VV in Südfrankreich

  • Da ich gebeten wurde, auf eine an mich gestellte Frage einen eigenen Thread zu eröffnen, so will ich dies gerne tun.


    Ja, es gibt in der südlichen Hälfte Frankreichs Regionen, in denen die VV den Imkern schwer zu schaffen macht. Ursprünglich kam die VV ja aus dem Raum Bordeaux und ist inzwischen sehr aktiv im Hinterland von Nizza und hat auch bereits die italienische Grenze überschritten.


    M.a.W. ist die VV logischerweise auch durch unser Rhônetal gezogen bzw. hat es durchquert. Vor 3 Jahren hatten wir ein sekundäres Nest am Stadtrand und seitdem ist mir nicht mehr bekannt. Schaut man sich jedoch die Karte der gefundenen Nester an, so stellt man fest, dass das Rhônetal irgendwie nicht besiedelt ist. Wir erklären uns dies momentan nur durch unseren Mistral, dem wir ja auch 100 unserer 300 Sonnentage/Jahr zu verdanken haben.


    Ich habe aber befreundete Erwerbsimker, bei denen die VV versuchte, sich anzusiedeln. Es gibt da aber klare Vorgehensweisen, um ihnen das zu erschweren. Persönlich habe ich auf meinen Heimatbienenstand hier in der Nâhe des hauses noch keine einzige VV gesichtet.

    Ich mache, was ich erzähle - und ich erzähle (zeige), was ich mache !

  • Da ich gebeten wurde, auf eine an mich gestellte Frage einen eigenen Thread zu eröffnen, so will ich dies gerne tun.


    Hallo nochmal,


    vielen Dank Avignon, dass du so prompt reagiert hast, hartmut hatte ja recht dass das Thema dort nicht so hinpasste, aber es war ja auch eine ganz spontane Frage von mir.
    Sehr interessant, dass es offenbar nicht überall gleich schlimm ist mit der neuen Hornisse. Vielleicht helfen uns unsere - früher jedenfalls - eher kälteren Winter.


    Für alle, die die erste Frage nicht mitbekommen haben: Mit "VV" meint Avignon die Vespa velutina, also die neu eingewanderte Hornisse.


    Gruß
    hornet

  • Ich glaube, hornet , ich werde Dich ein wenig enttäuschen müssen. Die VV kommt sehr gut auch mit kalten Perioden klar. Der Beweis ist ihre massive Anwesenheit in den Cevennen bei über 500 m Höhe. Sie breitet sich mit mehr als 200 km/Jahr in allen Richtungen aus. Daher dürft Ihr Euch auf die VV vorbereiten, wie wir ebenfalls auf den AT aus Italien. Alles andere ist nur eine Frage der Zeit.

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  • Die VV kommt sehr gut auch mit kalten Perioden klar. Der Beweis ist ihre massive Anwesenheit in den Cevennen bei über 500 m Höhe.


    Hallo Avignon,


    und welche Erklärung gibt es für diesen Umstand, dass die VV in den höheren Lagen der Cevennen überlebt? Vielleicht der geringere Spritzmitteleinsatz in Höhenlagen?


    Das würde aber im Umkehrschluß bedeuten, dass das Rhonetal ziemlich ungesund für Insekten ist, die sich überwiegend von anderen Insekten ernähren.


    Dann brauch ich mir ja hier wegen der VV keine Gedanken zu machen, hier ist das in Bezug auf Insekten wahrlich kein Paradies.


    Gruß Sven

  • Hallo Leute,
    da gibt es wohl einige Gemeinsamkeiten mit dem Rheintal, oder? Warm, Obst - & Gemüseanbau, Wein, viele Spritzmittel, AKWs und die Autobahn natürlich.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Bonsoir, Maybee!


    Das hat mit Spritzmittel kaum etwas zu tun. Die VV (VV = Vespa Velutina oder auch asiatische Hornisse) hat sich in Gegenden intensiver Landwirtschaft trotz BAYER & Co gemütlich eingerichtet. Dass sie momentan sich hier bei uns nicht niedergelassen hat, obwohl sie unsere Gegend schon vor 3-4 Jahren durchqueren musste, um sich im Südosten einzunisten, wo sie seit 2-3 Jahren grosse Schäden anrichtet, begründen wir momentan mit dem hier dominanten Mistral. Wenn's bei Euch mal 2 Tage mit 120 km/h durch die Baumspitzen fegt, ist doch oft Panik angesagt. Solche Mistraltage haben wir sicherlich 60-70 im Jahr. Da kann man dann von ausgehen, dass der Mistral diese grossen sekundären Nester einfach aus den hohen Baumkronen bläst.

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  • Gemeinsamkeiten mit dem Rheintal ....


    Naja, schau Dir mal das Maintal an bzw. Imker aus der Gegend, die an der Herbstverlustumfrage teilgenommen haben. Viele warens ohnehin nicht und grün schauen die Punkte woanders aus. Dachte eigentlich, dass Flusstäler was anderes sind, als ein guter Platz zum Sterben. Aber der Imker kann den Bien-Tod ja durch rechttzeitige Umweiselungen vermeiden, während die Aufzucht von Nachwuchsköniginnen bei den VV und anderen Wespen und Hornissen wohl nicht mehr zu unserer schnelllebigen Zeit passt.


