TBE mit weiselrichtigem Brutsammler

  • Hallo zusammen,


    Ich möchte auch gerne eine TBE machen, allerdings mit weiselloser Brutscheune (hab dafür kein passendes Volk), diese würde ich dann gleich bei Erstellung mit AS behandeln, und schwanke zwischen zwei Möglichkeiten. Nächstes WE wollen wir schleudern.


    1. heute TBE mit Fangwabe im Spender, chemische Behandlung erst im Dezember. Ich hätte nur eine knappe Woche bis ich die HR abnehme, würde die Bienenflucht dann trotzdem funktionieren? Ist ja dann noch nicht viel Brut unten.


    2. TBE nach dem Schleudern. Hätte den Nachteil dass mir auch die Bienen aus dem HR dann beim Abfegen im Weg umgehen, was bei Variante 1 entspannter wäre. Ich könnte aber auch zwischen Fangwabe und MS wählen beim Spender.


    Was würdet ihr mir raten?

  • Hallo zusammen, Ich möchte auch gerne eine TBE machen, allerdings mit weiselloser Brutscheune (hab dafür kein passendes Volk)

    Was heisst "passend"? Eigentlich sollte so ziemlich jedes Volk passen (Schwächlinge mal ausgenommen).

    Zitat

    diese würde ich dann gleich bei Erstellung mit AS behandeln

    Macht IMHO keinen Sinn. Bei AS räumen sie sämtliche Brut aus. Da kannst Du auch gleich alles einschmelzen und OS verwenden. :eek:

    Zitat

    Nächstes WE wollen wir schleudern.

    Da wäre Tag0 letzte Woche ideal gewesen.

  • Hallo,


    ich habe dieses Jahr zum ersten Mal bei 5 Völkern eine TBE gemacht. Es heißt ja eigentlich, dass man das 2 Wochen VOR der letzten Honigernte machen soll. Allerdings habe ich mich erst kurz vor der Honigernte überzeugen lassen und es daher zusammen MIT der Honigernte an den letzten Julitagen gemacht bzw. ich habe direkt nach der Honigernte die ausgeschleuderten und nicht erntereifen Honigwaben in den neuen Brutraum gegeben zusammen mit den Drohnenrahmen in denen noch wenige offene Zellen waren. Dann die Bienen inkl. Königin reingefegt. Zu dem Zeitpunkt gab es noch Tracht, was ich an flüssigem frisch eingetragenem Honig gesehen habe. Die Drohnenrahmen habe ich nach 2 Tagen wieder entnommen (waren für eine wirksame Fangwabe zu wenige offene Zellen, Drohnenbrut insgesamt nur Handtellergroß) und die Völker die alle Stifte hatten zusätzlich mit Milchsäure besprüht und eingefüttert. Mitte September standen alle Völker 1A da, haben und bei der Puderzucker-Probe gab es keine einzige Milbe. Schaut für mich bislang nach Erfolg aus.


    Nun frage ich mich warum ich es (nach Lehrmeinung) 2 Wochen vorher hätte machen sollen. Wegen Räubereigefahr bei dem massiven Eingriff aufgrund möglicherweise nicht ausreichender Tracht? Der Honig der in den verbleibenden 2 Wochen eingetragen wird landet dann wohl Großteils um das neue Brutnest und nicht im Honigraum oder? Das würde ich den Bienen ja auch gönnen und zudem ist dieser Honig dann z.T auch noch nicht schleuderreif....


    Meine Ableger und 2 weiselrichtige Brutsammler habe ich am anderen Stand 2 Mal mit AS Langzeitverdunstern behandelt, haben ebenfalls kaum noch Milbenfall. Die Brutsammler hatten überraschenderweise kaum mehr Milben(be)fall als die Ableger.


    ich werde TBE, die mich konzeptionell sehr überzeugt, wohl nächstes Jahr 2 Wochen vor Schleuderung machen, aber würde da gerne von erfahreneren Imkern den Hintergrund für die Zeitspanne erfahren, da es ja sonst auch nicht unpraktisch wäre wenn man direkt genügend ausgeschleuderte Honigwaben zur Hand hat, um den Bienen einen rascheren Brutnestaufbau zu gewährleisten.


    also meine Fragen:


    - Warum 2 Wochen vor Honigernte und nicht gleichzeitig?


