Wildbau - ein Problem im Frühjahr? (Achtung Anfänger!)

  • Hallo miteinander!


    Vor einigen Tagen habe ich endlich noch die Oxalsäurebehandlung an meinem beiden Jungvölkern gemacht. Letztendlich habe ich dann gar nicht mehr geguckt, ob noch Brut da war, weil es ja nun auch egal war.


    Allerdings habe ich mir einen schnellen Blick unter die Zarge genehmigt, nachdem ich seit Anfang Oktober keine Wabe mehr gezogen habe und lediglich regelnässig den Milbenfall kontrolliert habe.
    Und siehe da: Massenweise Wildbau! Der Unterboden ist reichlich ausgebaut.


    Der Wildbau war bereits im Sommer da und ständig voller Brut. Er ließ sich auch durch weitere Mittelwände nicht vermindern, außer ich hätte die gesamte Zarge ausgeräumt und dabei viel Brut vernichtet.


    Die Wintertraube hängt nun ganz tief in den Boden hinunter, bzw. ist in den Wabengassen von oben nur schwerlich zu sehen. Die Traube sitzt so dicht, daß kein einziger Tropfen der OS-Lösung "durchgefallen" ist.
    Für den Winter ist das ja vermutlich gar kein Problem.


    Aber: Muß ich mich für´s Frühjahr auf irgendwelche Schwierigkeiten einstellen?
    Und: Was ist zu tun?


    Vielen Dank & beste Grüße!


    Frau Brezel
    (2 Jungvölker einzargig in Zander)

  • Hallo FrauBrezel,
    natürlich ist eine Antwort auf Deine Frage stark rückwärtsgewandt.
    So nach der Art, Du hättest besser das oder das getan ……
    Die Probleme werden bei der ersten notwendigen Durchsicht im Frühjahr auftreten.
    Der Wildbau ist nach meiner Erfahrung sicher nicht exakt parallel zu den Rähmchen gebaut, also wirst Du den Unterbau im Frühjahr, möglichst bald, entfernen müssen. Zarge kippen, Bienen mit wenig Rauch nach oben treiben und mit dem Stockmeißel den schwarzen und mehrfach bebrütetet Wildbau entfernen.
    Besser wäre gewesen diesen Wildbau vor dem Auffüttern zu entfernen und noch besser wäre es gewesen Deinen Ablegern aus dem Mai rechtzeitig eine zweite Zarge mit MW aufzusetzen.
    Bienen wollen bauen.
    Gruß Stockmeisel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo Frau Brezel,
    wenn Du im Frühling früh erweiterst, dann werden die Bienen nach oben ziehen (...der Wärme nach) und dann von oben nach unten das Brutnest ausdehnen. Du hast dann genug Zeit eventuell noch vorhandene Brut im "Untergeschoss" auslaufen zu lassen und dann - wie von Eisvogel beschrieben - den Wildbau zu entfernen.


    Bleibt noch die Frage, warum soviel Wildbau angelegt wurde? Imkert man mit hohem Boden, dann muss man den Bienen "oben" immer genug Raum geben. Oder es muss eine Bausperre rein. Zwei Magazine heißt übrigens nicht automatisch genug Raum. Ich habe schon Anfänger gesehen, die wie die Wilden gefüttert haben - und die Bienen haben eingebunkert was das Zeug hielt. Bis dann das Brutnest noch unten in Wildbau angelegt werden musste, weil oben alles voll mit Futter war. Man kann's auch zu gut meinen :wink:


    Gruß hh

  • Hallo Frau Brezel!


    Wildbau ist überhaupt kein Problem. Den Winter über und im Frühjahr frisst sich die Bienentraube immer weiten nach oben, der Wildbau wird frei und kann problemfrei entfernt werden. Etwa Anfang April ist die Bienentraube am weitesten oben. Den Zeitpunkt zum Entfernen sollte man nicht übersehen. Das Entfernen geht ganz schnell, noch bevor der Deckel geöffnet wird, wird die Zarge angehoben, ein paar Rauchstöße hinein und mit dem Stockmeißel abschaben.


