Wie Schröpfen mit nur 1-2 Völkern.

  • Hallo,


    ich bekommen ja im April mein 1 Wirtschaftsvolk 10 Waben DNM Königin aus 2014 in Segeberger Kunstoffbeute. Wenn alles gut geht werde ich doch wohl dieses Jahr zur Schwarmverhinderung schröpfen müssen!?


    Im Sommer werde ich noch ein Ableger mit 7 Waben und Königin aus 2015 bekommen.
    Ich möchte eigentlich nicht mehr als Insgesamt 2 Wirtschaftvölker auf Dauer haben.


    Wie kann ich sinn-und wirkungsvoll Schwärmen verhindern und schröpfen ohne am Ende mit 4, 5, 6 oder mehr Völkern dazustehen?


    Ich habe schon die Imkersprechstunde, 1x1 des Imkerns, und er Wochenendimker durchgelesen. Aber alle gehen davon aus , dass mann mehr Völker hat und oder künftig haben möchte.
    Königinnen züchten möchte ich auch nicht unbedingt.


    Wie kanns am besten laufen?


    Beśte Grüße
    Rolf

  • Zwei kleine Ablegerkästem in DNM kaufen. Im Mai dann die alte Königin mit zwei Brutwaben und einer Futterwabe und einer Mittelwand in den Ablegerkasten.


    0) Das Volk wird im Frühjahr normal erweitert und wächst bis zur guten Volksstärke heran. Ungefähr bis Mitte/Ende Mai.


    1) Die alte Königin wird mitsamt Wabe auf der sie sitzt, eine weitere Wabe mit verdeckelter Brut und eine volle Futterwabe, mitsamt allen ansitzenden Bienen in einen Ablegerkasten gegeben. Bienen einer Brutwabe dazuschütteln. (Königinnenableger. Geht im Stabilbau auch mit ganzer Zarge? Muß noch ausprobiert werden.)


    2) Danach werden auf zwei Brutwaben mit junger Brut jeweils die unteren Ränder von je zwei Zellen pro Wabe mit jüngsten Larven (noch nicht gekrümmt und im Futtersaft schwimmend) mit dem Stockmeißel weggeschnitten. So kann die Nachschaffungszelle nach unten fortgebaut werden, keine Krümmung der Weiselzelle. Außerdem scheint mir bei einer derart präparierten Zelle mehr Gelée Royal eingelagert zu werden. Nach dem Motto: Zelle nach unten offen = Weiselzelle.


    3) Nach 7 Tagen werden alle Brutwaben kontrolliert und alle "wilden" Nachschaffungszellen und alle der präparierten Zellen werden bis auf eine gebrochen, es wird nur eine stehengelassen. Also eine Wabe mit einer Zelle. Es wird die Weiselzelle gewählt, an die sich die meisten jungen Bienen klammern. (Die Bienen helfen Dir so bei der Auswahl der besten Königin.)


    Das war's. Die neue Königin schlüpft und wird begattet. Falls irgendetwas passiert und das Volk nach ein paar Wochen keine ausreichend legende Königin hat, wird die alte Königin, die zu diesem Zwecke als Sicherung im Ablegerkasten verwahrt wird, wieder in das alte Volk eingeweiselt.


    Die Auswahl der jüngsten Maden, am besten gerade aus dem Ei geschlüpft, noch nicht gestreckt und im Futtersaft schwimmend. Alles Gekrümmte ist bereits zu alt.


    Dann werden die unteren Zellenränder nach unten hin weggekratzt. Die Made dabei nicht verletzen natürlich. Die darunter liegenden Zellen können ruhig weggekratzt werden. Am besten dazu eine Zelle im unteren Bereich der Wabe nehmen.


    Gibt hübsche Königinnen. (Besser als Nachschaffungsköniginnen.)


    Am Ende der Saison die Ableger auflösen, als Reserve einwintern oder verkaufen. Fertig.


    Gruß
    Bernhard

  • 2) Danach werden auf zwei Brutwaben mit junger Brut jeweils die unteren Ränder von je zwei Zellen pro Wabe mit jüngsten Larven (noch nicht gekrümmt und im Futtersaft schwimmend) mit dem Stockmeißel weggeschnitten. So kann die Nachschaffungszelle nach unten fortgebaut werden, keine Krümmung der Weiselzelle. Außerdem scheint mir bei einer derart präparierten Zelle mehr Gelée Royal eingelagert zu werden. Nach dem Motto: Zelle nach unten offen = Weiselzelle.


