Seuchenfreie vs. pestizidfreie Mittelwände

  • Hallo beisammen,


    im Imkerei Onlineshop meines Vertrauens gibt es Mittelwände seuchenfrei zu 11,90 EUR pro kg und Mittelwände pestizidfrei zu 16,60 EUR pro kg, letztere mit Zertifikat und aus afrikanischem Wachs.


    Ich überlege mir, welche der Mittelwände ich verwenden soll. Bei allem was ich über PSM Probleme lese, frage ich mich schon, wie viel Pestizide in dem Wachs enthalten sind, aus dem die "normalen" MW gemacht sind. Das wird wohl eine Mischung aus allen Wachsqualitäten sein, die tausende Imkereien an die Umarbeiter verkaufen, oder?


    Wäre es da eine sinnvolle Investition, pestizidfreie MW zu verwenden?


    Wie ist Eure Meinung dazu? Bin etwas ratlos im Moment...



    Schöne Grüße


    Johannes

  • Ich kaufe nur Bio-Mittelwände mit Zertifikat. Die sind allerdings noch teurer. Aber das ist es mir wert.
    Wachs von afrikanischen Bienen geht gar nicht, finde ich. Kannst du dir da sicher sein, dass es wirklich immer aus verlassenen Behausungen stammt und dafür keine Völker getötet oder ausgeräuchert werden?
    Wenn du bei dir in der Umgebung wenig PSM hast, könntest du ja auch nen eigenen Wachskreislauf anstreben.
    Am Natürlichsten ist es wahrscheinlich, die Bienen immer möglichst viel bauen zu lassen und altes Wachs aus dem Kreislauf zu nehmen. Das erledigt ja sonst die Wachsmotte.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Hallo Kuden-Imker,


    danke.



    Wachs von afrikanischen Bienen geht gar nicht, finde ich. Kannst du dir da sicher sein, dass es wirklich immer aus verlassenen Behausungen stammt und dafür keine Völker getötet oder ausgeräuchert werden?


    Ich kann natürlich nicht sicher sein. Habe aber auch keine Hinweise dass das zutreffen könnte. Kennst Du Indizien die in diese Richtung deuten?



    Wenn du bei dir in der Umgebung wenig PSM hast, könntest du ja auch nen eigenen Wachskreislauf anstreben.
    Am Natürlichsten ist es wahrscheinlich, die Bienen immer möglichst viel bauen zu lassen und altes Wachs aus dem Kreislauf zu nehmen. Das erledigt ja sonst die Wachsmotte.


    Ja, im Prinzip verstanden. Praktisch derzeit und absehbar eher nicht umsetzbar, dafür habe ich nicht genügend Völker: Letztes Jahr eines, nächstes Jahr 6 wenn alle gut überwintern.


    Die Frage stellt sich mir gerade ganz konkret, da ich zeitnah ein paar kg MW für dieses Jahr kaufen möchte.



    Gruß Johannes

  • Kennst Du Indizien die in diese Richtung deuten?


    Nein. Aber wir wissen ja, dass für Geld alles gemacht wird. Und der Wachs soll ja (zumindest nach der Beschreibung, die ich mal gelesen habe) von Wildvölkern stammen und die stehen ja unter keiner Beobachtung.


    Ein weiteres Problem bei nicht-Bio-Wachs ist auch die Anreicherung von Mitteln wie z.B. Perizin, die ja immer noch viel eingesetzt werden.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Hallo Johannes,


    deine Überlegungen hatte ich auch angestellt und mich für pestizidfreie Mittelwände entschieden. Beim Öffnen der Verpackung strömte mir ein starker, angenehm rauchig-wachsiger Geruch entgegen. Dann las ich irgendwo (hier im Forum? Müsste ich nochmal recherchieren), dass solches Wachs in Afrika durch das Ausräuchern von Wildvölkern „gewonnen“ wird, so wie auch Michi schreibt – pestizidfrei sein ist hier eine Sache, ökologisch eine andere.
    Ich will auf keinen Fall vorverurteilen oder Panik machen, ich habe keine belastbaren Quellen. Durch den Rauchgeruch klingt es aber nicht unwahrscheinlich und hat mich sehr nachdenklich gemacht.
    Ich versuche jetzt möglichst ohne Mittelwände auszukommen und habe für den „Notfall“ die Bio-zertifizierten MWs.