    Bei einzargigen Völkern im Frühjahr nicht auf die Futterkontrolle vergessen, ansonsten könnte jede Mühe umsonst gewesen sein.


    MfG
    Honigmaul


  • So ist es!


    Nächsten Saison vorzeitig reagieren. Passiert einfach mal:wink:

  • Toll! Danke!
    Das ist wirklich perfekt, wenn man so viele gute und ineinander schlüssige Antworten bekommt! Danke!


    Es war tatsächlich so, daß im Laufe des Sommers das Brutnest überlagert worden ist durch die Futtereinlagerungen. Ich hatte, als ich die Jungvölker übernahm, keinerlei Info mitbekommen - leider auch nicht im Imkerkurs (0 komma 0!) -, wie man ein Jungvolk auffüttert. Ich hab dann halt "herumgeschustert" mit Hilfe von Büchern und den Monatsbetrachtungen von Pia Aumeier und mich durchgetüftelt.
    So sind eben einige Fehler passiert, u.a. daß eben der Brutraum durch zu große Futtergaben überlagert wurde. Ständig habe ich mir Sorgen gemacht, ob sie noch Platz finden für Brut, habe Mittelwände eingehängt, eine obere Zarge mit Rähmchen angeboten usw., alles sinnlos: Die Völker wollten nicht oben weiterbauen. Naja.
    Auf Nachfrage bezüglich des Wildbaus meinte mein Kursleiter, den könne ich ruhig hängenlassen, wenn Brut drin sei (lediglich Drohnenbrut sei zu entfernen).
    Ein Sommer voller neuer Lernerfahrungen...
    Naja, die Damen haben das Problem auf ihre Weise gelöst. Und: Offensichtlich sind beide Völker wesentlich stärker, als ich das von oben per Blick in die Wabengassen gesehen habe.
    Dann werd ich im Frühjahr mal tapfer dem Wildbau zu Leibe rücken.
    Zur Futterkontrolle: Der Futterteig liegt schon für den Notfall bereit (das wird wahrscheinlich eine rechte Tiefschneewanderung im Februar/März...
    Beste Grüße & herzlichen Dank!
    Frau Brezel

  • Zitat

    So sind eben einige Fehler passiert, u.a. daß eben der Brutraum durch zu große Futtergaben überlagert wurde. Ständig habe ich mir Sorgen gemacht, ob sie noch Platz finden für Brut, habe Mittelwände eingehängt, eine obere Zarge mit Rähmchen angeboten usw., alles sinnlos: Die Völker wollten nicht oben weiterbauen. Naja.


    Hallo!


    Ich sehe da überhaupt keinen Fehler, das Brutnest wurde allmählich nach unten gedrückt, somit der Pollenkranz mit Futter überlagert und konserviert. Das hat die Idealvoraussetzung für den Frühling geschaffen. Solange die Bienen unten anbauen können, stellt sich das Problem nicht richtig.


    Ob ein Ableger ein- oder zweizargig überwintert wird, entscheide ich immer bis spätestens 15. August. Eine Erweiterung sollte ja für die Bienen eine Entlastung und nicht eine Belastung sein. Meistens entscheide ich mich für die zweizargige Überwinterung (hat keine besonderen Vorteilen, nur dass man sich im Frühjahr wegen der Futtervorräte keine Sorgen machen muss), so hänge ich ein oder zwei Brutwaben nach oben und gebe einen ordentlichen Futterstoß (5 Liter), sodass richtig Schwung in die Bude kommt. Ein kräftiger Futterstoß ist in diesem Fall besser wie mehrere kleine. Beim großen werden zwar die freien Zellen im Brutnest auch zugekleister, aber es setzt sofort der große Bautrieb ein und nach kurzer Zeit werden die Zellen im Brutnest wieder geleert. Bei mehreren geringeren Gaben werden die freien Zellen laufend zugepappt, denn zu klein dürfen sie auch wieder nicht sein, denn sonst würde die obere Zarge nicht voll.


