Honig gärt, Luft die Ursache?

  • Wertes Forum!


    Leider hat ein kleiner Teil meines schon abgefüllten und verkauften Honig angefangen zu gären.


    Die gärenden Gläser habe ich natürlich selbstredend Kosten erstattend zurück genommen, aber ein Aushängeschild ist das natürlich nicht. :cry: Glücklicherweise war das Mitgefühl meiner Honigkunden größer als der entstandene Ärger.


    Aber woran lag es jetzt, daß der Honig angefangen hat zu gären? Am Wassergehalt jedenfalls nicht, der war unter 19 %.


    Es ist nur eine Charge, der Frühjahrsblüte aus dem Wald - das sind nur 12 Gläser - betroffen.
    Ich hatte 2 Eimer mit diesem Honig, der eine war voll, der andere war mit dem Inhalt der 12 Gläser nur zu gut 1/4 gefüllt. Beide Chargen habe ich gleich behandelt. Ich rühre mit dem Rapido. Bei beginnender Kristallisation einmal durchrühren, auskristallisieren lassen, Wärmeschrank, cremig rühren, Wärmeschrank, abfüllen.


    In einer Ausgabe der Biene las ich, daß zuviel eingerührte Luft die Ursache von gärendem Honig sein kann. Ich kann mir gut vorstellen, daß ich in dem nur zu einem Viertel gefüllten Eimer mit dem Rührer nicht tief genug komme und eine Menge Luft einrühre.
    Ich kann mir aber nicht vorstellen, wieso Luft die Gärung begünstigen sollte, die alkoholische Gärung läuft doch anaerob ab.


    Hat einer von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht. Weiß jemand warum zu viel Luft die Gärung begünstigt? Gibt es noch andere Ursachen?:confused:


    Zukünftig werde ich diese "Restmengen", in einem kleineren Eimer lagern und rühren.


    Beste Grüße von


    Herrn Rübengrün

    Prüfet Alles und wählet das Beste!


    Erst kommt das Fressen, dann die Moral!

  • ...Aber woran lag es jetzt, daß der Honig angefangen hat zu gären? Am Wassergehalt jedenfalls nicht, der war unter 19 %....


    Falsch! Honig mit 19% Wasser entmischt sich sehr oft nach der Kristallisation und kann dann gären. Ich gebe für solchen Honig eine maximale Haltbarkeit von 1/2 Jahr an.


    Gruß Ralph

  • Hallo


    Beim Frühlingshonig sehe ich das genau so wie Ralph. Beim Sommer und Spättracht sind 19% Wassergehalt gut für den Frühlingshonig reicht das nicht, der sollte unter 18% liegen. 2013 hatte ich auch so einen Kübel dabei, da sind auch möglicherweise beim Schleudern ein paar Waben mit reingerutscht die nicht ganz verdeckelt waren. Dieses Problem gibt es eher bei Magazinen als in HBB, zumindest gab es das bei mir früher nicht.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ...In einer Ausgabe der Biene las ich, daß zuviel eingerührte Luft die Ursache von gärendem Honig sein kann.


    Vorstellbar, wenn das ein sehr feuchter Raum ist, zumal bei nur "etwas" Honig im Eimer.


    Zitat

    ...Ich kann mir gut vorstellen, daß ich in dem nur zu einem Viertel gefüllten Eimer mit dem Rührer nicht tief genug komme und eine Menge Luft einrühre.


    Das sieht man aber an der dicken weißen Schaumschicht...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Lieber Rübengrün,


    bei meinem ersten schnell festwerdenden Frühlingshonig hatte ich beim täglichen (Hand-)Rühren wohl zu lange den "Perlmuttglanz" abgewartet und dann zu spät abgefüllt. Das floß zwar noch, wurde aber so schnell (< ca. 12 h) feinsteif, daß die enthaltenen Luftbläschen nicht mehr alle aufsteigen konten. Nach reichlich 2 Jahren fing die Rückstellprobe möglicherweise allmählich an zu gären ohne sichtbare Phasentrennung (nur kleinste Geschmacksveränderung, aber dunkler gefärbte Punkte = mit Flüssigphase gefüllte Luftbläschen), aber quasi im ganzen Glas verteilt. Ich vermute die Luftbläschenkammern als Ursache, wo sich durch Temperaturschwankungen kleinste Wasserabscheidungen ereignet haben könnten. Parken im Kühlschrank schien die Gärung zu stoppen. Nach weiteren 6 Monaten beendete ich die Beobachtung durch Verspeisen, wobei das Glas ca. 2 weitere Wochen im Warmen stand. War bekömmlich und mit kaum merklichen (eingebildetem?) Gär-beigeschmack.
    Reinhard : Muß deshalb der Wassergehalt beim Frühlingshonig niedriger sein, um eben alle Luftbläschen nach dem Abfüllen noch aufsteigen zu lassen?


