Bayer mal wieder

  • Hallo zusammen,


    vorhin hatten wir JHV in Nienburg und es wurde auf einen Termin hingewiesen. Bayer veranstaltet am 16.2. um 9.30 Uhr in Bücken (bei Hoya, LK Nienburg) eine Pflanzenschutzwerbeveranstaltung mit anschließendem Mittagessen. Das ist zu Saisonbeginn nichts Besonderes. Nach den Werbeblöcken für PSM in sämtlichen relevanten Kulturen gibt es einen Vortrag des "Bienenfachmanns" Fred Klockgether (Bayer-Mitarbeiter) zum Thema "Die Varroamilbe - eine Bedrohung für den Pflanzenschutz?"


    Ich interpretiere den Vortragstitel folgendermaßen: Der Typ soll vermutlich den Landwirten klarmachen, daß die Imker zu blöd sind, ihre Bienen effektiv gegen die Varroa zu behandeln. Darum gibt es hohe Völkerverluste und damit die Imker sich nicht eingestehen müssen, unzureichend mit den (nicht von Bayer hergestellten und von daher bösen) organischen Säuren behandelt zu haben, schieben sie die Verluste auf die PSM und erreichen damit z.B. das Verbot der Neonicotinoide, ohne die quasi der Untergang des Abendlandes vorprogrammiert ist.


    Auf der Versammlung haben sich 15 Leute gemeldet, die jetzt dort als Teilnehmer angemeldet werden. Spontane Teilnehmer werden sicherlich nicht abgewiesen. Ich würde mich freuen, wenn sich vielleicht noch ein paar Imker aus der näheren oder ferneren Umgebung finden würden, um dort zur Diskussion beizutragen. Wir sollten es nicht zulassen, daß den Landwirten auf solchen Veranstaltungen wieder Quatsch mit Soße über Bienen erzählt wird.


    Näheres gerne über PM


    Gruß
    Dirk


    P.S. Sollte das Thema nicht in diese Rubrik passen, bitte gerne verschieben.