    - Was ist besser, Milchsäure oder Fangwaben? (Säureeinsatz vs. tw. Brutabtötung)


    Danke für Kommentare und Erklärungen.


    Grüße aus dem Allgäu

  • Die 2 Wochen vor Trachtende, das man ja nie exakt benennen kann, hat den Sinn, dass die erforderliche Energie aus dem noch verfügaren Nektar gezogen wird, wenn der Neubau errichtet wird. Offensichtlich war bei Dir noch ausreichend "Brennstoff" durch abklingende Tracht und aus den honigfeuchten Waben vorhanden.


    Die Fangwabe funktioniert, hat aber den Nachteil, dass nur ein Teil der Brut auf den Waben verfügbar ist, die dann zum richtigen Zeitpunkt verdeckt wird, so dass die überwiegende Milbenzahl gefangen wird. Möglicherweise ist es auch eine Kapazitätsfrage.


    Den zusätzlichen Einsatz von MS oder OXS halte ich für sicherer.


    Beste Grüße


    Rainer

  • ...Honig der in den verbleibenden 2 Wochen eingetragen wird landet dann wohl Großteils um das neue Brutnest und nicht im Honigraum oder?
    ...nicht unpraktisch wäre wenn man direkt genügend ausgeschleuderte Honigwaben zur Hand hat, um den Bienen einen rascheren Brutnestaufbau zu gewährleisten...
    - Was ist besser, Milchsäure oder Fangwaben? (Säureeinsatz vs. tw. Brutabtötung)


    Dieses TBE-Konzept beruht darauf, der Kö. über einen definierten Zeitraum einen definierten (=begrenzten) Raum zum Stiften zur Verfügung zu stellen und damit die geschlechtsreifen Varroen in diesem definierten Raum zu konzentrieren - eben dadurch, daß im BR kein anderer Platz zum Stiften/Unterschlüpfen vorhanden ist. Damit fehlt zwangsläufig auch Raum zum Einlagern von Nektar oder gar Honig. Lagerkapazitäten dafür gibt es nur über dem ASG im HoR - dort, wo Imker ihn ernten will. Es geht in der Fangwabenphase eben gerade nicht darum, einen raschen Brutnestaufbau in der klassischen Kugelform (also über mehrere Waben) zu ermöglichen, sondern die Milben in möglichst wenig Fangwaben zu konzentrieren.
    Den prinzipiellen Vorteil der Fangwabenmethode gegenüber jeglichem Varroazid-Einsatz hat Kleingartendrohn bereits in seinem PDF (#1) beschrieben: Schlechtestenauslese statt Bestenauslese der Varroen zur weiteren Vermehrung. Engpässe in der Terminplanung können Kombination der TBE mit TAM-Einsatz erfordern, weichen dann aber naturgemäß vom prinzipiellen Vorteil der Fangwabenmethode ab.
    Die 2-Wochenfrist vor Trachtende ergibt sich m.E. zunächst aus der Fangwabenphase in den Brutspendern. Außerdem ist bei Tracht der Bautrieb ausgeprägt und gewünschte Bauerneuerung läuft wie geplant. Verflug ist wegen der "ausgetrampelten" Trachtwege kaum ein Problem, Spurbienen suchen allenfalls dort, wo sie sollen: in der Tracht, nicht in den Nachbarvölkern. Und schließlich: Nach Trachtende und etwas Bearbeitungszeit des Nektars (Tag 17) können die HoR der Brutspender ausgeschleudert und zur Fütterung bzw. BrR-Komplettierung eingesetzt werden.
    Weitere Vorteile dabei: Frühzeitigste Milbenreduktion (mind. 14 Tage vor Einsatz herkömmlicher Varroazide möglich, die ja Karrenzzeiten bis zur nächsten Honigernte erfordern), Option für Spättracht bleibt erhalten (keine Karrenzzeiten).