    Imkerliche Grüße - Gottfried


  • Das sieht man aber an der dicken weißen Schaumschicht...


    Die aber doch abgeschöpft wird?!? Deshalb vermutete ich Luft in kleinen Bläschen, die bei zu schneller Verfestigung noch im Honig verblieben, aber wegen der weißen Verfärbung im Glas (auch mit Brille) nicht sichtbar waren -> erst nach ca. 2 Jahren, als sie sich mit dunklerer Flüssigphase gefüllt hatten.

  • Hallo Gottfried


    Es ist ein gewaltiger Unterschied ob die Luftbläschen durch das Rühren verursacht wurden oder ob sie durch Gärung entstanden sind. Man kann es auch anders sagen, wenn Honig gärt ist er unreif geschleudert worden. Bei meinem letzten Glas Frühlingshonig von 2013 hatte sich oben flüssiger Honig abgesetzt, trotz leichtem Gärgeschmack konnte ich den Honig aber auch noch verzehren.
    Richtig cremig gerührter Honig hat keine Bläschen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Zitat

    War bekömmlich und mit kaum merklichen (eingebildetem?) Gär-beigeschmack.

    So ein leicht angäriger Honig schmeckt fruchtig. 19% sind bei Blütenhonigen grenzwertig. Das geht nicht. Bei Kastanienhonig ist das nicht so problematisch. Nächstes, dieses Jahr starte ich einen Großversuch um die Diffussion der Feuchtigkeit aus den HR zu verbessern.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Ich habe Honigkunden, die gerade besonders schaumigem Honig lieben. Als die letzten 2, nur mit Abschöpfschaum gefüllten Gläser länger stehen blieben, ging eines durch Überdruck durchs Deckelgewinde über. Scheint echt an der Luft zu liegen, leicht säuerlicher Geruch. Verwende ich jetzt selber und weise Kundschaft nächstes mal d'rauf hin.
    Bei frisch aufgetautem Honig war mir das nie aufgefallen und ich wußte bis heute nicht, wieso man den Schaum abschöpfen soll.
    Uli

  • 19% sind bei Blütenhonigen grenzwertig. Das geht nicht. Bei Kastanienhonig ist das nicht so problematisch. Nächstes, dieses Jahr starte ich einen Großversuch um die Diffussion der Feuchtigkeit aus den HR zu verbessern.


    Lieber Remstalimker,


    1. wieso gehen 19% H2O bei Kastanienhonig, bei Blütenhonig nicht? Wegen der unterschiedlichen Fructoseanteile?
    2. Feuchtediffusion aus HR? Ich dachte bisher, die Bienen arbeiten die Feuchtigkeit durch Fächeln mit trockener Kaltluft/Anwärmen (=Aufladen mit Feuchte)/Fächeln usw. raus? Wie willst Du das im Großversuch unterstützen? Ich habe im Frühjahr allerdings auch schon mal mit täglichem Umhängen der (v.a. Brut-)Waben in getrocknete Holzzargen gegeigelt, weil das Wasser nur so an den kalten Zargenwänden runterlief und Schimmel aufkam. An den angepaßten BR traute ich mich damals nicht heran.


    Danke - Gottfried

  • Remstalimker hat recht, weil der Pollenanteil auch eine Rolle spielt. Mit dem Pollen kommen eben auch Pilzsporen mit, die dann bei bestimmen Bedingungen (Wassergehalt, Luft eingeführt, ...) zur Gärung führen.


    Gruß hh

  • Danke hh! Daß Sommer- bzw. Kastanienhonig (Eßkastanie, vermute ich; nicht Roßkastanie - die würde ich noch zur Frühtracht zählen) soviel weniger Pollenanteile enthalten, wußte ich noch nicht, zumal der Bien gerade im Sommer ja die meiste Brut (mit Pollen) ernähren muß. Ich warte noch immer auf das neue Große Honigbuch...
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=36881&page=4


    Gruß - Gottfried