    Wenn einmal ein starker Futterkranz zwischen dem Brutnest und den neu aufgesetzten Waben besteht, dann gehen die Bienen nur ungern hinauf. Das dürfte bei dir der Fall gewesen sein, denn sie können ja nicht wissen, dass der Imker anschließend großzügig mit Futter kommt. Sie richten sich eben unten für den Winter ein.


    Nach deiner Beschreibung dürftest du genügend Futter verabreicht haben. Im Feb/März ist der Futterverbrauch sehr gering. Da wird es noch zu keinen Problemen kommen. Aber eine Futterkontrolle schaden nie. Ein Blick unter die Folie genügt, sind noch verdeckelte Futterecken zu sehen, dann passt alles.


    Gefährlich wird es erst im April. Da steigt der Futterverbrauch rasant an, viel Brut braucht viel Futter. Da sollte man sich von der vermeintlichen guten Trachtlage nicht täuschen lassen.



    MfG
    Honigmaul

  • Hallo retour!
    Danke für die beruhigenden Worte!
    Und genau dies sind die hilfreichen Handlungsbeschreibungen, derer ich während des Sommers zuweilen bedurft hätte!
    So macht man halt zunächst als Anfänger seine Beobachtungen, blickt zwar nicht, was wie weshalb warum so ist, wie es ist und ist eh zunächst VÖLLIG überfordert beim Blick in die Beute (Adrenalin plus Schweißausbruch plus Bienengesummse plus Rauch plus 1001 Infos, die sich nicht verbinden lassen). Dann sortiert man seine Gedanken, schreibt alles auf, was man mal wieder gemacht hat, hirnt daheim weiter, liest, fragt - und so langsam versteht man zumindest, was man nicht verstanden hat...
    Jetzt habe ich zumindest den "Vorgang Jungvolk zwischen Mai und Dezember" einigermaßen (d.h. "rückwärtsgewandt") verstanden und rudere bereits - als Trockenübung, versteht sich - prophylaktisch für´s Frühjahr 2015.
    Noch kann ich nicht viel mehr tun, als mir einen Arbeitsplan auszuhecken, der dann in sorgfältiger Abstimmung mit der Witterung und und den Beobachtungen am Volk "abgespult" wird und der dann jeweils Grundlage alles Weitere ist.
    Von wahrhaft "durchdringendem Verständnis" für alle komplexen Zusammenhänge sowohl im Volk an sich als auch zwischen Volk, sonstigem "Außen", Bienenhalter (-oder gar einer bienenhalterischen Meinung!) bin ich noch weeeeiiiiiiiiit entfernt. (Trotzdem gibt es nichts, was mich dieses Jahr glücklicher gemacht hätte!)


    In diesem Sinne ist es sehr hilfreich, schon im Vorhinein zu wissen, was passieren kann, sollte oder muß.
    Gruß & Dank!


  • So sind eben einige Fehler passiert, u.a. daß eben der Brutraum durch zu große Futtergaben überlagert wurde. Ständig habe ich mir Sorgen gemacht, ob sie noch Platz finden für Brut, habe Mittelwände eingehängt, eine obere Zarge mit Rähmchen angeboten usw., alles sinnlos: Die Völker wollten nicht oben weiterbauen.
    Frau Brezel


    Hallo Frau Brezel. Wenn die Bienen nicht in der oberen Zarge bauen wollen, so hilft das hochhängen von 2-3 Brutwaben. Dabei dürfen die ansitzenden Bienen auch mitgenommen werden. Die leer gewordenen Stellen in der unteren Zarge werden mit Mittelwänden wieder aufgefüllt. Die nach oben gehangenen Brutwaben als Block in der Mitte zusammen schieben und den Rest mit Mittelwände auffüllen.
    Und bei weiterer Jungvolkbildung immer Bausperren in die Hochböden einlegen.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Grüßgott miteinander!


