Volk am verhungern

  • Hallo zusammen


    habe ein Volk welches ich erst sehr spät auffüttern konnte sich dennoch, oder bzw leider zu gut enwickelt hat und momentan bei Temperraturen ca gute 8 Wabengassen besetzt.
    Habe Anfang der Woche beobachtet dass dieses Volk mehr als die anderen fliegen und mehr Bienen vor dem Flugloch sitzen. Hab dann einen Blick ins Volk geworfen und bemerkt dass sie kein Futter mehr hatten.
    Also habe ich ihnen ca 3,5 Futterwaben welche ich leider anderen Völkern entnehmen musste zugegeben und auf Rat eines bekannten Imkers noch Futterteig auf die Rähmchen gelegt womit ich vortfahren sollte.
    Ich habe nun Bedenken dass dies die Königin zum Legen motiviert und das Volk somit noch mehr Futter / Energie benötigt. Im Prinzip ist das ja schon eine Reizfütterung oder? Und bin mir auh nicht über deren Vor und Nachteile bewusst.
    Desweiteren habe ich keine Futterwaben mehr max 1 aus einem weiteren Volk welche ich noch zugeben werde.
    Was kann ich tun welche Möglichkeiten bieten sich mir und vlt kann mich jemand aufklären über die Pro und Kontra der Reizfütterung.


    Danke schon mal und Grüsse


    Tobias


  • Ich habe nun Bedenken dass dies die Königin zum Legen motiviert und das Volk somit noch mehr Futter / Energie benötigt. Im Prinzip ist das ja schon eine Reizfütterung oder? Und bin mir auh nicht über deren Vor und Nachteile bewusst.


    Wenn die Bienen Futter brauchen, dann kriegen sie Futter. In dem Fall ist es mir egal, ob sie damit evtl. zu noch mehr Brut gereizt werden oder nicht. Wobei ich dazu recht unterschiedliche Meinungen gelesen habe, ob Futterteig im Spätwinter/ frühen Frühjahr überhaupt eine Reizung bzgl. mehr Brut bewirkt oder nicht.
    Wir sind im letzten Februardrittel, da würde ich es angesichts des nicht besonders strengen Winters für normal halten, wenn die Bienen Brutnester anlegen. Doch jetzt, durch den Futtermangel, werden sie ja wohl eher keine Brut haben, oder?


    Aber mit 3,5 Futterwaben sollten sie doch erstmal locker in den März kommen. Wenn dann die Temperaturen entsprechend sind, dann würde ich vielleicht sogar mal einen angewärmten Ziplockbeutel mit Flüssigfutter auflegen, damit sie mal in kurzer Zeit ein paar Zellen rund ums Brutnest auffüllen können.


    Grüße,
    Robert

  • Moin Tobias!


    Ich denke mit den zugehängten FW und dem aufgelegten Teig wird das betreffende Volk vor dem Hintergrund des langsam aber sicher endenden Winters erstmal einige Zeit über die Runden kommen.
    Dennoch ist natürlich eine regelmäßige Kontrolle des Futterstandes bzw. des Bienensitzes erforderlich, da die Bienen ihren bisherigen Wintersitz ja nicht anhand der jetzt zugehängten FW ausgerichtet haben. Und ein Verhungern in den kommenden Wochen kannst du so ziemlich sicher vermeiden. In dem Zusammenhang würde ich mit dem Auflegen weiteren Futters (Teig oder Ziplockbeutel) dahingehend aufpassen, dass sie sich nicht im frühesten Frühjahr zuviele Zellen am und im Brutnest damit füllen, insbesondere wenn dann irgendwann der Weidennekater ggfs. in größeren Mengen eingetragen wird. Es bleibt also eine sensible Angelegenheit, besonders vor dem Hintergrund des ohnehin kritischen Massewechsels.


    Weitere FW-Entnahmen aus anderen Völkern würde ich persönlich tunlichst unterlassen, denn mit ein bisschen Pech hast du dann in einigen Wochen in diesen "Spendervölkern" das Futterproblem. Unabhängig von der derzeit absolut vermeidbaren Störung der immer noch in Winterruhe befindlichen Völker.


    Hier ein Link zu einem recht gut verständlichen und auf die Schnelle gefundenen Beitrages zur Ziplockfütterungsmethode (das Anwärmen des Futters ist dort nicht erwähnt, da es sich um sommerliche Ablegerfütterung handelt im konkreten Thread):
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=12430&highlight=Ziplockbeutel


    Um eine mögliche Reizwirkung des Fütterns würde ich mir keine Gedanken machen, denn selbst wenn diese eintreten SOLLTE, ist das Mehr an Brut und der damit einhergehende Futterverbrauch völlig irrelevant, solange das Volk überlebt.