    Man kann hier doch jeden Tag noch wieder was Neues lernen. :) Danke.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Ich möchte eigentlich nicht mehr als Insgesamt 2 Wirtschaftvölker auf Dauer haben.


    Wie kann ich sinn-und wirkungsvoll Schwärmen verhindern und schröpfen ohne am Ende mit 4, 5, 6 oder mehr Völkern dazustehen?


    Ein mögliches Vorgehen hat Bernhard ja ausführlich erläutert, ich möchte nur ergänzend auf eine Kleinigkeit hinweisen: zwei Wirtschaftsvölker auf Dauer beinhaltet zwei Ableger parallel. Also vier 'Völker'. Bienenvölker sind nichts statisches, nie, Du wirst relativ schnell verstehen, was ich meine. Dauerhaft zwei Wirtschaftsvölker sind viele Monate im Jahr mit min. vier Fluglöchern :)


    Beste Grüße,
    Ralf


    PS.: tröste Dich, wenn wir Alle gewußt hätten, was für Konsequenzen das Imkern hat und mitsichbringt, hier wär deutlich weniger los. Man wächst da rein :daumen:

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Es gab da aber auch noch den guten alten Zwischenbodenableger. Da reicht ein selbst gebastelter Zwischenboden und das Volk wird nur kurzzeitig geteilt. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Macht das heute noch wer?


    Die Erfahrung lehrt aber, dass es immer gut ist, den Sommer über Reservervölker zu haben. Deswegen würde ich Bernhards Verfahren vorziehen.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Danke für diesen Beitrag, der ohne um den Brei zu reden, eine sehr gute imkerliche Hilfe ist. Ich habe seit 1965 Bienen, habe Bogenschnitt-, Zellstreifenmethode verwendet. Werde nun diesen Tip probieren.

  • Hallo coooki75!


    Wenn du zwei Völker hast, dann ist es auf alle Fälle ratsam mindestens zwei oder drei Ableger zu bilden. Im Gegensatz zu anderer Tierhaltung ist es in der Imkerei so, dass ohne Verschulden des Imkers mit dem Ausfall von Völkern gerechnet werden muss, z.B. Weisellosigkeit. Außerdem aus jedem gebildeten Ableger wird nicht ein Volk, da ist schon bei der Begattung mit gewissen Ausfällen zu rechnen.


    Sollten deine Völker gut über den Sommer kommen, so ist es überhaupt kein Fehler, wenn du im Herbst selektieren kannst und nur mit den besten Völkern über den Winter gehst. Sollten wirklich Völker übrig bleiben, dann kannst du im Herbst die schlechtest auflösen und die verbliebenen Völker verstärken. So erhältst du zur Überwinterung bomben Völker.


    Also Ablegerbildung ist keinesfalls ein Fehler.


    MfG


    Honigmaul

  • Der Tip von Bernhard ist wirklich klasse und auch gut präsentiert. Im Ergebnis führt er dazu, dass eine neue (zusätzliche) Königin herangezogen wird. Wenn ich das nicht brauche oder einfach nicht will, verwende ich zur Schwarmverhinderung einen Zwischenboden. Der ist so beschaffen, dass er zwischen zwei Zargen gelegt werden kann und diese bienendicht trennt. Nach oben hat der Zwischenboden einen umlaufenden Kranz aus Leisten mit einem einseitigen Flugloch.


    Wenn ich nun bei der regelmäßigen Schwarmkontrolle feststelle, dass ein Volk schwarmtriebig ist und Weiselzellen vorhanden sind, dann räume ich alle Zargen dieses Volkes zur Seite bis auf das Bodenbrett. Darauf stelle ich eine Leerzarge, die ich mit Mittelwänden fülle. Nach oben schließe ich diese Leerzarge mit dem Zwischenboden ab. Auf den Zwischenboden stelle ich die das Volk in der alten Reihenfolge der Zargen zurück.