    Vielleicht äußert sich Kleingartendrohn noch einmal selbst zu seiner Konzeption der TBE.

  • Zwei Wochen vor Trachtende, weil dann erst mal keine Bienen zur Brutpflege abgestellt sind und somit ALLE Damen zur Verfügung stehen, um die Tracht einfahren zu können. Später geht es aber auch, nur nimmt man diesen Effekt nicht mit. Soweit das, was ich dazu gelernt habe.


    Kikibee

    Auf der Suche nach der Bee-Life-Balance.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 3-5.2.2023 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda. :daumen:

  • Diesen ertragssteigernden Einfluß der Brutentnahme hat Dr. Radtke in seiner Dissertation von 2010 nachgewiesen:
    http://www.imkerverein-heidelb…lliferaaufdieLeistung.pdf




    p.s.: Einen weiteren Vorteil der TBE könnten Geizimker darin erblicken, durch den anschließenden demografischen Knick mglw. Futter einzusparen(?). Zu sammeln gibt es in der Zeit des Knicks i.d.R. nicht mehr viel und die Zahl der räuberischen Kundschafter wäre auch beschränkt, weil die TBE-Bevölkerung vorrangig noch mit Wabenbau und Brutpflege beschäftigt ist.

    Einmal editiert, zuletzt von ribes () aus folgendem Grund: p.s.

  • In den letzten Jahren habe ich immer erlebt, dass das Winterfutter im Frühjahr dunkel war. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit, aus den Brutsammlern dunklen Honig auszuschleudern (leicht säuerlich und sehr malzig: Blatthonig). Dieser Honig wird nach der Lindentracht eingetragen, die hier als letzte Tracht gilt.
    Aus den Brutspendern konnte kein derartiger Honig gewonnen werden, nur aus den Brutsammlern. Deshalb werde ich vom nächsten Jahr an versuchsweise bei den starken Völkern die Brutentnahme nach hinten auf Anfang August schieben. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine gründliche Restentmilbung am vorangegangenen Jahresende.
    Knackpunkt für die späte Brutentnahme ist eine ausreichende Erbrütung von Winterbienen. Ich schätze ein, dass das in der Segeberger Beute möglich ist. Bei der Brutentnahme werden alle verdeckelten Brutwaben entnommen und eine OS-Behandlung wird durchgeführt. Damit werden alle Brutmilben und der größte Teil der phoretischen Milben entfernt. Der letzte Rest der Milben wird mit einer zweiten Entnahme verdeckelter Brut nach 7 Tagen noch einmal reduziert.
    Die entnommene Brut läuft in den Brutsammlern über dem Absperrgitter aus. Diese Waben sind erst Anfang September brutfrei und können entnommen werden. Gleichzeitig werden dort alle verdeckelten Brutwaben entnommen und eine OS-Behandlung wird durchgeführt. Nach 7 Tagen werden die restlichen verdeckelten Waben entnommen. Bei diesem Verfahren haben die Brutsammler erst ab Mitte September Gelegenheit, eigene Winterbienen zu erbrüten. Ich schätze aber ein, dass wegen der großen Bienenanzahl in diesen Völkern genügend Winterbienen vorhanden sind.
    Die späte Brutentnahme nach dem oben beschriebenen Schema ist ein Plan, dessen Eignung bisher nicht erprobt ist. Damit ist aber eine späte Honigernte von Blatthonig möglich und ein allzu großer Eintrag von Blatthonig in das Winterfutter wird vermieden.
    Ich werde darüber berichten.


    Gruß Ralph

  • herzlichen Dank für die wertvollen Tipps und Erfahrungen.


