Beuten für wesensgemäße Bienenhaltung

  • Ich habe nochmals eine Frage:


    Gibt es aus Sicht der Bienen Beuten, die dem Bien angenehmer sind bzw. der natürlichen Lebensweise der Bienen
    mehr entsprechen als andere?


    Honigertrag habe ich zwar sehr gerne, aber genauso wichtig ist mir eine artgerechte Bienenhaltung.


    Beide Seiten sollten etwas von der Beziehung Mensch - Biene haben :-D


    Dass die Beute aus Holz sein soll, steht für mich schon fest. Aber sollte man hier auf Dinge wie einen Raum oder geteilter Raum, Magazine, Trogbeute, etc. achten?


    Wie es so schön heißt: Wer die Wahl hat, hat die Qual; die ganzen Möglichkeiten sind etwas verwirrend.

  • Ja, die gibt es bzw. wird es geben.


    Ungeteilter Brutraum ist Pflicht, um beispielsweise SZ und DZ nicht mitten im Brutnest zu haben.
    Durchgehende Legekreise erzeugen außerdem automatisch eine gleichmäßigere Temperaturverteilung im Brutnest.


    Die Frage ob Magazin oder Trogbeute beantwortet sich IMHO allein aus dem Hauptzweck Deiner Imkerei: Willst Du eher Honig oder mehr Bienen?

  • Honigertrag habe ich zwar sehr gerne, aber genauso wichtig ist mir eine artgerechte Bienenhaltung.


    Aber sollte man hier auf Dinge wie einen Raum oder geteilter Raum, Magazine, Trogbeute, etc. achten?


    Tjaa, was soll man als "wesensgemäß" definieren?
    Wie wäre es damit:
    Die Beuten sollten einzeln und in ca 3-4m Höhe über dem Boden stehen.
    Jedenfalls suchen sich Bienenschwärme mit Vorliebe Hohlräume in dieser Höhe als neue Behausung. Also sollten Beuten auf dieser Höhe aufgestellt werden. Alles andere ist vielleicht imkergemäß aber schon nicht mehr wesensgemäß für Bienen. Oder täusche ich mich da? ;)


    Ich bin zum großen Brutraum übergegangen, u.a. weil dort die Königin ihre Eiablage nicht durch Ober-/Unterträger und Beespace behindert wird. Bei meinen Langstrothbeuten (mit den dickeren Oberträgern) hatte ich den Eindruck, dass manchmal die Königin nicht gerne die Zarge wechselt und lange nur in einer Zarge stiftet.


    Aber ob das wesensgemäßer ist, kann ich dir nicht sagen, denn bisher hat sich noch keine Biene bei mir geäußert, was sie lieber hätte. Alles wesensgemäße ist menschliche Auslegung (-sreligion?).


    Stefan

  • Drops
    Danke, Stefan. Gerade solche Einschätzungen wie von dir (dass die Königin nicht gerne die Zarge wechselt) finde ich hilfreich.


    Unter "wesensgemäß" verstehe ich ganz allgemein, dass die Bauweise der Beute den natürlichen Bedürfnissen des Bien entspricht.
    Ich weiß ja nicht, OB es überhaupt in diesem Punkt Unterschiede bei den Beuten gibt bzw. ob dies überhaupt bereits erforscht ist.


    Nur als Beispiel: Es gibt bestimmte Abstände bei den Rähmchen, die ideal sind. So dachte ich, dass es möglicherweise Bauweisen von
    Beuten geben könnte, die bei den Bienen "beliebter" sind als andere, weil sie ihnen instinktiv vertrauter sind oder ihnen die Arbeit erleichtern, oder im Winter das Warmhalten unterstützen, .....

  • @Hobbiene Lies mal "Bienendemokratie" von Seeley. Da wird gut beschrieben, welche Behausungen nach welchen Kriterien vom Schwarm als neue Heimat ausgewählt werden.


    Drops In Langstroth kann man doch auch einräumig imkern, oder nicht? Soviel kleiner als bei Dadant ist das Rähmchen doch nicht. 1-2 Waben mehr und du kannst sogar noch ein Schied setzen.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Hallo Maxikaner.


    Habe nicht das Gegenteil behauptet. Man kann auch auf 11 DNM in ner Segeberger mit einem Brutraum imkern.
    Nur Stefan hatte halt geschrieben:

    Zitat

    Ich bin zum großen Brutraum übergegangen, u.a. weil dort die Königin ihre Eiablage nicht durch Ober-/Unterträger und Beespace behindert wird. Bei meinen Langstrothbeuten (mit den dickeren Oberträgern) hatte ich den Eindruck, dass manchmal die Königin nicht gerne die Zarge wechselt und lange nur in einer Zarge stiftet.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Dass die Königin nicht gern die Zarge wechselt, kann ich nicht bestätigen. Ich hatte (auf DNM) noch kein Volk, dass nicht die zweite Zarge bebrütet hat. Das war aber nicht die Frage.


