• Hallo Imkerfreunde,
    mich beschäftigt eine Frage. Man liest oft in den Büchern "Honigertrag kg/ha" - Also wieviel Kilogramm Honig pro Hektar eine Pflanze bringt. Bei Pflanzen wie Raps kann man sich das noch gut vorstellen was ein Hektar bedeutet, wie ist es aber bei Bäumen zu verstehen? Ist es da auch so gemeint das ein Hektar mit den Bäumen bepflanzt werden muss oder soll man das so verstehen das die Fläche vom ganzen Baum berechnet wird. (hoffe habe es verständlich genug erklärt :D ). Und noch eine Frage - können einzelne Blüten mehrmals von Bienen geerntet werden oder honigen die Blüten nicht mehr wenn sie schon einmal bestäubt und der Nektar raus gesaugt wurde?


    Danke im Voraus

  • Wenn eine Hektarangabe bei Wald gemacht wird, ist damit idR wohl ein dichter Bestand gemeint, das heisst, das Kronendach ist weitgehen geschlossen (nicht im Streuobstwiesen-Stil). Wenn man zB Robinie hätte, dann ist der Wald natürlich lichter als ein Buchenwald, davon darf man sich nicht irritieren lassen. Der Ertrag wird zudem auf einen Reinbestand bezogen, nicht auf Mischbestände.


    Bei den Blüten verhält es sich meines erachtens so, dass die durchaus mehrmals beerntet werden können. Ist jedoch die Befruchtung mit Erfolg geschehen, wird die Nektarproduktion relativ schnell eingestellt. Da gibt es aber mit Sicherheit riesige Unterschiede zwischen den Pflanzenarten, genau wie die Hektarersträge natürlich mit vorsicht zu betrachten sind.

  • Von Wandelröschen kenne ich das so:


    Nach der Bestäubung ändert sich die Blütenfarbe.
    Ob da Bienen drangehen, weiß ich nicht.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Stimmt Radix, so ist es auch bei der Rosskastanie. Die Saftmale wechseln nach der Bestäubung von gelb nach rot. Das dient zur Lenkung der Bestäuber, da die Pflanze ja auch etwas davon hat, wenn zunächst die unbefruchteten Blüten besucht werden.

  • Ich möchte diese Frage noch mal hochholen: gibt es irgendwo eine Quelle, die angibt, in welcher Menge und Entfernung große Trachtgehölze vorhanden sein müssen, um nennenswerten Ertrag zu bringen. Und ab welcher Anzahl die Bienen sie im weiteren Flugkreis überhaupt wahrnehmen und anfliegen? Also mal angenommen ich habe da eine Lindenallee oder eine Dreiergruppe Kastanien im Abstand von 1000 m. Ist das abhängig vom sonstigen Angebot? Gibt es dazu Erfahrungswerte?


    Viele Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Das gibt es recht viele Faktoren. Die Linde ist eine sehr gute Nektarquelle und 1000 m ist keine Entfernung. Die Linde wurzelt aber nicht tief und reagiert deswegen stark auf Trockenheit, die zu Blütezeit nicht selten ist. Bei mir ist die Linde eine sichere Tracht (das ist standortabhängig) und die Bienen fliegen nirgendwo sonst hin, wenn sie blüht.


    Kastanie ist zwar eine gute Tracht, blüht aber sehr kurz. Deswegen ist sie weniger von Bedeutung.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Danke Franz, das hätte ich gern. Hat aber auch einen recht aussagekräftigen Preis...


    Der Hintergrund meiner Frage ist folgender: ich wollte schon immer mal übers Jahr die Trachten im Umkreis um meinen Stand kartieren. Jetzt habe ich im Verein zugesagt, einen kleinen Vortrag über Trachtgehölze zu halten und möchte das Thema gern anhand so einer kleinen Kartierung und Auswertung zu Nektar- und Pollenverfügbarkeit im Jahresverlauf erläutern. Das stellt mich aber ziemlich zu Anfang vor die Schwierigkeit, wie ich die einzelnen Vorkommen der Gehölze bewerten soll.
    Kann ich übern Daumen peilen und sagen, dass die Bienen zur bestmöglichen Tracht fliegen und sich dieses "Bestmögliche" aus Ergiebigkeit und Entfernung ergibt? In welchem Verhältnis?