  • Hallo granit 500!
    Meine Erfahrungen vom 10.02.2015 in ähnlicher Form.
    Gruß Reinhold
    Das „Bienensterben“- Hausgemacht oder Fremdeinwirkung?
    Vortrag von Dr. Gerhard Liebig im Landwirtschaftsamt Leinefelde, am 10.02.2015.
    Durch Zufall erfuhr ich, dass Dr. Liebig vom Landwirtschaftsamt des Eichsfeld Kreises nach Leinefelde eingeladen wurde. Am 10.02.2015 fand hier ein Schulungstag für Landwirte mit mehreren Vorträgen statt. So wurde auch der Vortrag von Dr. Liebig in der Tagespresse angekündigt.
    Als Imker hatte ich Interesse, zumal das Landwirtschaftsamt gleich um die Ecke liegt.
    Ich mobilisierte noch schnell zwei weitere Imkerfreunde unseres Vereins und ging zu diesem Vortrag.
    Der Saal war gut gefüllt, fast alles Landwirte, und Dr. Liebig begann sich darzustellen.
    Er zerlegte als erstes das angebliche Einstein Zitat über den Untergang der Menschen. Zeigte durch eigene Statistiken auf, dass es ja doch den natürlichen Totenfall bei den Honigbienen gibt und das nicht ein Bienenvolk im Oberrheingraben durch Vergiftung 2008 gestorben sei, sondern alle Völker hatten sich bis Juni 2008 wieder erholt.
    Auch die Darstellungen in Fernsehsendungen und Artikeln in Zeitungen, über das Bienensterben, entsprechen nicht der Wahrheit
    Weiter zeigte er auf, dass der Film „More than Honny“ von Markus Imhoof nicht der Wahrheit entspricht, denn die Honig-und die Obstproduktion in China sei ständig gestiegen.
    Auch gab es auf dem amerikanischen Kontinent keine Honigbiene vor dem weißen Menschen und die Ureinwohner haben auch gelebt.
    Die Völkerverluste bei den Imkern kommen durch Inkompetenz der Imker zu Stande.
    Er hatte nie große Verluste bei der Auswinterung, nur in einem Jahr da war er durch seine andere Arbeit überlastet, so dass doch die Bienen etwas vernachlässigt worden.
    Auf einer Folie schrieb er dazu:
    „Diese Ursachen hat alleine der Imker zu verantworten! Bienenvölker überleben jeden Winter, wenn sie im Oktober gesund, (nahezu milbenfrei) ausreichend stark (˃5000 Bienen), mit genügend Futtervorrat (˃ 12 kg), auf jungem Wabenbau (˃ 3 Jahre alt) und mit junger Königin (max. 2 Jahre alt) eingewintert werden“.
    Das Pestizide, Neonicotinoide und Monokulturen auch ursächlich für das Völkersterben sind, nannte er wortwörtlich als „quatsch“.
    Wissenschaftler welches dieses behaupten bekräftigen sich nur gegenseitig mit ihren Veröffentlichungen, damit Fehlinformationen ausgegeben werden, denn seine Statistiken sagen etwas anderes aus.
    Wie kann man Forschungsergebnisse vom französischen Bienenforscher Mickäel Henry, Prof. Radolf Menzel, Prof. Jürgen Tautz usw. negieren, welche gerade diese schädlichen Zusammenhänge bewiesen haben!
    Trau' keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast", ließ uns einst Winston
    Churchill wissen.
    Mit welcher Überheblichkeit werden hier nationale und internationale Bienenforscher diskreditiert.
    Als ich Anfang der 80. Jahre mit der Imkerei begann hatte wir auch schon die Varroa und konnten damit gut „leben“. Die Anzahl der Milben in den Völkern waren sogar größer und sie kamen durch den Winter. Erst als mit der „Spritzerei“, Anfang der 90. Jahre, begonnen wurde, kam es zu den Wintereinbrüchen im verstärkten Maße.
    Das Fazit des Vortrages aus seiner Sicht:
    Ohne Spritzmittel gibt es keine moderne Landwirtschaft!
    (Hier gab es starken Beifall durch die anwesenden Landwirte.) und
    Wir brauchen unbedingt die Grüne Gentechnik!
    (Dann braucht nur noch gespritzt werden – welche Segen für Boden, Grundwasser, Tiere und Menscheit, aber besonders für den Gewinn von Beyer und Co.)
    Nach dem Vortrag musste ich mich erst mal sortieren und alles gesagte verdauen, denn damit hatte ich in keiner Weise gerechnet.
    Im Internet hatte ich schon einiges über diesbezügliche Ausführungen von Dr. Liebig gelesen, aber das hier gehörte machte sprachlos.
    Ich kam mir vor wie auf einer Werbeveranstaltung von Beyer oder Monsanto.
    Landwirten die von der Imkerei wenig Ahnung haben wird hier absolutes Fehlverhalten der Imkerschaft suggeriert und die glauben es noch.
    Der Imkerei erweist er mit diesem Vortrag einen „Bärendienst“.
    Eine Brücke zwischen Imkern und Landwirten wurde dadurch nicht gebaut, sondern der Graben noch vertieft.
    Reinhold Przywarra

  • Hallo in die Runde.
    Reinhold
    Deine Ausführungen über Liebig machen mich fassungslos. Ich kann nicht verstehen, was einen Menschen, der ja viel Zeit seines Lebens den Bienen gewidmet hat, dazu antreibt.


    Dirk
    Ich musste den Fred Klockgether neulich auch mit seinem Vortrag (Imker, Landwirte, alle Bürger – gemeinsam für gesunde Bienen) ertragen :evil::evil: und möchte kurz schildern (frei nach meiner Erinnerung), was dich erwartet:


    Kurze Vorstellung: Freier Berater für Bienengesundheit (aber auf jeder Folie fett Bayer Crop Science), hat wohl selbst 30 Völker


    Abriss über die Wichtigkeit von PSM - Landfläche pro Mensch wird weniger und ohne PSM werden wir nicht satt - kein Wort darüber, dass 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weltweit jährlich vernichtet werden und vom Weltagrarbericht hat er auch noch nichts gehört, scheint mir.


