TBE mit weiselrichtigem Brutsammler

  • Liebes Tagebuch,


    gestern war ein schöner, aber auch ein bisschen ein trauriger Tag. Sicherlich weisst Du nicht, was Du unter den Begriffen Brutspender, Dadant, Naturbau und verdeckelter Brut verstehen sollst, aber ich erzähle es Dir trotzdem. ;)


    Entsprachen die Brutspender vor zehn Tagen (Tag 7 gemäss PDF in #1) noch den Erwartungen – je eine Wabe mit verdeckelter Brut – zeigte sich gestern bei allen drei von mir betreuten Brutspendern ein einigermassen unerwartetes Bild: Ein Brutspender (der nur indirekt von mir betreut wird und etwas weniger Futter als die eigenen erhalten hat, weil da alles etwas anderes ist – aber das spare ich mir für meinen Roman auf) hat im Brutraum nur wenig gebaut, aber dafür gleich drei Waben komplett so rasch mit Brut gefüllt, dass ich gestern nicht nur eine oder – wie befürchtet – zwei, sondern gleich drei Brutwaben entnehmen musste. Das war ein etwas bittersüsser Moment, denn dem Volk geht es offenbar ordentlich gut (süss), aber es hat fast sämtliche Brut (nochmals) verloren (bitter). Bei den beiden anderen Brutspendern zeigte sich ein noch überraschenderes Bild: Diese waren an Tag 0 von Zander auf Dadant umgestellt worden und hatten eine Zanderwabe mit offener Brut und eine leere Zanderwabe erhalten, Rest leere Riesenrähmchen mit Anfangsstreifen. Beide hatten in den vergangenen zweieinhalb Wochen je sieben Waben Naturbau errichtet und das letzte (nach Tag 7) verbliebene Zanderrähmchen ordentlich nach unten erweitert! Zudem enthielten nicht nur die Zanderrähmchen, sondern je zwei weitere Dadantwaben (neuer Naturbau) Bretter von verdeckelter Brut! =O Auch diesen beiden Völkern musste ich folglich schweren Herzens je drei Brutwaben entnehmen. :|


    Ich gebe zu, dass ich mich am Abend, als die Maden im Dampfentsafter vor sich hin köchelten, gefragt habe, ob ich nächstes Jahr nicht einfach allen Völkern auf einen Schlag die gesamte Brut entnehmen will, die ich in einem Brutsammler «klassisch» auslaufen lassen und anschliessend «weiterverarbeiten» kann, zumal ich ja so viel Oxalsäure verdampfen kann, wie ich will. Ich finde die Fangwabenvariante zwar eleganter und unterstützenswerter, weil sie ohne Säuren auskommt, aber das mal so durchzuführen, das war für mich halt schon ziemlich hart … ?(


    Danke fürs Zuhören, liebes Tagebuch!

    Dein Tobias

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Am Tag 17 wird nicht alle verdeckelte Brut entnommen sondern nur die beiden ersten Waben. Die Bienen beginnen in der Regel auf den fertigen Waben, dort ziehen die Varroen ein und nur diese Waben werden entnommen.

    Selbstverständlich stiftet die Königin dann auf den neu ausgebauten Waben. Die Varroen sind dann aber bereits in die beiden Fangwaben eingezogen, deshalb ist die Brut auf den neuen Waben einwandfrei.

    Gruß Ralph

  • Kleingartendrohn Das verstehe ich jetzt nicht. Das PDF in #1 sieht doch folgendes Vorgehen für die Brutspender vor: Tag 0 alles Mittelwände oder Anfangsstreifen + Leerwabe + Wabe mit offener Brut. Die beiden letztgenannten sind die Fangwaben. An Tag 7 wird die erste Fangwabe entnommen, nämlich jene, die ursprünglich voll offener Brut war. An Tag 17 wird die zweite Fangwabe, nämlich die ursprüngliche Leerwabe von Tag 0 entnommen. So wollte ich das machen. Ich befürchtete dann aber, dass die «Nichtwaben» von Tag 0 (Anfangsstreifen) an Tag 17 auch schon verdeckelte Brut enthalten könnten, und fragte deshalb, was ich damit machen sollte (#341), und Du hast mir geantwortet, dass diese mit raus müsste (#342). Ich hätte das im Zweifel auch ohne Deinen Hinweis getan und bin deshalb nun total irritiert, wenn Du schreibst, dass die Brut auf den neuen Waben einwandfrei sei. Und mir tun die Bienen leid. ;(

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ja, da habe ich dich missverstanden. Ich habe verstanden, dass zuerst die neue Wabe bebrütet wurde, was eigentlich unüblich ist. Wenn aber die übliche Reihenfolge (Altwabe-Altwabe-Neubau) eingehalten wird, sollten die neuen Brutwaben in Ordnung sein.

    Gruß Ralph

  • Danke, Ralph. Dann habe ich ganz schön Mist gebaut. :(


    Hoffentlich hilft mein Fehler anderen, diesen später nicht zu wiederholen. Wäre ein schwacher Trost. Mann, Mann, Mann …

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Schreiben ist hin und wieder missverständlich...

