Imker.


    Noch habe ich zu wenig Völker, damit sich das mit Flächen rechnet, die für den Landwirt groß genug sind (In meinem Fall ist es halt ein Deal unter guten Nachbarn). Aber es könnten sich ja Imker zusammenschließen und die Fläche anwandern...


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang
    Der Buchweizen ist nach m.M. und meinen Erkundigungen eine ganz unsichere Tracht. Wir selber haben unter besten Voraussetzungen im letzten Jahr mit 10 Völkern am Buchweizen gestanden. Kiloweise habe ich den leckeren Honig schon vorher verkauft. Geerntet haben wir dann aber kein einziges Gramm.
    Also dafür noch bezahlen?
    Laße Dir von Deiner Nachbarin ein anderes von der EU-subventionswürdiges, vielfältiges Gemisch aussähen und zahle einen kleinen Zuschuß. Du hast wahrscheinlich so über einen längeren Zeitraum Sommertracht und eine sicherere Tracht.
    Wir werden dieses Jahr aber trotzdem wieder an den Buchweizen gehen. Honigbestellungen nehmen ich jetzt schon entgegen.
    Mit imkerlichem Gruß
    Ralf

  • Nun, das Risiko gehe ich ein, es geht um keinen großen Betrag. Ich wollte bewußt keine der üblichen Bienenweidemischungen, weil die mir den sortenreinen Kornblumenhonig verderben, der sonst meine wertvollste Tracht ist. Ich habe hier erst im Spätsommer (wenn die Kornblume endet) Trachtlücken. Oder wenn es sehr trocken ist. Aber dann honigt so oder so nichts.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    geh mal davon aus, dass Mais für ne Biogasanlage durchaus einen Gewinn von 1000 € pro ha auch auf weniger durchschnittlichen Böden erreichen sollte.


    Als Fruchtfolge macht sowas aber durchaus Sinn. Aber bedenke bitte, dass Du für den Acker ein großes Gefängnis benötigst, damit keine fremden Bienen einbrechen können *gg*


    Noch ein kleiner Querdenker:
    Frag doch mal, ob die nicht auch etwas anderes für die Biogasanlage anbauen würden...


    Gruß GM

  • Wir Imker sind Abstauber im besten Sinne und sollten es auch bleiben.


    Die Landwirtschaft versucht schon, ihre Aussaat als bienenförderlich unter irgendwelche Programme zu stellen und sich versubventionieren zu lassen. Das genau ist der falsche Weg. Gingen wir den weiter, kauften sich Imker irgendwann die Flächen, bauten unter Netz Phacelia an. Doch wessen Bienen flögen dann zum unerwünschten Mohn ins Getreidefeld?


    Zusammenarbeit ist gut. Gemeinsames Risiko auch. Der Landwirt riskiert Diesel, Saatgut und Flächenpacht, der Imker seine Völkerpflege. Träfe man sich beim halben Honigertrag, hätte man vergessen, daß die Bienen auch auf dem Buchweizen sammelten, wenn Bauer und Imker sich spinnefeind wären ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • geh mal davon aus, dass Mais für ne Biogasanlage durchaus einen Gewinn von 1000 € pro ha auch auf weniger durchschnittlichen Böden erreichen sollte.


    Energiepflanzen sind nicht das Thema. Es geht hier um Biolandwirte (ich habe drei davon ringsum). Die bauen zwar auch Mais an, aber nur als Futterpflanze.
    Die Bienen anderer Imker (die müssten schon anwandern, weil der nächste Imker fast 4 km weit weg ist) sollten nicht das Problem sein. Eine entsprechende Fläche würde nicht nur für meine Bienen reichen.


    Meine Nachbarin kalkuliert mit ca. 300 Euro Ertragsausfall pro Hektar. Zugrunde gelegt hat sie dabei den Ertrag bei Hafer.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Träfe man sich beim halben Honigertrag, hätte man vergessen, daß die Bienen auch auf dem Buchweizen sammelten, wenn Bauer und Imker sich spinnefeind wären ...


