Was ist mit diesem Honig passiert?

  • Diesen Blütenhonig (MHD Ende 2016) habe ich kürzlich in einem Laden entdeckt und konnte mir auf das Aussehen keinen richtigen Reim machen. Oben ist der Honig flüssig, die untere Schicht sieht irgendwie ausgeflockt aus. Fortgeschrittene Kristallisation kenne ich vom Aussehen her anders, kann das jemand einordnen?


       

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Da ich ja gerade die Honigschulung hinter mir habe, versuche ich mich mal an einem Selbstversuch - ohne Anspruch auf Richtigkeit und lasse mich gerne verbessern.
    Der Blütenhonig (vermutlich Frühtracht?) weist einen hohen Glucose-Gehalt auf und neigt zur Kristalisation. Wenn der Honig nicht genügendgerührt wurde, so können die sich bildenden Glucose-Kristalle unten absetzen und es kommt zur Phasenbildung, bei der sich oben die Fructose- und Wasseranteile oben absetzen - begünstigt werden kann das durch zu hohe Lagertemperaturen. Da die obere Phase entsprechend einen höheren Wassergehalt aufweist, besteht hier die Gefahr der Gärung.
    Also zufrüh abgefüllt und zu warm gelagert?

  • Hallo,


    neeee, das ist keine Frühtracht und auch keine klassische Entmischung.
    Denn die Frühtracht hat typischerweise einen eher hohen Glucosegehalt. Klassisch mit Obst, viel Raps oder Löwenzahn, kristallisiert steinhart und hat weniger Neigung zum Entmischen. Lässt sich aber streichcremig rühren.
    Entmischte Honige, die vorher cremig waren, entmischen nicht mit solch groben Kristallen, die bilden eine klarere Phasentrennung, unten dann mit feineren Kristallen und oben eher dunkler. Die Flüssigphase ist dann größer und die Kristallphase viel dichter und feiner.


    Das ist meiner Meinung nach ein wasserreicherer Sommerhonig, länger flüssig bleibend, höherer Fructoseanteil aber nicht typisch so hoch, dass er das sehr lange bleibt. Der ist vermutlich nie als gerührter, cremiger Honig ins Glas gekommen, sondern flüssig. (Was stand denn drauf eigentlich?)
    So etwas kristallisiert dann langsam so grobschollig aus und bildet eher eine sulzartige Konsistenz.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von beetic () aus folgendem Grund: ordografiiiiii

  • Aber den kann man auftauen, dann animpfen und gut durchrühren. Wird dann ganz weichcremig. :daumen:

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    Hans Kasper

  • Hatte vor ca.20 Jahren auch eine ganze Kiste voll solchen Honig der sich entmischt hatte und auskristallisiert war.Die Kiste lagerte auch etwas länger im kühlen.Damals vermutete ich das bei der Schleuderung einer Haupttracht ein frisch eingetragener Phacelia Honig eingetragen wurde den ich nicht bemerkte, da das Phacelia Feld 3 km entfernt war und somit in geringer Menge eingetragen wurde.Seit dem sehe ich lieber 2mal auf das Refraktometer!!


    Grüße aus Thüringen

  • N`Abend zusammen!


    Ein bewusst mal nicht gerührter Waldblütenhonig von mir sieht sehr ähnlich aus. Oben eine dünne und wässrige Schicht, dann folgt der "grobschollige" Rest. Er scheint bisher allerdings noch nicht zu gären zu beginnen, also oben drauf die Schicht.
    Die feincremig angeimpfte und gerührte Vergleichscharge ist ebenfalls immer noch vollkommen okay.


    Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • (Was stand denn drauf eigentlich?)


    'Blütenhonig' und 'Sommerabfüllung' stand drauf. Da ich mir das Glas zum Fotografieren ausleihen durfte und die Charge bei dem Abfüller eh reklamiert werden soll, haben wir heute mal probiert. So einen schlechten Honig habe ich noch nie gekostet- im ersten Augenblick malzig, dann äußerst unangenehm metallisch im Geschmack, aber keine Spur vergoren.
    'Sulzig' passt gut. Wenn ich mir noch eine Probe erbitten darf, messe ich die Tage mal den Wassergehalt...

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