    Viel Erfolg und Freude mit den Bienen
    Rieke

  • Und "pestizidfrei" ist auch Auslegungssache. In meinem "pestizidfreien" Wachs waren auch Spuren von Holzschutzmitteln, DDT und sonstwas.
    Ich bezweifel jedoch auch, dass Bio-Mittelwände wesentlich weniger belastet sind.


    Stefan

  • Bei der Umstellung auf Bio-Mittelwände ist aber ein kompletter Wachsaustausch unumgänglich.
    So können z.B. Holzschutzmittel ja gar nicht mehr reinkommen, da ja auch nur bestimmte Lasuren und Lacke zugelassen sind. Auch Perizin und Co sind ausgeschlossen.
    Die Bienen fliegen natürlich nicht in einer isolierten Umwelt und bringen genug Umweltgifte mit.
    Außerdem wird es ja auch nur begrenzt Bio-Mittelwände geben. So kommen wir doch wieder dahin, dass die Bienen selbst bauen müssen.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • dass solches Wachs in Afrika durch das Ausräuchern von Wildvölkern „gewonnen“ wird, so wie auch Michi schreibt – pestizidfrei sein ist hier eine Sache, ökologisch eine andere.


    Natürlicher ist es besser, wenn die Bienen dort des Honigs wegen ausgeräuchert werden und man das Wachs wegwirft. :p

  • Hallo Apibus,


    die Überlegung die du anstellst, hat glaub ich jeder der mit der Imkerei begonnen hat schon mal angestellt.
    Ich hab mich dann dann gegen Biowachs entschieden.


    Das ganze hat mehrere Gründe.


    Ich bin auch nicht konsequent beim Kauf meiner Nahrungsmittel, so esse ich zwar alles regional und saisonal jedoch auch Gemüse aus nicht Bioanbau in dem deutlich mehr PSM stecken wird wie in Mittelwänden. Ich esse gerne Kirschen die ich noch nie bei mir in der Region als Bioware gefunden habe. Das selbe mit Spargel.
    Dann kann ich es nicht beeinflussen wohin meine Bienen fliegen, so habe ich Obstgärten und Raps im Flugkreis.
    Das alles wird gespritzt, so wären meine Pestizidfreien Mittelwände bei der Honigernte gar nicht mehr Pestizidfrei, also rausgeschmissenes Geld in meinen Augen.


    Das einzige wo es Sinn macht, wäre wenn du eine Biozertifizierung haben möchtest, dass du während der Umstellung Biomittelwände einsetzt, jedoch wäre das dermaßen Teuer, das du lieber über das errichten eines eigenen Wachskreislaufes nachdenkst.
    Wobei dieser wahrscheinlich auch nie Pestizidfrei sein wird, da nahezu in allen Ecken irgendwas gespritzt wird.



    Das sind nur meine Gedanken dazu, es muss jeder selbst wissen ob ihm der Preisunterschied wert ist......



    Viele Grüße,


    Maxikaner

  • Beabsichtige als Anmfänger auch, pestiziedfreie/-arme MW zu verwenden. Bei meinen Netz-Recherchen fand ich auch Hinweise darauf, dass solches Wachs aus der Ausräucherung" afrikanischer Bienenvölker stammen kann (ein angefragter Anbieter gab als Herkunft auch ehrlich Afrika an), was ich u. a. aus ökologischen Gründen / wegen mangelnder Nachhaltigkeit ablehne. Möglicherweise könnte derartiges Wachs auch Schadstoffe wie PAK (polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) enthalten, die typischerweise bei Verbrennungsvorgängen wie wohl auch beim Grillen entstehen, die aber bei einer Analyse auf PSM nicht erfasst werden. Habe mich entschlossen, relativ teure MW zu kaufen, die aus deutscher Bioimkerei stammen sollen und hoffentlich keine nennenswerten Anteile afrikanischen Wachses enthalten. Mittelfristig erwäge ich einen eigenen Wachskreislauf.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.