Honig-Geile Imker gefährden die Gesundheit der Bienen

  • Ich habe es nur schnell überflogen, aber ein Stückchen Wahrheit steckt sicherlich in dem Beitrag. Aufregen kann ich mich über dem Bericht nicht. Besonders die Stellungnahme zur Schwarmunterdrückung finde ich doch sehr treffend.

  • Wenn dies die einzigen Probleme in der Schweiz sind, kann man nur sagen, glückliche Schweiz. Aber es wird wohl auch in den Medien nichts so heiß gegessen wie gekocht wurde.
    Kleinere Völker in kleineren Beuten und diese als natürliche Schwärme sich vermehren zu lassen, steht doch jedem Imker frei.
    Auch über eine Totale Brutentnahme am Trachtende kann man sagen, erst werden die Bienen ausgebeutet und dann durch Zwangsmassnahmen in ein Notprogramm zum Überleben gezwungen.
    Es liegt immer in der Sichtweise des Betrachters wie man mit diesen Themen umgeht.
    Wie honigmayerhofer schon schrieb, ein Körnchen Wahrheit steckt auch in diesem Artikel, leider!

    Grüße, Horst -- Wer nichts macht, kann nie etwas richtig machen. --

  • Hallo Zusammen,


    ich hab den Beitrag auch nur überflogen und schüttel nur mit dem Kopf.
    Man kann doch allem irgendetwas negatives andichten.
    Große Vitale Völker bringen viel Honig.
    Jetzt ist also lt. den Schweizern die Selektion auf große und Vitale Völker schlecht und schuld an der abnehmenden Gesundheit der Bienenvölker?
    Aber auf der anderen Seite wird Fleißig auf Rassenreinheit gezüchtet, Flügel vermessen, Genanalysen gemacht um "reine" Bienen zu züchten.
    Dadurch wird soviel gute genetik die für Gesundheit, Vitalität von Vorteil sein kann ausgeschlossen, wenn die Zuchtmutter nicht "rein" ist.


    Wie wäre es denn wenn man sagt man ordnet dem "Rassenwahn" (der ja gerade in der Schweiz gelebt wird) einfach der Bienen Gesundheit unter, dann wäre den Bienen wirklich geholfen und nicht durch Vorwürfen von Imkern anderen Imkern gegenüber, dass sie mit ihrer "Honiggeilheit" der Bienen Gesundheit schaden.


    Schöne neue Welt,



    Grüße Maxikaner

  • Natürlich ist irgendwo immer ein Quäntchen Wahrheit dabei.
    Dann hat die PETA auch recht mit ihrem Artikel......
    Ich weiß nicht, mich stört die Aussage, dass der Imker schuld am Bienensterben sei ......


    "Bienensterben"
    das große Wort, was zum ewigen Streit führt.
    Zwischen bauern und Imkern
    Zwischen Bayer und Bauer
    Zwischen Liebig und Varroa


    .........

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Sensationsgeile Bienen"retter" gefährden die Bienen


    Weiter als bis zum Titel liest doch eh keiner.


    Wer es nötig hat, mit solchen Titeln zu arbeiten, der mag im Kleingedruckten an einigen Stellen wohl im Recht sein, aber die Art und Weise ist immer noch nicht in Ordnung. Und in vielen Dingen wird hier Unrecht getan.


    1) Fast der gesamte Schweizer Bienenbestand wird nicht artgerecht gehalten.


    Es ist schon schwierig genug, den Begriff "artgerecht" selbst zu definieren - noch schwieriger wird es wohl sein, als Einzelperson einen Gesamtüberblick über die Imkerei eines Landes zu haben. Deswegen ist schon der einleitende Teil des Artikels eine reine Behauptung. Wie hoch ist denn der Anteil der Bioimker an den Gesamtimkern in der Schweiz?


    2) Der Honigertrag ist wichtiger als das Wohl der Tiere.


    Auch das ist eine reine Unterstellung - oder hat der Schreiber des Artikels eine Umfrage im gesamten Land durchgeführt?! Nein?! Woher kennt er dann die Motive aller Imker der Schweiz? Hier scheint er nur sein eigenes schwarz-weißes Weltbild zu bedienen. Das Unterstellen niederer Absichten ist ja in der heute so gern polarisierenden Gesellschaft neuestens Mode geworden. Und dieser Mode folgt der Autor.