    Ich will kurz ein kleines Update geben, was mit meinem Wildbau-Problem vom letzten Herbst passiert ist - und gleich wieder um einen Rat bitten... :)


    Vor drei Wochen habe ich nun - wie empfohlen - den Wildbau unter beiden Völkern herausgekratzt. Es war kein Problem - noch keine Brut drin - und auch die Bienen ließen sich ohne Problem mit Rauch nach oben treiben.
    Beide Völker waren - soweit ich das überhaupt beurteilen kann (???) - gut über den Winter gekommen, aber nicht sehr groß.


    Futter ist bei beiden Völkern noch - mehr oder minder - genug da (ich behalte das im Auge). Die Völker stehen zwischen Wald und Obstbaumwiesen - es kann sich also mit der Blütenfülle nur noch um Tage handeln... insgesamt war es aber in den letzten zwei Wochen sehr kühl und regnerisch/stürmisch mit Schnee.


    Heute nun wollte ich beide Völker durchsehen und dann den Brutraum erweitern -
    aber siehe da: Wieder massenweise Wildbau! Aber noch mehr als vorher!
    Das Problem:
    Die Völker waren bereits so riesig, daß sie sich auch mit viel Rauch nicht mehr nach oben treiben ließen: Es gab schlicht keinen Platz, oben staute sich auch schon alles. (Rechts und links waren noch verdeckelte Futterwaben.)


    So konnte ich dann auch keine richtige Frühjahrsnachschau machen - es waren einfach zu viele Bienen auf zu engem Raum. Die Brutwaben ließen sich wegen des Wildbaus nicht nach oben ziehen - ich hätte sicherlich viel Brut zerstört - und ich stand eh schon in einer schwarzen, leicht genervten Bienenwolke...
    Aber: Was hätte ich auch schauen sollen??? Daß die Völker gut dabei sind, war ja offensichtlich.


    Nunja, ich hab dann die zweite Zarge aufgesetzt (eine Futterwabe von unten nach oben mittig gehängt, dafür einen Baurahmen unten seitlich rein) und alles mal so gelassen wie es ist.
    Nach zwei Stunden habe ich nochmal gespickelt - da saßen dann schon einige Bienen oben und haben sich die Futterwabe "angeschaut".


    Ich "hoffe" (naja!) jetzt mal, daß das Brutnest nach oben wandert, die Brut unten ausläuft und sich dann der Wildbau unten rausnehmen lässt...
    Gäb´s vielleicht noch etwas, was ich beachten müsste?


    Sehr amateurhafte Grüße aus dem Resmtal - was für ein Wolkenhimmel heute! :)
    Frau Brezel


  • Und siehe da: Massenweise Wildbau! Der Unterboden ist reichlich ausgebaut.


    Wie sieht dein Unterboden aus, fehlt da die Bausperre ? Kannst du ein Foto einstellen ?


    Vielleicht kann der Remstalimker helfen .

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Ja, nur hab ich es LEIDER vor drei Wochen versäumt, gleich eine Bausperre einzusetzen! (Verflixt und zugenäht!)
    Jetzt bekomm ich natürlich (vorläufig) keine mehr rein.


    Ich hab die Dynamik im Frühjahr völlig unterschätzt. Weil das Wetter so grauenhaft war, kam ich gar nicht auf die Idee, daß die Fräuleins derartig loslegen...

  • Jawohl, das auch! Ganz offensichtlich!
    Ich hab die Völker nicht am Haus und muß immer eine ganze Ecke fahren um nach dem Rechten zu schauen. Dazuhin waren die Ansagen in meinen diversen Imkerbüchern, was den richtigen Zeitpunkt Zeitpunkt der Erweiterung betrifft, sehr verschieden.
    Naja, dies nur zur Erklärung - nicht zur Entschuldigung ;)