    Abschließend noch eine kritische, aber im negativen Sinne bitte nicht überzubewertende Frage, die sich mir immer wieder stellt, wenn ich lese

    Zitat

    ein Volk welches ich erst sehr spät auffüttern konnte


    Wie kommt es dazu?


    Diese Frage stellt sich zwar auch mir, ich möchte sie aber eher als gedanklichen Anstoß an dich stellen, um für die Zukunft diese für (in deinem Fall lobenswerterweise!) Mensch und Tier kritische bis existenzbedrohende Situation im Vorfeld vermeiden zu können.


    Viel Erfolg, ein glückliches Händchen und schöne Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • In dem Zusammenhang würde ich mit dem Auflegen weiteren Futters (Teig oder Ziplockbeutel) dahingehend aufpassen, dass sie sich nicht im frühesten Frühjahr zuviele Zellen am und im Brutnest damit füllen, insbesondere wenn dann irgendwann der Weidennekater ggfs. in größeren Mengen eingetragen wird. Es bleibt also eine sensible Angelegenheit, besonders vor dem Hintergrund des ohnehin kritischen Massewechsels.


    Hi Johannes,


    ich ch hab noch nie gehört das Teig eingelagert wird? Hast du dazu irgend einen Hinweis?


    Viele Grüsse,


    Maxikaner

  • Hi Maxikaner!


    Hinweise habe ich zum Einlagern von Futterteig dahingehend bzw. dadurch, dass bei mir mit Teig gefütterte Ableger diesen durchaus zeitnah in den Waben eingelagert haben. Natürlich durch die erforderliche Wasseraufnahme in flüssiger Form.
    Da diese Ableger in trachtloser Zeit nur mit Teig gefüttert wurden, muss es selbiger gewesen sein.


    Gruß
    Patrick :wink:


    P.S.: Ich habe auch schon Völker mit Futterteig aufgefüttert, dieser wurde ebenfalls problemlos eingelagert.
    Oder schreiben wir aneinander vorbei?

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!


  • ich ch hab noch nie gehört das Teig eingelagert wird?


    Hallo Maxikaner, was soll denn sonst mit dem Teig passieren? Natürlich wird der eingelagert!


    Zur "schnellen" Notfütterung würde ich aber auch lieber angewärmten Honig im Zip-Lock-Beutel auf die Traube legen. (Siehe Best of Imkerforum)


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Ich ging immer davon aus, dass es für die Bienen sehr aufwendig ist, den Teig einzulagern, daher hatte ich die Annahme das er sofort verfüttert wird, aus diesem Grund wird er doch auch liegen gelassen sobald Tracht herrscht....


    Man lernt nie aus.....


    Viele Grüße,


    Maxikaner

  • Aber was ist ein Ziplockbeutel?


    Gefrierbeutel mit einer Art 'Reißverschluss', eben mit 'Ziplock'. Liegt meist neben den normalen Gefrierbeuteln, z.B. von 'Toppits' (allerdings ziemlich teuer). Ich habe in den letzten Jahren Beutel von Ikea verwendet, gibt es dort in verschiedenen Größen, die haben sogar einen doppelten Zipverschluss.


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=23085&p=254055#post254055


    Sirup auf 30-35°C erwärmen, in den Beutel füllen. In einen 3 Liter Beutel sollten problemlos 2 kg Sirup passen. Es würden wohl auch 3 kg gehen, aber das musst du dir ausprobieren, und angesichts der aktuell noch niedrigen Temperaturen sind große Mengen wohl nicht so gut.
    Beutel so verschließen, dass möglichst wenig Luft drin ist. Auf die Oberträger legen. Mit einer nicht zu feinen Nadel (ich nehme gerne Kartoffelpieker) auf der Oberseite ein paar Löcher reinstechen. Aber nur oben, denn wenn der Beutel auch nur das kleinste Loch auf der Unterseite bekommt, dann läuft er aus. Ich drücke dann meist ein wenig drauf, so dass vorhandene restliche Luftblasen durch die Löcher rausgedrückt werden, und dass ein wenig Sirup austritt.


    Grüße,
    Robert

  • aus diesem Grund wird er doch auch liegen gelassen sobald Tracht herrscht....


    Wenn Tracht herrscht, wird auch anderes Futter nicht abgenommen. Leg mal eine Wabe mit Honig vor die Völker wenn Tracht herrscht, sie rühren die Wabe nicht an.
    Und dann mach den Versuch in der Trachtpause, aber nicht zu lange warten bis du eingreifst :wink:



    Man lernt nie aus.....


