"Gutes" Volk hinsichtlich Varroa

  • Ich hätte eine (zumindest für mich) eher theoretische Frage, da es mir zu sehr an Erfahrung und Anzahl von Bienenvölkern fehlt, um daraus eine praktische Konsequenz ziehen zu können:


    Ist ein Volk, das immer viele Varroen fallen lässt und trotzdem gut dasteht, ein in züchterischer Hinsicht gutes oder schlechtes Volk?


    Ist es schlecht, weil es die Varroen weniger ausräumt oder besser vermehrt als andere Völker?
    Oder ist es gut, weil es mit den Varroen und/oder der damit verbundenen Virenlast zurechtkommt?


    Bernhard hat ja beobachtet, dass die Winterverluste nicht unbedingt die Völker mit den meisten Varroen betreffen.


    Nachdenklich
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Hallo Kikibee,


    schwierige Frage hast du da...
    Einige Überlegungen.


    - hat das Volk viele Varroen, weil es schlechte Startbedinungen hatte, (viele Milben bei Auswinterung/oder bei Bildung)? Oder weil sich die Milben tatsächlich (wie du angenommen hast, dort gut vermehrt haben?)
    - Steht das Volk im nächsten Frühjahr auch noch gut da? Welchen Aufwand hattest du, um es gut ins neue Jahr zu bringen?


    Wenn das Volk trotz hoher Milbenlast gut dasteht ist das für mich eher ein positives Kriterium, allerdings betrachte ich ein solches Volk auch als eine Zeitbombe, wenn es nämlich doch zusammenbricht, oder weisellos wird, wird es zur Milbenschleuder, mit dem entsprechenden Risiko für die Nachbarvölker.


    Milbenzahlen alleine helfen ansonsten nicht für die Beurteilung, es kommt auf die Entwicklung an. Die Ausgangsbedingungen müssen also mit berücksichtigt werden.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Kikibee,


    schwierige Frage hast du da...


    Stimmt!


    Ich hatte schon Völker (Linien?), die schon als Ableger viel geöffnete Brutzellen (geköpfte Puppen) hatten. Darüber hatte ich mich zuerst gefreut, weil ich dachte, daß die besonders gut gut oder zeitig "geschädigte Brut ausräumen". Leider haben gerade diese Jungvölker dann den nächsten Winter nicht überlebt...


    Andererseits habe ich Völker, die regelmäßig höheren Milbenfall haben, aber trotzdem gut dastehen und viel Honig bringen. Die fasse ich gar nicht an, lasse sie umweiseln, wenn sie wollen... Das klappt erstaunlich gut.


    Gruß Jörg

  • Ist ein Volk, das immer viele Varroen fallen lässt und trotzdem gut dasteht, ein in züchterischer Hinsicht gutes oder schlechtes Volk?


    ... gute Frage, die ich hier schonmal vor Jahren gestellt hatte ( http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=23108 ).
    Eine Antwort habe ich noch nicht. Aber für mich kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Völker, die nur wenige Milben auf den Windeln haben, die robusteren Völker zu sein scheinen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Freunde,
    gute Frage, aber nicht zu beantworten. Außer der Vorbelastung kommt ja auch noch die jeweilige Jahresbelastung hinzu und natürlich mein allerbester Freund, der Zufall. Außerden lässt sich der wirkliche Milbenbefall, also die sichere Anzahl der Milben im Volk nicht durch den Fall ermitteln. Hoher Fall, gute Wirksamkeit der Behandlungsmittel, geringer Fall, wahrscheinlich schlechte Wirksamkeit der Behandlung, warum auch immer ( Wärme, Kälte, Füllstand, Luftfeuchtigkeit, Wind, Schatten, Sonne, Nachbarvölker, Verflug oder Invasion, Luftdruck, falsche Konzentration, Milbendruck, Zufall usw. ). Wirklich ermitteln lässt sich das nur durch komplettes Auswaschen inkl. Brut und Auszählung. Und dann hälfe auch nicht, wenn Jörg die guten Völker durch ein Kreuz auf der Kiste markiert hätte :-). Ein Volk das viel ausräumt, ist entweder in der Hinsicht recht eifrig, oder stark befallen, was ist besser? Wenn man viel ausräumt, bleiben dann genügend Bienen übrig?
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • wald&wiese


    Aber für mich kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Völker, die nur wenige Milben auf den Windeln haben, die robusteren Völker zu sein scheinen.