    Kennt man ja vom Forum hier.


    Einen Trost hast Du swissmix aber: jetzt sollten 95 % der Milben weg sein und die selektierten Schwachmaten werden sicher auch kaum die OXS überleben.


    Insofern war die Radikalkur sicher ein Erfolg.


    Beste Grüße

  • Danke für die netten Worte, Rainer! Mit meinem Eingriff habe ich aber einen ordentlichen Knick in der Entwicklung verursacht, den die Völker bald zu spüren kriegen werden. Die Varroa ist nun sicherlich kein Problem mehr, aber dafür muss ich mich um die Einwinterungsstärke sorgen. Naja, die Völker haben bislang so viel Motivation gezeigt, dass ich hoffe, sie schaffen es (bei nun gestarteter kontinuierlicher dünnflüssiger Fütterung) noch, als gute Völker eingewintert zu werden. We will see.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ob jetzt diese BW mit entfernt oder mittels AS die Brut verätzt und Brutstop


    Schlimmer ist das nun auch nicht.

    Und das schaffen sie wohl noch

    War bloß unnötig, ja

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich hätte noch eine kurze Frage zur TBE :

    In einem der TBE Kandidaten stecken viele reine Futterwaben (DNM 1,5) sollte ich die neue Kiste nur mit MW bestücken, oder kann ich die FW zeitgleich mit oder lieber später wieder hineingeben ? Ich bin mir nicht im Klaren.

    Geplant habe ich TBE zu machen und gleichzeitig meine neu gekauften legenden Kö aus den Mini+ dazuzugeben. Natürlich vorher die alten raus.

  • Es ist vollzogen!!!

    Ich habe nach meinem o. g. Schema die TBE mit Völkervermehrung durchgezogen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
    Auch wenn es zu Anfang etwas gedauert hat, bis die alten Völker mit den alten Königinnen auf den neuen Mittelwänden, mit dem Ausbau und Brutbeginn gestartet sind, freue ich mich hier über jetzt 5-6 Brutwaben auf neuen Mittelwänden.

    Zwischenzeitlich sind in den Brutscheunen alle neuen Königinnen gebildet und in Eilage!:):):)
    Somit ist alles so gelaufen wie geplant. Die erste Varroabehandlung mit dem Oxamaten konnte ich ebenfalls in der brutfreien Zeit durchführen, so dass die Bienen erstmal weitgehend kaum Milben belastet sein müssten.
    Meine Altvölker wie auch meine neuen Völker aus den Brutscheunen sitzen jetzt auf bis zu 10 Rähmchen Dadant US. Ein Unterschied zwischen den Völkern ist mittlerweile nicht mehr festzustellen.

    Für mich wird es noch eine Herausforderung werden, die Königinnen aus den Brutscheunen in der Bienenmasse zu finden um diese zu zeichnen.;) Ist aber im Augenblick auch nicht ganz so wichtig, denn Brut in allen Stadien ist vorhanden.

    Ich freue mich, dass die TBE mit Völkervermehrung bei mir so reibungslos gekappt hat, obwohl ich dieses zu 1. mal praktiziert habe.


    Grüße von der Nordseeküste aus Cuxhaven
    Bernhard

  • Geht doch 👍


    Eindrucksvoll, was nach OXS Behandlung in den Altvölkern vor Brutnestkomplettierung fällt, gegenüber den Brutscheunen, die alle eine Blockbehandlung erhalten. Da zeigt sich, wie effizient diese Methode wirkt; z. B.


    Altvölker - einmalig 10 bis ca. 80 Milben (große Bienenmassen), dann nix mehr;

    Brutscheunen mit jew. BW aus zwei Völkern - ca. 100 bis 300 pro Behandlung (Zunahme pro Behandlung mit jeder Zykluszahl). Die 5. Behandlung liefert dann kaum noch Milbenfall, weil die Brut zu 95 % geschlüpft ist.


    Das zeigt, wo die Varroalast sitzt und warum das Phänomen der sog. Re-Invasion im Spätsommer auftritt...


    Beste Grüße


    Rainer

  • Ich hätte noch eine kurze Frage zur TBE :

    In einem der TBE Kandidaten stecken viele reine Futterwaben (DNM 1,5) sollte ich die neue Kiste nur mit MW bestücken, oder kann ich die FW zeitgleich mit oder lieber später wieder hineingeben ? Ich bin mir nicht im Klaren.

    Geplant habe ich TBE zu machen und gleichzeitig meine neu gekauften legenden Kö aus den Mini+ dazuzugeben. Natürlich vorher die alten raus.

    Eine ordentliche Bauerneuerung bekommt man nur, wenn möglichst wenige Waben drin sind. Also raus damit.

    Darüber hinaus enthalten die Waben jetzt oft viel Blatthonig, sodass die Völker im Winter an Ruhr erkranken können. Ich nehme deshalb grundsätzlich alle Futterwaben heraus und schleudere sie aus.

    Ich lasse die Völker 5 Mittelwände ausbauen und bebrüten und gebe dann die ausgeschleuderten Waben zur Ergänzung zurück. Anschließend wird zügig gefüttert.

    Gruß Ralph