    3) Dabei spielt das Schwärmen eine Schlüsselrolle für die Gesundheit der Bienen


    «Naturbau und Schwarmköniginnen stärken die Bienen im Kampf gegen die Varroa-Milben» - das wird alles immer wieder wiederholt und immer wieder nachgeplappert. Die Praxis der Schwarmimkerei zeigt aber, daß das Schwärmen eben nicht die Lösung bringt. Das habe nicht nur ich erfahren müssen - ja auch der Behaupter selbst gibt zu: Aber auch Schwarmimker Fasolin muss seine Bienen mit Oxalsäure behandeln, um die Varroa im Griff zu haben.


    Theoretisch ist das Schwärmen für die Gesunderhaltung der Bienen bedeutsam. Praktische Erfahrungen - über Jahrzehnte praktizierte Schwarmimkerei! - zeigen aber, daß hier eben keine Besserung eintritt. Was nützt mir aber die ganze Theorie, wenn die Praxis die falschen Resultate bringt? Schöne Wort pflanzen keinen Kohl. Und schöne Schwärme sind am Ende unbehandelt immer noch tot.


    Ich habe sogar das Gegenteil bei mir ermittelt: Schwärme haben grundsätzlich mehr Milben als Ableger oder schwarmlose Bienenvölker. Das Resultat aller hilflosen Versuche lautet: Für die Rettung der Bienen spielt die Schwarmimkerei keine Rolle.


    4) Imker vernichten den grössten Teil der von ihnen als nutzlos angesehenen Drohnen.


    Wenn zweimal im Jahr zwei Waben geschnitten werden, sind das 3.500 Drohnen pro Wabe x 2 Waben x 2 = 14.000 Drohnen. Im Mai, Juni, Juli und eventuall noch bis in den August werden keine Drohnen geschnitten. (Weil das unsinnig ist!) Das sind mindestens fünf Brutsätze. Also 3.500 Drohnen pro Wabe x 2 Waben x 5 = 35.000 Drohnen. Somit wird schonmal nicht der größtere Teil weggeschnitten, sondern nur 29 % der im Jahr herangezogenen Drohnen. Für die Weitergabe der Gene sind daher mehr als ausreichend "fliegenden Gameten" vorhanden. Vor allem wenn man von 15-20 Drohnen ausgeht, die für eine Begattung notwendig sind. In einem Flugradius der von Drohnen zurückgelegten Strecken findet sich fast überall eine Dichte von 50 Völkern x 35.000 Drohnen = 1,8 Millionen Drohnen. Damit könnte man also theoretisch 116.000 Königinnen begatten lassen.


    Der größte Teil ist daher vollkommen übertrieben. Und weiter ist zu beachten, daß das frühe Drohnenschneiden dabei hilft, auf synthetische Varroazide zu verzichten. Ich bin weiß Gott kein Drohnenschneider, aber hier wird einfach nur ausgeteilt ohne Nachzudenken.


    5) In ihrem natürlichen Umfeld werden sie selber fertig mit den Milben», berichtet Seeley.


    Ja eben, in ihrem natürlichen Umfeld. Wo aber haben wir hier - wo wir leben -, noch ein natürliches Umfeld?


    6) In kleinen Bauten würden sich die Varroa-Milben deutlich weniger vermehren,


    Ich kenne keine Arbeit von Seeley, welche diese steile These unterstützen würde. Ich werde ihn fragen, ob er das so gesagt hat.


    7) ...zudem schwärmten die Bienen öfter, was wiederum den Varroa-Druck mindere.


    Häufiges Schwärmen produziert vor allem tote Völker, was nicht nur Seeley selbst gefunden hat, sondern auch die Schwarmimkerei zeigt. Kann doch jeder selbst ausprobieren. :confused: Wie kann man dann immer noch behaupten, daß ein abgeschwärmtes Volk besonders lebenskräftig ist?


    8) «Ohne Behandlung sterben die Völker innert zwei bis drei Jahren», erklärt Peter Neumann


    Das wurde einmal so in einer Studie so geschrieben und seither wird hier voneinander abgeschrieben. Wer sich an der Nichtbehandlung versucht, wird feststellen, daß gerade im ersten Jahr die meisten Völker hopps gehen - was man auch in soliden Studien überall nachlesen kann. (Wenn man denn wollte...) Aus der Schweiz hat Martin Dettli das doch wunderbar dokumentiert.