    Abgesehen davon, dass ich den Begriff "artgerecht" vorziehe, würde sich eine "wesensgemäße" Bienenhaltung wohl an den natürlichen Nisträumen (Baumhöhlungen) orientieren. Bienen neigen zur Hochwabe (meint zumindest Pfefferle). Der Brutraum müsste also sehr viel höher sein als das selbst bei Dadant der Fall ist (und schmaler) und natürlich verwenden wir keine Rähmchen. Diese Kiste hängst Du dann drei, vier Meter hoch in einen lichten Wald. Mindestens einen Kilometer vom nächsten Bienenvolk entfernt. Und komm bloß nicht auf die Idee, Honig ernten zu wollen.
    Viel Spaß beim Imkern!


    P.S.: Ich imkere zwar auf DNM (was natürlich gar nicht wesensgemäß ist), meine Bienen stehen aber in drei Meter Höhe und natürlich sind die Magazine aus Holz. Imkern ist immer ein Kompromiss. Aber vielleicht macht die Bodenhaltung die Bienen ja viel unglücklicher als der geteilte Brutraum. Was die Behausung anbelangt, durften die Bienen wohl von jeher nicht wählerisch sein.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Ich hatte damals 2/3 Langstroth (die Flachen Zargen, also +- halb so hoch wie Dadant). Es war halt mein Eindruck, der Ableger hat sich gut entwickelt, bis die untere Zarge voll war, in der anderen (aufgesetzten) Zarge war aber lange tote Hose. Habe dann versucht, 5 Waben oben und 5 unten, dann war es aber schon Ende Juli.
    Hat halt alles nicht so geklappt wie gedacht. Vielleicht war der Fehler auch bei mir zu suchen.


    Ich jedenfalls bin bei Dadant glücklich. Eine "Durchsicht" geht schnell, weil ich oft (wenn kein Honigraum drauf ist) nur den Deckel heben muss, Randwabe raus (arbeite ohne Schied mit 10 Brutraumwaben) und schon kann ich "blättern" bis ich eine Brutwabe aus der Mitte entnehmen kann. Dort seh ich zu 80% alles, was nötig ist (Futtervorrat, Brutstadien, Brutumfang etc). Und schon kann ich alles wieder zurückstellen.


    Ist für mich einfach und meiner Meinung nach bienengemäß, weil ich die Bienen nicht lange störe.


    Stefan

  • Was die Behausung anbelangt, durften die Bienen wohl von jeher nicht wählerisch sein.


    Im Gegenteil. Sie sind sogar sehr wählerisch und entscheiden sich gemeinsam für die beste Möglichkeit, die sich ihnen bietet.


    Wenn du allerdings mit deiner Aussage meinst, dass sich in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft nicht mehr allzuviele Möglichkeiten an neuen Behausungen bieten, bin ich bei dir.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D


  • Wenn du allerdings mit deiner Aussage meinst, dass sich in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft nicht mehr allzuviele Möglichkeiten an neuen Behausungen bieten, bin ich bei dir.


    Auch in Naturlandschaften ist die Zahl der optimalen Nistplätze überschaubar. Das meinte ich.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Bei DN sind die Oberträger aber nur halb so dick (10 statt 19mm). Ich denke das macht schon den Unterschied. Zumindest habe ich z.b. weniger "Wildbau" auf den Rähmchen als z.B. viele DN Imker, deren Kisten bei Youtube zu sehen ist.
    Alles ist ein Kompromiss und vieles beeinflusst sich gegenseitig.


    Brutableger bilden sich z.B. mit DN schöner, weil man 3-4 Waben verwenden kann, die kompakter zusammenstehen als 2 Dadantbrutwaben (wenn man die Ableger gleich stark bilden will). Aber man kann dies z.B. mit Sammelbrutableger und Kunstschwärmen umgehen.


    Zu sagen, diese Beute ist wesensgemäßer als andere, das kenne ich nur von einem System. :wink:
    Und dort wird "nur" die eigene Erfindung beschwurbelt ohne einzugestehen, dass das als "wesensgemäße" Bezeichnet eben nicht an der Behausung sondern an der Betriebsweise liegt.


    Stefan

  • Schönen Tag,


    in der letzten AIDZ schrieb Seeley, dass Schwärme Nisthöhlen mit einem durchschnittlichen Volumen von 42 Litern bevorzugen.
    Vielleicht sollte eine "wesensgemäße" Beute, dann auch so ein Volumen von 40 Litern haben. Auch sollte dieses Volumen, wie in der Natur, konstant bleiben
    also keine Honigräume aufgesetzt werden, da jede Raumerweiterung, vor allem nach oben, Unruhe in das Volk bringt.
    Außerdem ist es wohl von Vorteil wenn eine Beute mehr hoch als breit ist, also lange hohe Rähmchen, was auch einen Vorteil für Naturwabenbau hätte und sich Bienen angeblich bei Kälte besser vertikal als horizontal bewegen können.


    LG
    Johannes