    Grüße Sven


    Edit@Avignon: Die höheren Windgeschwindigkeiten werden hier im Erzgebirge auf dem Berg erreicht, nicht im Tal :wink:
    Da müsst ihr euch schon was anderes einfallen lassen. Auf anderen Bergen schauts übrigens ähnlich aus.

  • Wenn wir hier vom Rhônetal = Bouche du Rhône reden, dann nehmt das nicht zu wörtlich. Für uns ist das ein breiter Couloir (30, 40 km und je nach Region noch breiter), in dem der Mistral vom Norden nach dem Süden fegt. Ich kann hier in Avignon diesen irren Mistral haben, fahre ich jedoch nur 20 km in den Luberon in Richtung Apt, sieht die Sache ganz anders aus.


    Und wenn ich von 120 km/h rede, dann bin ich nicht die 1.900 m auf den Mont Ventoux gekraxelt, um es auf der Spitze zu messen, sondern diese Geschwindigkeit haben wir hier in den Obstplantagen, und die liegen bei mir nur 34 m über dem Meerespiegel.


    2012 hatte ich mal ein kurzes Video an einem Mistraltag hinterm Haus gemacht. Da es in Flash war, was ich hier leider nicht einbetten kann, habe ich's mal schnell in YouTube konvertiert. Es war der Beginn der Aprikosenblüte, wobei die Bienen jedoch noch hauptsächlich den Löwenzahn anflogen.


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  • Hey Avignon, schön dich hier zu haben.
    Der Mistral ist nicht nur ungewöhnlich stark, sondern auch heiss.


    Schon komisch, dass die Wespe nicht klarkommt damit. Von den Bienen weiss ich dass es ihnen nicht schadet.


    Frage: wie macht ihr da unten gegen Varroa?
    Stimmen die Storys von bis zu 7 Streifen Amitraz? Von hiesigen Anwendern wurde das ins Feld geführt.

  • Dann müsste Norbert Jung ja ebenfalls mit ihr geplagt sein...


    Hallo, luxnigra! Was hat denn der Wohnort von Norbert Jung mit den Cévennes zu tun??? Norbert wohnt in der Haute Garonne. Oder Du beziehst das auf die ähnlichen Gegebenheiten? Aber wie bei ihm die Situation aussieht, dass kann er nur selber erklären. Und wenn er nicht auf den Kopf gefallen ist, dann hat er auch das Richtige gemacht, um die VV nicht auf den Bienenstand zu haben.


    Nein, die Story mit den 7 Streifen stimmt nicht. D.h. ich kenne jedenfalls niemanden und ich kenne so manchen Erwerbsimker. Ich bin im Vorstand des Syndicat des apiculteurs de Vaucluse, einer meiner besten Freunde ist der Präsident der ADAPRO-LR etc. Was da gewisse Hobbyimker so treiben, weiss ja sowieso niemand.


    Die meisten behandeln hier mit APIVAR, weil wir ja dermassen subventioniert werden, so dass 2 Streifen uns nur 1 € kosten. Die sollten dann ja auch nicht länger als 8 Wochen in der Beute verbleiben, und da gibt es dann ein paar faule Säcke, die die Streifen Anfang September einhängen und erst bei der ersten Frühjahrsdurchsicht im März entnehmen.


    Persönlich behandele ich in 2 Phasen. Erst eine Vorbehandlung mit Thymol, um schon einmal 50-60% der Milben zu reduzieren. Darauf gibt es eine persönliche Amitraz-Behandlung von max. 25 Tagen. Und damit habe ich dann meine Ruhe.

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  • Es gibt Gegenden im Süd-Westen, wo sie vor 3-4 Jahren bereits eine Plage war, wobei jedoch inzwischen der Druck weniger wurde.


    Das Problem ist vor allem grösser bei ganzjährigen Heimatständen, weniger bei Wanderständen. Ein Freund von mit im Hinterland von Montpellier hatte einigen Stress vor 3 Jahren auf seinen Begattungsstand. Danach hat er das gemacht, was jeder machen sollte, um diese Plage in den Griff zu bekommen. Seit dem hat er Ruhe.


    Es gibt 2 Phasen, wo wir die VV dezimieren können. Einmal sehr früh in der Saison durch Zucker-Köder und entsprechende Fallen. Dabei geht's um die Vernichtung von den Fondatrices (Kö), die erst das primäre kleine Nest bauen. Wenn dann ins sekundäre grosse Nest umgezogen wird, kommt die Phase, wo sie auf Proteinsuche sind. Denn dann sind sie erst gefährlich für unsere Bienen. Und da kann man ganz gezielt vergiftete Protéinköder auf dem und um den Bienenstand verteilen, die von den VV auch angenommen werden. Sie tragen die vergifteten Proteine ins eigene Nest, um die Brut zu füttern bzw. damit zu vergiften.


    Nach Auffassung von gewissen Vogelfreaks sei dies jedoch eine Vergiftungsquelle für bestimmte Vogelarten. Tja, was soll man dazu sagen? Vielleicht dass ich halt Imker bin und an meine Bienen denken und nicht Vogelwart. Solange man nichts effizienteres entwickelt hat, wird sich niemand in unserer Branche Gedanken machen, was evtl. kollaterale Schäden betrifft.


    Ich habe einen Bekannten im Hinterland von Nizza, der hatte 2013 täglich zwischen 300 - 500 VV mit dem Schmetterlingsnetz auf seinen Heimatstand gefangen und getötet. Seine Völker waren so in Panik, dass sie sich nicht einmal mehr aufs Flugbrett trauten.

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