    Ganz besonders schlimm sei, dass unsachliche Argumentationen der Imker die Politik und die öffentliche Meinung dahingehend so weit beeinflusst haben, dass die drei wirksamsten Neonics vom Markt genommen werden mussten.
    Das ganze Geld, das für diese Verbotskampagne ausgegeben werde, solle man lieber zur Weiterbildung der Imker einsetzen.


    Dann folgt, dass es 2008 am Rheingraben kein Bienensterben gegeben habe. Das sage ja auch Dr. Liebig. Nur die Flugbienen seien gestorben, aber die Völker hätten sich alle erholt. Und überhaupt wäre ja nur die falsche pneumatische Technik schuld gewesen.


    Weiter geht’s mit: Es gibt keine Rückstände von PSM im Honig. Das würde an sich ja auch gar nichts ausmachen, aber wir (also die Verbraucher) wollen das ja nicht im Honig haben, der solle ja naturbelassen sein.
     
    In einem Nebensatz noch schnell erwähnt: Subletale Folgen von PSM konnten in seriösen Studien auch nicht nachgewiesen werden.


    Dann als Beweis, dass die PSM nichts ausmachen: Australien. Dort gibt es ja kein Bienensterben. Frage „Warum?“ in die anwesende Imkerrunde? Richtig: Keine Varroa.


    Und da ja nun die Varroa als Ursache für das Bienensterben geklärt wurde, geht es weiter in Richtung: Es könne ja nicht angehen, dass die Imker die Milbe seit mehr als dreißg Jahren nicht in den Griff kriegen und jeder dürfe vor sich hin therapieren, wie er wolle. Würde auf einem Bauernhof z.B. die Blauzungenkrankheit ausbrechen, würde ja auch von Amts wegen eine Behandlung vorgeschrieben und überwacht.


    Deswegen hilft Bayer ja jetzt uns dummen Imkern und entwickelt das Varroa-Gate und unterstützt einen großen deutschen Berufsimker dabei, eine Zulassung für Amitraz zu erreichen. Aber nur Unterstützung, keine Eigeninitiative, damit man Bayer kein greenwashing unterstellen könne. Der DIB und der DBIB würden das auch unterstützen.


    Perizin wird übrigens vom Markt genommen, es werden nur noch die Restbestände verkauft. Mit Amitraz würden wir die Varroa endlich in den Griff bekommen und die Kosten lägen auch nur bei 5 Euro pro Volk.


    Ziel sei es, Amitraz noch in diesem Jahr in die Völker zu bringen.


    Zum Schluss geht es dann noch darum, wie wir alle mit entsprechenden Blühflächen den Bienen helfen können und Bayer hat auch gleich die passende Saatmischung dafür.



    Ich habe bestimmt einiges vergessen und es ist vielleicht auch nicht ganz chronologisch.


    Der Typ war jedenfalls rhetorisch sehr gut, sehr dominant und hat ein lautes Organ. Und man ist erstmal nur fassung- und sprachlos. Schwierig finde ich auch, dagegen zu halten, wenn man nicht so tief in der Materie steckt und entsprechende Zahlen, Daten, Fakten nicht parat hat. So wird man dann schnell abgewatscht und hat eigentlich nichts, bzw. das Gegenteil erreicht, weil man solchen Leuten dann auch noch in die Hände spielt.


    Vielleicht können wir ja hier Fakten mit entsprechenden Quellen sammeln, auf die man dann schnell zurückgreifen kann.


    Zum Thema Australien z.B. hatte Bernhard hier und der Drohn hier schonmal was geschrieben.


    Zu Amitraz hatte luxnigra glaub ich irgendwo geschrieben, dass in Luxemburg trotz Amitraz-Einsatz das Völkersterben auf hohem Niveau blieb. (finde den Thread gerade nicht) Gibt es dazu Zahlen?
    Auch Tschechien wurde in dem Zusammenhang irgendwo erwähnt.


    Hat jemand Quellen dazu, dass 2008 eben nicht nur die Flugbienen gestorben sind, bzw. dass entsprechende Völker es eben nicht mehr geschafft haben.