    Sehr richtig!


    Liebe Grüße


    Simon


    PS: Such mal nach Api Fonda... Den gibt es auch im 15 kg-Block zum auffüttern. Funktioniert sehr gut und hat einige Vorteile wenn man bald genug damit beginnen kann.

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • @ Patrick


    zu deiner Frage weshalb ich so spät aufgefüttert habe.
    Habe im August von einer Imkerwitwe 3 Völker bekommen bei denen ich mir bzgl der Völkerführung und deren Zustand zu unsicher war und sie aus Hygienischen Gründen mit zwar Risikoreicher Methode (weil zu spät im Jahr) die Brut entnommen und auf neue Waben/Mittelwände gesetzt habe.
    Bei 2 der Völker habe ich bis jetzt kein Probelm feststellen können alle 3 gingen mit 8-9 Waben Welche leider nicht vollständig mit Futter gefüllt waren in den Winter. Ich habe sie auch nicht auf einmal aufgefüttert da die Völker zu schwach waren und ich die Kö zum Legen motivieren wollte. Nun das hat anscheinend gut funktioniert allerdigs nicht ohne negative Nebenwirkungen, jetzt Futtermangel, hohe BEanspruchung der Bienen im Herbst und z.T. Unruhig im Winter?


    Ich bleibe auf jeden Fall dran und muss eben den Mehraufwand in Kauf nehmen. Imkere Jetzt in der 2. Saison und lerne also noch viel dazu.
    Die Ziplockmethode hört sich gut an werde ich mal ausprobieren, nur wenn ich 2kg füttere ist das Futter zu Beginn vlt noch warm aber bei diesen Temperaturen wohl ziemlich schnell abgekühlt.
    Denke es ist wohl besser Mittags zu fütter und nicht Abends oder?


    Wieviel Futter benötigt ein einzargiges Volk momentan(Zander) / Woche?
    Danke für Eure Beiträge
    Grüsse Tobias

  • Solibee;457[U schrieb:

    603] Imkere Jetzt in der 2. Saison und lerne also noch viel dazu.


    Was soll man Dir raten? Du hast Alles soweit richtig gemacht (wenn man den Pessimisten glauben schenkt) und ich drück Dir die Daumen, das das Wetter mitspielt. Garantieren kann Dir den Erfolg niemand, deswegen ist die Frage, wieviel Futter nötig ist auch nicht ohne einen Blick in die Glaskugel zu beantworten. Bleib halt dran. Wenn das Wetter mitspielt, die Weide in Deiner Umgebung schön blüht usw., ... lieber öfter füttern und kleinere Mengen, die warm genug sind um abgenommen zu werden. Nächstes Jahr dann anders*. Es gibt schlicht kein Rezept, was für Dich in Deiner Situation jetzt zu 100% erfolgversprechend ist. Da gehört viel Gefühl zu, wenn Du das nicht hast, kannst Du nur auf Glück spekulieren. Ist jetzt in Deiner Situation nichts verwerfliches dabei. Ich drück Dir beide Daumen!


    Edit: *Im nächsten Jahr dann Ende Sep./Okt. nochmal einen Schlußtrunk geben.


    Beste Grüße.
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Tobias,
    mach dir keine Sorgen. In zehn Tagen ist März. Bei 3,5 zugegebenen Futterwaben plus Teig hat dein Volk mindestens 6-8kg Futter. Das reicht locker bis ende März. Spätestens mitte März dürfte es warm genug sein für den ersten regelmäßigen Flug. Dann kannst du bei Bedarf auch ohne Risiko nachfüttern, ( Futterzarge od. Teig ). Das Volk ist stark und wird überleben. Das es jetzt in Brut ist , ist bei dem milden Winter normal. Lass sie einfach machen. Und wühl nicht mehr in den anderen herum, die eine Wabe "macht das Kraut nicht fett".
    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Hallo!


    Auch mir ist ein Volk beinahe verhungert (anscheinend wurden 3KG Futter ausgeraubt im Oktober-November?). Ich habe also am Freitag Futterzarge drauf + 2 KG Zuckerwasser (3:2). Raub-Risiko dürfte gering sein, da es noch sehr kalt ist.
    Ich habe zwar auch noch Futterteig rumliegen - aber der klappt doch nur, wenn die Bienen auch Wasser holen können, oder? Hier liegt Schnee und keine Biene fliegt, das war mir zu Risikoreich.


    Liege ich mit dem contra Futterteig/pro Zucker falsch?

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