    Jetzt nutzt dieses Volk das Flugloch des Zwischenbodens. Die ausfliegenden Flugbienen kehren jedoch in ihr angestammtes Flugloch am Bodenbrett zurück und bevölkern dann die untere (neue) Zarge. Da dort keine Königin ist, bauen sie die Mittelwände dort aus und lagern den gesammelten Honig.


    Das Volk oberhalb des Zwischenbodens verliert dadurch seine Flugbienen und Sammlerinnen, was wie ein starkes Schröpfen wirkt. Es verliert damit meist schnell seinen Schwarmtrieb. Zur Sicherheit kontrolliere ich das engmaschig und breche einmalig alle vorhandenen Weiselzellen aus. Nach ca. 3 Wochen mache ich alle Änderungen wieder rückgängig und setze die nun zusätzlich besiedelte unterste Zarge als (weiteren) Honigraum oben auf.


    Im Ergebnis kann ich damit den Schwarmtrieb beseitigen und das Volk (samt Königin) erhalten, ohne meinen Bestand zu vermehren. Falls der beschriebene Zwischenboden für den verwendeten Beutentyp nicht verfügbar ist, kann man alternativ auch ein zweites Bodenbrett neben das vorhandene Volk stellen. Dann braucht man aber auch einen zusätzlichen Deckel.


    Gruß vom Sammler

  • Ich würde das Volk zusammenhalten und zunächst keine Ableger bilden. Schließlich soll ja Honig geerntet werden.
    Schaff dir am besten einen Segeberger Ablegerboden und 2 Trennschieds an. Du kannst dann mit Deckel, Zarge Ablegerboden und den 2 Schieds eine 3-gekammerte Ablegerbeute bilden mit dem Vorteil, dass du zusätzlich zu deiner normalen Segeberger Ausrüstung nur die beiden Schieds und den Ablegerboden brauchst. Das ist geringer Aufwand an Geld und Platz.
    Du siehst das Volk ab ca. dem 20. April alle 7 Tage auf Schwarmtriebigkeit durch. Wenn dann Weiselzellen bebrütet werden, setzt du die alte Königin mit 1 Brutwabe, 1 spärlichen Futterwabe und einer Mittelwand in eine Kammer der Ablegerbeute. 1 Woche später setzt du je 1 Wabe mit verdeckelten Schwarmzellen, 1 Futterwabe und 1 Mittelwand in die anderen beiden Kammern der Ablegerbeute. Im Muttervolk brichst du alle Schwarmzellen bis auf eine aus.
    Wichtig ist dabei, zur Suche im Muttervolk alle Waben annähernd bienenfrei zu machen; ansonsten werden mit ziemlicher Sicherheit Zellen übersehen und es kann Nachschwärme geben. Das Abstoßen der Bienen aber kann in der letzten verbleibenden Weiselzelle die Königinnenpuppe zum Absterben bringen - aber du hat im Ablegerkasten ja 2 junge Ersatzköniginnen zur Verfügung.
    Falls alle Jungköniginnen etwas werden, kannst du die überschüssigen immer noch verschenken oder verkaufen.


    Gruß Ralph

  • Hallo,
    man sollte trotzdem nicht vergessen, das es Verluste durch PSM und Varroa gibt.
    Imho ist es nicht verkehrt Ableger zu bilden und diese erst im nächsten Frühjahr zu vereinigen oder zu verkaufen.
    Damit begrenzt man das Problem "Verluste durch PSM/Varroa/"schlecht durch den Winter gefütter" usw.
    Sonst steht man 12 Monate später ggf. ohne Bienen da.


    VG Martin

  • Hallo,


    mir persönlich stellt sich alles auf, wenn ich von Zwischenboden, schröpfen usw. höre. Das sind alles Arbeiten, die ich nicht brauchen kann, ich hab das jahrelang durchgezogen.


    Und ich erstelle heute trotzdem Reservevölker, nur eben zu einer anderen Zeit, nämlich dann, wenn die Bienen nicht mehr gebraucht werden.


    Das Geheimnis liegt in einer Biene, die entweder gar nicht erst einen ausufernden Schwarmtrieb entwickelt, oder sich, wenn er denn doch aufkommt, mit relativ einfachen Mittelen wieder davon abbrinen lässt.


    Das ist meine Meinung, und ich hab mich viele Jahre mit schwarmlustigen Bienen rumgeschlagen.