    Ich war erstaunt wie rasch nach der Entnahme der Brut wieder ein komplett anmutendes Brutnest in den ausgeschleuderten Waben war. Gilt einiges abzuwägen. Bei Fangwabeneinsatz scheint tatsächlich der frühere Termin besser.


    schöne Grüße

  • Hallo Ralph


    ich bin dankbar für deine Ausführungen und ich sehe es auch so wie du, die TBE erst Mitte August durchzufüheren und dieses Jahr wäre sie auch Ende August zurecht gekommen. Da ich die TBE bisher noch nicht durchgeführt habe, muß ich sagen dieses Jahr hätte ich sie durchführen sollen. Seit Anfang Oktober treten in vielen Völkerern verstärkt Varroaschäden auf, Trotz mehreren Verdampfungen von OS. Ich werde das nächstes Jahr so machen wie du es beschrieben hast und hoffe für diesen Winter das Beste.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • In den letzten Jahren habe ich immer erlebt, dass das Winterfutter im Frühjahr dunkel war. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit, aus den Brutsammlern dunklen Honig auszuschleudern (
    Aus den Brutspendern konnte kein derartiger Honig gewonnen werden, nur aus den Brutsammlern...
    Knackpunkt für die späte Brutentnahme ist eine ausreichende Erbrütung von Winterbienen. Ich schätze ein, dass das in der Segeberger Beute möglich ist. Bei der Brutentnahme werden alle verdeckelten Brutwaben entnommen und eine OS-Behandlung wird durchgeführt. Damit werden alle Brutmilben und der größte Teil der phoretischen Milben entfernt. Der letzte Rest der Milben wird mit einer zweiten Entnahme verdeckelter Brut nach 7 Tagen noch einmal reduziert...


    1. Der Spätsommer + Herbst 2016 ist hier besonders günstig für diese Variante gewesen. Ich hatte sogar i.d.R. 2 Waben voller reifem dunklem Honig/Brutspender. Der September war zu 2/3 geradezu hochsommerlich warm. Bei einer Kältewelle bereits im September würde es zumindest in den handelsüblichen Holzbeuten riskant?
    2. Ralph: Dein ursprüngliches Konzept bleibt bei den Brutspendern bis Tag 7 erhalten? In den Sammlern läßt Du dagegen den Brutraum bis Anfang September unberührt und beginnst dann erst so zu verfahren wie zuvor mit den Spendern? Was kann mit den jeweils am Tag 7 entnommenen Fangwaben geschehen, um diese Brut noch zu retten? -> z.B. in einem weiteren Sammler vom Sammler, der dann z.B. mit AS traktiert würde, die nach Meinung vieler gut in die verdeckelte Brut hineinwirken soll? Oder mittels OX-Blockbedampfung, die ja in verschiendenen EU-Ländern zugelassen ist?

  • Ich bin ja auch noch einen kurzen Zwischenbericht von meiner TBE schuldig.


    Man muss ganz klar sagen, dass die TBE deutlich mehr Arbeitsaufwand bedeutet als AS reinzukippen. Materialaufwand ist auch nicht zu unterschätzen.


    Die Völker haben sich sehr gut erholt. Kein Verglich mit AS, wo drei/vier Wochen keinerlei Brut in den Völkern ist und auch schon mal eine Königin über den Jordan geht.


    Bei der Probe mit der CO2-Methode sind keine Milben gefallen.


    Den oben erwähnten säuerlichen Honig haben wir auch. Wer weiss was das sein könnte?


    Bin gespannt auf die Auswinterung.


    PS: ribes: was ist "TAM"?

  • Entschuldigung! ->: TAM = TierArzneiMittel (ich meinte in o.g. Zusammenhang: Varroazide, also auch die nicht apotheken-/=eintragungspflichtigen). Ich schaffe es noch immer nicht, dies im Glossar einzutragen. Kann das Jemand übernehmen oder mir sagen, wo es steht, wie man das macht?

  • TBE deutlich mehr Arbeitsaufwand bedeutet als AS reinzukippen. Materialaufwand ist auch nicht zu unterschätzen.


    Wenn man die komplette TBE nur mit dem Kippvorgang von AS (also Äpfel mit Birnen) vergleicht, dann ja. Wenn man aber wirklich alles zusammenzählt (bei AS auch das tägliche Auszählen des Milbenfalles bis dessen Einpendeln zum natürlichen Totenfall), sieht das schon anders aus. Wenn man den zusätzlichen Arbeits- und Materialaufwand für die - bei AS gesondert vorzunehmende - Waben-/Bauerneuerung hinzurechnet, erst recht.