    Ich stimme hier Wald&Wiese voll zu. Auch wenn Milbenvölker ein Jahr gute bis sehr gute Leistungen bringen, so sind sie im nächsten Jahr leistungsschwach und für den Zusammenbruch vorprogrammiert.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Es geht ums Überleben unserer Völker. Ziel ist ein stabiles Wirt-Parasit-Verhältnis. Unsere Bienenvölker sind der Wirt und sie kommen seit vielen Jahren mit dem Parasiten Varroa nicht zurecht und sterben, wenn wir Imker nicht eingreifen. Wenn ein Volk bei hohem Varroadruck gut dasteht und weiterlebt, dann halte ich es in höchstem Maße für vermehrungswürdig. Ob sich das Merkmal genetisch festigen und weitervererben lässt, steht dann noch mal auf einem anderen Blatt.


    Vielleicht sollten wir noch mal drüber reden, was "gut dastehen" bedeutet. Geht es hier um Ertrag und Honigernte oder um Varroaresistenz und weiterleben, auch ohne mehrfach im Jahr behandeln zu müssen?


    Liebe Grüße vom Sammler

  • Wenn ein Volk bei hohem Varroadruck gut dasteht und weiterlebt, dann halte ich es in höchstem Maße für vermehrungswürdig.


    Ok. Was bedeutet hohe Varroadruck für Dich und wie kommst Du da zu einem objektiven Ergebnis?


    Du weißt nie, wie hoch der Varroabefall ist und warum. Es gibt zwei Pole, kein Befall und letaler Befall. Dazwischen ist, wie mehrfach ausgeführt, alles möglich, ohne eindeutig quantifizierbar zu sein, ohne dafür das betreffende Volk zu töten. Selbst dann erhältst Du nur eine Momentaufnahme, aber keinerlei Info über die Dynamik. Also eine Blackbox, alles was Du tun kannst ist auf Grund von Indizien Annahmen zu treffen. Der Satz ist ja sehr richtig, das ein Volk welches trotz hohem Varroadruck gut darsteht in höchstem Maße nachzuchwürdig ist, bloß fehlen Dir und mir die Mittel, die tatsächliche Höhe und Gründe für den Befallsdruck zu beurteilen. Daraus kann man jetzt die verschiedensten Strategien ableiten, aber das war ja nicht die Frage.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • @ Sammler. Womit behandelst du mehrfach im Jahr ?


    Hallo Josef!


    Ich habe nicht geschrieben, dass ich das tue. Meine Völker behandle ich im Spätsommer 2 x mit AS, mehr nicht. Viele Imker muten ihren Völkern aber mehr Varroabehandlung zu, z.B. nach der Hohenheimer Empfehlung zusätzlich 1 x Winterbehandlung mit Ox und Schneiden der Drohenbrut während der Saison. Diese mehrfache "Behandlung" schwächt die so behandelten Völker ganz massiv und ist meines Erachtens mit Ursache für die hohen Völkerverluste als ein Faktor neben anderen (wie z.B. PSM).


    Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ich das vom Fredersteller beschriebene Merkmal für vermehrungswürdig halte, mit der Einschränkung, dass es wahrscheinlich nicht erbfest ist.


    Was bedeutet hohe Varroadruck für Dich und wie kommst Du da zu einem objektiven Ergebnis?


    Ralf : Ich ermittle hohen Varroadruck durch den natürlichen Varroafall auf einer eingelegten Windel in Relation zu Nachbarvölkern am gleichen Stand. Im übrigen sehe ich es einem Volk auch an, wenn z.B. Varroen auf den Bienen ansitzen.
    Sollen wir das jetzt wirklich diskutieren? Das ist doch OT. Es wurde doch gefragt, ob ein solches Volk vermehrungswürdig ist? Hohen Befall hast du doch sicher auch schon gesehen.


    Gruß,
    der Sammler

  • Hallo Sammler,
    ich gehöre nun mal nicht zu jenen, welche groß trompeten, wenn es gut geht. Ich habe über 25 Jahre das Drohnenschneiden als Unsinn verachtet und es dies Jahr doch gemacht. Obwohl ich noch nie in einem Wirtschaftsvolk eine Milbe im Drohnenbau gesehen habe. Ob das jetzt dieses Jahr erfolgreich war, alle Völker leben noch, kann ich nicht sagen, weil ich keine Vergleichsvölker habe. Sogar ein Volk ohne Chancen, welches im Herbst den Flügeldeformationsvirus hatte, sitzt friedlich in den Gassen. Schande ich habe es viermal behandelt. Nach der zweiten Ameisensäurebehandlung noch mit Thymol. Allerdings ist die schlechte Begattung die andere Seite.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Sollen wir das jetzt wirklich diskutieren? Das ist doch OT. Es wurde doch gefragt, ob ein solches Volk vermehrungswürdig ist?


    solange Du nicht weißt, warum ein Volk wenig Varroen hat oder ob es überhaupt tatsächlich wenig hat, scheint mir das alles ein ziemlich Schuß ins blaue. Kann natürlich trotzdem ein Treffer werden, aber solange Dir objektive Kriterien fehlen, kann man dem Ersteller des Threads guten Gewissens zu nichts raten. Just saying.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife