Erste Hilfe am Bienenstand

  • Hallo zusammen,


    ich habe vor ein paar Tagen erfahren , dass ich im Sommer ein richtig bienengiftallergisches Kind mit an meinem Stand hatte - wir haben mal eben zusammen ein Volk durchgesehen, die Königin gesucht... :eek: 
    Es ist zwar nichts passiert, trotzdem hat mir das verdeutlicht, wie unverhofft man mal in die Situation kommen könnte, schnell handeln und helfen zu müssen.
    Daher mal meine Frage: ist es sinnvoll, z.B. diese freiverkäuflichen Antihistaminika am Stand zu haben? Wie würde ich am sinnvollsten Erste Hilfe leisten können, falls jemand wirklich Kreislaufprobleme bekommt, umkippt oder plötzlich unter *Horror* Atemnot leidet?


    Legt derjenige sich besser hin, Füße hoch oder läuft der besser herum? Trinken lassen, kühlen, wärmen? Sollte man ein Allergiemittel wie Lorano o.ä. geben, oder ist das im Hinblick auf spätere ggf. notwendige Behandlungen kontraproduktiv? Immer besser den Notarzt rufen, auch wenn einer meint "es geht schon wieder"? :confused:


    Ich hätte gern sowas wie eine Checkliste an To Do's und To Have's, nur um im Fall der Fälle Nerven behalten zu können... und rein theoretisch könnte es einen ja auch selbst mal erwischen, mit so einer Allergie.


    Habt Ihr Euch da schon mal schlau gemacht und ggf. entsprechend vorgesorgt?


    Danke, viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hinlegen!
    Notarzt rufen!
    Gesicht rot > Oberkörper erhöht lagern.
    Gesicht blaß > Oberkörper flach lagern und Beine hochlagern.
    Beim Kranken bleiben > beruhigen.
    Keine Medikamente geben - Du bist keine Medizinfrau...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Henrike,


    meines Wissens (und meiner beschränkten Erfahrung nach) kannst du die freiverkäuflichen Antihistaminika in dem Zusammenhang vergessen. Jedenfalls hatten weder Ceterizin noch Loratidin bei mir igendwelchen Nutzen gegen die großflächigen, juckenden Nachwirkungen von Bienenstichen, und bei der Gefahr eines allergischen Schocks würde ich ihnen noch viel weniger weit trauen.


    Das einzige, was in so einem Fall wirklich helfen soll, ist ein Notfallkit mit Epipen. Das ist aber verschreibungspflichtig, und soweit ich weiß darf man ihn sich zwar selber geben, aber sonst darf es nur medizinisches Fachpersonal tun.


    Was ich grundsätzlich in solchen Fällen von Personen mit starker Insektengiftallergie nicht verstehe ist: Warum haben die nicht grundsätzlich das entsprechende Notfallkit? Und warum machen die nicht grundsätzlich eine Hyposensibilisierung?
    Ja, ich weiß, dass das langwierig und unangenehm ist. Aber einen Bienenstich kann man auch abseits vom Imker bekommen. Wenn mir also Leute erzählen, dass ein Bienenstich für sie Lebensgefahr bedeutet (und das erzählen mir mehr Leute als eigentlich statistisch zu erwarten wäre...), warum zum Teufel haben die dann nicht wenigstens mit der Hyposensibilisierung angefangen?


    In deinem Fall: wenn das Kind tatsächlich stark allergisch sein sollte, dann ist es Aufgabe der Eltern dafür zu sorgen, dass ein Notfallkit erreichbar ist und das auch jemand anwenden kann.


    Dir bleibt: Stachel so schnell wie möglich raus. Personen, die gestochen wurden, beobachten und befragen. Wenn größere Rötungen oder Schwellungen weiter entfernt von der eigentlichen Stichstelle auftreten, oder wenn Fuß- oder Handflächen oder auch der Mund zu jucken beginnt, bei Schwindelgefühl oder Atemnot: sofort den Notarzt rufen.
    Bis dahin so wie bei anderen Schockzuständen verfahren: Beine hoch, evtl. kühles feuchtes Tuch in den Nacken. Bei Atembeschwerden eher den Oberkörper hoch.
    Soweit jedenfalls mein Laienwissen.


    Grüße,
    Robert

  • Danke schon mal an Euch beide.


    Robert : Klar sollte jemand, der von sich weiß, dass er allergisch reagiert, selbst auch vorsorgen. Aber im Notfall hat derjenige eben kein solches Rettungskit dabei, keine Sensibilisierung durchgeführt oder wusste ggf. bis dato noch nichts von seiner Allergie. Da hilft mir dann alles Lamentieren nichts. Und ich möchte gern für mich wissen, wie ich ihm dann am besten Erste Hilfe zukommen lassen und im Rahmen meiner Möglichkeiten vor Ort am besten reagieren kann. So wie im Straßenverkehr auch, nur bei diesen Kursen werden Allergische Schocks ja meistens ausgeklammert. Dafür wüsste ich, wie ich jemandem am Bienenstand einen Motorradhelm vom Kopf kriege...:wink:


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Henrike, das ist mir ja völlig klar.


    Also im Zweifelsfall: Notarzt rufen, Situation schildern, die geben dann schon nähere Anweisungen.
    Und irgendwo las ich, dass Laien Allergische Schocks erstmal wie andere Schocks auch behandeln sollten, also Kreislauf stabilisieren (z.B. durch Beine hoch oder durch Oberkörper hoch, je nachdem).


    Siehe auch hier: Erste Hilfe in der Schule bei echter Bienengiftallergie


    Edit: und meiner Erfahrung nach (allerdings nicht mit Allergikern) macht es einen großen Unterschied, wie schnell der Stachel rausgezogen wird. Einmal erzählte ich gerade einer Gruppe Kinder, dass Bienen nicht einfach so stechen würden, da landete eine Biene auf meinem Arm und stach sofort zu. Einige Meter vom Bienenstock entfernt! Ich zeigte den Kindern, wie die Giftblase noch pumpt, deshalb entfernte ich ihn nicht sofort. Das wurde mit Abstand mein schmerzhaftester Stich...
    Also am besten auch den Kindern schon vorher erklären, dass sie im Falle eines Falles einen Bienenstachel sofort mit einem Fingernagel wegkratzen sollen.


    Grüße,
    Robert

  • Hallo Henrike und all die anderen,


    bei allergischen Zuständen sollte im Regelfall der Notartz verständigt werden. Allgemein gilt die Parole: "Keine Medikamente verabreichen und auch keine Lebensmittel geben - Ausnahme es steht auf dem Behälter, aus dem die falsche Substanz entnommen wurde".


    Im Gegensatz hierzu haben wir in der Kirchengemeinde im "Giftschrank" äh erste Hilfekasten auch Antiallergietabletten - Bitte fragt jetzt nicht welche genau, aber sind eigentlich verschreibungspflichtige Vorschlaghämmer. Die inoffizelle Absprache mit einem Notarzt ist, vor der Mediamentengabe Notruf absetzen und mit dem Rettungsdienst die Symptome absprechen. Die Leitstelle wird aus rechtlicher Sicht immer von der Medikamentengabe abraten, aber solange kein wehemender Widerspruch erfolgt kann das Medikament zur "Selbsteinnahme" gegeben werden.


    Für alle die es tatsächlich wissen wollen kann ich nur raten, sich beim zuständigen Fachpersonal am besten außerhalb der Dienstzeit privat zu unterhalten. Ich bin sicher, die haben für jeden die richtige Lösung.


    Gruß GM


    PS: Es ist mir klar, oben ist die Rechtslage sehr gebeugt und evtl. etwas gesetzlicher geschrieben als es gehandhabt wird. Ich bitte um Verständnis...

  • Hallo Re-Mark, zu der Frage warum Allergiker kein Notfallset bei sich haben .... Zumindest Teile müssen regelmässig erneuert werden (Haltbarkeit) und es ist nicht billig. Ich hatte einmal eine starke allergische Reaktion und beim nächsten Mal war es wieder normal. Dann greift die Hoffnung .. wird wohl nicht so schlimm sein ... Seither habe ich zumindest das Handy immer dabei, habe aber beschlossen mir kein Notfallset verschreiben zu lassen. Ich hoffe das war die richtige Entscheidung, ich habe eine Abneigung dagegen immer für den schlimmsten Fall gerüstet zu sein. Vielleicht geht es anderen ähnlich.


    Aber die Frage "Was tun?" Interessiert mich sehr.

  • Das kann ich nicht unkommentiert stehen lassen, auch wenn es OT wird.


    Boa, was du in den Raum stellst ist bodenloser Leichtsinn.
    Hoffentlich macht das keiner nach.


    Ein Bienenstich kann tödlich sein
    und jeder Allergiker sollte das eigentlich wissen.


    Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass die Auswirkungen des nächsten Stiches geringer werden würden.
    Ganz im Gegenteil!


    Die Ärzte verordnen nicht aus Jux und Dollerei hochwirksame Medikamente und sagen eindringlich
    Mitführen
    Verfallsdatum kontrollieren
    ersetzen


    Zu dem Thema Erste Hilfe habe ich eigentlich schon alles im verlinkten Faden geschrieben, was ich dazu sagen möchte bzw. kann.


    Noch mal ganz eindringlich:
    Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion - egal wie sie sich darstellt - Immer Notarzt rufen.
    Und zwar schnell, ohne zögern.


    Gruß Doro

  • Boa, nach nochmaligem Lesen deines Beitrages stellt sich mir die Frage:
    Wer hat die Allergie diagnostiziert?
    Mit welcher Methode?


