Frage an die erfahrenen Imker hier im Forum:

  • Hallo liebe Imker, ich habe da mal eine Frage:


    Habe bei Youtube gesehen (der Imker hat es erklärt und dann kurz den Beutedeckel geöffnet), dass in Kanada manche Imker (Berufsimker) ihre Beuten dick isolieren und auch das Flugloch schließen. Die Bienen gehen dadurch nicht aus der Brut.


    Nun meine Frage: Kann dies stimmen, müssen die Bienen nicht raus zum Abkoten? Das wäre ja so, wie wenn man sie einsperren und dann in einen Hobbyraum/Abstellkammer stellen würde bei einer Umgebungstemperatur von 16-20 Grad.


    Wer kann dazu was sagen?


    Gruß,
    Michael

  • Hallo Michael,


    ich habe von der Praxis gehört, die Beuten dick einzupacken und auch das untere Flugloch zu verschließen. Es ist in Nordamerika und Kanada aber üblich, noch ein Deckelflugloch zu haben, welches im Winter weiter offenbleibt und für Durchlüftung sorgt. Sie machen es also genau umgekehrt zu unserer 'offener Boden' Strategie. Sie schließen den Boden, lassen aber am Deckel ein Flug- und Lüftungsloch.


    Gruß
    Ludger

  • Die Bienen gehen dadurch nicht aus der Brut.
    Gruß,
    Michael


    Hallo Michael,
    genau das ist bei uns nicht gewünscht. Die Völker und auch die Kö. brauchen auch mal eine Brutpause, je länger desto besser. Auch schon wegen der Entwicklung der Varroa.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo Michael
    Vergiss nicht, Winter hier und Winter in Kanada sind zwei Paar Schuhe.
    Temperaturen von -25°C über Wochen hinweg findest Du in Mitteleuropa nicht oft, in Kanada jedoch sind sie die Regel.
    Dort werden Beuten auch oft in eine Art Lagerhaus gebracht, und (bei künstlich erzeugten) Temperaturen von konstant knapp unter 0°C gehalten. Da erübrigt sich jedes Flugloch und auch der offene Boden.
    Luftfeuchte findet so gut wie nicht statt, während wir hier im Winter immer bei 80 - 90° Feuchte sind.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • ...... während wir hier im Winter immer bei 80 - 90° Feuchte sind.


    Kann dies wirklich sein?
    In meinem Imkerhaushalt habe ich mehrere Hygrometer innen und außen. Bei mir ist im Sommer die Luftfeuchtigkeit wesentlich höher als im Winter, heute bei Schmuddelwetter bei 2 Grad Celsius ca. 45%.
    Gruß winolf

  • Hallo winolf,


    wickel Deine Hygrometer mal in ein feuchtes (nasses) Handtuch ein. In der Küche einige Stunden auf der Arbeitsplatte liegen lassen und dann mal kontrollieren. Muss dann 100% anzeigen. Ansonsten auf diesen Wert justieren und noch mal überprüfen.


    Gruss
    Ulrich

  • Unser Hygrometer/Thermometer für Innen und Außen zeigte die letzten 2 Wochen fast durchgängig über 90% Luftfeuchte an.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Kann dies wirklich sein?
    In meinem Imkerhaushalt habe ich mehrere Hygrometer innen und außen. Bei mir ist im Sommer die Luftfeuchtigkeit wesentlich höher als im Winter, heute bei Schmuddelwetter bei 2 Grad Celsius ca. 45%.
    Gruß winolf


    Hallo Winolf!


    Deine Messungen stimmen mit Sicherheit. Bezüglich Wohnklima hat man im Winter eher das Problem, dass die Luft zu trocken wird.


    Die Luft hat die Eigenschaft, dass sie bei kühlen Temperaturen wenig Wasser und bei höheren Temperaturen mehr Wasser aufnehmen kann. Im Freien ist es zur Zeit wesentlich kälter, die Luft verliert Wasser, welches als Nebel oder Tau sichtbar ist. Kommt dann diese Luft in die warmen Räumlichkeiten, dann kann sie plötzlich mehr Wasser aufnehmen. Es ist aber in der Umgebung nicht genügend Wasser vorhanden, somit zeigt das Hygrometer eine relativ geringe Luftfeuchtigkeit an.


    Im Sommer verhält es sich genau umgekehrt, die warme Außenluft hat einen gewissen Teil Wasser aufgenommen. Kommt diese Luft in die kühlen Wohnräumlichkeiten, dann kann die gleiche Luft plötzlich weniger Wasser halten und das Hygrometer zeigt eine höhere Luftfeuchtigkeit an.


    Hänge das Hygrometer ins Freie, da müsste die Luftfeuchtigkeit wesentlich höher sein als im Wohnraum.


    MfG
    Honigmaul

  • Allen herzlichen Dank für die vielerlei und z. T. sehr ausführlichen Antworten. Ich werde meine Hygrometer überprüfen, wahrscheinlich zeigt der Außenhygrometer falsche Werte an. Ich ließ mich auch von der Luftfeuchtigkeit im Honigkeller beeinflussen. Dort habe ich einen elektrischen Luftentfeuchter, den ich auf 60% eingestellt habe. Im Winter arbeitet das Gerät nie und die Luftfeuchtigkeit ist immer unter 60%, während im Sommer der Wasserbehälter z. T. jeden 2. Tag geleert werden muss (Danke Honigmaul für die gute Erklärung).
    Bad Wildbad, im engen Enztal, von wo die Wetterdaten stammen (Danke Bernhard), liegt in unserem Vereinsgebiet und ist mir bestens bekannt. Kein Imker überwintert dort seine Bienen in der Tallage, weil die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Dagegen berichten mir die Kollegen, dass sie an den Berghängen am Stadtrand sehr gut überwintern. Machen einige Höhenmeter in der Luftfeuchtigkeit so viel aus?
    Gruß aus dem Nordschwarzwald
    winolf

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von winolf () aus folgendem Grund: Gruß angefügt

  • Hallo ihr Lieben
    Wieviel % welche Meereshöhe ausmacht, ist wahrscheinlich nicht so furchtbar interessant. Wichtig ist, nicht in einer Tallage zu überwintern (oder generell seine Bienenstände zu haben), weil sich dort die feuchtere und kalte Luft wie ein See sammelt. Leichte Hanglagen eignen sich besser.
    Ich habe gerade mal die Hygrometerdaten meiner Waage der letzten 2 Jahre kontrolliert, die fallen selten unter 75%rel. Feuchte.
    Aber wir wissen ja alle noch aus der Schule, dass unser Wetter hier in D zum großen Teil vom Atlantik beeinflußt wird, während Kanada ein ausgesprochen typisches Kontinentalklima aufweist.
    Nicht umsonst wurde (um wieder die Kurve zur Imkerei zu kriegen) die Haltung der Honigbiene mit ganzjährig offenen Böden zuerst in Küstenländern erprobt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-