    Daneben hätte ich natürlich schon gern auch ein paar griffige Zahlen, wieviel Ertrag z.B. von einer einzelnen großen Süßkirsche im Nahbereich zu erwarten wäre.


    Viele Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.


  • Kann ich übern Daumen peilen und sagen, dass die Bienen zur bestmöglichen Tracht fliegen und sich dieses "Bestmögliche" aus Ergiebigkeit und Entfernung ergibt?


    Das kann man sicher sagen.



    In welchem Verhältnis?


    Das wird sich kaum ermitteln lassen, weil Faktoren, wie Lufttemperatur, -feuchtigkeit, Bodenfeuchtigtkeit, Tageszeit usf. dazu kommen.



    Daneben hätte ich natürlich schon gern auch ein paar griffige Zahlen, wieviel Ertrag z.B. von einer einzelnen großen Süßkirsche im Nahbereich zu erwarten wäre.


    Solche Zahlen gibt es für Ackerpflanzen (hektarbezogen). Die Schwanken aber meist um 100%. Bei einzelnen Bäumen wird das kaum sinnvolle Aussagen ergeben.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Danke Wolfgang,
    aber wie bewertest Du dann einen Stand hinsichtlich seiner Trachtlage? Wenn er nicht gerade an einem Rapsfeld liegt...


    Viele Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Ja natürlich nach dem Trachtpflanzenaufkommen. Ich hatte die Frage jetzt spezieller verstanden, also zu welchen Trachtpräferenzen es kommt, wie hoch die Erträge sind usf.
    Ich schaue natürlich nach wichtigen Trachtpflanzen (bei uns z.B. Linde, Weißdorn, Raps, Kornblume, Löwenzahn). Ob die auch entsprechend und regelmäßig honigen, weiß ich erst nach ein paar Jahren.
    Beispiel: Ich habe hier jedes Jahr große Flächen Weißklee. Der blüht von Juni bis September. Trotzdem hat der bisher nie nennenswert gehonigt, weil ihm dafür, vermute ich, die Böden bei uns zu sandig sind.
    Dagegen ist die Linde z.B. bei mir ein sehr verlässliche Tracht. Das gilt aber nicht an jedem Standort.
    Ich kenne einen Imker ca. 15 km von hier, der kaum Lindenhonig erntet, obwohl auch beim ihm im Dorf reichlich Linden stehen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hey, das mit der Kartierung finde ich gut. Werde ich nachmachen. Zu den konkreten Fragen kann ich leider auch nicht helfen.
    Wolfgang, ich kenne "Imker", die kaum ernten, obwohl rundum Tracht herrscht...

  • Imker sollten nicht nur passiv kartieren, sondern gleich schauen wo sie in der Umgebung Bienenweide pflanzen (guerilla gardening) können.
    Das Stecken von Weiden, Pflanzen von Ahorn und Robinien, Sträuchern ect bringen langfristig Verbesserungen des Standorts und bringen auch für Bienenstände Schatten&Windschutz&Sichtschutz. Es kostet nicht viel Aufwand und Zeit, Stecklinge zu ziehen und dann bewurzelt zu pflanzen. Kleine Ecken von Goldrute breiten sich im Laufe der Jahre selbstständig aus.
    Dabei gehts weniger um Honig, sondern einfach den Bienen ein Trachtband anzubieten, das zu jeder Zeit Nektar&Pollen bereit stellt.

  • Hallo Henrike,


    Vielleicht suchst du sowas:


    In seinem Buch "Die Blütentracht" http://www.abebooks.com/book-s…hor/gleim-klaus-heinrich/ präsentiert Klaus-Heinrich Gleim uns


    DIE TRACHTFORMEL:

    (Blühtage x Blütenzahl/a (Zahl pro Ar) x Zuckerwert)/(Entfernung vom Bienenvolk in Metern)


    Daraus ergeben sich Punktwerte, die die Bedeutung der jeweiligen Tracht für den konkreten Bienenstand ergeben sollen.


    Mir persönlich erscheint das ganze ziemlich theoretisch, aber vielleicht hilfts Dir.


    Grüße,


    Thomas


    Das Buch ist übrigens ansonsten eines meiner liebsten zum Thema Trachtpflanzen.