    Bloß würde der Bauer keinen Buchweizen anbauen, sondern wie gesagt Hafer.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • ... sondern wie gesagt Hafer.

    Dann frage den, Wasser haben will, für Buchweizen und entscheide, ob Du's zu geben bereit bist.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Dann frage den, Wasser haben will, für Buchweizen und entscheide, ob Du's zu geben bereit bist.


    Nun, das habe ich ja getan.


    Ich wollte aber über meinen Einzelfall hinaus wissen, ob so was funktionieren kann.
    Ich sitze nämlich gerade über einem Projektantrag (oder besser einer Projektskizze) für ein Imkereiprojekt im Rahmen einer Fördermaßnahme für strukturschwache ländliche Regionen. In dem Zusammenhang wäre die Kooperation von Imkern und Landwirten auch ein interessanter Aspekt.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Ja, geht. Hatte vor Jahren eine Absprache bzgl Themas und er wollte das Saatgut bezahlt haben von mir, da sowieso ne Gruenduengung anstand und der Aufwand fuer ihn demnach gleich war.
    ...achso, alles ohne Foerderung sondern von Mensch zu Mensch.

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • ... er wollte das Saatgut bezahlt haben von mir ... achso, alles ohne Foerderung sondern von Mensch zu Mensch.

    Das doch fair. :daumen: Ich darf dem Nachbarbauern auch immer mal vorm Drillen Phaceliaunkraut in den Wiesenhafer schmeißen und staunen wie teuer Saatgut ist.


    Und jedem der Fördergeld beantragt oder einsetzt seie ins Gedächtnis gerufen, daß irgendwer, das auch bezahlen muß. Meistens er selber oder der spanische Ziegenbauer ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Bloß würde der Bauer keinen Buchweizen anbauen, sondern wie gesagt Hafer.


    Hallo Wolfgang
    Was denn noch zu klären wäre!
    Buchweizen, auch Bio-Buchweizen, ist m.W. gut nachgefragt. Zudem ist Bio-Saatgut auch nicht umsonst. Die vorgerechnete Erlöseinbuße der Landwirtin sollte unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Aspekten kontrolliert werden. Für den Bio-Betrieb haben gestreckte Aussaatzeiten und niedrigeres Düngeniveau u.ä. eine andere Wertigkeit.
    Mit imkerlichem Gruß
    Ralf

  • Ja, das ist ein guter Hinweis. Meine Nachbarin meinte, sie hätte keine Erfahrung mit Buchweizen und hat Sorgen wegen der Verunkrautung.
    Aber eigentlich ist Buchweizen für unsere sandigen Böden gut geeignet und es gibt im Biosegment durchaus Nachfrage danach.
    Mal sehen. Das könnte ja auch in dieser Hinsicht ein Test sein.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Lohnt nicht, weil der Nektarertrag viel zu unsicher ist. Schleudere gerade Phaceliahonig (8 Völker auf ca. 5ha, und sicher etliche fremde im Umkreis, aber trotzdem). Honigertrag liegt bei ca. 5 Pfund pro Volk - was allerdings mindestens 10 Pfund mehr ist als was meine sonstigen Völker derzeit eingetragen haben :wink:(Einfach typisches Schleswig Holsteiner Schietwetter). Letztes Jahr hingegen hatte eine Kollegin ihren Garten mit Phacelia eingesetzt (also vielleicht 3-400 qm), und da haben auch meine Mädels noch heftigst mitgenascht (zumindest Pollen, etliches an blauem Phaceliaüollen im Kasten), obwohl sie selbst so etwa 10 Völker stehen hatte.


    Außerdem...schlechtere Böden sind schlechtere Böden. Da ist auch der Honigertrag nicht so. Pflanzen auf sandigen Standorten leiden z.B. eher unter Trockenheit und produzieren dann auch nicht so viel Nektar.