Varroa - eure Taktik für 2015

  • Neues Jahr, neues Glück. Oder besser noch: neue Taktik.


    Ich bin durch die Zahlen des letzten Jahres gegangen und habe einen durchschnittlichen Milbenbefall im September 2014 bei 797 Milben je Volk gefunden. Wobei eine Schwankung von 30-9.600 Milben je Volk gefunden wurde.



    Auch wenn die absolute Zahl der Milben je Volk weiterhin eine Unbekannte bleibt, wir haben die Unzulänglichkeiten der Verprobungen ja besprochen, so zeigt es doch deutlich, daß die Populationen der Milben in den Völkern wahnsinnig schwanken können.


    Ich habe verschiedene Parameter mit einem Vierfeldertest gegeneinander verprobt und dabei bei mir als einzigen signifikanten Parameter festgestellt, daß die Völker, die bei mir im Raps standen, eine höhere Verlustquote aufwiesen, als statistisch gesehen wahrscheinlich ist. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % besteht ein Zusammenhang mit der Rapswanderung. (Es sind hier nicht alle Völker in der Auswertung, weil ich nur die 89 Völker an einem Tag beprobt habe.)


    Das heißt, nach dem Raps sind die Völker nicht alle tot umgefallen, aber die Völker sind doch deutlich anfälliger als der Rest. Ich will hier nicht den Landwirt als Verursacher bemühen. Mit dem betreffenden Landwirt habe ich eine Kooperation und er hat sich an unsere Vereinbarungen gehalten. Er verzichtete freiwillig auf neonicotinoide Beizen und hat keine Neonicotinoide versprüht. Es wurden zwei Spritzungen im Raps durchgeführt, einmal vor der Blüte (und vor der Anwanderung) und einmal in die Blüte - wobei er um 21:30 Uhr gespritzt hat. Nach Bienenflug. Soweit so gut. Auf dem Nachbarschlag wurden von einem anderen Landwirt großflächig Glyphosat ausgebracht, womit man den wieder austreibenden Vorkultur unterdrücken wollte. Ein Zusammenhang kann, muß aber nicht bestehen. Ich beobachte weiter, insbesondere, weil die Völker auch durch die frühe Wanderung an sich, durch das frühe Abschleudern oder anderweitig geschädigt worden sein könnten. Fest steht jedoch für mich, daß irgendetwas an der Rapswanderung nicht gestimmt hat, was sich bis zur Verprobung im September ausgewirkt hat.


    Etwas Anderes war für mich jedoch interessant zu sehen: es bestand bei den Verlusten in meiner Imkerei überhaupt kein signifikanter statistischer Zusammenhang mit dem Varroabefall.


    In der Tat hatten die Verlustvölker in der Hauptsache unter 1.000 Milben. Natürlich mußten die einzelnen Völker mit der hohen Milbenpopulation (9.600 Milben!) im Herbst nachbehandelt werden - aber das war anscheinend erfolgreich, weil die Völker bis heute nicht nur leben, sondern auch gut dastehen. Sie haben nach der Nachbehandlung aufgrund der Temperaturen noch einmal brüten können. Die hohe Pollenverfügbarkeit (ich habe hektarweise Blühflächen angelegt!) hat dazu beigetragen, daß eine Winterpopulation aufgebaut werden konnte.


    Wie aus der Umfrage hervorgegangen ist, war es im vergangenen Jahr anscheinend hilfreich, die Drohnenbrut im Frühjahr zu schneiden. Auch wenn es mir persönlich um die Drohnen leid tut - es machte im Jahre 2014 wohl doch merklich was aus, wenn am Anfang des Jahres mit der Drohnenbrut Milben aus dem Volk genommen worden sind - und wenn es nur 30 Milben sind!


    Vergleiche:


    Hier zeige ich nochmal die Zusammenhänge zwischen Anfangsbestand an Milben und deren Entwicklung. Wobei ich hier einen Faktor von 1,6-fach pro Monat angenommen habe. Sehr vorsichtig also. Es ist ein Faktor bis zu 3 möglich.


    Bei 30 Milben Anfangsbestand ist die "Schadschwelle" von 2.000 Milben im Bienenstock im September erreicht. Bei 100 Milben zu Jahresanfang sind 2.000 Milben bereits Anfang August erreicht. Bei 300 Milben zu Jahresbeginn sind 2.000 Milben bereits im Mai erreicht.


    Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr weitergeht.


    Gruß
    Bernhard


  • Ich habe verschiedene Parameter mit einem Vierfeldertest gegeneinander verprobt und dabei bei mir als einzigen signifikanten Parameter festgestellt, daß die Völker, die bei mir im Raps standen, eine höhere Verlustquote aufwiesen, als statistisch gesehen wahrscheinlich ist.


    Das ist sehr interessant. Vor allem, weil Du ein elaboriertes statistisches Verfahren verwendet hast.
    Welche Parameter hast Du denn noch verprobt? Vor allem die Stärke der Völker würde mich interessieren.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr weitergeht.


    Gruß
    Bernhard


    Danke für deine Mühe, deine Beobachtungen kann ich nur teilen. Rapsvölker = Problemvölker, Problemvölker ohne erhöhten Varroabefall jedoch im Oktober mit "Varroaschwärmen" bzw. Abfliegen.


    Ich hab mir selbst noch eines dieser abfliegenden Völker im November in ein MiniPlus umquartiert und dieses nun auf dem Balkon stehen bzw. wenn es zu kalt ist kommt es über Nacht rein. Jedesmal nach solch einem nach innen stellen, seh ich beim erneuten hinaus stellen wie einige Bienen abfliegen und nicht wieder kommen. Varroen sind minimal vorhanden und ich hab hier bewusst keine weitere Behandlung vorgenommen. Brut gibt es schon länger keine, jedoch stiftet die Königin seit Weihnachten wieder, jedoch wird hier ausgeräumt bzw. keine Versorgung vorgenommen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Die Stärke der Völker habe ich noch nicht verprobt. Ich achte allerdings darauf, daß die Völker je Stand alle gleich stark sind. Aber Behandlungsformen (habe mal eine Reihe nebeneinander ausprobiert) und sowas, hatten bisher keine Aufälligkeiten ergeben. Mir ist noch eingefallen, daß ich das Alter der Königinnen beproben sollte.

  • Jedesmal nach solch einem nach innen stellen, seh ich beim erneuten hinaus stellen wie einige Bienen abfliegen und nicht wieder kommen.


    Bei welchen Temperaturen machst Du das denn? Könnte es nicht eher sein, dass die aufgewärmten Bienen ausfliegen, weil sie denken, es wäre warm genug und dann schnell verklammen?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Die Stärke der Völker habe ich noch nicht verprobt. Ich achte allerdings darauf, daß die Völker je Stand alle gleich stark sind. Aber Behandlungsformen (habe mal eine Reihe nebeneinander ausprobiert) und sowas, hatten bisher keine Auffälligkeiten ergeben. Mir ist noch eingefallen, daß ich das Alter der Königinnen beproben sollte.


    Wäre vielleicht die Größe des Brutnestes ein brauchbarer Parameter? Schließlich ergibt sich relativ zur Zahl der Milben so der Parasitierungsgrad.
    Auf jeden Fall Respekt vor so viel Systematik in der Vökerführung und besten Dank für die Mühe!


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Mir ist noch eingefallen, daß ich das Alter der Königinnen beproben sollte.


    War auch erst mein Verdacht, hatte aber an einem Stand aus 12 Völkern 8 Ableger mit 14er Kö gebildet und noch 2 weitere Völker auf 14er umgeweiselt, die anderen 10 waren mit 12/13er Kö´s beweiselt. Auffällig war nur, dass es erst die Völker erwischte und dann mit gut 1 Monat Verspätung auch die vormals 1 Zargen füllenden Ableger anfingen. Die Ableger wurden mit BW gebildet und die Futterwaben enthielten nicht sehr viel Pollen der noch hätte vom Raps her rühren können.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Das spricht für eine adaptive Reproduktionsrate der Milben. Sprich: setzt Du sie unter Druck (Dauerbehandlung) reagiert die Milbe mit gesteigerter Vermehrung. Wie sie das wohl macht? Schnelleres Absteigen in die Zellen?


    Hallo
    Was der Bernhard hier schreibt, das scheinen Tatsachen zu sein, auch der Bericht unterstreicht das.
    Ich bin der Meinung, das auch die Masse der Brut eine Rolle spielt, ist wenig Brut nach einer Behandlung vorhanden ist sie prozentual hoch vermilbt, durch überlebende Milben. Hier könnten auch Altköniginnen oder minderwertige Jungköniginnen eine Rolle spielen. Es schlüpfen wenig gesunde Jungbienen und das Brutgeschäft gerät is stocken. Ist aber die Vermilbung prozentual gering sind genügend Jungbienen für das weitere Brutgeschäft vorhanden und so kann die Milbenbekämpfung durch das Volk selbstreguliert werden. (geschädigte Brut recht zeitig ausräumen,usw)
    Kommt jetzt noch eine Milbenbehandlung hinzu die Jungbienen schädigt, sind die Voölker dem Zusammenbruch geweiht.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Bei welchen Temperaturen machst Du das denn? Könnte es nicht eher sein, dass die aufgewärmten Bienen ausfliegen, weil sie denken, es wäre warm genug und dann schnell verklammen?


    Wolfgang


    Ich beobachte mein anderes Balkon Miniplus und sobald da geflogen wird, kommt das andere daneben und bleibt erstmal 2-3 h stehen bevor das Flugloch geöffnet wird. So dauert es danach einige Minuten bis die ersten raus kommen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit


  • Das spricht für eine adaptive Reproduktionsrate der Milben. Sprich: setzt Du sie unter Druck (Dauerbehandlung) reagiert die Milbe mit gesteigerter Vermehrung. Wie sie das wohl macht? Schnelleres Absteigen in die Zellen?


    Könnte das Problem nicht auch von uns verursacht sein, also hausgemacht? Wie man ja bei vielen Völkern auf Waagen mit BrutraumTemperaturüberwachung sieht, fällt die Temperatur zumindest bei AS Behandlung drastisch um einige Grad nach unten = längere Verdeckelungszeit der Brut = längere Vermehrungszeit der Varroen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit


  • aus: https://www.uni-hohenheim.de/f…998_jahresbericht_lab.pdf (Seite 15)


    Das spricht für eine adaptive Reproduktionsrate der Milben. Sprich: setzt Du sie unter Druck (Dauerbehandlung) reagiert die Milbe mit gesteigerter Vermehrung. Wie sie das wohl macht? Schnelleres Absteigen in die Zellen?


    Nein, spricht es nicht!


    Mir ist nicht bekannt, dass Hohenheim im Herbst 1998 38 Völker abgeschwefelt, die Milben ausgewaschen und Bienen und Varroen gezählt hätte.


    Grandiose Manipulation mit Worten - und keiner hat's gemerkt:
    ...Milbenfall
    ...Milbenfall


    ...Varroabefall
    ...befallen


    Der Milbenfall ist weder gleichzusetzen noch proportional zur Gesamtzahl an Milben im Volk.
    Und Milbenbefall ist ein Verhältnis und keine simple Anzahl.



    André


  • Das spricht für eine adaptive Reproduktionsrate der Milben. Sprich: setzt Du sie unter Druck (Dauerbehandlung) reagiert die Milbe mit gesteigerter Vermehrung. Wie sie das wohl macht? Schnelleres Absteigen in die Zellen?


    Oder haben die Bienen mit gesteigerter Vermehrung reagiert? Der Text geht ja noch weiter. Die 4malige Behandlung über Sommer hatte anscheinend (scheinbar?) keine Auswirkung auf die Völker, bei der zweimaligen Spätsommerbehandlung dagegen haben die Völker bereits sichtbar gelitten.


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.