    Kopfschüttelnde Grüße

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Hi,


    der Vortrag heute war nicht ganz so drastisch wie Mchi ihn beschrieben hat. Ich hab das nicht so mitbekommen, aber der Herr Klockgether hat wohl in dem Moment, als der zuständige Bienenzuchtberater den Raum betrat, seinen Laptop gezückt und mehr oder weniger hektisch seinen Vortrag noch etwas umgestellt. Heraus kam trotzdem im Wesentlichen das, was Michi schon gesagt hat und was ich auch schon vermutet habe. Die anschließende Diskussion, bei der Klockgether auf Fragen des Beraters doch das ein oder andere Mal ins Stocken geriet, wurde plötzlich und abrupt von seinem Bayer-Kollegen abgebrochen, weil sonst angeblich das Essen kalt würde.... Der Titel des Vortrags lautet übrigens nicht mehr "Die Varroamilbe-eine Bedrohung für den Pflanzenschutz", sondern "Bienensterben-eine emotionale Diskussion" oder sowas. Und neben der Unterstützung für Amitraz hat Bayer natürlich noch die allseits beliebten und bewährten Baywarol-Streifen im Angebot. Die mit den Resistenzen....
    Insgesamt doch sehr erschreckend wie sich Menschen vor einen Karren spannen lassen.


    donaldo
    bei youtube gab es mal Videos von nem Kurs mit Liebig, in denen er sich über die Behandlung mit dem Schwammtuch tierisch aufregt. Ich glaube, dieser Mensch hat eine derart festgefahrene Meinung von sich und (seiner) Welt, daß ein wissenschaftlicher Diskurs mit ihm kaum möglich ist.


    Gruß
    Dirk

  • konnten in seriösen Studien auch nicht nachgewiesen werden.


    Eigentlich meinen die in solchen Zusammenhängen immer "generöse" Studien, kann man schon mal verwechseln. Zumal, wenn´s nützt.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Die Idee die Quellen zu sammeln ( pro und contra!) finde ich gut. Man könnte Dr. Liebig herausfordern und ihn hier im Forum zu einem wissenschaftlichen Diskurs einladen.


    Eher wohl zu einem wissenschaftlichen Kollisionskurs. Vielleicht sollte er sich vorher dann aber noch mal eine Grundlagenvorlesung Wissenschaftsmethoden und -kritik anhören, damit wir auch vom Selben reden, wenn wir Wissenschaft sagen.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Ja, viel wissenschaftliches konnte ich von ihm für seine Behauptungen noch nicht finden. Vielleicht habe ich auch nicht gründlich genug gesucht. Als Physiker würde ich mir schon gern die Experimente und die Methodik die hinter seiner Auswertung bzw. Interpretation steht, gern anschauen.

  • Könnten wir uns in diesem Thread vielleicht bitte nicht auch noch auf Liebig einschießen (auch wenn ich es verstehen würde :wink:), damit dieser nicht auch noch geschlossen wird und wir hier vielleicht dann doch noch Quellen zusammentragen können?


    Hier wurde z.B. gerade was zu 2008 gepostet. Das ist doch mal ein guter Hinweis.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Als Quelle könnte ich noch den etwas älteren Filmbeitrag einreichen?
    Interessant darin die Aussagen zu Australien? Imker meiden die Landwirtschaft und überlassen die Bestäubung den wildlebenden Völkern... die dabei weniger werden?
    Also gibt es doch ein Bienensterben in Australien?

  • Und hier mal ein Beitrag zur Bayer Saatmischung (danke)


    https://bienesuchtbluete.wordp…g-ein-verbraucherbericht/


    Glockgether hat in Pirna vom Stapel gelassen, dass der PSM Einsatz sich Mengenmäßig halbiert hat (bezweifel ich zwar aber egal).
    Als ich ihn auf die Toxizität der Einzelstoffen hin wies, ist er mir ausgewichen mit der Frage: Ihre Bienen leben doch noch oder?


    Wir haben zwar recht aber die haben das Geld.


    Grüße
    Thomas

    Der Mensch steht im Mittelpunkt und somit allein im Weg.