    9) Das sei auch der Grund, weshalb es in der Schweiz keine stabilen, wild lebenden Populationen gibt.


    Ach, das ist der Grund. Warum dann aber im Arnot Forest? Daß die Landschaft an sich hier maßgeblich eine Rolle spielt und die Schweiz eben nicht der Arnot Forest ist, das spielt anscheinend keine Rolle.


    10) In der Schweiz gibt es zirka 18 000 Imker, die 180 000 Völker bewirtschaften.


    Da wird am Anfang groß auf die Tränendrüse gedrückt, daß die Imkerei die Völker massiere - und dann kommen auf 18.000 Imker gerade mal 180.000 Völker. Das sind ja 10 Völker pro Imker. Und dann spricht man von den honiggeilen Imkern in der Schweiz? Irgendwie lächerlich, vor allem im Vergleich richtig industrieller Bienenhaltung, wie sie in Nordamerika betrieben wird. Dort bildet sich gerade eine Imkerei mit 90.000 Völkern. Deswegen ist das schweizerische Jammern ein Jammern auf hohem Niveau. Wer sich mit der nordamerikanischen Großimkerei befaßt, wird die schweizerische Kleinbienenhaltung als sehr naturnah und artgerecht empfinden.


    Der Artikel mag in einigen Punkten richtig liegen - doch die Nachricht, die übermittelt wird, ist falsch.


    Der Kommentar unter dem Artikel sagt alles über die Botschaft aus:
    "Schon wieder ein Illusion weniger. Da glaubte ich doch, die Imker seien um Tier und Pflanzen besorgte naturverbundene Leute. Aber anscheinend sind viele davon einfach gierige Raffzähne. Damit sind sie zwar nicht allein, aber bei ihnen hätte man es nicht so vermutet."
     
    Und - ist das so? Frage ich Euch? Sind alle Imker Raffzähne, die ihre Bienen nicht lieben?


    Erstens hilft die Schwarmimkerei nicht bei der Lösung der Bienenprobleme. Die fortlaufende Wiederholung eines Mantras macht die Sache nicht wahrer. Wenn es so einfach wäre, hätten wir Schwarmimker doch schon wesentlichere Erfolge vorzuweisen. Das ist aber nicht der Fall.


    Zweitens ist es falsch, die Imker als honig-geil hinzustellen und eine Spaltung innerhalb der Imkerschaft zu forcieren. Es hilft den Bienen nicht, wenn die letzten Bienenbegeisterten sich in kleine Gruppen aufsplittern und sich gegenseitig bekämpfen. Und sich gegenseitig niedere Beweggründe unterstellen.


    Es hilft den Bienen aber, wenn wir alle gemeinsam für die Belange der Bienen einstehen. Miteinander statt gegeneinander. So machen es auch die Bienen!



    Viele Grüße


    Bernhard

  • Vielleicht meine Freunde,
    ist es ja auch etwas mehr als ein Körnchen Wahrheit. Die Profiimker gehen sehr wohl gewinn- oder honigorientiert ans Werk. Und auch so mancher junger Halbprofi prahlt gerne mit seinem Honigertrag pro Volk. Und weil er damit alle anderen als Trottel dastehen lässt, versuchen diese natürlich auch gewisse Werte zu schaffen. Ich selbst habe diesbezüglich auch Bedenken gegen Dadant in Tateinheit mit Pressing. Der Königin ist nicht zuzumuten die Barriere zu einem zweiten Brutraum zu überwinden, aber den gesamten Honig scheiden wir nach oben ab, man denke mal da drüber nach. Für mich kommt es dabei nicht auf die Größe der Bienenbehausung an, aber ich frage mich, ob es tatsächlich zuträglich ist, dass die Devise lautet, dass die Kisten zur Einwinterung überquellen müssen vor Bienen um in Frühjahr mit einem starken Volk an den Start zu gehen und auch das Jahr über eine möglichst große Bienenmasse zu haben um einerseits mehr Honig reinzuholen und andererseits Verluste durch Krankheiten und Vergiftungen besser wegzustecken. Und wenn die Bienen kleiner sind, die Wabenzellen und die Abstände, dann bekommen wir noch mehr Bienen in die Kiste und dann haben sie ja garkeine Probleme mehr, jedenfalls wenn wir uns auf Punkt und Komma an den Vorbeter aus La Palma halten.
    Alles schwierig und keineswegs eindeutig zu belegen.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der ein gefällt mir ziemlich vergeben würde