    Dahinter steht: war es überhaupt eine Allergie?
    Oder etwa eine stärkere lokale Reaktion
    Weil normalerweise nicht der Patient "sich ein Notfall-Set verschreiben" lassen kann.
    Außerdem wird er dann über die Allergie-Thematik gründlich aufgeklärt.


    Aber das hatten wir schon öfters in verschiedenen Beiträgen.


    Zum Eingangs-Thema:
    Vorrätig hätte ich Naturheilmittel gegen Stiche,
    Salbe nur bei Einverständnis der Eltern,
    kaltes Wasser und viele Streicheleinheiten.
    Alles was darüber hinausgeht würde ich von mir aus nicht geben.


    Sobald ein Kind "gelagert" werden muss, also sich hinlegen möchte,
    wäre das für mich das Signal, den Notarzt zu rufen.


    Gruß Doro


    Nachtrag:
    Erste Hilfe-Kurs auffrischen
    und wissen wie und wann man beatmet und Herz-Druck Massage ausführt.
    Wenn man schon vom Extremfall ausgeht.
    Aber oben schreibst du ja, was tun bei Atemnot etc.

  • Servus,


    es soll Leute geben die jahrelang so etwas wie Medizin studiert haben und nur die können in so einem Fall adäquate Hilfe leisten.
    RettSan/RettAss natürlich auch in gewisser Weise.
    Und ich glaube kaum, dass irgendjemand die Kosten für den RTW/NAW in so einem Fall übernehmen muss.
    Daher würde ich sofort in so einem Fall die 112/19222 wählen, die 110 macht es aber auch.


    Und sich Doros letzten Absatz zu Herzen nehmen.



    Gruß

  • Nochmal, es geht ja nicht darum, eine Operation am offenen Herzen oder einen MacGyver-mäßigen Luftröhrenschnitt mit anschließendem Einsatz der OS-Träufelspritze im Hals durchzuführen. Sondern schlicht um Maßnahmen zur Ersten Hilfe, die ich vor dem Eintreffen (oder Notwendigwerden) ausgebildeter Rettungskräfte oder eines Arztes durchführen kann. So dass ich mir hinterher sagen kann: alles richtig gemacht. Im Rahmen der Möglichkeiten.


    Wenn die Antwort abschließend ist
    - Stachel entfernen
    - bei tatsächlich eintretendem Schock Füße hochlagern und Notarzt rufen
    - bei Atemnot Oberkörper hoch
    - auf Hilfe warten und Händchen halten


    dann ist meine Frage eigentlich schon beantwortet.
    Den Erste Hilfe Kurs auffrischen ist natürlich immer gut, (meiner ist durch einen nachgeschobenen Motorradführerschein wahrscheinlich noch frischer als der der meisten).


    Bei den Malen, wo ich bei Unfällen als "Ersthelfer" anwesend war, habe ich gemerkt, dass es hilfreich ist, solche Dinge vorher sicher im Kopf gespeichert und vielleicht mal durchdacht zu haben. Dann kann man einigermaßen ruhig agieren, man läuft selbst sowieso vor Schreck im Notmodus.


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Seit ich das von meiner Allergie weiß, habe ich als erstes meine Schutzbekleidung verbessert, d.h. erneuert. Ein einfacher, enganliegender und ebenso dicht schließender Schleierhut sollte die meiner Ansicht nach übelsten Stiche im Kopf- und Halsbereich *eigentlich* vermeiden helfen. So einen Schleier wenigstens für unsichere Gäste anzubieten, wäre das Minimum...


    *Eigentlich*... ich hatte unter dem einfachen Schleierhut und selbst mit der einteiligen Pullover-Schleierkombi schon Bienen im Schleier - wenn man sich selbst so unter Kontrolle hat und die Ruhe behält, isses prinzipiell OK, aber bei großen oder kleinen Gästen darf man das nicht unbedingt erwarten.


    Kühlakkus (Gelpäckchen), evtl. Kühlspray sollte, da verschreibungsfrei eigentlich als Minimum für jeden machbar sein. Ein alter Imker hat mir was von Calcium-Tabletten erzählt - obs hilft, weiß ich nicht. Persönlich halte ich nichts davon, da wegen Allergie sowieso kaum Wirkung eintreten dürfte.


    Gruß Andreas

  • Als freiverkäufliches Antihistaminika möchte ich unbedingt noch Fenistil Tropfen empfehlen.


    Vom Notarzt gibt es dann Fenistil + Cortison (+ggf. Ranitidin) über die Vene.

  • Hallo Henrike,


    :daumen:hier ist in 6 Minuten alles drin: Video Erste Hilfe-Kurzfilm: Allergie


    Man könnte sich ganz evtl. noch anschauen, wie der Pen eingesetzt wird. Das weiß aber der Mitführende/Allergiker und wenn der es nicht mehr sagen kann oder selbst durchführen, dann weist einen die Leitstelle an, was wie zu tun ist. Ist sowieso recht idiotensicher...

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper