Seuchenfreie vs. pestizidfreie Mittelwände

  • Mir ist klar, dass ich nicht ausschließen kann, dass bei Anwendung neuester Analysemethoden mit niedrigster Nachweisgrenze in meinem Honig Pestizidspuren nachweisbar sein können. Ich kann deren Konzentration aber sicherlich deutlich verringern, indem ich nicht gezielt konventionelle Rapsfelder anwandere und indem ich Bio-Mittelwände einsetze. Ich gehe davon aus, dass "konventionelle" MW deutlich höhere Konzentrationen z.B. von Perizin enthalten, das u. a. von Erwerbsimkern mit vielen Völkern eingesetzt wird. Untersuchungen aus BaWü zeigen, dass Honige auch Amitraz enthalten können. Ich nehme an, dass dieses vor allem aus Polen und Tschechien über unsere Grenzen kommt und auch über MW verbreitet wird. Sicherlich gibt es auch unter Bio-Imklern das eine oder andere "schwarze Schaf". Trotzdem gehe ich davon aus, dass MW und Honig aus "Bio" im Mittel geringer als aus konventioneller Erzeugung belastet sind.
    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.


  • die Überlegung die du anstellst, hat glaub ich jeder der mit der Imkerei begonnen hat schon mal angestellt.
    Ich hab mich dann dann gegen Biowachs entschieden.


    Das dachte ich eigentlich auch. Mich wundert aber, dass das im IF kein Thema zu sein scheint. Meine Suche hat lediglich eine kurze und wenig hilfreiche Diskussion aus 2004 zu Tage gebracht.



    Ich hab mich dann dann gegen Biowachs entschieden.
    Das ganze hat mehrere Gründe.
    ...
    Das sind nur meine Gedanken dazu, es muss jeder selbst wissen ob ihm der Preisunterschied wert ist......


    Mir geht es ja ähnlich. Mal ganz weit ausgeholt: Ich möchte meinen Beitrag zu einem verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung und mit mir selber leisten. Das betrifft ja ganz viele Stellen in meinem Leben: Was esse und trinke ich (wie viel Salz, wie viel Fett, Ballaststoffe, Alkohol, Zucker, ...?), woher kommen meine Lebensmittel (lokal produziert? Bio? Garten?), welche Rolle spielen Tiere dabei (Fleisch? Massentierhaltung? Milch, die der Kuh weggenommen wird? Tierversuche für Kosmetika? ...), welche Rolle spielt der Mensch dabei? (Gemüse aus Südspanien? Unterbezahlte Erntehelfer bei uns?), wie ist mein eigenes Mobilitätsverhalten (brauche ich ein Auto? Muss ich Pendler sein? Fliege ich in den Urlaub? ...) uswusf.


    Wir sind dermaßen vernetzt in unserer Welt unterwegs, kommen da realistisch gesehen nicht raus. Ich fürchte niemandem von uns gelingt es, sich konsequent so zu verhalten, dass er ein ausnahmslos gutes Gewissen dabei haben könnte.


    Mancher entscheidet vor diesem Zusammenhang dann z.B. Bio-Milch aus dem Öko-Supermarkt zu trinken und Bio-Mittelwände oder pestizidfreie MW in seinen Bienenvölkern zu verwenden. Um seinen kleinen Teil beizutragen, und um ein besseres Gewissen haben zu dürfen. So im Prinzip auch ich.


    Allerdings: Viele der Gefahren kennen wir nur vom Hörensagen, müssen uns an dem orientieren was geredet wird, spekuliert und gemutmaßt, "ich kenne jemanden der kennt jemanden der...". Wir machen uns unser eigenes Bild und glauben zu verstehen, die Zusammenhänge mögen in Wirklichkeit aber ganz andere sein.


    Ich würde meine Entscheidung bzgl. MW gerne auf belastbarere Informationen stützen. Daher meine Frage weiter oben, ob es über diese grundsätzlichen Überlegungen hinaus denn auch explizit schlechte Erfahrung mit den normalen einfach "seuchenfreien" Mittelwänden gibt? Hat jemand schon mal die Erfahrung gemacht, dass es seinen Völkern plötzlich schlecht ging, nachdem er solche MW eingesetzt hat?


    Ich habe auf diese Frage bisher keine Antwort, nicht einmal Hinweise gefunden. Deshalb scheint mir diese Sorge eher hypothetischer Natur zu sein.




    Hier gibt's einen schönen Film über Bienenhaltung in Angola.


    https://vimeo.com/78580620


    Wirklich sehr sehenswert, dieser Film. Er zeigt einen sehr verantwortlichen und nachhaltigen Umgang mit den Bienen. Aber ehrlich gesagt vergeht mir der Appetit auf SOLCHEN Honig, in Anbetracht der hygienischen Verhältnisse. Pfui guggug.
    Zur Verwendung des Wachses trifft der Film allerdings keine Aussage.



    Einen schönen Sonntag Euch allen.



    Grüße


    Johannes

  • Daher meine Frage weiter oben, ob es über diese grundsätzlichen Überlegungen hinaus denn auch explizit schlechte Erfahrung mit den normalen einfach "seuchenfreien" Mittelwänden gibt? Hat jemand schon mal die Erfahrung gemacht, dass es seinen Völkern plötzlich schlecht ging, nachdem er solche MW eingesetzt hat?



    Also explizit schlechte Erfahrungen durch die Verwendung von einfachen Mittelwänden wird es nicht geben. Denn Völker gehen ja an Varroa, PSM, Imkerfehlern und sonstigen Sachen zugrunde. Einen zweifelsfreien Rückschluss auf die verwendeten Mittelwände wird es nicht geben, denn es fehlen zu 100% die Vergleichsvölker, die durch andere Mittelwände besser da stehen und so den Rückschluss auf die Mittelwandgüte zulassen.


    Ich selbst habe mit "pestizidfreien" Wänden begonnen. In meiner Startzeit habe ich 3-4 Päckchen (je 2kg) Mittelwände gekauft. Mittlerweile (nach 3 Imkerjahren) habe ich 8kg Blockwachs ausgeschmolzen rumliegen und 100 ausgebaute Dadantbrutwaben in meinen Völkern. Meine Wachsmenge beträgt also rund 16kg, wovon eben ca 50% aus den ursprünglichen Mittelwänden und der Rest aus Neuwachs besteht.


    Mein Gedanke war: lieber am Anfang die 20€ mehr ausgeben und dafür in der Folgezeit saubereres Wachs haben. Der Aufwand, durch eine Wachsstrecke (also Ausscheiden von Altwachs aus dem Wachskreislauf) die Rückstandskonzentationen zu senken war mir zu hoch und langwierig.
    Dies funktioniert allerdings auch nur mit eigener Mittelwandherstellung, wenn man Wachs abgibt und dafür Mittelwänden aus anderem Wachs bekommt ist dies nicht möglich, für eine Eigenwachsumarbeitung fehlt dann doch die Wachsmenge (häufig erst ab 25kg Wachs je Auftrag möglich)


    Jetzt habe ich eine eigene Mittelwandpresse und kann völlig auf zugekauftes Wachs verzichten. Davor habe ich nur Anfangsstreifen aus meinem Wachs gefertigt und verwendet. Dabei werde ich jetzt auch weiterhin bleiben, trotz selbstgefertigten Mittelwänden.


    Stefan

  • Nein. Aber wir wissen ja, dass für Geld alles gemacht wird. Und der Wachs soll ja (zumindest nach der Beschreibung, die ich mal gelesen habe) von Wildvölkern stammen und die stehen ja unter keiner Beobachtung.


    Willst Du jetzt ernsthaft den Leuten vor Ort, die als Honigjäger ein wenig für ihren Lebensunterhalt verdienen, das Sammeln von Wabenhonig und spätere Verwerten des angefallenen Wachses vorwerfen? Raubbau betreiben andere, das müsste doch eigentlich auch mit nem schönen Tee auf dem warmen Sofa sitzend klar sein, oder?

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Nashörner und Elefanten werden auch abgeschlachtet. Vielleicht nicht immer aus Profitgier; es geht bei einigen vielleicht auch einfach um's Überleben.


    Zitat

    Willst Du jetzt ernsthaft den Leuten vor Ort, die als Honigjäger ein wenig für ihren Lebensunterhalt verdienen, das Sammeln von Wabenhonig und spätere Verwerten des angefallenen Wachses vorwerfen?


    Will ich nicht. Aber ob es wirklich so ist, kann ich

    Zitat

    mit nem schönen Tee auf dem warmen Sofa sitzend

    viele tausend Kilometer entfernt nunmal nicht beurteilen und von daher bleibt es für mich ein Tabu.
    Oder gibt es ein verlässliches Label, das den von dir beschriebenen Tatbestand garantiert?

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Kuden-Imker () aus folgendem Grund: RS

  • Ist ja wieder lustig hier....


    wer soll denn mit welchen stichaltigen Beweisen welche negativen Erfahrungen mit "nur" seuchenfreien vs. pestizidfreien MW berichten?
    Das wäre doch sammeln von Bauchgefühl im Einzelfalle. Fängt damit an, dass man das Wachs vor dem Ausbau im Volk untersuchen lassen müsste...


    Auch Bio-MW werden in Kontakt mit konventionellen Anbauflächen und gesprizten Vorgärten kommen. Was da wie stark vertreten ist, weiß doch auch kein Mensch oder wer veröffentlicht hier mal seine Wachsuntersuchung? Lediglich die Bio-Zertifizierung ist sicher beim Lieferbetrieb aber auch kein Garant für die reine MW.
    Und irgendwie bescheuert ist es schon, der Wunsch, sich mit pestizidfreien MW davon scheinbar freizukaufen oder?
    Wer nicht regelmäßig sein eigenes Wachs untersuchen lässt, der braucht auch keine Zertifizierung im MW-Paket, sonst ist das Persilkauf und Augenwischerei.

    Kein Einschleppen von Fremdstoffen geht nur, wenn man konsequent Naturbau machen lässt bzw. alles Konventionelle aus seinem eigenen Wachskreislauf rauswirft. Das befreit nicht vom Rapsfeld im eigenen Flugkreis aber wenigstens die fremden Sachen aus anderen reichlich behandelten Anbauflächen kommen nicht mit hinzu und man bleibt auf seinem eigenen Mist sitzen.


    Das einzige Argument zum Kauf ist, den Bienen einen möglichst pestizidarmen Start mit der MW bieten zu wollen, wenn man selbst von Dreckschleudern umgeben ist, was sie selbst dann aber noch hineinbauen, wäre das Zubrot. Zertifiziert ist nur die gekaufte MW, nicht das Endergebnis...
    Aber mit welchem Benefit? Für welche Differenz? Welchen Effekt?
    Wir haben sie überall - es gibt kein Entrinnen für die Völker. Das ist nicht gleizusetzen mit Bio Tomaten kaufen und essen, meine ich persönlich.
    Gewissen war ein gutes Stichwort...


    Zum Thema:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=20133


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=16131

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Moin, Marion,


    au ja, beim IFT können wir uns denn mal unsere Sammlungen von Bauchgefühl zeigen...! Hab ich auch welche... Nach Frau Enders denkt das neuronale Netz im Bauch halt nicht so begriffsbezogen, aber man kann doch klar empfinden, man sollte das nicht unterschätzen...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


  • Solche Zeitgenossen liebt die Chemische Industrie.


    Junge, gib dich doch nicht so schnell auf!!

  • Ja und der Argumentation vom Maxikaner folgend, müsste ich mir auch nicht mehr die Hände waschen, weil werden ja eh wieder dreckig.


    Marion : Von freikaufen hatte bisher niemand etwas geschrieben, oder irre ich?

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Mein Wissensstand ist, dass Bio Wachs aus Afrika angeblich immer von ausgeräucherten Wildvölkern stammt, die in irgendwelchen Höhlen wohnen, darum verwende ich es auch nicht. Bin ich da falsch informiert?

  • Das hat mit Aufgeben nicht unbedingt was zu tun oder?
    Und dass man die PSM in der Umgebung unterstützt heisst es auch nicht automatisch.
    Ich meine nur, wenn man die Inhalte des eigenen, regionalen Naturbaus nicht kennt bzw. nicht untersuchen lässt, dann benötigt man nicht unbedingt für das "gute Gefühl" eine Zertifizierung in der Packung MW aus Afrika...

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ja und der Argumentation vom Maxikaner folgend, müsste ich mir auch nicht mehr die Hände waschen, weil werden ja eh wieder dreckig.


    Naja nicht ganz, es ist ungefähr so wie wenn du in deinem Salat Bio Paprika, Bio Gurke, Bio Käse machst, aber dann gespritzen Treibhaussalat aus Spanien für 0,49€ rein tust. Ist dann dein Salat noch Bio und gesund oder, halb Bio oder ist es eigentlich wurscht?
    Was anderes ist es bei deinen Mittelwänden auch nicht, in meinen Augen eine reine Glaubensfrage.


    Gruss


    Maxikaner

  • https://vimeo.com/78580620


    Wirklich sehr sehenswert, dieser Film. Er zeigt einen sehr verantwortlichen und nachhaltigen Umgang mit den Bienen. Aber ehrlich gesagt vergeht mir der Appetit auf SOLCHEN Honig, in Anbetracht der hygienischen Verhältnisse. Pfui guggug.
    Zur Verwendung des Wachses trifft der Film allerdings keine Aussage.


    Habe den Film auch noch mal gesehen. An einer Stelle wird gesagt, dass die Familie früher das Wachs verkauft hat, es jetzt aber verbrennen würde. Der Filmemacher fährt im Frühjahr zur Honigernte nach Kamerun. Ich werde ihn bitten, auf das Wachs-Thema einmal ein Augenmerk zu legen.


    Das Wachs aus diesem Film würde ich verwenden, wenn ich kein Naturbauer wäre :-)


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.