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Fakt ist, dass die Insekten (besonders auch Hornissen und Hummeln die ich speziell erwähnen will) wesentlich weniger werden, allein schon die Tatsache, dass man quer oder längs durch die Bundesrepublik fahren kann ohne Insekten von der Scheibe zu kratzen ist unumstößlich. Früher musste man bei jedem Tankstopp die Scheibe mit einem "kratzschwamm" putzen.
    Fakt ist auch, dass die Singvögel weniger werden, was ja nicht verwunderlich ist.


    Ich denke, dass hier die Imker durch ihren immensen Aufwand der Völkervermehrungen (aus eins mach zwei oder sogar drei), bzw. Bienenimporten die Tatsachen eines tätsächlichen Bienensterbens verschleiern. Das ist aber der Wandel der Zeit und ob man jetzt das als Bienensterben bezeichnen muss oder sollte, bzw. kann?
    Bei den Landwirten gibt es die Turbokuh und bei den Imkern anscheinend die Völkermehrung um sich den heutigen Gegebenheiten anzupassen.

  • So auch der Kommentar unter dem Artikel:
    "Schon wieder ein Illusion weniger. Da glaubte ich doch, die Imker seien um Tier und Pflanzen besorgte naturverbundene Leute. Aber anscheinend sind viele davon einfach gierige Raffzähne. Damit sind sie zwar nicht allein, aber bei ihnen hätte man es nicht so vermutet."


    Und - ist das so? Frage ich euch?

  • Der Artikel ist überspitzt. Aber in den Aussagen steckt doch Wahrheit, größtenteils (z.B. Drohnenschneiden, große Kästen, Reihenaufstellung an Wanderorten) nachzulesen bei Dr. Ritter: Bienen gesund erhalten.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Es ist immer das gleiche Elend: Da werden ein paar Ausschnitte aus der Problematik dem unkundigen Leser als Lösung des Problems verkauft. Es ist nun halt mal komplizierter. Ich gehe davon aus, dass die Fachleute es differenzierter diskutiert haben, als die Presse es darstellt. Natürlich ist immer etwas Wahres dran. Aber es ist auch etwas Wahres am Ptolemäischen Weltbild.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Uhhhhuuhuuuu, sorry, zurückruder,
    ich wollte auf keinen Fall unserem auf Ausgleich und Solidarität gepolten Bernhard wiedersprechen. Wir wollen ja nicht mehr polarisieren und uns entzweien, wir wollen ja gemeinsam etwas für die Bienen tun. Also sorry, ich wiederrufe, nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Sonst blüht mir vielleicht noch die Verbannung nach, naja, sagen wir mal Orange :-). Sorry Bernhard, dein Artikel war noch nicht da, als ich meine unqualifizierte Meinung kund tat. Ich brauche für 5 Zeilen offensichtlich länger als Du für eine A4-Seite.
    Also alles gut, keiner Wiederspricht und viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • nachzulesen bei Dr. Ritter: Bienen gesund erhalten.


    Ja, nachzulesen ist da (bzw. in seinem neuen Buch zur Bioimkerei *1): nachdem die großen Beuten als bienen-ungemäß bezeichnet werden, geht es zur Beutenauswahl für die naturgemäße Imkerei: Langstroth und Dadant mit Bevorzugung von Dadant.


    Reihenaufstellung gut - das ist ja einfach. Drohnenschneiden - siehe oben.


    Selbst wenn man die Bienen in kleine Kästen steckt, nur eine handvoll Beuten am Standort aufstellt und keine Drohnen schneidet (und schwärmen läßt, und auf Honig überwintert und nicht behandelt) ist das noch lange nicht die Ursache für die Probleme der Honigbienen.
     
    Der Imker ist auch nicht das Problem der Wildbienen, der Insekten und der insektenfressenden Singvögel.


    Der Schluß des Artikels gefällt mir: macht was für die Landschaft. Der Titel und das Geschwurbel davor, überdecken das aber lautstark.



    (1) Bienen naturgemäß halten: Der Weg zur Bio-Imkerei. von Dr. Wolfgang Ritter, ISBN: 978-3800139958